Machiavelli / Gozzi / Manfredi | Das Buch der hundert altitalienischen Novellen | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 370 Seiten

Machiavelli / Gozzi / Manfredi Das Buch der hundert altitalienischen Novellen

Die ersten literarischen Werke der italienischen Sprache

E-Book, Deutsch, 370 Seiten

ISBN: 978-80-268-3028-3
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Das Buch der hundert altitalienischen Novellen' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Inhalt: Niccolos Fährlichkeiten (Agnolo Firenzuola) Magd und Knecht (Agnolo Firenzuola) Der Ehemann als Beichtvater (Antonio Francesco Doni) Der Alchemist (Antonio Francesco Grazzini) Fiammetta und der Arzt (Antonio Francesco Grazzini) Des Fischers Glück und List (Antonio Francesco Grazzini) Der Mützenmacher und der Zauberer (Antonio Francesco Grazzini) Der Stellvertreter des Ehemanns (Antonio Francesco Grazzini) Ercole Torelli (Ascanio de Mori) Der blinde Spieler (Baldassare Castiglione) Sienesischer Edelmut (Bernardo Ilicino) Wie Battista Moscione sich rächte (Carlo Graf Gozzi) Die eifersüchtigen Nachbarinnen (Carlo Vassalli) Wagen gewinnt (Celio Malespini) Die Witwe von Ephesus (Eustachio Manfredi) Das Luftschloß (Francesco Argelati) Schlimmer und schlimmer! (Francesco Maria Molza) Lob und Tadel (Franco Sacchetti) Der Müller und der Abt (Franco Sacchetti) Piero Brandani (Franco Sacchetti) Gonnellas Heimkehr (Franco Sacchetti) Die Entbindung (Franco Sacchetti) Die kalbende Kuh (Franco Sacchetti) Bei Sonnenlicht kann man besser sehen (Giovanni Sabadino degli Arienti) Der dicke Tischler (Giovanni Sabadino degli Arienti) Giulio und Aurelios Frau (Giustiniano Nelli) Die drei väterlichen Verbote (Giovanni Francesco Straparola) Die Rache (Giovanni Francesco Straparola) Simplicio di Rossi (Giovanni Francesco Straparola) Der Ring (Giovanni Francesco Straparola) Die Liebenden in Dalmatien (Giovanni Francesco Straparola) Die gezähmte Keiferin (Giovanni Francesco Straparola) Der Mohr von Venedig (Giovanni Battista Giraldi) Der lästige Gevatter (Giambattista Basile) Romeo und Giulietta (Luigi da Porto) Veronica (Masuccio) Viel Lärmen um nichts (Matteo Bandello) Die Kunst zu lieben (Ser Giovanni Fiorentino) Ein Deutscher in Italien (Ser Giovanni Fiorentino) ...
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Magd und Knecht
(Agnolo Firenzuola) Inhaltsverzeichnis In Tivoli, einer sehr alten Stadt der Lateiner, lebte ein Edelmann namens Cecc' Antonio Fornari, dem es gerade zu der Zeit einfiel, ein Weib zu nehmen, wo andere es schon tausendmal bereut haben; und wie das bei Alten so zu gehen pflegt, er wollte keine nehmen, wenn sie nicht recht jung wäre; auch gelang es ihm. Denn einer der Coronati namens Giusto, im übrigen ein sehr anständiger Mann, fand sich überreichlich mit Töchtern gesegnet; um der Gier der Ausstattungen zu entgehen, gab er ihm eine schöne und liebenswürdige Tochter. Als sie sich aber einem kindisch gewordenen Alten vermählen und der Freuden berauben sah, um derenwillen sie so lange schon gewünscht hatte, das elterliche Haus, die Liebe des Vaters und die Zärtlichkeit der Mutter hinter sich zu lassen, wurde sie sehr beunruhigt; und das Geifern, Husten und andere Altersinsignien ihres Gatten wurden ihr allmählich so zum Ekel, daß sie daran dachte, sich dafür einigen Ersatz zu verschaffen. Sie beschloß also, sobald sich eine schickliche Gelegenheit zeigte, sich einen beizugesellen, der besser für die Bedürfnisse ihrer Jugend zu sorgen wüßte, als ihr Vater darauf geachtet hatte; und ihrem Plane war das Glück weit günstiger, als sie selbst nur verlangen mochte. Denn es kam eben nach Tivoli im Sommer zu seiner Zerstreuung ein römischer Jüngling namens Fulvio Macaro mit einem seiner Freunde, welcher Menico Coscia hieß. Er sah die junge Frau häufig; sie gefiel ihm, wie sie auch wirklich schön war, und so verliebte er sich heftig in sie. Er teilte jenem Menico seine Liebe mit und drang eifrig in ihn, ihm zu raten. Menico, der sich nicht gerne mit fremden Händeln zu schaffen machte, machte nicht viel Worte darüber, sagte aber am Ende doch, er solle nur ruhig sein: wenn er ihm in allem und überall folgen wolle, so werde er schon die Mittel finden, ihn mit dem Weibchen auf die Art, die er wünsche, zusammenzubringen. Fulvio wünschte nichts sehnlicher, als mit der jungen Frau zusammenzukommen, und sagte daher nicht lange: »Komm morgen wieder!