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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Mann Das Auge der Königin -

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11664-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11664-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Reise, wie sie noch kein Mensch unternommen hat

Hundert Jahre nach dem Beginn der interstellaren Raumfahrt stößt die Menschheit auf eine andere intelligente Spezies: die Pe-Ellianer. Sie sind menschenähnlich, dreieinhalb Meter groß und gehen aufrecht, aber sie stammen von Insekten ab und machen in ihrem Leben wiederholt Häutungen durch, bevor sie ihr Erwachsenenstadium erreichen; Häutungen, die sie psychisch und physisch verändern. Obwohl es zuerst den Anschein hat, als hätten sie keine nennenswerte Technologie, verfügen sie über Kräfte, die verhindern, dass irdische Raumschiffe in gewisse Bereiche eindringen. Marius Thorndyke, der führende Experte in außerirdischer Linguistik, und sein Assistent Thomas Mnaba reisen zum Planeten der Pe-Ellianer, um den Kontakt vorzubereiten. Und Thorndyke wird sehr bald klar, dass es nur eine Möglichkeit gibt, die komplexe Zivilisation dieser Aliens zu verstehen: Er muss versuchen, einer von ihnen zu werden …

Phillip Mann wurde 1942 in Northallerton, Yorkshire geboren und lebt seit 1969 in Neuseeland. Von 1970 bis 1998 unterrichtete er Theaterwissenschaften an der Victoria University of Wellington, diesen Posten gab er auf, um sich anderen Projekten zu widmen. 1982 erschien sein erster Roman „Das Auge der Königin“, der den Auftakt zu einer Reihe weiterer SF-Romanen bildete (z. B. „Der Herr von Paxwax“, „Der Fall der Familien“, „Pioniere“, „Wolfsgarn“ und die „Ein Land für Helden“-Tetralogie). Ab Mitte der 1990er Jahre schrieb Mann keine Science Fiction mehr, um sich vor allem dem Theater zu widmen; erst 2013 kehrte er zu diesem Genre zurück.
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MARIUS THORNDYKE HATTE VON ANFANG AN MIT DEM PE-ELLIA-KONTAKT ZU TUN. ER BEFAND SICH NACH LANGJÄHRIGER ARBEIT BEI DER CLI SEIT ZWEI JAHREN IM RUHESTAND UND LEBTE IN SEINER PARISER WOHNUNG, ALS DAS ERSTE SCHIFF VON PE-ELLIA AUF DER ERDE EINTRAF. ALS FÜHRENDER KONTAKT-LINGUIST WURDE ER SOFORT DAVON IN KENNTNIS GESETZT, UND MAN TRAF DIE NÖTIGEN VORBEREITUNGEN, UM IHN MIT EINER SONDERMASCHINE ZUM RAUMFAHRTZENTRUM IN WASHINGTON ZU FLIEGEN.

ICH HIELT ES FÜR RICHTIG, DIESEN BERICHT MIT DEN NOTIZEN ZU BEGINNEN, DIE ER AN JENEM ERSTEN TAG GEMACHT HAT. SIE SIND NICHT TEIL DER TAGEBÜCHER, DIE MIR VON PE-ELLIA ÜBERBRACHT WURDEN.

2. April 2076. Gott mag wissen, was los ist. Ganz Paris scheint ein einziger, gigantischer Verkehrsstau zu sein. Auf den Straßen wird behauptet, dass die Erde angegriffen wird, doch ich glaube das nicht. Ich habe mit außerirdischen Intelligenzen gesprochen, und falls es einer, die mächtig genug ist, die Erde anzugreifen, gelungen sein sollte, unsere Verteidungssysteme zu durchbrechen, würden wir alle jetzt auf dem Rücken liegen wie tote Fliegen. Oder unsere blau, braun und grün schimmernde Erde würde dunkelrot glühen.

Aber irgend etwas Entscheidendes ist geschehen.

Alle Nachrichtenverbindungen sind zusammengebrochen. Aus den Fernsehempfängern ertönt nichts anderes als die ›Marsaillaise‹ – und das hilft niemandem weiter.

Zeit, zu gehen.

(13.15 Uhr) Die Stille im Flugzeug ist unbeschreiblich nach dem Tumult von Paris. Ich bin der einzige Passagier. Es herrscht auch Ruhe hier. Ich habe gerade ein Videoband gesehen, und die Situation ist mir klarer geworden.

Irgend etwas ist im Staat Utah gelandet.

Wie, das weiß niemand, doch dieses Etwas hat es geschafft, an allen unseren Warnstationen vorbeizugleiten und nicht eher entdeckt zu werden, bis es von einem Ingenieur, der im Lagrange 5-Torus arbeitete, tatsächlich gesehen wurde. Das ist nun wirklich unglaublich. Auf jeden Fall: er bekam einen Heidenschreck, als er diesen grünen Ballon auf sich zukommen sah. Er funkte sofort eine Meldung zur Erde. Die Erde setzte sich mit dem Mond in Verbindung und jemand drückte auf den Alarmknopf.

