E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Digital Edition
MacAllister Ein Hauch von Nichts
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-1310-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-1310-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gedankenlose Leidenschaft, hemmungslose Lust - das war es, wovor die beiden Kollegen Brooke und Chase ihre jüngeren Geschwister bewahren wollten. Und nun finden sie sich selbst so wieder! Wie konnte das nur passieren? Zum Aufhören ist es aber längst zu spät ...
Heather MacAllister entwickelte ihre Leidenschaft für Liebesromane im College. Nach ihrem Examen wurde sie zunächst Musiklehrerin - bis sie ein Baby bekam. Und wenn alle Babysitter sie nicht im Stich gelassen hätten, würde sie sicher heute noch unterrichten. Doch so wurde sie Hausfrau und versuchte stets, den Haushalt zu ignorieren, sobald ihr kleiner Sohn schlief, und sich dem Schreiben zu widmen. So veröffentlichte Heather McAllister 1989 ihren ersten bei Harlequin und schrieb in den folgenden 12 Jahren 30 Liebesromane, die viele Preise gewannen und in 24 Sprachen übersetzt wurden. Neben dem Schreiben sammelt Heather MacAllister antike Ohrclips, liebt Feuerwerk, ist Mitglied in einem Chor und gibt offen zu, nicht den 'grünen Daumen' zu haben. Auf der Internetseite www.heathermacallister.com erfahren Sie noch mehr über die Autorin und ihr Werk.
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1. KAPITEL
Da der Verkehr in der Stadt noch dichter war als üblich, fuhr Brooke Weathers mit einiger Verspätung auf den Parkplatz der West Houston Highschool. Vor der Aula standen mehrere Teenager in Grüppchen herum, und es sah ganz danach aus, dass die Probe von „South Pacific“ bereits zu Ende war.
Sie hielt Ausschau nach ihrer dunkelhaarigen Schwester und entdeckte sie schließlich an einen silberfarbenen Porsche gelehnt im Gespräch mit den Insassen.
Irgendein Vater hatte wohl gerade seine Midlife-Crisis, denn so einen schicken Wagen konnte sich wohl keiner der Schüler hier leisten.
Sie ließ ihr Wagenfenster herunter und rief ihre Schwester. Doch statt herüberzukommen, gab Courtney ihr durch Winken zu verstehen, dass sie zu ihr hinüberfahren solle.
Sie schüttelte den Kopf, doch Courtney winkte erneut.
Brooke hatte einen langen Arbeitstag hinter sich, und jetzt wollte sie schnellstens nach Hause. Deshalb bedeutete sie Courtney noch einmal, sie solle endlich herüberkommen.
Aufgebracht kam Courtney angerannt, stieg ein und knallte die Wagentür zu. „Warum bist du nicht zu mir rübergefahren?“
Brooke fädelte sich in den fließenden Verkehr ein. „Ich hatte keine Lust, den ganzen Parkplatz zu umrunden, bloß weil du in Diva-Laune warst.“
Courtney schnallte sich an. „Ich wollte dich nur mit Jeffs Bruder bekannt machen.“ „Wer ist Jeff?“
„Du weißt doch, der Junge, der hinter der Bühne arbeitet. Der Wagen gehört seinem Bruder.“ Sie warf Brooke einen Seitenblick zu. „Seinem alleinstehenden Bruder. Ich habe ihm von dir erzählt. Der Typ schien interessiert zu sein.“
„Ja, an einer bestimmten Sache.“
„Ach, komm schon, Brooke! Sei doch nicht so. Vielleicht könntest du ja mal mit ihm ausgehen.“
„Mit einem älteren, alleinstehenden Mann, der einen Porsche fährt? Habe ich dir denn gar nichts beigebracht?“
„Doch, zum Beispiel, wie man die Wochenenden mit Hausputz verbringt und sich dann zur Belohnung Popcorn macht und sich ein Video anschaut. Wirklich toll.“
Brooke freute sich eigentlich immer auf die Samstagabende mit ihrer Schwester. „Du hast doch nicht jeden Samstag keine Verabredung.“
„Du schon, wie?“, konterte Courtney.
„Ich bin zu müde zum Ausgehen!“ Brooke lachte.
