E-Book, Deutsch, Band 3, 290 Seiten
Reihe: Fred-Carver
Lutz Florida Killings: Kaltes Feuer
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-283-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller - Ein Fred-Carver-Thriller 3 | »John Lutz ist ein Meister der Gänsehaut.« - Harlan Coben
E-Book, Deutsch, Band 3, 290 Seiten
Reihe: Fred-Carver
ISBN: 978-3-98952-283-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
John Lutz (1939-2021) war ein US-amerikanischer Autor von über 50 Thriller und Romanen. Er wurde für seine Kriminalromane mehrfach ausgezeichnet - unter anderem mit dem Shamus Lifetime Achievement Award und dem Edgar-Allan-Poe-Award, dem wichtigsten Spannungspreis Amerikas. Mehrere seiner Werke wurden verfilmt. Die Website des Autors: www.johnlutzonline.com/ Der Autor bei Facebook: www.facebook.com/JohnLutzAuthor/ Bei dotbooks veröffentlichte der Autor die folgenden eBooks: Die Missouri-Murders-Reihe um den Privatdetektiv Alo Nudger: »Missouri Murders: Schwarze Nacht« »Missouri Murders: Kaltes Schweigen« »Missouri Murders: Tiefe Schatten« »Missouri Murders: Harte Strafe« »Missouri Murders: Fatale Schuld« Die Florida-Killings-Reihe um den Ex-Cop Fred Carver: »Florida Killings: Brennende Rache« »Florida Killings: Roter Tod« »Florida Killings: Kaltes Feuer« »Florida Killings: Sengender Verrat« »Florida Killings: Lodernder Zorn« Seine Frank-Quinn-Reihe um einen Ex-Cop auf der Spur von Serienkillern: »Opferschrei« »Blutschrei« »Zornesschrei« »Jagdschrei Außerdem veröffentlichte der Autor bei dotbooks den Psychothriller »Die Stalkerin«.
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Kapitel 2
Renway fummelte geistesabwesend eine Packung Winston aus seiner Brusttasche und starrte sie dann an, als sähe er sie zum ersten Mal. Er nahm die dunkle Brille ab und hob fragend die grauen Augenbrauen. »Darf ich rauchen?«
»Natürlich.« Carver genehmigte sich selbst ab und zu eine Zigarre, was also hätte ihn berechtigt, dies seinem Gegenüber zu verwehren? Er streckte den Arm aus und reichte Renway einen Muschelaschenbecher, der auf der Ecke des Schreibtischs gestanden hatte. Der Bewohner der Muschel war schon lange verschwunden und würde sich nicht mehr beschweren.
Renway stellte den Ascher auf seinen Schoß und zog eines dieser billigen Wegwerffeuerzeuge hervor, in dem eine Anglerfliege eingeschlossen war. Es sah aus wie ein Insekt in einem Reagenzglas. Er zündete seine Zigarette an und inhalierte.
»Ich glaube, alles begann, als ich in Rente ging. Ich hatte bei der Bahn gearbeitet, oben im Norden, und zog dann mit meiner Frau Ella hierher. Wir wollten in Florida von meiner Rente leben. Der Anfang der schönen Jahre.« Er entfernte ein Stückchen Tabak von seiner Oberlippe und schnippte es weg. »Aber irgendetwas ging schief. Die Rente reichte vorne und hinten nicht, und vor sechs Monaten starb Ella an Krebs. Danach lebte ich weiter in unserem Campingwagen, im Osten der Stadt. Beach Cove Court. Kennen Sie das?«
»Bin mal vorbeigefahren.«
»Ich hatte keinen Grund, aus Del Moray wegzuziehen. Ich hatte eigentlich kaum Gründe für irgendetwas. Ich funktionierte sozusagen auf Autopilot, wenn Ihnen das was sagt.«
»Ja«, sagte Carver. »Kenn’ ich.«
Ein langer, blausilberner Reisebus rumpelte vorbei. Abgase krochen ins Innere des Büros, vielleicht durch die Klimaanlage, und mischten sich mit dem Zigarettenrauch.