«, sondern er antwortete ihm sogleich, er sei bereit, alles zu tun, wofern er nur rasch seine Krankheit heile. »Ich habe sagen hören«, fuhr nun Menico fort, »daß der Gatte deiner Geliebten ein Mädchen von vierzehn bis fünfzehn Jahren sucht, um sie zu häuslichen Diensten zu verwenden und sie dann nach einiger Zeit zu verheiraten, wie es in Rom gebräuchlich ist. Nun ist mir eingefallen, du könntest ja in dieser Eigenschaft bei ihm bleiben, solange es dir behagt, und höre, wie! Unser Nachbar da aus Tagliacozzo, der uns manchmal einen Gefallen tut, ist, wie du ja weißt, innig mit mir befreundet. Gestern früh nun teilte er mir unter andern Gesprächen, ich weiß nicht mehr aus welcher Veranlassung, mit, er habe ihm aufgetragen, ein solches Mädchen zu suchen: zu diesem Zwecke habe er beschlossen, in einigen Tagen in sein Haus zu gehen und sie ihm mitzubringen. Er ist ein armer Mann und ist gern rechtschaffenen Leuten gefällig; somit zweifle ich keinen Augenblick, wenn man ihm ein gutes Gläschen einschenkt, ist er bereit, alles zu tun, was wir von ihm verlangen. Er kann also tun, als wäre er nach Tagliacozzo gegangen; kommt er in drei oder vier Wochen zurück, so wirst du angezogen wie ein Landmädchen von dort; er gibt vor, du seiest eine Verwandte von ihm, und bringt dich in das Haus deiner Geliebten. Hast du hernach nicht das Herz, das Weitere selbst auszuführen, so müßtest du dich nur über dich selber beklagen. Zu dem allem eignet es sich vortrefflich, daß du noch eine weiße Haut hast, worauf sich nichts zeigt, was in den nächsten zehn Jahren einem Barte gleichsehen dürfte, und daß dein Gesicht ganz weiblich aussieht, weshalb denn, wie du weißt, die meisten glauben, du seiest ein als Mann verkleidetes Weib. Außerdem ist ja deine Amme aus jener Gegend gewesen; du wirst also wohl nach Art jener Bauern sprechen können.« Der arme Verliebte sagte zu allem: »Ja.« Es schien ihm unendlich lange, bis die Sache zu einem Ziele käme, ja, oft meinte er schon bei ihr zu sein und ihr bei ihren Geschäften zu helfen, und die Einbildungskraft vermochte so viel, daß er zufrieden war mit dem, was aus ihm werden solle, gerade als wäre er es wirklich gewesen. Ohne also die Sache irgend zu verzögern, suchten sie den Landmann auf, der mit allem zufrieden war, und sie verabredeten, was zu tun sei. So ging denn kein Monat vorüber (um nicht länger aufzuhalten ), bis sich Fulvio im Hause seiner Geliebten als ihre Magd befand und ihr so eifrig aufwartete, daß in kurzem nicht nur Lavinia (so hieß die junge Frau), sondern das ganze Haus sie äußerst liebgewann. Während nun Lucia (diesen Namen hatte die neue Magd angenommen) auf diese Weise wohnte, erwartete sie die Gelegenheit, ihr noch mit anderem zu dienen als mit dem Bettmachen. Cecc' Antonio ging einmal nach Rom, um einige Tage aus zu sein. Da bekam Lavinia, als sie sich so allein gelassen sah, Lust, Lucia bei sich schlafen zu lassen. Nachdem beide am ersten Abend zu Bett gestiegen waren und die eine, höchlich beglückt über die unerwartete glückliche Fügung, mit Sehnsucht den Augenblick erwartete, wo die andere einschliefe, um dann während des Schlafes den Lohn ihrer Mühe zu ernten, begann die andere, die vielleicht in ihrer Phantasie einen andern sich vorstellte, der besser als ihr Mann den Staub aus dem Pelz zu klopfen verstände, mit größter Inbrunst sie zu umarmen und zu küssen, und unter solchen Scherzen gerieten, wie das so zu gehen pflegt, ihre Hände dahin, wo man den Mann von der Frau unterscheidet; da sie nun fand, daß er kein Weib war wie sie, war sie sehr verwundert und zog ganz bestürzt ihre Hand plötzlich