Courtney nicht. „Ich möchte wirklich gern, dass du Jeffs Bruder kennenlernst.“
„Nein, vielen Dank.“
Das Letzte, was Brooke im Moment brauchte, war Stress wegen einer Verabredung mit einem Unbekannten. Gefolgt vom Stress, ob der Mann noch mal anrief, und falls sie tatsächlich regelmäßig ausgingen, vom Stress, ob sie eine Affäre anfangen sollte oder nicht. Da Courtney jeden ihrer Schritte mitbekam, blieb wohl nur Letzteres. Zudem verstanden die meisten Männer nicht, warum ein weiblicher Single Mitte zwanzig sich selbst eine mitternächtliche Sperrstunde auferlegte. Doch sie konnte für sich keine anderen Spielregeln in Anspruch nehmen als die, die sie Courtney auferlegt hatte, auch wenn die noch zur Schule ging. Der Gedanke an die endlosen Diskussionen ließ Brooke frösteln. Nein, es war der Mühe nicht wert.
Dagegen war ihr keine Anstrengung zu groß, Courtney letztendlich doch auf ein gutes College zu bringen. Wenn sie das geschafft hatte, würde sie sich auch wieder verabreden.
„Du musst sie kennenlernen, Mann“, beharrte Jeff. „Wenn sie so ist wie Courtney, dann ist sie wirklich heiß.“
Chase Davenport bedachte seinen Bruder mit einem vielsagenden Blick, ehe er den Blinker setzte.
„Ich meine ‚heiß‘ im Sinne von hinreißend“, versuchte Jeff abzumildern, während er eine zerknitterte Notiz aus seinem Rucksack hervorkramte. „Hier ist ihre Telefonnummer.“
„Nein, danke. Ich suche mir meine Freundinnen schon selbst.“
„Für einen Typ, der einen so tollen Sportwagen fährt wie du, bist du aber nicht gerade erfolgreich.“ Jeff griff nach Chases Handy.
„Was machst du denn da?“
„Ich speichere Courtneys Nummer ein, falls du es dir doch noch überlegst.“
Chase machte sich nicht die Mühe zu protestieren. Er konnte die Nummer ja wieder löschen. „Es überrascht mich, dass du in der Crew hinter der Bühne mitarbeitest. Ich wusste gar nicht, dass dich so was interessiert.“ Er war geradezu dankbar, dass Jeff endlich für irgendetwas Interesse zeigte, aber er hätte nie gedacht, dass er sich ausgerechnet für das Musical interessieren würde, das von der Theatergruppe an seiner Schule inszeniert wurde.
„O doch. Es ist wirklich cool.“
„Hast du Courtney da kennengelernt?“
„Courtney kennt doch jeder.“
Chase ahnte, dass Jeff mehr an Courtney interessiert war als an dem Musical. Das junge Mädchen, das er eben getroffen hatte, war hübsch, ganz der Typ der angehenden Schauspielschülerin, mit knallrotem Pullover und langen silbernen Ohrringen. Er hätte geglaubt, Jeff würde sich eher eine schüchterne, unscheinbare Freundin suchen.
Chase musste schmunzeln, als Jeff ihm von der computergesteuerten Beleuchtung erzählte und den Kulissen, die er zu bauen helfen würde. Courtney war offenbar ziemlich anspruchsvoll. Aber Jeff sollte ruhig anspruchsvolle Mädchen kennenlernen, solange er Zeit dazu hatte, denn die würde er mit Sicherheit nicht mehr haben, wenn er im Herbst mit dem Studium anfing.
Und wie er, Chase, selbst erfahren hatte, würde er auch keine Zeit mehr für anspruchsvolle Frauen haben, wenn er damit beschäftig war, sich eine Karriere aufzubauen. Chase hatte nicht mal Zeit für Frauen, die kaum Ansprüche stellten. Aber das war in Ordnung. Denn es gab auch Frauen, die gar keine Ansprüche stellten und akzeptierten, dass seine Arbeit gegenwärtig Vorrang hatte.