»Ungefähr vor ’nem Monat«, fuhr Renway fort, »hat mich ein alter Eisenbahnkumpel, der auch in Rente und nach Florida gezogen ist, nach Fort Lauderdale eingeladen. Mit ihm hatte ich auf den Rangierbahnhöfen in Alton und irgendwo im Süden mal zusammengearbeitet. Lebt mit seiner Frau in einem winzigen Einzimmerapartment, also übernachtete ich in einem Motel. Es war nett, ihn mal wiederzusehen. Als ich zum Motel zurückkam, hielt mich so ein gelackter Affe auf dem Parkplatz auf. Rief meinen Namen. Sagte, er hätte ’nen Job, total legal, mit dem ich ’ne Menge Kohle machen könnte. Ich hatte keine Lust, nach irgendeiner Gemeinschaftswohnanlage oder ’nem Büro zu sehen, also sagte ich ihm höflich, ich wäre nicht interessiert. Da kramte er fünf Hundertdollarnoten hervor und gab sie mir. Sagte, ich müßte nur zuhören und könnte den Zaster dann behalten.«
»Und? Was haben Sie getan?« erkundigte sich Carver, obwohl er wußte, daß es eine dumme Frage war. Er wollte Renway nur am Reden halten, so daß er alles erzählte und sich seine Worte nicht zu sorgfältig überlegte.
»Ich lud ihn auf einen Drink in die Motelbar ein. Wir tranken Daiquiris, und er erklärte mir seinen Plan.«
»Plan?«
»Na ja, eigentlich ist es viel zu simpel, um es ›Plan‹ zu nennen. Ich sollte in Fort Lauderdale bleiben und in einer Wohneinheit am Ocean Boulevard leben. Mich Frank Wesley nennen, falls jemand fragt. Wesleys Karre fahren und sogar ein paar von seinen Klamotten tragen. Davon abgesehen mußte ich einfach nur sein Haus irgendwann am Vormittag verlassen und ein bißchen umherfahren. Mittagessen. Noch ein bißchen umherfahren. Vielleicht mal ins Kino gehen. Einfach ein wenig von dem Geld ausgeben, das ich bekam.«
»Wieviel war das?«
»Zweitausend Dollar die Woche.«
Carver beobachtete eine dicke Fliege, die zur Fensterecke hinaufkletterte. Sie erreichte die obere Kante, drehte sich scharf nach rechts und begann, sich horizontal fortzubewegen, sehr zielgerichtet, als könnte das, was sie da tat, irgendeinen Sinn haben. »Sie haben sich nicht zufällig gedacht, daß dieses Geschäft, nun ja, ein wenig merkwürdig ist? Diesen Wesley zu spielen?«
»Ich sagte: zweitausend Dollar pro Woche, Carver. Aber natürlich hatte ich das Gefühl, daß da was nicht stimmen kann, also fragte ich Palmer –«
»Palmer?«
»’tschuldigung. Ralph Palmer, der Typ, der mich angeworben hat. Ich bat ihn, ein Papier zu unterschreiben, das ich aufgesetzt hatte. In dem er versicherte, daß alles, was ich zu tun hatte, vollkommen legal ist. Ein Vertrag. Wir haben beide unterschrieben.« Renway zog ein schweißnasses, gefaltetes Stück Papier aus seiner Gesäßtasche und reichte es Carver über den Schreibtisch. »Ich bin allerdings kein Anwalt«, sagte er entschuldigend. Na ja, dafür muß sich bestimmt niemand entschuldigen.
Der »Vertrag« war mit Maschine geschrieben, mit vielen weiß übermalten Feldern. Es stand darin, daß Palmer Renway engagierte, damit der in Wesleys Wohnung als Frank Wesley lebte, drei Monate lang, oder bis seine Dienste nicht mehr gebraucht würden. Daß nichts Verbotenes dabei wäre und der echte Wesley von diesem Geschäft wüßte und es billigte. Auch die Geldangelegenheiten standen drin. Renways hingekritzelte Unterschrift stand unten neben Palmers sauber abgezirkelter.
Carver gab Renway den Zettel zurück. »Das bedeutet nicht unbedingt besonders viel Legalität«, sagte er.
