E-Book, Deutsch, 396 Seiten
Lynn Forbidden Secret
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7363-1702-4
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 396 Seiten
ISBN: 978-3-7363-1702-4
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Er ist erfolgreich, er ist attraktiv - und er hebt ihre Welt aus den Angeln. Doch was, wenn er ihr Geheimnis erfährt?
Von einem auf den anderen Augenblick muss Roe Pierce für ihre kleine Nichte sorgen. Ihren Job und das Baby unter einen Hut zu bringen, ist mehr als nervenaufreibend. Dass sie an einem schlechten Tag einem der Chefs Kaffee übers Hemd kippt, stellt Roes gesamtes Leben auf den Kopf. Thane Carthwright ist heiß, arrogant und auch ein bisschen rachsüchtig, denn er sorgt dafür, dass Roe vorübergehend als seine Assistentin arbeiten muss. Roe und Thane liefern sich ständig Wortgefechte, und mit jedem Tag verwandelt sich ihre anfängliche Abneigung in heißes Knistern. Doch wie ernst wird Thane es meinen, wenn er erfährt, dass es Roe nur im Doppelpack gibt?
'Niemand schreibt so gute Office-Romances wie K.I. Lynn!' Goodreads
Der neue Roman von Bestseller-Autorin K.I. Lynn
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Prolog
Ich wiegte das Baby in meinen Armen, um die Kleine zu beruhigen. Hatte sie Hunger? Eine volle Windel?
Natürlich sagte sie es mir nicht, sondern schrie einfach jämmerlich. Und als wenn das allein noch nicht gereicht hätte, um mich in Panik zu versetzen, besorgte der Anblick ihres missmutig zerknautschten Gesichts den Rest. Was hatte ich mir nur dabei gedacht?
Es waren nur vier Stunden vergangen, seit das Jugendamt angerufen und mir mitgeteilt hatte, ich habe eine Nichte. Und wenn ich das Baby nicht nähme, würde es in eine Pflegefamilie kommen. Sollte ich das zulassen? Ich traf meine Entscheidung auf der Stelle und aus dem Bauch heraus – natürlich würde ich sie nehmen.
Ich hatte nicht einmal gewusst, dass Ryn, meine jüngere Schwester, schwanger gewesen war, aber ich hatte sie auch seit sechs Monaten nicht mehr gesehen. Nicht seit ihrem letzten Auftritt, als sie vollkommen zugedröhnt und verzweifelt wieder mal Geld gebraucht hatte.
War sie damals schon schwanger gewesen? Ich rechnete schnell nach und begann vor Zorn zu zittern. Jahrelang hatte Ryn Drogen allem anderen vorgezogen, und anscheinend hatte die Geburt eines Babys nichts daran geändert.
Sie war weggelaufen. Hatte das Krankenhaus verlassen und war in einer weiteren Crackhöhle verschwunden.
»Hast du Hunger?«, fragte ich das winzige Baby in meinen Armen. Das kleine Mädchen hatte nicht einmal einen Namen. Nicht einmal das hatte meine Schwester für sie tun können.
Einmal mehr fiel es mir zu, die Kastanien aus dem Feuer zu holen, weil meine Schwester drogensüchtig war.
Das Baby stieß einen weiteren schrillen Schrei aus und verstärkte das zornige Zittern in mir. Worauf hatte ich mich da eingelassen? Ich wusste rein gar nichts über Babys, und binnen eines Nachmittags hatte ich eins bekommen.
Tränen traten mir in die Augen, und ich stieß einen unsicheren Atemzug aus.
Glücklicherweise hatte das Jugendamt mir für den Anfang etwas Babynahrung mitgegeben, aber ich würde den Abend damit verbringen, im Internet den ganzen Rest zu kaufen.
Heute war Dienstag. Was sollte ich morgen früh wegen meiner Arbeit tun? Ich hatte einen Job gefunden, den ich liebte, und ich hatte einen tollen Chef, aber wie würde er reagieren, wenn ich mir plötzlich freinehmen musste? Stand mir überhaupt irgendeine Art von Familienurlaub zu?
