E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Mallory Verführung der falschen Braut
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0672-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0672-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mitgefangen, mitgehangen! Gezwungenermaßen hat Dominique sich auf das böse Spiel eingelassen, Gideon Albury in die Ehefalle zu locken. Und nun weigert der brüskierte Gentleman sich, sie wieder freizugeben. Noch schlimmer: Sie fühlt sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen. Und sein zorniger Kuss weckt verbotene Sehnsüchte ...
Schon immer hat die in Bristol geborene Sarah Mallory gern Geschichten erzählt. Es begann damit, dass sie ihre Schulkameradinnen in den Pausen mit abenteuerlichen Storys unterhielt. Mit 16 ging sie von der Schule ab und arbeitete bei den unterschiedlichsten Firmen. Sara heiratete mit 19, und nach der Geburt ihrer Tochter entschloss sie sich, das zu tun, was sie schon immer hatte tun wollen: schreiben. Voller Stolz konnte sie schon bald ihre ersten historischen Liebesromane in der Hand halten. Als sie Zwillingssöhne bekam, musste das Schreiben in die 2. Reihe rücken. Wegen eines Knöchelbruchs musste sie einige Jahre später 12 Wochen auf dem Sofa verbringen. Nun fand sie endlich Zeit, ihren nächsten Roman zu beenden. Und seitdem hat das Schreiben sie nicht mehr losgelassen. Ihre Spezialität sind historische Liebesromane mit einem abenteuerlichen Touch.
Autoren/Hrsg.
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2. KAPITEL
Dominique blieb regungslos stehen, als sie in das Gesicht ihres schockierten Ehemanns blickte. Darin waren alle Regungen zu lesen, auf die sie sich eingestellt hatte: Entsetzen, Abscheu und Entrüstung. Sie hatte gewusst, welchen Eindruck das Ganze auf ihn machen würde, nachdem er die List erst aufgedeckt hätte. Er fuhr sich mit den Fingern durch das mahagonibraune Haar, da erklang hinter ihnen Max’ boshaftes Lachen.
„Da bist du mir schön auf den Leim gegangen, Albury!“
„Aber ich verstehe nicht, Martlesham. Deine Cousine …“
„Das ist meine Cousine.“
Max lachte erneut, und Dominique empfand Mitgefühl für den Mann, der sie soeben geheiratet hatte. Fassungslosigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben.
Dazu hatte er auch jedes Recht. Statt der schönen, sinnlichen Blondine, die er in den letzten beiden Monaten umworben hatte, war er jetzt mit einer zierlichen Brünetten vermählt, die er noch nie im Leben gesehen hatte.
„Ist etwas nicht in Ordnung?“ Der Pfarrer schaute von einem zum anderen, bevor er dem Earl einen beunruhigten Blick zuwarf. „Lord Martlesham?“
„Nein, nein. Es ist alles in bester Ordnung“, verkündete Max grinsend. „Dem Bräutigam hat es nur angesichts der Tragweite dieses Anlasses die Sprache verschlagen, das ist alles.“ Er wandte sich an die Hochzeitsgäste: „Hier entlang, meine Damen und Herren. Die Kutschen stehen schon bereit.“
„Einen Augenblick!“ Der Mann neben ihr verharrte an Ort und Stelle, schüttelte lediglich ihre Hand ab. „Wo ist Dominique?“
„Mein Gott, Albury, hast du es immer noch nicht begriffen? Du hast sie gerade geheiratet.“ Max versetzte ihm einen Stoß. „Na los. Sonst starrst du hier noch Löcher in die Luft. Komm, wir fahren jetzt zurück nach Martlesham Abbey.“
„Bitte.“ Dominique räusperte sich leise, um ihre Stimme wiederzufinden. „Kommen Sie mit dorthin. Dann werden wir Ihnen alles erklären.“
Stirnrunzelnd griff er nach ihrem Arm und eilte so schnell in Richtung der Kutschen, dass Dominique beinahe rennen musste, um mit ihm Schritt zu halten. Wie bei Hochzeiten üblich, hatten sich auf beiden Seiten des Wegs Leute versammelt, die sie beglückwünschten. Der Landauer, an dessen Tür das Martlesham-Wappen prangte, war mit Bändern geschmückt. Ohne große Umschweife verhalf Argyl ihr in die Kutsche, stieg nach ihr ein und schon wurde die Tür hinter ihnen zugeworfen. Durchs geöffnete Fenster rief Max:
„Na dann, Gideon. Versuche dein Verlangen bis nach dem Hochzeitsfrühstück zu zügeln. Die Fahrt von hier zur Abbey ist zu kurz, um eine Frau zu beglücken. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.“
Peinlich berührt schloss Dominique die Augen. Als die Kutsche sich in Bewegung setzte, ließen sie das heisere Lachen hinter sich.