Renway faltete das Papier vorsichtig zusammen und steckte es in seine Gesäßtasche zurück. »Ich weiß, aber es gibt mir ein wenig Sicherheit.«
»Nicht genug.«
»Stimmt schon. Deswegen will ich Sie engagieren – um rauszufinden, was da los ist. Ich bin nach Del Moray gefahren, um ein paar Sachen zu holen, und ich dachte mir, ich sollte hier auch einen Detektiv anheuern, denn Palmer und seine Freunde müssen mich ja schon beobachtet haben, bevor ich nach Fort Lauderdale kam.«
»Wieso glauben Sie das?«
»Palmer wußte eine Menge über mich, als wir uns zum ersten Mal in der Motellounge trafen. Er wußte sogar über Ella Bescheid. Daß sie an Krebs gestorben ist.«
»Sie sagten: ›Palmer und seine Freunde‹.«
»Ja. Ich hab’ nie jemanden außer Palmer getroffen, aber er sagt ab und zu ›wir‹ und spricht auch sonst so, als wären da noch andere Leute beteiligt.«
Carver spielte einen Moment mit dem Griff seines Walnußstocks, lehnte ihn dann gegen den Schreibtisch. »Ist Ihnen irgendetwas Merkwürdiges passiert, während Sie als Frank Wesley umherliefen?«
»Nichts Besonderes. Ich hätte genausogut Bert Renway sein können, wie immer, nur daß ich dafür nicht 2000 die Woche bekäme.« Er beugte sich vor. »Carver, diese ganze Geschichte verunsichert mich ganz gehörig.«
»Wissen Sie irgendwas über Wesley?«
»Nix. Palmer wollte mir nichts von ihm erzählen. Aber er lebt in einer netten Gegend. Muß Geld haben. Das ist seine Mühle da draußen, der dicke Caddie. Ich fahr’ normalerweise nur einen Escort.«
»Haben die was darüber gesagt«, fragte Carver, »wo Wesley ist, während Sie er sind?«
»Nicht die Bohne. Das ist es ja, warum ich das Gefühl hatte, ich sollte einen Teil von meinen zweitausend die Woche benutzen, um herauszukriegen, warum ich sie überhaupt bekomme.«
»Könnte gut angelegtes Geld sein«, stimmte Carver zu. Er nannte Renway sein Honorar. Bekam einen Vorschuß in bar. Wie man Geschäfte eben so macht. Er sagte: »Wie sieht Palmer aus?«
»Ungefähr vierzig«, antwortete Renway. »Irgendwie gutaussehend. Hat glatte schwarze Haare, dunkle Augen. Vielleicht etwas kubanisches Blut.«
»Spanischer Akzent?«
»Ganz klein wenig, würd’ ich sagen. Zieht sich an wie ein Millionär; immer mit teurem Anzug und Schlips. Fährt ’n kleines graues Auto – keine Ahnung, was für eins. Irgendwas Ausländisches, schätz’ ich. Ich leb’ jetzt seit gut drei Wochen als Frank Wesley, und ich hab’ Palmer nur viermal gesehen: als er mich ansprach und an den nächsten drei Freitagabenden, wenn er mich bezahlte.«
»Wo haben Sie sich getroffen?«
»Wir haben ’ne Verabredung jeden Freitagabend um sieben an einem öffentlichen Strand. Eine Bank an der Kreuzung Sunrise/Ocean Boulevard.«
»Sie werden bar bezahlt?«
»Ja. In Fünfzigern oder kleineren Noten. Die Asche sieht echt aus. Einen Teil davon liegt vor Ihnen. Von ihm zu mir zu Ihnen.«
Carver nahm die obersten beiden Noten von dem Stapel Fünfziger: Renways Vorschuß. Er schnipste dagegen, strich mit den Fingern über den Aufdruck, hielt die Scheine gegen das Licht, verglich die Seriennummern. »Können Sie mir Ihre – Wesleys – Adresse geben, und einen Zweitschlüssel? Ich sollte mir den Laden mal ansehen, während Sie rumfahren. Dann ist derjenige, der Sie vielleicht beobachtet, nicht in der Nähe der Wohnung.«
»Ich hab’ nicht das Gefühl, daß mich irgendwer beobachtet oder mir folgt; ich habe danach Ausschau gehalten. Bin ein paarmal hin und her gefahren und habe den Rückspiegel im Auge behalten.«
»Manche Leute sind verdammt gut im Verfolgen«, sagte Carver. »Schreiben Sie mir am besten auch Wesleys Telefonnummer auf. Ich werd’ sie vermutlich nicht brauchen, und es wäre gut, wenn Sie auch nicht hier anrufen würden. Überhaupt, machen Sie von der Wohnung aus keine Anrufe, die niemand mithören soll.«
»Oh. Sie glauben, ich werd’ abgehört?«
»Das müssen wir herausfinden. Wenn die Typen, die Sie engagiert haben, Profis sind, können die ’ne Menge Sachen anstellen, ohne daß Sie’s mitkriegen.«
Renway schluckte das, schrieb Wesleys Adresse auf und sagte, er würde noch heute nachmittag einen Zweitschlüssel machen lassen und ihn in Carvers Büro vorbeibringen. Als wollte er diese Aussage unterstreichen, fischte er einen Schlüsselbund aus seiner Tasche. Ein großes goldenes W war mit einer Kette daran befestigt. Er löste...




