E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Madow Feuer - Die Elemente der Magie 2
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-948684-52-5
Verlag: Von Morgen Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fantasy für Jugendliche
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-948684-52-5
Verlag: Von Morgen Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michelle Madow ist eine USA Today-Bestsellerautorin von rasanten Fantasy-Romanen für Jugendliche, die Sie nicht mehr loslassen werden! Ihre Bücher sind voller Magie, Abenteuer, Romantik und unvorhersehbaren Wendungen. Michelle wuchs in Maryland auf und lebt jetzt in Florida. Seit sie denken kann, liest sie aus Leidenschaft. Ihr erstes Buch schrieb sie in ihrem ersten Jahr am College, und seitdem hat sie nicht mehr aufgehört zu schreiben! Außerdem liebt sie es, zu reisen, und war schon auf allen sieben Kontinenten. Eines Tages hofft sie, ein Jahr lang auf einem Kreuzfahrtschiff um die Welt zu fahren.
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KAPITEL EINS
I
ch hielt den Bogen fest in meiner Hand, den Pfeil direkt auf die Zielscheibe gerichtet. Instinktiv wusste ich, was zu tun war – welche Haltung ich einnehmen und wie ich mein Gewicht ausbalancieren musste. Mit angehaltenem Atem zog ich langsam die Bogensehne zurück. Ich würde treffen. Das spürte ich.
Ich ließ die Sehne los, und der Pfeil pfiff durch die Luft.
Er verfehlte die Scheibe um einen Meter und bohrte sich rechts daneben in die Wand.
„Chris!“ Ich ließ den Bogen fallen und drehte mich um. Chris stand hinter mir, die Hände über den Kopf erhoben, als wollte er sich vor Regen schützen. „Hör auf, deine Kräfte beim Training gegen mich einzusetzen“, sagte ich genervt. „Das wäre ein perfekter Schuss gewesen!“
Er grinste und zeigte mit dem Finger auf mich. Eine leichte Brise wehte an meinem Gesicht vorbei. Er hob den Finger, und ein Pfeil schwebte aus meinem Köcher.
„Was zum Teufel …?“
Bevor ich meinen Satz beenden konnte, formte er mit der Hand eine Pistole. „Peng!“
Der Pfeil schoss direkt in die Mitte der Zielscheibe. „Das ist ein perfekter Schuss“, sagte er und reckte die Faust in die Höhe.
„Wir sollen den Umgang mit Waffen ohne unsere Kräfte üben“, erinnerte ich ihn. „Nur weil Darius kurz telefonieren gegangen ist, heißt das nicht, dass wir tun können, was wir wollen.“ Ich wusste, dass ich mich wie eine verklemmte Streberin anhörte, aber ich hasste es, im Bogenschießen übertrumpft zu werden – das war mein Spezialgebiet. Es ging um die Ehre. Also hob ich meinen Bogen wieder auf, zog einen weiteren Pfeil aus dem Köcher, legte ihn auf die Sehne, zielte und ließ ihn davonsausen.
Er landete in der Mitte der Scheibe, direkt neben Chris’ Pfeil.
Ich hatte immer geglaubt, ich sei im Tennis ein Naturtalent. Aber das war nichts im Vergleich dazu, wie schnell ich das Bogenschießen erlernt hatte. Es waren nur wenige Wochen vergangen, doch der Bogen fühlte sich bereits so vertraut an, als wäre er ein Teil meines Körpers. Kate meinte, das läge daran, dass mein Vater Apollo war – ein griechischer Gott. Er war bekannt für sein Geschick mit Pfeil und Bogen.
Doch ich hatte meinen Vater noch nie getroffen. Letzten Monat hatte er mir ein Geschenk auf der Fensterbank hinterlassen – zumindest ging ich davon aus, dass er es gewesen war. Immerhin war es ein Anhänger in Form einer Sonne mit einem eingravierten A auf der Rückseite. Ich hatte gehofft, dass er mir damit sagen wollte, dass ich ihn bald treffen würde. Aber seitdem wartete ich vergeblich. Offenbar hatte er als vielbeschäftigter Gott keine Zeit für seine Kinder. Eigentlich war das in Ordnung, denn ich hatte bereits eine Familie, und ich liebte meine Mutter, meinen Stiefvater und meine Schwester. Aber ein Teil von mir wünschte sich, meinen leiblichen Vater kennenzulernen. Es tat weh, dass ich ihm offenbar nicht wichtig genug war, um sich wenigstens einmal vorzustellen.
