Mai | Romantische Bibliothek - Folge 9 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 9, 80 Seiten

Reihe: Romantische Bibliothek

Mai Romantische Bibliothek - Folge 9

Sie fanden ein neues Zuhause
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1646-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sie fanden ein neues Zuhause

E-Book, Deutsch, Band 9, 80 Seiten

Reihe: Romantische Bibliothek

ISBN: 978-3-7325-1646-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wann nur kommt ihre Mutti endlich nach Hause? Dorothe, Sabrina und Ulla sind verzweifelt! Jetzt ist es schon mehrere Tage her, dass ihre Mama ins Krankenhaus gekommen ist, und nun soll sie gar nicht mehr zu ihnen zurückkommen? Das können sie nicht begreifen.

Stefan Meiser sieht die Verzweiflung in den Augen seiner Töchter, und doch bringt er es nicht über sich, ihnen die ganze grausame Wahrheit zu sagen: Die Mutter der Mädchen, seine Frau Angelika, ist tot, gestorben an einem Blinddarm-Durchbruch. Und ihm bleibt nun nichts anderes übrig, als nach einer neuen Mama für seine drei kleinen Engel zu suchen. Schließlich ist er den ganzen Tag im Büro, um das Geld für die Familie herbeizuschaffen. Und wer soll in der Zwischenzeit für die Mädchen sorgen?

Bald schon lernt er zwei Frauen kennen, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: die lebhafte und sehr modebewusste Anita und die stille, vertrauenerweckende Ottilie. Doch welche der beiden kann den Platz seiner geliebten Angelika einnehmen?

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„Du brauchst nicht auf die Uhr zu schauen“, sagte Frau Angelika. „Frühstücke in aller Ruhe.“

Ihr Mann runzelte leicht die Brauen. „Es ist doch schon …“

„Ich habe die Uhr heute Morgen eine Viertelstunde vorgestellt“, verriet Angelika Meiser lächelnd. „Iss noch ein Brötchen. Möchtest du Marmelade oder lieber Wurst darauf?“

„Marmelade“, entschied Stefan Meiser, und seine Frau belegte es prompt mit einer Scheibe Wurst.

„Die Mettwurst soll doch für die Kinder bleiben“, mahnte der junge Ehemann.

„Wir dürfen die drei nicht so verwöhnen.“ Die junge Frau hatte sich ihr Brötchen mit Marmelade bestrichen. „Ich fürchte, wir sind nicht streng genug mit ihnen.“

Stefan lachte. „Wie willst du solch reizenden Mädchen gegenüber streng sein?“, fragte er.

„Sie brauchen dich nur anzuschauen, und schon fängst du an zu lachen. Die kleinen Rangen wissen das genau. Wenn wir so weitermachen, tanzen sie uns bald auf der Nase herum. Ich bin froh, wenn sie erst zur Schule gehen. Dann suche ich mir eine Arbeit und verdiene mit.“

„Ein Haushalt mit drei Kindern lastet dich wohl nicht aus“, meinte der Mann schmunzelnd.

„Du gönnst dir nie etwas.“ Das eben noch lachende Gesicht der jungen Frau wurde ernst. „Für uns hast du immer ein bisschen Geld übrig. Aber wie lange ist es her, dass du dir einen neuen Anzug gekauft hast?“

„Der alte ist noch vollkommen in Ordnung“, behauptete der Mann.

„Niemand läuft heute noch mit so weiten Hosen herum. Der Anzug ist altmodisch.“

„Ein paar Jahre muss er noch halten. Und eine Frau habe ich schon. Oder gefalle ich dir nicht mehr in meinem besten Anzug?“

Seine Frage war selbstverständlich nicht ernst gemeint. Stefan wusste, dass er mit Angelika das große Los gezogen hatte. Er war ein Angestellter, der durchschnittlich verdiente, und das hieß, dass er sich bei drei Kindern nicht viel erlauben konnte. Am liebsten hätte er seine entzückende Frau zwar nach Strich und Faden verwöhnt, doch auch so war sie immer zufrieden.

„Es hat mal wieder wunderbar geschmeckt“, lobte er. „Wenn man in Ruhe am Frühstückstisch sitzen kann – und dann noch so ein hübsches Gegenüber hat …“ Er machte die reizendsten Komplimente, ohne dass sie übertrieben wirkten.

