E-Book, Deutsch, 148 Seiten
Lysk Wenn der Omega-Wolf erwacht
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96089-214-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 148 Seiten
ISBN: 978-3-96089-214-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Schule ist vorbei. Für immer. Und Cole ist bereit für das richtige Leben. Seine neue Ausbildung als Mechaniker verspricht genug Geld, um sich davon eine kleine Wohnung in der Stadt zu leisten. In der Nähe seines Rudels, aber nicht zu nah. Und wer weiß schon, was er mit dieser Freiheit anfangen kann? Aber bevor es richtig losgeht, fährt er mit seinen besten Freunden TJ und Ari noch zum Campen in die Wälder. TJ ist schon seit Jahren Coles bester Freund, er war es schon vor ihrer Schulzeit und er ist fast so gut darin, sich aus Schwierigkeiten zu befreien, wie in welche zu geraten. Und ohne Aris scharfen Verstand und sein süßes Grinsen kann sich Cole sein Leben auch nicht mehr vorstellen. Alles ist wunderbar, bis Cole beginnt, sich seltsam zu fühlen. Innerhalb von ein paar Stunden wird sein Leben komplett auf den Kopf gestellt: Er ist ein Omega. Er ist läufig. Und er ist alleine in den Wäldern mit zwei Alphas.
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Kapitel Eins
Sie hielten sich nicht damit auf, ihre Sachen zusammenzupacken, sie nahmen nur ihre Handys und verließen den Wald in Richtung Coles Zuhause, sobald sie angezogen waren. Nichts hätte den Geruch von Sex beseitigen oder Coles neuen Duft verbergen können, an diesem Punkt war es mehr eine Ermessensfrage als eine Heimlichkeit.
Was die Leute beunruhigte und veranlasste, aus ihren Häusern zu kommen, war die Tageszeit. Sie wurden frühestens am späten Nachmittag zurückerwartet, wenn nicht sogar erst am nächsten Tag – die Schule war schließlich für immer vorbei – und sie kreuzten im Morgengrauen auf.
Cole wäre es am liebsten gewesen, wenn ihn gar niemand in diesem Zustand gesehen hätte, aber seine Mutter zu treffen – anscheinend gerade von ihrem morgendlichen Lauf zurück – war zu viel für ihn. Er zog seine Hand aus Aris lockerem Griff und brach sofort zusammen. Er fiel auf die Knie, schnappte nach Atem wie ein Ertrinkender und schlotterte so heftig, dass seine Zähne klapperten.
„Cole!“, rief sie aus und überwand die Entfernung zwischen ihnen mit einer enormen Geschwindigkeit. Sie kniete sich zu ihm hinunter, nahm sein Gesicht in ihre Hände, aber Cole schloss seine Augen. Er konnte sie nicht ansehen, wollte nicht … Und dann schob sich eine schwere Hand in seinen Nacken und er konnte wieder atmen, immer noch unregelmäßig, immer noch mühsam, aber es war nicht länger unmöglich. Bedauerlicherweise konnte er sie jetzt sprechen hören und verstand, was sie sagte. „Was ist passiert? Wie …?“
Cole antwortete nicht und er sah sie nicht an. Nicht einmal die seltsame Ruhe, die die Berührung des Alphas mit sich brachte, konnte die Dunkelheit über seinen Gedanken vertreiben. Natürlich wollte seine Mutter wissen, was mit ihm passiert war: Es gab fast keine männlichen Omegas. Und trotzdem …
„Berührst du ihn, um ihn zu beruhigen?“ Ihre Stimme war eisig und erst als die Antwort kam, erkannte er, dass es TJs Hand war, die ihn berührte.
„Ja, es –“
„Nun gut“, schnitt sie ihm das Wort ab. „Komm Cole, wir müssen dich hineinbringen.“
Er war schon einige Zeit größer als sie, aber das machte jetzt gerade nichts, sie war sehr muskulös und half ihm sanft auf die Füße. TJs Finger griffen für einen Augenblick fester zu, um ihn weiterhin zu halten – trotz der unangenehmen Situation ließ er ihn auch nicht los, als sie Richtung Haus gingen.
