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E-Book

E-Book, Deutsch, 230 Seiten

Maddox HALO

Ein Cyberpunk-Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-2338-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Cyberpunk-Roman

E-Book, Deutsch, 230 Seiten

ISBN: 978-3-7438-2338-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Raumstation Halo City wird von Aleph, einem gigantischen Computer, am Leben erhalten, doch Aleph hat die Begrenzungen der Computer-Technologie längst überwunden: Er kann nicht nur alternative Wirklichkeiten erschaffen, sondern auch Tote zum Leben erwecken. Als Jerry Chapman, einer seiner Erfinder, an einer Seuche stirbt, konserviert Aleph dessen lebendiges Bewusstsein. Und die anderen Wissenschaftler der Station wagen ein einzigartiges Experiment: Sie wollen Chapmans Persönlichkeit auf Dauer retten - dazu aber muss jemand in die alternativen Wirklichkeiten des Maschinenwesens hinabsteigen... Tom Maddox' aufsehenerregender Debüt-Roman aus dem Jahr 1991 ist das perfekte Beispiel eines post-modernen und zeitlosen Science-Fiction-Romans: eine faszinierende Geschichte über Menschen und Computer, über Pronomen und Anti-Pronomen - und den Traum von der Unsterblichkeit. Dabei bedient sich Tom Maddox den Stilmitteln des literarischen Cyberpunk und kann doch zugleich als deren Überwinder und Vollender bezeichnet werden.

