Maaser | Leon und die Geisel - Band 2 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 171 Seiten

Reihe: Leon

Maaser Leon und die Geisel - Band 2


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95520-215-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 2, 171 Seiten

Reihe: Leon

ISBN: 978-3-95520-215-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ihr war heiß, sie schwitzte, aber nicht wegen ihres Wollrocks. Sondern vor Angst. Immer wieder drehte sie sich um und spähte über die Schulter zurück. Stralsund im Jahr 1334: Anna rennt kopflos über den Markt. Ihr kleiner Bruder Heyno ist verschwunden! Wie oft hat sie sich gewünscht, den Quälgeist loszuwerden. Nun aber muss sie Hilfe holen: ihren besten Freund Leon, den Waisenjungen, der im Katharinenkloster aufwächst. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach Heyno. Ihr Weg führt sie auf ein Handelsschiff, das nach Skanör fährt. Unterwegs wird das Schiff von Piraten überfallen. Und Anna gerät in ihre Gewalt! Leon hat nur noch ein Ziel: Anna heil von dem Schiff zu bringen ... Ein mitreißender Mittelalter-Krimi - spannend und hautnah erzählt. Jetzt als eBook: 'Leon und die Geisel' von Eva Maaser. dotbooks - der eBook-Verlag.

Eva Maaser, geboren 1948 in Reken (Westfalen), studierte Germanistik, Pädagogik, Theologie und Kunstgeschichte in Münster. Sie hat mehrere erfolgreiche Krimis, historische Romane und Kinderbücher veröffentlicht. Bei dotbooks erschien bereits Eva Maasers Kriminalroman »Der Clan der Giovese« und der humorvolle Regiokrimi »Tante Ella und das Geheimnis im Gurkenbeet« sowie die Rohleff-Reihe mit »Das Puppenkind«, »Die Eisfrau«, »Das Schwanenmädchen« und »Der Purpurjunge«. Kommissar Rohleffs erster Fall »Das Puppenkind« ist auch im Sammelband »Tatort: Deutschland« erhältlich. Eva Maaser veröffentlichte bei dotbooks außerdem ihre historischen Romane »Krone der Merowinger - Das Schicksal der Königin«, »Krone der Merowinger - Die Herrschaft der Königin«, »Der Moorkönig«, »Die Rückkehr des Moorkönigs«, »Der Paradiesgarten« und »Die Astronomin«. Zudem erschienen bei dotbooks Eva Maasers Kinderbuchserien um Leon und Kim: »Leon und der falsche Abt«, »Leon und die Geisel«, »Leon und die Teufelsschmiede« und »Leon und der Schatz der Ranen«, »Kim und die Verschwörung am Königshof«, »Kim und die Seefahrt ins Ungewisse« und »Kim und das Rätsel der fünften Tulpe«.
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1


So schnell sie konnte, ließ Anna den Markt von Stralsund mit seinen Buden und Ständen hinter sich. Ihr war heiß, sie schwitzte, aber nicht wegen ihres Wollrocks. Sondern vor Angst. Immer wieder drehte sie sich um und spähte über die Schulter zurück.

Wo war Heyno?

Ihr siebenjähriger Bruder war auf einmal verschwunden gewesen. Einen kurzen Moment hatte sie sogar aufgeatmet. Endlich war sie den Quälgeist los, der sie mit seiner feuchten, schmutzigen Jungenhand hierhin und dorthin gezerrt hatte. Zu einem Wurf junger Hunde, die feilgeboten wurden, zum Bäcker mit seiner Zuckerware und zuletzt zu einem Gaukler, der mehr schlecht als recht mit fünf Bällen jonglierte, von denen er einen prompt fallengelassen hatte. Anna hatte über den Tölpel gelacht und den Ball aufgehoben, der ihr vor die Füße gerollt war. Und dann war Heyno nicht mehr an ihrer Seite gewesen.

Versteckte er sich vor ihr? Aber doch nicht so lange! Das war kein Spaß mehr!

Überall zwischen den Marktbuden und Karren hatte sie ihn gesucht, während das schlechte Gewissen immer heftiger an ihr nagte. Hatte sie nicht schon tausendmal gewünscht, den lästigen kleinen Kerl für immer los zu sein? Hatte sie das jemals ernst gemeint? Sie wusste nur, dass sie ihn allein nicht finden würde. Sie brauchte Hilfe. Dringend. Der vertraute Markt war auf einmal kein sicherer Ort mehr für einen kleinen Jungen. Fremde wie dieser Gaukler trieben sich dort herum.

Anna fiel das Atmen schwer, während sie in die Mönchstraße einbog, in der das Katharinenkloster lag. Das Tor in der hohen Mauer stand offen, um einen kleinen Karren mit Kornsäcken und einem Bierfass hineinzulassen. Wahrscheinlich die Spende eines frommen Stralsunder Bürgers.

Anna fegte am Bruder Pförtner vorbei, der sie verblüfft anstarrte und ihr verspätet etwas nachrief, was sie nicht verstand. Sie musste Leon finden, ihren besten Freund. Wo mochte er um diese Stunde sein? Sie hoffte nur, ihn nicht auf der Schweinewiese draußen vor der Stadtmauer suchen zu müssen. Bitte Gott, flehte sie inbrünstig, mach, dass er in einem der Gärten arbeitet.