Meine plötzliche Mutterschaft würde eine riesige Umstellung bedeuten, und ich musste mir eine Strategie zurechtlegen. Aber das Wichtigste war, erst einmal mit meinem Chef zu reden.
Falls ich bis dahin nicht ein hyperventilierendes Wrack war.
Die größte Hürde würde Pete sein, mein Freund.
Während unserer vierjährigen Beziehung hatten wir über unsere Zukunft gesprochen, über Ehe und Kinder, aber er hatte in dieser ganzen Zeit nichts unternommen, um Worten Taten folgen zu lassen.
Wann immer ich das Thema zur Sprache brachte, speiste er mich mit irgendeiner Ausrede ab. »Wir sind noch jung, Roe. Wir haben Zeit.«
Sorgen und Unsicherheiten, wohin ich auch schaute. Ich begann an mir zu zweifeln, aber ein weiteres, jetzt leises Ächzen von dem Bündel in meinen Armen traf mich mitten ins Herz und erinnerte mich daran, dass meine Nichte es wert war, was auch immer geschah.
Das Türschloss klickte, und ich drehte mich um, mein Magen ein einziger Knoten. Pete blieb abrupt stehen und riss seine braunen Augen auf.
»Was zur Hölle hat dieses Geheule zu bedeuten?«, fragte er und starrte auf das Bündel in meinen Armen. »Passt du auf irgendjemandes Kind auf?«
»Hey, Babe.«
Er sah sich im Raum um, und sein Blick flog zu den Taschen auf dem Boden. »Erklär mir das«, verlangte er und betrachtete die Kleine finster.
Ich kannte diese Tonart. Nach vier gemeinsamen Jahren kannte ich jeden Tonfall von ihm, und die harte Schärfe seiner Worte, mit zusammengebissenen Zähnen hervorgestoßen, verriet mir, dass dieses Gespräch nicht gut laufen würde.
»Das ist meine Nichte«, sagte ich und drehte das Baby zu ihm, um ihm das Gesicht der Kleinen zu zeigen, in der Hoffnung, dass es ihn besänftigen würde.
»Ryn hat ein Baby bekommen?«, fragte er, dann sah er sie an, und seine Mundwinkel zogen sich herab.
»Und es wird hier leben.«
Seine Augen weiteten sich. »Hier? Bei uns?«
Ich schluckte hörbar. »Ja.«
Er schüttelte den Kopf. »Nein. Ruf Ryn an und sag ihr, sie soll ihr Balg abholen.«
»Pete! Was zur Hölle?« Ich wusste, woher seine Ablehnung kam. Ryn hatte im Laufe der vergangenen Jahre viele Male ihre Probleme bei uns abgeladen, aber das hier war etwas anderes. Das hier war ein Baby, das mich brauchte. Ein unschuldiges Kind, das auf mich angewiesen war.
»Wo zum Teufel sollen wir ein Baby unterbringen? Diese Wohnung ist kaum groß genug für uns zwei.«
Obwohl die Wohnung in Lenox Hill, in der wir lebten, größer war als unsere vorherige Wohnung, handelte es sich doch immer noch um ein kleines Apartment mit nur einem einzigen Schlafzimmer – Wohnen in New York vom Feinsten.
»Ich weiß es nicht, aber wir können eine Lösung finden.«
Er schüttelte den Kopf. »Nein. Nein, es kann nicht hierbleiben.«
»Sie kann sonst nirgendwohin«, stieß ich mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Das hier stand nicht zur Diskussion – sie würde bleiben.
»Das ist mir scheißegal. Es ist nicht unser Problem! Soll sich jemand anders darum kümmern.«
Ich reckte das Kinn vor und schüttelte den Kopf. »Sie gehört zur Familie. Ich überlasse sie nicht fremden Menschen.«
Seine Augen wurden schmal. »Es bleibt nicht.«
»Pete, bitte«, sagte ich in dem Versuch, das Gespräch von der heftigen Explosion abzuwenden, auf die es zusteuerte.
Im Laufe der Jahre hatten wir uns nur wenige Male gestritten, aber bei diesem Wortwechsel wurde mir bewusst, dass seit Monaten keiner von uns mehr so erregt gewesen war.