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  Ich tue für Sie, was ich kann       Als der Morgen verstrich, wanderte die Sonne aus dem Buntglasfenster heraus, und das Innere des Zimmers versank im Dämmerschein. Nur das Monitorleuchten blieb, lange Reihen grüner Schirme über blinkenden Zahlenkolonnen auf dem hellblauen Schirm der Monitortafel.   Ein Haushaltsroboter, ein beigefarbener Kegel mit den Ausmaßen einer großen Gans, bewegte sich langsam über den Fußboden, tastete sich durch die Ecken des Zimmers, und verließ dann den Raum, wobei seine Fortbewegungstentakeln unter ihm ein Geräusch verursachten, das dem Wind glich, der durch trockenes Gras streicht.   Das Cockpit-Display blinkte und flackerte, während Landecodes in den Flugcomputer eingespeist wurden, dann klinkte sich der Schwing-Flieger ins Landenetz von Bangkok ein und begann seinen Abstieg durch eine unsichtbare Anflugröhre. Von elektronischen Händen gelenkt, setzten sie auf.   Der Pilot wandte sich an Gonzales, während sie im Anflug waren, und sagte: »Ich muss eine Meldung über den Angriff machen. Aber Sie haben Glück - wenn wir in Myanmar gelandet wären, hätten die Ermittler der Regierung sich in Scharen auf Sie gestürzt, und dann wären Sie für Tage - wenn nicht gar Wochen - nicht mehr von dort weggekommen. Damit haben Sie jetzt nichts mehr zu tun: Wenn sie erst einmal die Meldung registriert und analysiert haben und die Thais bitten, Sie festzuhalten, sind Sie längst weg.«   Im Augenblick wünschte Gonzales sich nichts weniger, als mehr Zeit als nötig in Myanmar zuzubringen. »Ich steige aus, so schnell es geht«, meinte er.   Nun, da alles vorüber war, konnte er spüren, wie die Furcht in ihm aufstieg wie die Wirkung einer gefährlichen Droge. Indem er versuchte, sich zu beruhigen, dachte er: Wirklich, es ist überhaupt nichts passiert, außer dass du dir vor Schreck fast in die Hose gemacht hättest.   Während der Schwing-Flieger sich auf seine Halteposition schob, stand Gonzales auf, um sein Gepäck aus dem nun offenen Frachtabteil zu holen. Der Pilot saß entspannt in seinem Sessel.   Tu etwas, sagte Gonzales sich und spürte, wie sich die Panik in ihm steigerte. Er holte den Behälter des Memex aus der Halterung und sagte: »Ich hätte gern eine Kopie von Ihren Flugprotokollen.«   »Das kann ich nicht machen.«   »Sie können. Ich gehöre zur Abteilung für Innere Angelegenheiten, und ich bin bei einem Flug in Ihrer Maschine beinahe ums Leben gekommen.«   »Das gilt auch für mich, Mann.«   »Das stimmt. Aber ich brauche diese Daten. Später wird meine Abteilung sich sowieso dieses Vorfalls annehmen und den Dienstweg beschreiten und sich alles Notwendige beschaffen, aber ich brauche die Daten jetzt. Ein kurzes Überspielen auf mein Gerät hier, das ist alles. Ich erteile Ihnen die Erlaubnis und gebe Ihnen eine Bestätigung.« Gonzales wartete und verlieh seiner Forderung durch seinen eindringlichen Blick und seine abwartende Haltung Nachdruck.   Der Pilot sagte: »Okay, damit dürfte ich aus dem Schneider sein.«   Gonzales stellte den Behälter neben den Pilotensitz, kniete sich hin und klappte den Deckel auf. »Nehmen Sie alles auf?«, fragte er den Piloten.   Der Mann nickte und erwiderte: »Ständig.«   »Das habe ich mir gedacht. Na schön, dann los: für die Registrierung, dies ist Michail Michailowitsch Gonzales, leitender Angehöriger der Abteilung für Innere Angelegenheiten bei SenTrax. Ich übernehme jetzt Flugdaten dieser Maschine zwecks weiterer Ermittlungen im Zusammenhang mit gewissen Vorkommnissen, die während des letzten Fluges auftraten.« Er sah den Piloten an: »Das müsste eigentlich reichen«, sagte er.   Er zog das Datenkabel aus dem Behälter und führte es in die Buchse auf der Instrumententafel ein. Lichter blinkten auf der Tafel, während die Daten in das schweigende Memex übertragen wurden. Ein Glockensignal ertönte auf der Tafel, um anzuzeigen, dass der Transfer abgeschlossen war, und Gonzales trennte die Kabelverbindung, rollte das Kabel zusammen und schloss den Behälter wieder.   »Danke«, sagte er zu dem Piloten, der wortlos aus dem Cockpitfenster schaute.   Gonzales erhob sich und klopfte zufrieden auf den Schutzbehälter und dachte: Hey, Memex, wenn du aufwachst, erwartet dich eine Überraschung. Er fühlte sich viel besser.     Ein Transportgleiter trug Gonzales etwa eine Meile weit durch einen hellerleuchteten Tunnel mit babyblauen Plastik- und Gipswänden, die mit Schildern in einem halben Dutzend verschiedener Sprachen versehen waren, auf denen mit schneller Vergeltung für Vandalismus gedreht wurde. Rote und grüne Graffiti bedeckten alles, die Schilder inklusive, und vor Gonzales' Augen veränderten sich die Botschaften in Thai und Burmesisch, und andere Streichholzmännchen erschienen mit Sprechblasen und sagten Gott weiß was. Ein einzelner Satz in roter Farbe verkündete auf Englisch HEROIN ALPHA DEVIL FLOWER. Zerschmetterte Gehäuse aus schwarzem Fibermaterial oder ausgefranste Kabel verrieten, wo früher einmal Überwachungskameras gehangen hatten.   