Leon zog die Harke über den Weg und achtete darauf, dass die kleinen Furchen so gerade wie möglich ausfielen. Er hasste diese langweilige Arbeit von ganzem Herzen. Für gewöhnlich führte er sie schlampig aus, da sie letztlich für die Katz war. Im Kräutergarten trieb sich immer jemand herum, der seine Arbeit gleich wieder zunichte machte.

Für die Katz, für die Katz, zischte er unablässig aber so gut wie unhörbar zwischen den Zähnen hervor. Aus einer gewissen Entfernung mochte es sich wie Beten anhören. Hoffte er wenigstens.

Nicht weit von ihm entfernt standen einige Mönche auf dem kleinen Rasenstück in der Mitte des Kräutergartens. Sie waren in eine ernste, auf Latein geführte Unterhaltung vertieft. Nur hin und wieder schnappte er ein Wort davon auf. Es schien um eine Reise zu gehen, um eine wichtige und notwendige Mission.

Neben Abt Liudger gehörte Arnulf, der Cellerar oder Klosterverwalter, zu der Gruppe und außerdem Gernod, wie der Abt einer der älteren Brüder. Er war sowohl Apotheker als auch Arzt, einer der angesehensten Mönche des Katharinenklosters und weit über die Grenzen Stralsunds hinaus für seine Heilkunst berühmt. Der vierte war ein Fremder. Ein rundlicher, kurzbeiniger Mann um die vierzig mit weichen Gesichtszügen und grämlicher Miene. Edgar van Berghe. Ein Kollektor, der am Vortag mit zwei Knechten eingetroffen war und Unterkunft im Kloster gefordert hatte. So wie er auftrat, war sein Erscheinen eins der wichtigeren Ereignisse des Jahres 1334. Neugierig hatte sich Leon sofort nach dem Besucher erkundigt und erfahren, dass er ein hoher Würdenträger der Kirche war, - wie alle Kollektoren. Was allerdings ein Kollektor war, hatte er noch nicht ausreichend in Erfahrung bringen können. Sicher war nur, dass Edgar van Berghe mit Geld zu tun hatte, mit außerordentlich viel Geld. Leider verstand Leon von Geld nicht besonders viel.herauch? Er selbst besaß nicht einmal einen Kupferpfennig.

Cellerar Arnulf wirkte nervös, fast schon ein bisschen gereizt. Immer wieder trat er von einem Fuß auf den anderen und spähte mit einer ruckhaften Bewegung zu Leon, was diesem jedesmal einen kleinen Stich versetzte. Arnulf gehörte nicht gerade zu seinen Wohltätern im Kloster.

Auf einmal hörte Leon jemanden rufen. Jemand mit ungewöhnlich hoher Stimme. Eine Mädchenstimme!

Annas Stimme!

Nicht jetzt, dachte Leon entsetzt. Nicht hier. Von größtem Unbehagen erfüllt, ließ er die Harke sinken.

Anna preschte auf ihn zu und schien die anderen gar nicht wahrzunehmen. Was fiel ihr bloß ein, hier einzudringen? Der Kräutergarten war praktisch geheiligter Bezirk, nur den Mönchen vorbehalten. Hier schnappten die Genesenden aus dem Krankenrevier Luft, oder Klosterbrüder gingen ihren Meditationsübungen nach. Denn der Garten war wegen seines Dufts nach frischen, aromatischen Kräutern und ein paar Blumen sehr beliebt.

Jetzt lag nur noch ein etwas breiteres Beet zwischen Anna und ihm und zwang sie, anzuhalten. Ja, sie wollte etwas von ihm. Nur von ihm. Leon fühlte sich überrumpelt. Vor allem im Beisein der vier Mönche, die sich verblüfft so gedreht hatten, dass sie volle Sicht auf Anna hatten. Und auf ihn.

Leon spürte, wie er klatschmohnrot wurde.

Anna schrie. Irgendetwas über ihren kleinen Bruder, einen unausstehlichen Schlingel, der Leon gern bei jeder Gelegenheit gegen das Schienbein trat oder ihn unvermutet mit voller Kraft in die Rippen boxte.

Anscheinend war Heyno verschwunden. Sollte Anna doch froh sein. Hatte sie nicht mal behauptet, sie würde den lästigen Knirps gern im Brunnen ertränken? Vielleicht hatte das jemand anders für sie besorgt.

Leon zwang sich, die Harke wieder über den Weg zu ziehen. Dabei sah er verstohlen Anna ins Gesicht und wunderte sich über ihre Verzweiflung. Sie kannte doch ihren Bruder! Sicher war er einem Pferd oder Hund nachgelaufen. Na und? Er würde wieder auftauchen. Nur weil ihn Anna so oft zum Teufel gewünscht hatte, regte sie sich jetzt auf. Wenn Wünsche wahr werden, weiß man erst, was sie wert sind, würde Gernod sagen, der ihn immer wieder vor unklugen, unbedachten Äußerungen gewarnt hatte.