Nun, es lag nicht in meiner Macht, das zu ändern. Und der Schmerz war alt, er begleitete mich mein Leben lang, nicht erst, seit ich erfahren hatte, dass mein Vater kein normaler Mann war.
Ich verdrängte das Gefühl und hielt Chris den Bogen hin. „Willst du es versuchen?“, forderte ich ihn auf. „Ohne Magie.“
„Du weißt, dass ich damit nicht umgehen kann.“ Er ging hinüber zu der Auswahl von Waffen, die auf einem Tresen lagen, und nahm ein Messer in die Hand. Es glänzte im Licht, als er es hochhielt. „Aber mit dem hier habe ich geübt. Sieh dir das an.“
Er trat dorthin, wo ich gestanden hatte, und warf das Messer auf die Zielscheibe. Es landete in der Wand, noch weiter von der Scheibe entfernt als mein erster, von einem magischen Windzug entführter Pfeil.
„Ich werde schon besser“, sagte er optimistisch. „Am Anfang blieb es nicht einmal in der Wand stecken, und jetzt schau dir das an.“ Ohne sich von der Stelle zu bewegen, nutzte er seine Kraft, um ein weiteres Messer von der Theke hochschweben zu lassen, und schoss es mit einem Wink seiner Hand auf die Zielscheibe. Diesmal bohrte es sich genau in die Mitte. „Aber auf diese Weise habe ich mehr Kontrolle darüber“, sagte er. „Es ist viel einfacher.“
„Nur so lange, bis dir deine Energie ausgeht“, erwiderte ich. „Du weißt, was Darius uns gesagt hat. Wir sollen lernen, wie man Waffen auf normale Weise benutzt. Wir müssen unsere Kräfte aufsparen für Situationen, in denen wir sie wirklich brauchen.“
„Ich weiß, ich weiß.“ Chris schob sich die blonden Locken aus den Augen.
Ich sagte nichts mehr, obwohl ich verstand, warum er frustriert war. Seit unserem Kampf gegen die Harpyie hatten wir jeden Tag nach der Schule geübt, aber Chris hatte den Umgang mit Waffen nicht so schnell gelernt wie der Rest von uns. Er hinkte Blake, Danielle, Kate und mir hinterher, und das wurde jeden Tag offensichtlicher.
„Du musst nur üben“, versuchte ich ihn zu ermuntern und knuffte ihm leicht gegen den Arm. „Deine Kräfte helfen dir bei den Waffen mehr als den von uns anderen, aber wenn du sie weiterhin als Krücke benutzt, wirst du nie besser werden.“
Er hob wieder seine Hände, und die Pfeile und Messer lösten sich aus der Wand und schwebten zu uns zurück. Von zarten Luftströmen geleitet schoben sich die Pfeile in meinen Köcher, und die Messer landeten in Chris’ Händen.
„Aber ich werde dafür immer besser mit meinen Kräften“, sagte er augenzwinkernd, warf eines der Messer in die Luft und fing es am Griff auf. „Aufräumen dauert definitiv nicht mehr so lang.“
Die Tür zum Trainingsraum öffnete sich, und wir drehten uns um. Mein Herz machte einen kleinen Sprung als Blake hereinschlenderte. In seinem komplett schwarzen Trainingsoutfit sah er viel professioneller aus als Chris, der eine zerlumpte Jogginghose und ein T-Shirt trug. Blake lächelte mich mit warmen Augen an. Das reichte schon, um mich erröten zu lassen. Trotz der Gespräche, die wir unter vier Augen geführt hatten, wusste ich nie, ob er nur freundlich war, wenn er mich so ansah, oder … oder ob er auch an unseren Kuss in der Höhle dachte. Wie ich. Immerzu.