„Also hat Max das Ganze eingefädelt.“
Dominique schaute Gideon an. Seine Stimme war zwar ruhig, doch in seinen haselnussbraunen Augen spiegelte sich Zorn wider, so als ob er kurz davor stünde, einen Mord zu begehen. Sie schluckte.
„Ja.“
„Und alle in der Abbey waren eingeweiht, außer mir.“
„Außer Ihnen und … meiner Mutter.“
„Max sagte, dass sie zu schwach sei, um der Trauung beizuwohnen.“
Dominique ließ den Kopf sinken.
„Sie weiß nichts davon. Maman hätte diesem Plan niemals zugestimmt.“
„Also wurde die Frau, die ich für Dominique hielt, engagiert, um mir etwas vorzuspielen?“
Sie nickte.
„Eine Schauspielerin. Agnes Bennet.“
„Eine verdammt gute dazu. Sie hat mich in dem Glauben belassen, dass sie eine Dame wäre. Aber Sie …“ Er verzog die Lippen. „Sie mögen vielleicht Max’ Cousine sein, aber eine echte Dame würde sich niemals für solch … solch einen Unfug hergeben.“
Aus seinem Blick sprach Verachtung. Unmöglich, ihm jetzt zu erklären, warum sie sich auf Max’ ungeheuerlichen Plan eingelassen hatte, denn sie fuhren bereits vor Martlesham Abtei vor. Stumm wartete sie, bis die Kutsche zum Stehen kam und der Diener in Livree ihnen die Tür aufmachte. Ihr Begleiter stürmte zuerst hinaus und bot ihr – übertrieben höflich – die Hand.
„Also gut, Madam. Sollen wir uns zum Hochzeitsfrühstück begeben?“
Niedergeschlagen begleitete Dominique ihn ins Haus.
„Wollt ihr mir jetzt endlich erklären, was zum Teufel hier gespielt wird?“
Gideon blickte im Speisesaal von einem Anwesenden zum anderen. Die Diener hatte man hinausgeschickt. Jetzt waren nur noch die zwanzig Geladenen versammelt, die in den letzten zwei Monaten an Max’ House Party teilgenommen hatten – abgesehen von der blonden Schönheit natürlich. Die Frau, die er für Martleshams Cousine gehalten hatte. Man hatte sie mit dieser kleinen, unscheinbaren Brünetten ersetzt, die jetzt seine Frau war.
Alle standen schweigend da. Niemand achtete auf den festlich gedeckten Tisch mit dem glänzenden Silberbesteck und dem funkelnden Kristall. Alles stand für das Hochzeitsfrühstück bereit. Gideon schaute sich in der Menge um, aber niemand wollte seinen Blick erwidern.
„Es sollte nur ein kleiner Scherz sein, mein Guter“, sagte Max, der sich an der Anrichte ein Glas Brandy aus der Karaffe einschenkte.
„Ich kann nichts Lustiges daran finden“, erwiderte Gideon. Immer noch lächelnd wandte sich Max ihm zu.
„Nein? Seltsam. Ich dachte, das würdest du, wenn man bedenkt, was letztes Jahr in Covent Garden passiert ist.“
„Ah …“ Gideon nickte langsam. „Darum geht es hier also. Du willst es mir heimzahlen, dass ich dir die schöne Diana vor der Nase weggeschnappt habe.“
Jetzt erinnerte er sich wieder. Er war einer von Dutzenden betrunkenen Kerlen gewesen, die sich nach der Aufführung in den Garderoben der Darstellerinnen herumgetrieben hatten. Max hat eine hübsche kleine Operntänzerin umschwärmt, erinnerte sich Gideon, aber sie hatte ihn mehrmals bedeutungsvoll angelächelt und ihm aus ihren mit Kohlstift umrandeten Augen vielversprechende Blicke zugeworfen. Da hatte er gewusst, dass sie sich in die Hände des höchstbietenden Verehrers begeben würde.