Seine Mutter zeigte auf das Sofa. „Setzen.“ Cole reagierte nicht, deswegen zog ihn TJ nach unten. Cole saß und TJ war neben ihm, unfähig, irgendetwas zu tun, weil er Cole immer noch im Nacken hielt.
„Ich werde …“, begann TJ. Cole sah nicht auf. „Ich werde die Hände tauschen, ich brauche nur eine Sekunde.“
Cole bekam keine Chance, wieder in Panik zu geraten, weil TJ sehr schnell war. Als er sein Handgelenk umschlossen hatte, ließ Cole sich gegen die Lehne fallen und schloss die Augen. Er konnte nur die Welt auf diese Art nicht abblocken: Sein Gehör war so scharf, dass er wusste, Ari war ebenfalls im Zimmer und seine Mutter durchsuchte die Küche auf der anderen Seite des Hauses.
Aber er nahm es hin. Er würde alles hinnehmen, so lang es hieß, dass es ein bisschen leiser wurde, ein bisschen weniger …
Cole öffnete seine Augen, als er sie zurückkommen hörte. Hauptsächlich weil sich TJ neben ihm anspannte. Sie schenkte gerade ein halbes Glas einer rötlichen Flüssigkeit ein. „Trink das aus.“
Cole tat, wie sie verlangte und zu seinem Erstaunen schmeckte es alkoholisch. Es war nicht so, dass seine Eltern ihm verboten hätten, Alkohol zu trinken, aber Alkohol schlug bei dem beschleunigten Stoffwechsel von Werwölfen nicht an. Er starrte sie in seinem Schock an, bevor er seinen Blick schnell wieder senkte, aber seine Mutter packte ihn und erklärte: „Es ist hochkonzentriert und es ist Belladonna mit dabei. Es wird dir helfen, dich zu beruhigen.“
Er nickte und trank. Es war zu süß, nicht wie Wein oder Bier – nicht, dass Cole etwas davon gemocht hätte, als seine Klassenkameraden mit ihm geteilt hatten, aber egal – und es schien, als würde es seinen Hals verstopfen. Aber es war nur ein halbes Glas und mit etwas Überwindung trank er es aus.
Er blickte auf, um seiner Mutter das Glas zurückzugeben, und sah, dass sie auf der anderen Seite des Zimmers beim Telefon war. Ari nahm es ihm ab. Seine roten Converse waren bedeckt mit Schlamm und Grasflecken. Cole fragte sich, ob der Drink wohl jeden Moment einschlagen würde, aber es war ein müßiger Gedanke. Er war besorgt, aber es schien, als hätte er keine Gefühle für diese Sorge.
Und dann zog die Stimme seiner Mutter seine Aufmerksamkeit auf sich. Er merkte, dass sie aufgelegt hatte. Ari zog seine Schuhe hastig ein und TJ versteifte sich neben ihm. Sie hatten Angst, das verstand er. Sie dachten, sie würde ihnen Vorwürfe machen. Alphas waren schließlich vorgesehen, um Betas und Omegas zu beschützen.
„Doktor Jaswinder wird bald hier sein“, sagte sie. „TJ, lass ihn los, aber bleib sitzen.“
TJ ließ ihn los und Cole fing Feuer. Er wollte etwas sagen, aber das vergaß er schnell, als die Welle von Emotionen, die er unterdrückt hatte, plötzlich über seinen Verstand hereinbrach. Er krümmte sich, sackte nach vorne und war zu überfordert, um zu sprechen. Plötzlich kniete seine Mutter vor ihm und legte ihm sanft eine Hand auf den Arm. „Es ist okay, lass es einfach zu. Es war beängstigend, aber jetzt ist es vorbei. Alles wird in Ordnung kommen.“
Cole musste würgen. Es war nicht die Wahrheit und sogar in seinem jetzigen Zustand konnte er hören, wie ihr Herz bei der Lüge einen Moment lang aussetzte.
„Oh verdammt, Cole“, sagte sie, als sie ihren Fehler erkannte. „Es wird besser. Ich werde es richten.“
Sie lehnte sich nach vorne, um ihn ganz zu umarmen, und er ließ es zu, ließ es zu, dass er in ihren Armen bebte. Es war nicht mehr so schlimm, wie es schon gewesen war. Diesmal konnte er atmen. Aber er war immer noch ziemlich durch den Wind und konnte nichts dagegen tun. Es gab kein Zurück mehr.
