Buch, Deutsch, 60 Seiten, GEH, Format (B × H): 205 mm x 210 mm
Versteinerte Schätze aus der Wattendorfer Lagune
Buch, Deutsch, 60 Seiten, GEH, Format (B × H): 205 mm x 210 mm
ISBN: 978-3-89937-097-3
Verlag: Pfeil, F
Plattenkalklagerstätten der Oberen Jura-Zeit beinhalten die weltweit bekanntesten Fossilfundstellen. In der Südlichen Frankenalb liegen mit den Lokalitäten Solnhofen und Eichstätt die klassischen Vorkommen dieser Art. Aus der Nördlichen Frankenalb waren derartige Vorkommen bislang nicht bekannt. Erst mit der Entdeckung von Plattenkalken in einem Steinbruch bei Wattendorf nahe Scheßlitz konnte eine weitere Fundstelle dieses Typs rund 130 km weiter nördlich der bisherigen Plattenkalklagerstätten belegt werden.
Die Wattendorfer Plattenkalke erweisen sich als außerordentlich fossilreich. Nach inzwischen fünf Grabungskampagnen seit 2004 liegen über 5000 Fossilien vor. Unter dem Fundgut befinden sich neben zahlreichen verschiedenen Arten von Muscheln, Seeigeln, Ammoniten, Krebsen und anderen wirbellosen Tieren auch zahlreiche Fische, wie Knochenschmelzschupper, Quastenflosser und Haie. Als eines der Glanzstücke unter den Fischfossilien darf ein Engelhai mit 1,3 m Gesamtlänge bezeichnet werden. Auch Reptilien wurden geborgen. Von den im Allgemeinen äußerst raren Schildkrötenfossilien liegen bereits zwei komplette Exemplare und mehrere Fragmente vor. Unter den Reptilfunden verdient ein hervorragend erhaltenes Exemplar eines Pleurosaurus besondere Erwähnung. Versteinerte Landpflanzen und der Fund einer partiell mit Weichteilen erhaltenen kleinen Brückenechse belegen die ehemalige Landnähe der Fossillagerstätte.
Als im Jahr 2002 die ersten Plattenkalk-Fossilien aus dem Wattendorfer Steinbruch der Firma Andreas Schorr GmbH & Co. KG in das Naturkunde-Museum Bamberg gelangten, konnten wir noch nicht ahnen, welche nachhaltigen Folgen diese Funde für unser Haus nach sich ziehen sollten. Alleine das Vorkommen eines laminierten Plattenkalkes vom 'Typ Solnhofen' aus der oberen Jura-Zeit (Malm) in diesem nördlichen Teil der Obermainalb galt schon als aufregende Überraschung. Zudem versprachen die ersten Erkundungen einen großen Fossilreichtum. Insofern empfanden wir es als Freude, uns um die Erforschung dieser sowohl paläontologisch als auch geologisch höchst interessanten Fundstelle kümmern zu dürfen. Glücklicherweise stießen wir beim Eigentümer des Steinbruchs, Herrn Helmut Schorr, auf einen aufgeschlossenen Partner, der uns nicht nur die Erlaubnis zu wissenschaftlichen Grabungen erteilte, sondern uns auch logistische und technische Unterstützung gewährte. So konnten wir im Sommer 2004 in Zusammenarbeit mit Prof. Franz Fürsich vom Paläontologischen Institut der Universität Würzburg und Dr. Winfried Werner von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München die erste dreiwöchige Grabungskampagne durchführen. Basierend auf den dabei gewonnenen Erkenntnissen folgten bis 2008 weitere vier Kampagnen unter alleiniger Regie des Naturkunde-Museums. Inzwischen liegen im Magazin des Museums und auf den Tischen auswärtiger Wissenschaftler über 5000 Wattendorfer Fossilien. Freilich handelt es sich bei dem Großteil dieser Objekte um kleinere, wenig spektakulär wirkende Fossilien wie Schnecken, Muscheln, Brachiopoden und andere wirbellose Tiere, doch auch diese liefern wichtige Erkenntnisse über die Natur des Vorkommens. Durchaus spektakulär sind jedoch die zahlreichen großen und kleinen Fische und Reptilien.
Sehr erfreulich und motivierend bei dieser Arbeit ist die wache Aufmerksamkeit, die den Fossilien und den neuen Erkenntnissen von Seiten weiter Kreise entgegengebracht werden. Dies kann man unter anderem bei Vorträgen spüren, die beim Publikum Interesse und Faszination wecken. Auch die zahlreichen Geldspenden, die für die Präparation der Fossilien verwendet werden, zeugen von der außerordentlichen Wertschätzung. Um dem Interesse Rechnung zu tragen, wurde diese Sonderausstellung realisiert. Die Schau soll, ebenso wie dieses Begleitheft, jedem dieses erdgeschichtliche Thema nahebringen, auch denjenigen, die bislang noch nicht mit der Erdgeschichte unserer Region in Berührung gekommen sind. Das bedeutet, dass eingangs auch grundlegende geologische Sachverhalte, die für das Verständnis des Wattendorfer Fossilvorkommens wesentlich sind, geschildert werden. Die Schau soll als abgeschlossenes Thema verstanden werden, ohne dass die Besucher auf bereits vorhandenes Wissen zurückgreifen müssten. Sie wird mit außergewöhnlichen Fossilien sicher auch dem Spezialisten völlig neue Einblicke in die Welt der Oberjura-Meere geben'
Längst sind noch nicht alle wissenschaftlichen Fragen gelöst, und auch das Faunen- und Florenspektrum, das in den Wattendorfer Plattenkalken eingebettet liegt, ist bei weitem noch nicht vollständig erfasst. Das bestätigt jede neue Grabungskampagne mit der Entdeckung neuer Organismen. Insofern haben wir die Hoffnung, dass den bisherigen Grabungen noch viele weitere folgen mögen.