Er schüttelte den Kopf. »Nein, Roe.«
»Wir können nicht einmal darüber reden?«, fragte ich.
»Was gibt es da zu reden? Ich will im Moment kein Kind, erst recht nicht das von deiner Schwester, dem Junkie!«
»Was willst du damit sagen?«, fragte ich. Der Riss, der sich in meinem Herzen bildete, kannte die Antwort bereits.
Gewiss würde der Mann, mit dem ich seit Collegetagen zusammenlebte, der erste Mann, den ich je geliebt hatte, mich jetzt nicht dazu zwingen, mich zwischen ihm und einem vollkommen hilflosen kleinen Mädchen entscheiden zu müssen.
»Ich will sagen, dass du wählen musst. Entweder dieses Ding oder ich.«
Und da war es – das Ultimatum. Das, von dem ich gewusst hatte, dass es kommen würde. Irgendwie hatte ich mir trotzdem eingeredet, dass Pete mich nicht enttäuschen würde.
»Du verlangst von mir, meine zwei Wochen alte Nichte im Stich zu lassen?«
Er verschränkte die Arme vor der Brust und schaute höhnisch auf das Baby hinab. »Ich sage dir, wenn du es nicht zurückgibst, bin ich weg.«
Ich konnte es nicht glauben. Mir wurde flau im Magen, als ich ihn ansah. Ihn wirklich ansah. Sein braunes Haar war zerzaust wie immer, seine ebenfalls braunen Augen schmal, und die Ärmel seines Hemds waren hochgekrempelt, sodass eine Reihe von Tattoos sichtbar wurde. Für mich war er groß, aber in Wirklichkeit war er gerade mal eins siebzig. Doch in dieser Haltung wirkte er größer und beeindruckender.
Es fiel mir nicht leicht, jemandem zu vertrauen. Ich hatte meine Gründe dafür, Resultat meiner Lebenserfahrungen, und ich hielt oft einen Teil von mir zurück. Ich war jederzeit bereit zu gehen. Und doch hatte ich Pete nach Jahren des Zusammenlebens stillschweigend einen Vertrauensvorschuss gewährt. Hatte daran geglaubt, dass unsere Beziehung auf eine Art und Weise stabil war, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte.
Ein großer Teil von mir, tief in meinem Inneren, hatte in der Minute, als die Frau vom Jugendamt mir meine Optionen erklärt hatte, gewusst, dass genau diese Situation eintreten würde. Petes Reaktion verhärtete mein Herz nur noch mehr.
Innerlich spürte ich beinahe, wie das Band zwischen uns durchtrennt wurde, während das Band zwischen dem Baby in meinen Armen und mir stärker wurde. Ich würde es nicht weggeben. Weder für ihn noch für irgendjemanden sonst.
»Das kann nicht dein Ernst sein«, sagte ich.
»Ich meine es todernst, Roe. Ich will das Problem deiner Schwester nicht. Sie hat uns im Lauf der Jahre genug Scherereien gemacht, oder erinnerst du dich nicht daran, wie du ihr das Geld für unsere verdammte Miete für eine Reha gegeben hast, nur damit sie drei Tage später abgetaucht ist?« Er beugte sich vor, seine Augen zu Schlitzen verengt. »Außerdem bist du das alles einfach nicht wert.«
Da war er, der wahre Grund, warum Pete nicht damit einverstanden war, mir zu helfen, mich um das Kind meiner Schwester zu kümmern. Die Worte waren ein Hieb in die Eingeweide, dann ein tiefer Stich in meine Brust, während sie sich in mein Herz brannten.
Meine Schultern sackten herab, und ich drückte das unschuldige Kind in meinen Armen unwissentlich noch fester an mich.
»Wie bitte? Was? Ich bin es nicht wert?«, fragte ich wutschnaubend. Ich war immer die brave kleine Freundin. Stimmte so ziemlich allem zu, was er wollte. Das lag zum Teil an meinem Wunsch, geliebt zu werden, aber auch daran, dass ich ein normalerweise ziemlich umgänglicher Mensch war.
Meistens jedenfalls.
Aber er hatte mir gerade alle Ergebenheit verleidet.
Ich...