Er steckte fest.
Er wusste nicht, wohin TJ und Ari gegangen waren oder wann, aber sie waren nicht mehr da, als seine Mutter ihm den Gang hinunter Richtung Badezimmer half. Sie half ihm, TJs Shirt auszuziehen, und zog ihm die Schuhe aus, als er auf dem Toilettendeckel zusammensackte. Dann zögerte sie. Er zitterte immer noch wie Espenlaub, aber es war ihr unangenehm, ihm seine Jeans auszuziehen. Auch Cole wollte das auf keinen Fall und er war halb von Sinnen.
„Kannst du den Rest erledigen? Ich drehe mich um.“
Sie drehte sich um und machte die Dusche an, ließ das Wasser warm werden. Cole mühte sich mit seinem Reißverschluss ab – er trug keine Unterwäsche – und schaffte es schließlich, sich seiner Jeans zu entledigen. Ihre Stimme klang distanziert, als sie fragte: „Schaffst du es?“
Cole glaubte nicht, aber er wollte verdammt sein, wenn ihn seine Mutter duschen musste, als sei er fünf Jahre alt. Er konzentrierte sich auf die Duschwanne – Gott sei Dank war es nicht die Badewanne – und ging einen Schritt darauf zu. Er wagte einen Blick zu ihr und bemerkte, dass sie ihm zugewandt war und sein Gesicht fixierte. Sie dachte vermutlich, dass er fallen könnte. Die Vorstellung, wie sehr er für ihre empfindliche Nase stinken musste, ließ seinen Magen rebellieren und ihn vor Scham erröten. Sie trat zu ihm und öffnete die Tür zur Dusche.
„Komm, bevor es kalt wird.“
Es war lächerlich, sich darüber Sorgen zu machen: Sie hatten ihren eigenen Tank. Das Wasser war in all den Jahren nicht einmal kalt geworden, nicht einmal, wenn sie Besuch von anderen Rudeln hatten und das Haus voll mit Leuten war.
Er musste sich an der Seitenwand anhalten, damit er seinen Fuß hoch genug heben konnte, um hineinzusteigen. Das Gefühl, als ihn das Wasser auf einmal traf, war fast zu viel für sein überstrapaziertes Gehirn. Er fror für einen langen Moment, bevor er daran dachte, seine andere Handfläche auf die Fliesen zu legen und sein Gewicht damit zu verteilen.
„Ich bin in fünf Minuten zurück“, hörte er seine Mutter hinter sich sagen und dann öffnete und schloss sich die Badezimmertür.
Er ließ das Wasser für einige lange Minuten auf sich trommeln, vermutlich mehr als fünf Minuten, bevor er die Augen öffnete, um nach den bunten Flaschen zu suchen. Er öffnete eine davon, ohne nachzusehen, was es war – es war schwer genug für ihn, zu lesen, wenn er einen klaren Kopf hatte – und roch daran. Erdbeere, das Lieblingsshampoo seiner kleinen Schwester. Er schüttete viel zu viel in seine Hand und lehnte sich unbeholfen gegen die Wand, um nicht umzufallen. Er schloss seine Augen wieder, wusch sich den Kopf und machte sich nicht wirklich Gedanken darüber, sauber zu werden, aber er musste den Geruch von Sex durch etwas anderes ersetzen. Egal was.
Von dem Geruch musste er würgen. Loreleis Geruchssinn konnte nicht gut sein, wenn sie dieses Zeug benutzte – für eine Sechsjährige machte sie sich definitiv zu viele Gedanken über ihre glänzende dunkle Mähne. Es war widerlich süß und künstlich und es schmeckte nach Plastik. Er konnte TJ und Ari nicht mehr riechen oder … was sie getan hatten, aber er musste tief einatmen, um den Brechreiz zu unterdrücken. Er fand eine andere Flasche und schrubbte Haare und Körper noch einmal. Diesmal zwang er sich, mit den Fingern nicht nur durch seine Schamhaare zu fahren und seinen Schwanz zu...