Aber ganz gleich, was er empfand oder nicht empfand, er war für mich tabu. Denn wir fünf – Blake, Danielle, Chris, Kate und ich – waren ein Team. Wir mussten zusammenarbeiten. Und Danielles Ex-Freund zu daten, kurz nachdem er mit ihr Schluss gemacht hatte, war undenkbar. Also versuchte ich, ihm aus dem Weg zu gehen. Was nicht leicht war, wenn wir als Gruppe jeden Tag zusammen trainierten, also tat ich mein Bestes, um zumindest nie mit ihm allein zu sein. Würde er mich wieder küssen, würde ich vermutlich nicht widerstehen können.
„Sollte das nicht ein Training ohne magischen Einsatz sein?“, fragte er und kam zu uns herüber.
Ich griff nach einem Pfeil, spannte ihn in den Bogen und ließ ihn in die Zielscheibe surren.
„Keine Magie?“, fragte er stirnrunzelnd.
„Keine Magie“, bestätigte ich, strich mir die Haare aus dem Gesicht und lächelte.
„Außer dass ich mir ziemlich sicher bin, dass da gerade ein paar Pfeile und Messer aus der Wand auf euch zugeflogen sind“, sagte er mit hochgezogener Augenbraue. „Und soweit ich weiß, sind Wände nicht sehr gut im Werfen.“
„Schuldig im Sinne der Anklage“, sagte Chris und hielt beide Messer hoch, als würde er sich ergeben. Mit seinen leuchtenden Augen und seinem jungenhaften Grinsen sah er so aus, als bereitete er sich eher auf eine Kochshow vor als auf den Kampf gegen archaische Monster.
„Du hast also vor, uns in Schwierigkeiten zu bringen?“, fragte ich Blake sarkastisch. Es klang flirtender, als ich es beabsichtigt hatte. Aber ich wollte nicht so wirken, als dächte ich tatsächlich, dass er uns an Darius verpfeifen würde. Schließlich kannte ich ihn gut genug.
Er grinste und zog sein Feuerzeug aus der Tasche. „Da ihr die Regeln ohnehin schon brecht, kann ich ja mitmachen. Hast du schon mal einen brennenden Pfeil abgeschossen?“
„Nein. Aber ich schätze, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, es zu versuchen.“
„Ich dachte mir, dass du das sagen würdest.“ Er kam näher. Ich konnte mich nicht bewegen, konnte nicht atmen – alles, was ich tun konnte, war, seinen Blick zu erwidern, während er über meine Schulter griff und einen Pfeil aus dem Köcher zog. Dann schnippte er das Feuerzeug an und tauchte den Pfeil in die Flamme.
Obwohl die Pfeile nicht dazu gedacht waren, angezündet zu werden, erlosch das Feuer nicht, und der Pfeil hielt der Flamme stand. Auch Blakes Kräfte wurden mit jedem Tag stärker.
„Hier.“ Er hielt mir den flammenden Pfeil hin. „Probier ihn jetzt aus.“
Meine Finger berührten versehentlich seine, als ich nach dem Pfeil griff. Hitze wanderte meine Arme hinauf und zu meinen Wangen, und ich wandte den Blick von ihm ab, um mich auf das Ziel zu konzentrieren. Hoffentlich hatte er nicht bemerkt, welche Wirkung er auf mich hatte.
Ich stabilisierte meine Haltung, hob den Bogen auf Augenhöhe und spannte den Pfeil ganz normal ein. Die Flamme tanzte vor meinen Augen, und die Hitze auf meinem Gesicht erinnerte mich daran, dass dies in Wahrheit alles andere als normal war. Es war Magie.
Ich spürte Blakes prüfenden Blick auf mir, aber ich musste mich konzentrieren. Also zog ich die Bogensehne zurück, zielte – und ließ die Sehne los. Der Pfeil sirrte aufs Ziel zu. Es war kein Volltreffer, aber es war nah dran.
„Versuchen wir es noch einmal“, sagte Blake und trat ein paar Schritte zurück. „Wie weit ist die Zielscheibe...