Die Daten kommen noch immer herein. Die Garfield-Peitsche ist kein Spielzeug, mit dem man in seinem Hinterhof spielt. Und wer, außer einem Schwachsinnigen, würde nicht einsehen, dass eine Spezies – welche auch immer –, die unsere Verteidigungssysteme umgehen kann, auch in der Lage ist, die Peitsche zu neutralisieren?

Es sieht alles sehr finster aus. Ich weiß, dass Chicago zerstört worden ist, und der Sender von Porte Verde auf der anderen Seite des Mondes, verstummte mitten im Satz. Es soll auch in Brasilien einiges passiert sein, doch ich weiß noch nicht was.

Wir haben eine Verbindung mit Utah herstellen können; die Signale kommen durch, doch die Bildqualität ist unter aller Kritik. Alles, was ich sehe, ist etwas Grünes gegen einen grellweißen Hintergrund.

Jetzt ist das Bild völlig auseinandergefallen, und ich muss auf den Nägeln kauen und warten.

(23.30 Uhr) Utah. Da ist es also. Grün und glänzend und so reif wie ein Granny Smith-Apfel. Das Licht der Scheinwerfer, die es von allen Seiten anstrahlen, lässt es fast zerbrechlich wirken.

Es ist eins der größten Artefakte, die ich je gesehen habe. Man hat mir erklärt, dass es einen Durchmesser von 876 Metern hat und sich von Minute zu Minute ein wenig zusammenzieht oder ausdehnt.

Doch seine Größe ist nicht das Wesentliche. Was uns frappiert, ist die Tatsache, dass es nicht gelandet ist, sondern zehn Zentimeter über dem Boden schwebt. Warum?

Tomas Mnaba wird morgen von Camellia kommen, und Ceto de Pendragolia ist bereits auf dem Weg von Tiger Lily. Celia Buxton hat sogar ihre Bücher im Britischen Museum im Stich gelassen, um zu uns zu stoßen. Andere treffen Stunde um Stunde hier ein, so dass sich ein ziemlich beeindruckendes Experten-Team des CLI hier versammelt. Wir haben ein provisorisches Hauptquartier eingerichtet.

Wir sind uns jedoch alle darüber im Klaren, dass die Initiative nicht bei uns liegt und dass wir die Entwicklungen abwarten müssen.

Ich komme gerade von einer militärischen Einsatzbesprechung zurück. Die Soldaten halten sich zurück. Anscheinend war die Zerstörung von Teilen der Erde und des Mondes nicht das Werk dieser Aliens, wie wir angenommen hatten. Es war eine Nebenwirkung des Einsatzes unserer eigenen Garfield-Peitsche. Ich habe bereits bekanntgeben lassen, dass ich zu dieser Frage eine Besprechung unter den führenden Leuten erwarte.

Jetzt sitzen wir hier und warten. Wir hoffen alle, dass die grüne Kugel Leben enthält, denn dann können wir mit der Kontaktaufnahme beginnen, und das ist schließlich unser Geschäft. Wir alle spekulieren, dass das, was dort draußen dicht über dem Boden schwebt, von jenem Kind unserer Theorien zu uns gesandt wurde, der Spezies X.

(07.15 Uhr) Kontakt.

Irgend etwas hat uns eben auf Englisch angesprochen. Ein schwarzer Punkt ist in der glatten Oberfläche der Kugel erschienen und hat sich zu einem Loch erweitert. Eine Tür öffnete sich wie ein ovaler Mund. Irgend etwas bewegte sich dort. Wir konnten es nicht erkennen, und alle unsere elektronischen Instrumente fielen aus. Doch hörten wir die Stimme laut und klar. Ein wenig metallisch. Nicht unangenehm.

»Wir kommen in Friedfertigkeit, suchen keine Gewalt oder die Beendigung von Leben. Wir möchten mit dem sprechen, den ihr Marius Thorndyke nennt.«

Ende der Mitteilung.

Jetzt blickten alle Augen auf mich.

KOMMENTAR

Die Geschehnisse jenes Tages sind, dessen bin ich sicher, noch klar in unser aller Erinnerung. Ich war auf Camellia, als die Nachricht von dem außerirdischen Besucher durchkam. So genoss ich die Ereignisse auf der Erde sozusagen aus der Vogelperspektive.

Es gibt nur drei Punkte, die ich hinzufügen möchte, um Thorndykes Schilderung abzurunden. Der erste bezieht sich auf die Garfield-Peitsche.

Zu dem Zeitpunkt, an dem Thorndyke seinen Bericht schrieb, galt die Garfield-Peitsche noch als eine Waffe, die der höchsten Geheimhaltungsstufe unterlag, und bis heute hat noch niemand öffentlich bekannt, was für ein Glück die Erde hatte, den Einsatz der Peitsche selbst zu überleben.