Zufällig streifte Leons Blick das Gesicht des Kollektors und schauderte unwillkürlich. Annas Auftritt würde dem Ruf des Kloster schaden, und Arnulf würde prompt ihm, Leon, die Schuld daran geben. Schließlich war Anna nur seinetwegen hier.

„Was ist jetzt? Kommst du und hilfst mir, ihn zu suchen?“, schrie Anna. Sie beherrschte kaum noch ihre Stimme.

Auf Arnulfs Gesicht braute sich eine wahre Gewitterwolke unverhüllten Zorns zusammen. Die Miene des Kollektors spiegelte dagegen tiefen Abscheu, ja schon Verachtung wider. In diesem Moment war sich Leon allzu bewusst, dass er im Kloster nur geduldet wurde, er gehörte gar nicht her. Sein Leben hier hing ganz von der Gnade der Mönche ab. Sie hatten ihn, den Sohn ihres Schweinehirten Swinefoot, eines berüchtigten Trunkenbolds, nach dessen Tod vor vier Jahren aufgenommen und zogen ihn seitdem groß. Gewährten ihm sogar Unterricht, obwohl nichts sie dazu verpflichtete. Jetzt war Leon dreizehn. Wohin sollte er gehen, wenn sie ihn hinauswarfen?

Nicht ein Meister in der Stadt würde ihn als Lehrling nehmen, denn in ihren Augen und nach den Gesetzen der Stadt war er ein Bastard, er war von unehelicher, das hieß unehrlicher Geburt. Niemand würde sich um ihn scheren. Flüchtig dachte Leon an die einzige Person, die ein Anrecht auf ihn geltend machen könnte, es aber ums Verrecken nicht tat. Ihm war das recht so, er dachte nur höchst ungern an diesen Mann.

Bruder Gernods Augenbraue zuckte fragend nach oben. Sonst blieb sein Miene so ausdruckslos wie die Abt Liudgers. 

Leon lief der Schweiß in einem unangenehmen kleinen Bach den Rücken hinunter. Seine Haut prickelte und juckte.

Was erwartete Anna von ihm? Dass er sich vor den Mönchen mit ihr über das Verschwinden ihres Bruders unterhielt? Wahrscheinlich war der unleidliche Bengel längst allein nach Hause gelaufen. Der Amtssitz des Vogts von Stralsund lag nicht weit vom Katharinenkloster entfernt am Neuen Markt. Vogt Witzlaf war Annas und Heynos Vater.

„Du hörst mir ja gar nicht zu, schrie Anna außer sich. „Ist es dir zuviel, um was ich dich bitte?“

Leon wollte jetzt etwas sagen, aber die Zunge klebte ihm am Gaumen. Es war alles schrecklich peinlich, und Anna merkte es nicht einmal. Sie war voll und ganz mit ihrem Problem beschäftigt und scherte sich nicht um das, was sie ihm gerade aufhalste. Wahrscheinlich würde er kein Abendbrot bekommen und zur Buße in der Kirche zehn pater noster auf den Knien beten müssen.

„Eine Schande“, ließ sich der Kollektor dumpf vernehmen.

Arnulf trat einen Schritt auf Anna zu. Da fuhr sie herum und sah endlich die anderen. Sie stieß einen wehen Laut aus und drehte sich wieder zu Leon um.

„Ich verstehe“, sagte sie leise, aber deutlich genug, sodass auch die Mönche sie hören mussten. „Es ist dir unangenehm, dass ich hier bin. Ich bringe dich in Verlegenheit. Du bist, du bist ...“, sie schnappte nach Luft, „... ein elender Feigling, Leon Swinefootsohn! Das hätte ich nie und nimmer von dir gedacht!“ Anna wirbelte herum und lief mit gerafften Röcken davon. Als deutlich und für alle sichtbar ihre milchweißen Waden aufblitzten, keuchte der Kollektor zutiefst angewidert auf.

„Sündhaft!“, bellte er zornig.

Sie trägt nicht einmal Strümpfe, dachte...


Maaser, Eva
Eva Maaser, geboren 1948 in Reken (Westfalen), studierte Germanistik, Pädagogik, Theologie und Kunstgeschichte in Münster. Sie hat mehrere erfolgreiche Krimis, historische Romane und Kinderbücher veröffentlicht.

Bei dotbooks erschienen bereits Eva Maasers Kriminalromane „Der Clan der Giovese“, „Das Puppenkind“, „Tango Finale“ und „Kleine Schwäne“.

Eva Maaser veröffentlichte bei dotbooks außerdem ihre historischen Romane „Der Geliebte der Königsbraut“ und „Der Hüter der Königin“.

Zudem erschienen bei dotbooks Eva Maasers Kinderbuchserien um Leon und Kim: „Leon und der falsche Abt“, „Leon und die Geisel“, „Leon und die Teufelsschmiede“ und „Leon und der Schatz der Ranen“, „Kim und die Verschwörung am Königshof“, „Kim und die Seefahrt ins Ungewisse“ und „Kim und das Rätsel der fünften Tulpe“.



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