zurück, gerade als wäre sie unter einem Gebüsche unversehens auf eine Schlange gestoßen. Lucia wagte unterdessen nichts zu sagen noch zu tun und wartete schweigend den Ausgang der Sache ab. Lavinia fürchtete fast, sie habe sich in der Person getäuscht, und starrte sie ganz betäubt an; da sie aber doch sich überzeugte, daß es Lucia sei, besann sie sich nicht weiter darauf, mit ihr zu reden, wollte aber zur Lösung ihres Zweifels, ob sie nicht der Schein getäuscht habe, von neuem das Wunder mit Händen greifen. Da fand sie denn wieder, was sie zuvor gefunden hatte, und sie wußte nicht, ob sie schlief oder wachte. Dann dachte sie, vielleicht könne sie die Berührung täuschen, hob daher die Bettdecke auf und wollte die ganze Sache mit Augen sehen; so sah sie denn nicht nur mit Augen, was sie mit der Hand berührt hatte, sondern entdeckte eine Masse Schnees in Gestalt eines Menschen, die ganz mit frischen Rosen gefärbt war. So war sie denn genötigt, dem Staunen freien Lauf zu lassen und anzunehmen, es sei ihr wunderbar eine solche Verwandlung zuteil geworden, damit sie in Sicherheit die Freuden ihrer Jugendjahre genießen könne. Sie wandte sich daher ganz keck zu ihm und sprach: »Was ist doch das, was ich diesen Abend mit meinen Augen sehe? Ich weiß doch, daß du kaum soeben noch eine Frau warst, und jetzt sehe ich, daß du zum Manne geworden bist? Wie kann das geschehen sein? Ich fürchte zu erkennen, daß du ein verzauberter böser Geist bist, der diesen Abend statt Lucias zu mir kam, um mich in Versuchung zum Bösen zu führen. Wahrlich, wahrlich, ich muß sehen, wie diese Sache zusammenhängt.« Während dieser Worte brachte sie ihn unter sich und trieb mit ihm Scherze, wie sie lüsterne Mädchen gar häufig solchen vor der Zeit emporgeschossenen Hähnen spielen: dabei klärte sich denn auf, daß er kein verzauberter Geist war, und daß sie nicht falsch gesehen hatte. Wie sehr ihr solches zum Trost gereichte, könnt ihr, liebe Frauen, euch selbst vorstellen. Doch dürft ihr nicht glauben, daß sie schon hinreichend überzeugt war auf das erstemal, ja nur auf das drittemal: denn ich kann euch versichern, wenn sie nicht gefürchtet hätte, ihn wirklich und ernstlich in einen Geist zu verwandeln, so hätte ihr auch die sechste Probe noch nicht genügt. Als sie nun so weit gekommen waren, ging sie vom Tun zum Reden über und begann mit freundlichen Worten zu bitten, er möge ihr sagen, wie die Sache denn eigentlich komme. Da fing denn Lucia an, vom ersten Tage, an dem er sich verliebt hatte, bis zur gegenwärtigen Stunde seine ganze Liebesgeschichte zu erzählen, worüber sie sich höchlich freute, da sie sah, daß sie von einem solchen Jüngling in einer Weise geliebt worden sei, daß er so viele Beschwerden und Gefahren ihr zuliebe nicht gescheut habe. Von diesen Auseinandersetzungen schweiften sie auf tausend andere unterhaltende Gespräche über und kamen vielleicht noch zum siebenten Beweise, weshalb sie so lange mit dem Aufstehen zögerten, bis die Sonne durch die Ritzen der Fenster drang. Nunmehr schien es ihnen Zeit zu sein. Zuvor aber verabredeten sie, Lucia solle den Tag über vor den Leuten ein Weib bleiben, aber des Nachts oder sooft sie sonst Gelegenheit fänden, allein zusammenzukommen, wieder zum Manne werden. Mit diesem Vorsatze verließen sie ganz heiter die Schlafkammer. Sie hielten diesen Vertrag heilig und blieben mehrere Monate so zusammen, ohne daß jemand im Hause etwas merkte. Ja, es hätte jahrelang gedauert, wenn nicht Cecco Antonio, wiewohl er, wie gesagt, schon über gewisse Jahre hinaus war und sein Esel mit großer Mühe einmal im Monat Korn zur Mühle tragen konnte, – wenn nicht Cecco, sage ich, indem er diese Lucia im Hause umhergehen sah, ein Auge auf ihre Liebenswürdigkeit geworfen und sich entschlossen hätte, einen Korbvoll auf ihre Kelter abzuladen, weshalb er ihr manchmal zur Last fiel. Sie fürchtete nämlich, es möchte früher oder später ein Ärgernis daraus erwachsen, und bat Lavinia um...


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