Schwierig wurde es nur, wenn aus einer lockeren Beziehung mehr wurde und bestimmte Erwartungen ins Spiel kamen. Das war ihm selbst ein paar Mal passiert. Doch inzwischen hatte er einen denkbar einfachen Plan – eine Menge Geld verdienen und sich dann weitgehend aus dem Geschäftsleben zurückziehen, damit er Zeit für die anspruchsvollste aller Beziehungen hatte – eine Ehefrau, mit der er eine Familie gründen wollte.
Chase warf Jeff einen Blick zu. Sie hatten viele Gemeinsamkeiten – allem voran Eltern, die Kinder bekommen hatten, ehe sie reif dafür gewesen wären. Jeffs Mutter war immer noch nicht reif dafür, weswegen er, Chase, einen Vorgeschmack davon bekam, wie es war, einen Teenager zu erziehen. Es machte ihm nichts aus. Im Grunde war Jeff ein lieber Junge, und er fand es geradezu rührend, dass er ihn mit Courtneys Schwester zusammenbringen wollte.
Doch da es in der Familie zu liegen schien, hohe Ansprüche zu stellen, würde er diesmal passen müssen.
„Jeff? Es funktioniert nicht. Die beiden winken sich nicht mal zu, wenn sie uns abholen.“
„Ich weiß. Und Chase will deine Schwester auf keinen Fall anrufen.“
„Zu schade, denn ich glaube, die beiden würden gut zueinander passen. Weißt du, was wir falsch gemacht haben? Statt sie einander vorstellen zu wollen, hätten wir ein zufälliges Treffen arrangieren sollen.“
„Ja, aber dazu ist es jetzt zu spät.“
„Es sei denn, wir geben ihnen einen guten Grund, sich zu treffen. Und das möglichst bald, denn ich muss meine Bewerbung für die Schauspielschule und die Anmeldegebühr spätestens am Tag nach dem Valentinstag abschicken.“
„Was hat das denn mit unserem Plan zu tun?“
„Ich brauche das Geld! Brooke wird mit meiner Bewerbung nicht einverstanden sein, und ohne ihr Einverständnis werden meine Eltern die Moneten nicht rausrücken.“
„Ich verstehe immer noch nicht …“
„Wenn wir ihnen mit etwas total Verrücktem kommen, dann wird ihr die Schauspielschule geradezu verlockend erscheinen, und Chase wird auch dir begeistert freie Hand lassen.“
„Ich weiß überhaupt nicht, was ich machen will.“
„Dann solltest du dich bald entscheiden, denn du wirst in einer super Verhandlungsposition sein.“
„Heiraten? Dass ich nicht lache.“ Aber Brooke war überhaupt nicht zum Lachen. Vielmehr fühlte sie sich ganz elend, und der Appetit auf ihr Vollkornmüsli war ihr gründlich vergangen.
„Dann wäre es dir lieber, wenn wir erst mal so zusammenleben?“ Courtney grinste frech. „Das hören Mom und Dad bestimmt mit Interesse, besonders nach ihrer kleinen Lektion mit der Kuh.“
Brooke blinzelte verständnislos.
„Du weißt schon, warum sollte ein Mann die Kuh kaufen, wenn er die Milch umsonst bekommen kann?“ Genüsslich löffelte Courtney ihr Müsli.
„Tja, wenn du dich als Kuh betrachten willst, kann ich dich nicht davon abhalten.“
„Und da ich achtzehn bin, kannst du mich auch nicht vom Heiraten abhalten.“
Leider stimmte das. Aber das hieß nicht, dass sie es nicht versuchen würde.
Am Vorabend hatte sich Courtney zum dritten Mal diese Woche mit Jeff Ryan getroffen, einem Jungen in der vollen Bedeutung des Wortes. Courtney zufolge ging er zwar auch in eine Abschlussklasse der West Houston Highschool, doch Brooke mochte das kaum glauben.
Er hatte noch Babyspeck auf den Rippen, und wenn er sich öfter als einmal die Woche rasieren musste, dann wäre sie überrascht. Es überraschte sie ohnehin, dass Courtney mit ihm ausging.
Denn Jeff war gar nicht Courtneys Typ. Nach zehn Jahren Reife wäre er allerdings genau der Typ...