„Hier ist noch eine Kleinigkeit.“ Frau Angelika griff in die Tasche ihres Morgenmantels und holte eine Schachtel Zigaretten heraus.

„Zigaretten?“ Stefan Meiser schüttelte unwillkürlich den Kopf. „Wie kommst du dazu?“

„Ich habe sie gekauft. Erst wollte ich sie nicht mitnehmen, aber dann habe ich mir überlegt, dass ich sie gerade noch vom Haushaltsgeld abzweigen kann.“

„Ich wollte mir das Rauchen doch abgewöhnen …“

„Du hast so wenig Freude, Stefan.“ Angelika legte die Arme um seinen Nacken und küsste ihn. „Ich habe manchmal ein richtig schlechtes Gewissen.“

„Du bist ein Schaf“, behauptete der Mann verliebt und gab ihr einen Kuss auf die Nasenspitze. „Ich habe euch, das ist mehr wert als aller Reichtum. Aber ich glaube, jetzt muss ich wirklich gehen.“

Bevor Stefan ging, schaute er wie immer noch in das Zimmer der Kinder hinein. Alle drei waren wach und warteten auf ihn. Sie durften erst aufstehen, wenn der Vati gefrühstückt hatte.

Das Zimmer war nicht sehr groß. Die drei Betten füllten es fast ganz aus. Der Teppich zwischen den Kinderbetten war uralt und hatte sogar schon ein Loch.

Aber das alles sah Stefan Meiser nicht. Er sah drei Kindergesichter, die er mehr als alles andere auf der Welt liebte, seine Angelika natürlich ausgenommen. Wie gesund die drei aussahen! Es war eine Freude, sie anzuschauen.

„Bringst du uns heute Abend mal was mit?“, fragte Dorothe, der ältere Zwilling.

„Lakritz“, schlug ihre um eine halbe Stunde jüngere Schwester Sabrina vor.

„Ganz viel“, ergänzte Ulla. Sie war die Älteste, aber leider nicht immer die Vernünftigste.

„Simsalabim“, sagte Stefan Meiser geheimnisvoll, griff in die Jackentasche und zog eine Tüte Lakritz heraus. „Was ist das wohl?“

„Vati!“

Im Nu waren die Kinder aus den Betten und stürzten jubelnd auf ihn zu.

Angelika schüttelte den Kopf über ihren Mann, der selbst noch ein großes Kind war. Wie er sich freuen konnte! Er aß Lakritz auch gern, aber für ihn war nie etwas übrig.

„Du musst jetzt gehen“, sagte sie.

„Bleib, Vati, bleib doch einfach zu Hause und sag du wärst krank“, bat Ulla. „Und dann gehen wir alle spazieren.“

„Und kaufen Eis“, ergänzte die naschhafte Dorothe. Ihr Wunsch klang ein wenig undeutlich, denn sie hatte den Mund voller Lakritz.

„Vanille?“, ergänzte Sabrina. Sie war für das Genaue in wichtigen Dingen.

„Eine große Portion“, erklärte Ulla, sehr befriedigt über das Echo, das ihr Vorschlag gefunden hatte.

„Kinder, Kinder …“ Frau Angelika seufzte, aber es klang nicht traurig. Sie war so unendlich stolz auf ihre drei Mädelchen. „Du verpasst den Bus“, mahnte sie, an ihren Gatten gewandt.

Stefan richtete sich auf und stöhnte. „Man müsste mal im Lotto gewinnen. So eine kleine halbe Million …“

„Dann gibt es jeden Tag Fleisch“, meldete Dorothe ihre Wünsche an.

Sie verstand nicht, weshalb ihr Papi und die Mami darüber so lachten. Sie aß Fleisch nun einmal für ihr Leben gern, aber das gab es nur sonntags. Und auch nicht zum Sattessen.

Wenn ich mal groß bin, hatte sie schon oft erklärt, dann kaufe ich jeden Tag ein großes Stück Fleisch, und das esse ich ganz allein auf. Sabrina bekommt nur ein kleines Stück.