Die Peitsche ist das militärische Kind jener Garfield-Gleichungen, die es uns ermöglichen, von einem Sternsystem zum anderen zu reisen. Mit Hilfe von Schwerkraftgeneratoren werden Raum-Zeit-Wirbel erzeugt, die gegen spezifische Objekte gerichtet werden können. Diese ›Rückstaus‹ können jedoch, wie Frankenstein, nicht rückgängig gemacht werden, wenn sie einmal geschaffen wurden. Die Verwerfung der Raumstruktur ist permanent.

An jenem schicksalsschweren Tag, als das Schiff der Pe-Ellianer in die Erd-Umlaufbahn einschwenkte, wurde die Peitsche aktiviert. Wie wir später erfuhren, konnte das Schiff der Pe-Ellianer aufgrund seiner Beschaffenheit davon nicht beschädigt werden. Der Schlag der Peitsche wurde deflektiert. Ein geringer Teil der abgelenkten Ladung streifte den Mond. Ein noch kleinerer Teil wurde von der Erde absorbiert. Die Hauptladung verließ unser Sonnensystem. Hätte die Hauptladung die Erde getroffen, wäre das ihr Ende gewesen.

Der zweite Punkt betrifft Thorndykes Beziehung zu den Militärberatern bei der Raumfahrtbehörde. Die Geschichte der Feindschaft zwischen dem CLI und dem militärischen Zweig der Raumfahrtbehörde muss noch geschrieben werden. In gewisser Weise wurde die geistige Grundhaltung, auf welcher das CLI basiert, zu dem Zweck entwickelt, die Militärstrategen zu bekämpfen. Thorndyke lebte nämlich in der ständigen Angst, dass die Arbeit des CLI für den militärischen Nachrichtendienst missbraucht werden könnte.

Wenn auch niemand behaupten würde, dass Thorndyke Pazifist war, zeigte er doch eine tiefe Abneigung gegen jegliche Entwicklung von Waffensystemen im Raum. Trotz seiner Argumente errangen die Militärstrategen jedoch einen Sieg nach dem anderen. Thorndyke begann das CLI als einen Vorposten der Vernunft zu betrachten. Einer der Gründe dafür, dass das CLI auf Camellia begründet wurde, war, dass es so weit von der Erde entfernt ist.

Während der Jahre meiner Bekanntschaft mit Thorndyke entdeckte ich in ihm einen wachsenden Pessimismus. Er gelangte zu der Überzeugung – und das wird von diesen Tagebüchern bestätigt –, dass die Erde keine Zukunft hat. Er gestand mir einmal, dass er das menschliche Gehirn als ein verderbliches Organ betrachte. ›Unausgeglichen‹ war der Ausdruck, den er benutzte. Er glaubte, dass die rationalen Teile unseres Gehirns von unseren dunkleren, primitiven Instinkten beherrscht würden – Instinkten, die während des harten Konkurrenzkampfes im Schlamm der Urzeit eine gewisse Berechtigung gehabt haben mochten, in der Gegenwart jedoch nicht nur völlig fehl am Platze, sondern verhängnisvoll waren.

Das Paradoxe an Thorndyke war – und er war sich dessen durchaus bewusst –, dass er selbst einen stark ›instinktiven‹ Typus darstellte, und einen gelegentlich recht aggressiven.

Schließlich will ich noch kurz etwas zur Spezies X sagen. Dies war die Code-Bezeichnung, die wir beim CLI benutzten, um die mächtige, doch unsichtbare Rasse zu benennen, die zumindest theoretisch in der Lage zu sein schien, Richtung und Ziel unserer Raumerforschung zu bestimmen. In einem späteren Kapitel beschreibt Michiko Hakoshima den Ursprung dieses Konzepts.

Die erste volle Eintragung in Thorndykes pe-ellianischem Tagebuch datiert erst vom 23. April, lediglich drei Tage vor unserer...


Mann, Phillip
Phillip Mann wurde 1942 in Northallerton, Yorkshire geboren und lebt seit 1969 in Neuseeland. Von 1970 bis 1998 unterrichtete er Theaterwissenschaften an der Victoria University of Wellington, diesen Posten gab er auf, um sich anderen Projekten zu widmen. 1982 erschien sein erster Roman „Das Auge der Königin“, der den Auftakt zu einer Reihe weiterer SF-Romanen bildete (z. B. „Der Herr von Paxwax“, „Der Fall der Familien“, „Pioniere“, „Wolfsgarn“ und die „Ein Land für Helden“-Tetralogie). Ab Mitte der 1990er Jahre schrieb Mann keine Science Fiction mehr, um sich vor allem dem Theater zu widmen; erst 2013 kehrte er zu diesem Genre zurück.



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