Graue, vom Fußboden bis zur Decke reichende Stahlrolläden blockierten den schmalen Eingang zu den Bereichen Internationale Ankunft und Abflug. Gesichtslose Holoscan-Roboter - dunkle, mit Rädern ausgestattete Würfel mit Tentakeln und Sensorantennen - kontrollierten die Besucherschar und ließen ihre Antennen rotieren.   Überall waren asiatische Reisende zu sehen, Männer in dunklen Anzügen und Frauen: Japaner, Chinesen, Malayen, Indonesier, Thais. Sie kamen aus den asiatischen Drachen, Weltzentren für Forschung und Produktion, und breiteten sich mit ihren niedrigen Löhnen und aggressiven Verkaufstechniken in Europa und Amerika aus, wo der Konsum zum Lebensprinzip geworden war. Überall, wohin Gonzales auch kam, schien es, als träfe er sie wieder: Kampftruppen, bewaffnet mit technischem und wissenschaftlichem Können und angetrieben von einem nimmermüden Ehrgeiz und Erfolgsstreben.   Sie bildeten den stählernen Kern eines wesentlichen Teils des Fortschritts der Welt. Die Vereinigten Staaten und die Drachen lebten in einer seltsamen Symbiose: Die Asiaten hatten hundert verschiedene Methoden dafür zu sorgen, dass die amerikanische Wirtschaft nicht einfach umkippte und einging - und den erstklassigen nordamerikanischen Konsumentenmarkt gleich mit ins Verderben riss. Ob Japaner, Koreaner, Taiwanesen... sie kauften einige Konzerne und verbanden sich mit anderen, und am Ende arbeiteten Amerikaner für General Motors Fanuc, Chrysler Mitsubishi oder Daewoo-Dec, und von ihren Löhnen kauften sie japanische Memexe, koreanische Automobile und malaysische Robotertechnik.   Rolladenlamellen schoben sich mit einem schrillen metallischen Quietschen nach oben, und Gonzales trat ein. Ein ägyptischer Wächter mit weißer Kopfbedeckung, einem blau-weiß karierten Stirnband und grauer UN-Kluft überprüfte seine Identität, und reagierte mit einem knappen, bedeutungslosen Lächeln und winkte ihn weiter.   Der Zoll der Südostasiatischen Fraktion wartete in Gestalt einer kleinen Thai in brauner Uniform mit unentzifferbaren Kritzeleien auf gelben Abzeichen. Ihre Gesichtszüge waren hübsch und ausdruckslos; sie trug ihr schwarzes Haar glatt nach hinten frisiert und hatte es mit einem durchsichtigen Plastikkamm festgesteckt. Sie stand hinter einem grauen Stahltisch; neben dem Tisch befand sich ein etwa zwei Meter hoher Allzweckscanner, dessen Kontrollen, Sichtschirme und Anzeigeninstrumente unter einer schwarzen Stoffhülle verborgen waren. Schmutzig-grüne Wände waren mit unregelmäßig darauf verteilten Schildern in einem Dutzend verschiedener Sprachen bedeckt, auf denen in kleiner Schrift die zahlreichen Arten von Schmuggelgut aufgeführt waren.   Die Frau bedeutete ihm mit einer Handbewegung, auf dem Stuhl vor dem Tisch Platz zu nehmen und dann seinen Kleiderkoffer und die Behälter auf den Tisch zu stellen.   Sie sagte etwas, und die Übersetzerbox an ihrem Gürtel wiederholte in deutlichem, neutralem Englisch: »Sie wurden überprüft und freigegeben.« Sie stellte den weichen braunen Koffer in die Öffnung des Scanners, und das Gerät untersuchte das Gepäckstück mit einem leisen Piepton. Die Frau schob den Koffer zu Gonzales hinüber.   Sie redete erneut, und der Übersetzer sagte: »Bitte öffnen Sie diese Behälter«, während sie auf die beiden Schutzboxen wies. Bei jedem schirmte Gonzales die Verschlussplatte mit der linken Hand ab und tastete mit der rechten den Zugriffscode ein. Die Behälterdeckel öffneten sich einem leisen Zischen. In den Behältern blinkten Überwachungs- und Kontrolllampen über aufgereihten Speichermodulen, schwarzen Plastikwürfeln, die in etwa die Ausmaße von kleinen Safe-Kassetten hatten.   Gonzales sah, dass sie eine Kopie des Daten-Deklarations-Formulars in der Hand hielt, welches das Memex in Myanmar ausgefüllt und den zuständigen Regierungsstellen von Myanmar und Thailand übermittelt hatte. Die Frau schaute in einen der Behälter und wies auf eine Reihe rot markierter und versiegelter Speichermodule.   Die Übersetzerstimme erklang nach ihrer und sagte: »Wir müssen diese Module hierbehalten, um uns zu vergewissern, dass sie keine zollpflichtigen Informationen enthalten.«   »Das hat bereits der Zoll in Myanmar getan. Es handelt sich um SenTrax-Daten.«   »Das mag schon sein. Aber wir haben sie noch nicht freigegeben.«   »Wenn Sie es wünschen, stelle ich Ihnen die Zugriffsprotokolle zur Verfügung. Ich habe nichts zu verbergen, aber ich brauche die...



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