„Es ist ein Jammer, dass wir nicht etwas mehr haben“, meinte Stefan, als er sich automatisch die Hosenbeine abklopfte. „Wenn wir uns wenigstens ein Eigenheim im Grünen leisten könnten, mit einem Garten für die Kinder. Dort könnten wir unser Gemüse selbst ziehen …“

„Wenn du noch lange hier herumstehst, dann wirst du morgen zum Arbeitsamt fahren und dir eine neue Stelle suchen müssen“, schalt Frau Angelika.

„Bleib hier!“, drängte Ulla. „Es ist viel schöner, wenn du hier bist.“

„Ich komme ja bald wieder. Bleibt brav und macht eurer Mutter nicht zu viel Arbeit, hört ihr? Wie seht ihr nur wieder aus!“

Am meisten hatte Sabrina sich mit Lakritz eingeschmiert. Aber das störte ihre Eltern im Grunde genommen nicht. Die Kinderaugen strahlten, das allein sahen sie, und das allein war ihnen wichtig.

Stefan Meiser warf einen Blick auf seine Armbanduhr, gab Angelika einen Kuss und lief dann hinaus. Wie ein übermütiger Junge raste er die Treppe hinab.

Die Nachbarin, die auf dem gleichen Flur wohnte, wunderte sich wieder einmal über ihn. Es hätte sie gar nicht erstaunt, wäre Herr Meiser auf dem Geländer hinuntergerutscht.

Wie schaffen die es nur, immer so vergnügt zu sein?, fragte sie sich. Er verdient nicht viel, leisten können sie sich nichts, und doch sind sie zufrieden. Sie hätte das Rezept gern erfahren.

„So, jetzt steht ihr auf und wascht euch, dann gibt es Frühstück. Wer ist heute zuerst dran?“, fragte Angelika.

Die drei Mädchen schauten sich unschuldig an. Sie taten, als hätten sie es vollkommen vergessen, obwohl sie wussten, dass Dorothe heute diejenige war, die sich zuerst waschen musste.

„Wir sind sauber“, erklärte Ulla. „Wir haben uns gestern Abend erst gewaschen, auch den Hals.“

„Und die Ohren“, ergänzte Dorothe.

„Und überhaupt alles“, übertrumpfte Sabrina sie. „Wir sind gar nicht schmutzig.“

„Du bist heute dran, Dorothe. Los!“

„Immer ich. Warum immer ich?“, fragte die Kleine und schob verdrossen die Unterlippe vor.

„Nach Dorothe kommst du an die Reihe, Sabrina, und zum Schluss du, Ulla. Ich koche inzwischen euren Kakao.“

Aber bevor Angelika hinausging, strich sie noch rasch über die blonden Köpfe ihrer Kinder. Früher sei es ihr besser gegangen, pflegten die Leute zu sagen. Sie hatte in einem Büro gearbeitet und gut verdient, sodass sie sich oft etwas Neues hatte kaufen können. Das konnte sie seit Jahren schon nicht mehr, und doch war sie sehr zufrieden.

Aber die Leute verstanden das nicht. Sie sahen nur, dass sie ihr Sommerkleid schon im vierten Jahr trug.

„Die arme Frau, sie hat auch gar nichts von ihrem Leben“, sagten sie in heuchlerischem Mitleid.

***

„Was machen Sie am Sonntag?“, fragte Stefans Kollege ihn lässig. An einer Antwort seines Kollegen war er nicht interessiert. „Ich fahre mit meinem neuen Wagen ins Grüne“, prahlte er. „Selbstverständlich nicht allein.“ Er zwinkerte Meiser verheißungsvoll zu.

Stefan lächelte nur. Er kannte seinen Kollegen lange genug, um ihm seine Angeberei nicht übelzunehmen.

„Ich habe eine tolle Puppe kennengelernt. Also, wenn ich Ihnen erzählen würde, was die alles so macht … Die Augen würden Ihnen vor Staunen aus dem Kopf fallen.“

„Das glaube ich gern“, bestätigte Stefan freundlich. „Hoffentlich hält sich das Wetter.“

„Wenn nicht, spielt es keine Rolle, ich habe ja das Auto. Es geht nichts über ein Dach über dem Kopf, mein lieber Freund. Und was machen Sie? Mit der Familie spazieren gehen? Menschenskind, Sie in Ihrem jugendlichen Alter, und dann ein halbes Dutzend Kinder am Hals …“

„Es sind drei“, berichtigte Stefan ihn. Er hatte es schon...



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