„Verdammt, Albury. Ich war seit Wochen hinter diesem Prachtstück hinterher gewesen. Gerade als ich dachte, dass ich sie um den Finger gewickelt hätte, kommst du und wirfst mit deinem Geld um dich.“
Gideon spürte Wut in sich aufsteigen. Es war ein himmelweiter Unterschied, um die Gunst eines leichten Mädchens zu konkurrieren oder den anderen bei der Eheschließung hinters Licht zu führen.
„Und weil ich dich damals übertrumpft habe, hast du dir diese Maskerade ausgedacht?“
„Ja, und ich halte sie für ziemlich gelungen.“ Max stürzte den Brandy hinunter. „Ich habe Agnes Bennett angeheuert, damit sie meine Cousine spielt, und du lagst ihr von Anfang an zu Füßen. Ich musste also nichts weiter tun, als dich davon zu überzeugen, ihr einen Antrag zu machen. Natürlich hat es geholfen, dass dir immer noch die Moralpredigt deines Vaters von letzter Weihnacht zu schaffen machte. Du hast doch nur auf eine passende Gelegenheit gewartet, es ihm heimzuzahlen.“
Das konnte Gideon nicht abstreiten. Er konnte sich nur zu gut an jene letzte unangenehme Begegnung mit seinem Vater erinnern. Sie hatten sich heftig gestritten. In Wahrheit hatte er schon damals keine Lust mehr auf Max’ ständige Spielchen gehabt, aber es hatte ihn auch geärgert, dass sein Vater sich über seine Freunde ausgelassen hatte. Er hatte die Beherrschung verloren und verkündet, dass er von jetzt an nur noch das tun würde, wonach ihm der Sinn stehe. Er erinnerte sich, wie er aus dem Haus gestürmt war und dabei gerufen hatte: „Ich werde mich anfreunden, mit wem ich will. Ich werde tun und lassen, was ich will. Und ich werde heiraten, wen ich will.“
Wie unklug es gewesen war, den ganzen Vorfall Martlesham zu erzählen.
Max fuhr fort: „Du wusstest, dass sich dein Vater über eine Hochzeit mit einer meiner Cousinen ärgern würde. Es hat natürlich nicht geschadet, dass sie solch eine Schönheit war.“
„Konntest es gar nicht abwarten, sie ins Bett zu bekommen, was?“, rief einer von Max’ Kumpanen, ein eitler Geck mit vorstehenden Zähnen namens Williams.
Oh Gott, warum war ihm noch nie aufgefallen, was für ein abstoßendes Grinsen dieser Mann hatte? Max schenkte Brandy in ein weiteres Glas ein und reichte es Gideon.
„Hinzu kam natürlich noch, dass du meintest, du würdest niemals eine Französin heiraten.“
„Ja und?“ Gideon nahm eine angespannte Haltung an.
Max’ Grinsen wurde noch breiter.
„Der Zufall will es, dass es sich bei meiner lieben Cousine um eine waschechte Französin handelt. Nicht wahr, ma petite?“
Die junge Frau, die er soeben geehelicht hatte, antwortete nicht, nickte jedoch leicht mit dem Kopf. Gideon kniff die Augen zusammen.
„Reynolds ist ein englischer Name. Du hast mir gesagt, dass ihr Vorname Familientradition sei.“
„Da habe ich dich zugegebenermaßen hinters Licht geführt, mein Guter. Der Name ist tatsächlich Familientradition, aber er stammt von ihren französischen Vorfahren – nicht von meinen.“ Max’ gehässiges Grinsen wurde noch breiter. „Mein lieber Gideon, du hättest dir die Heiratsurkunde genauer ansehen sollen, bevor du unterschrieben hast. Dann hättest du gesehen, dass der Name ihres Vaters nicht Reynolds, sondern Rainault lautete. Jerome Rainault, ein Weinhändler aus Montpellier. Ein waschechter...




