Lundberg | Inbetween - Zwischen Bühne und Bordell | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 364 Seiten

Lundberg Inbetween - Zwischen Bühne und Bordell


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96089-022-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, 364 Seiten

ISBN: 978-3-96089-022-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Jerik hält nicht viel von Musicals und an so etwas wie Liebe auf den ersten Blick glaubt er auch nicht - so lange, bis er bei einer Show einem Tänzer begegnet, der ihn ungewollt eines Besseren belehrt. Alexej ist allerdings kein Mann für eine Beziehung und Jerik nicht interessiert an einem Kerl, der sein eigenes Leben nicht auf die Reihe bekommt. Dennoch gehen die beiden das Wagnis einer Beziehung ein, obwohl Jerik weiß, dass Alexej seine Drogensucht mit bezahltem Sex finanziert.

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II. Akt


Hamburg, Deutschland, April 2012

In den nächsten Tagen mussten Alexej und ich feststellen, dass unsere Terminpläne nur bedingt kompatibel waren. Selbst unter der Woche, wenn er nur selten ans Theater musste, funkten uns ständig die Schichten im Café dazwischen. Markus legte unsere Dienste zwar oft so, dass wir gemeinsam arbeiteten, aber das war natürlich nicht dasselbe, als wenn wir zu zweit Zeit verbringen konnten. Zumal Sex im Café ja laut Chef streng verboten war. Außerdem musste ich mich langsam aber sicher an meinen Lernplan für das zweite Staatsexamen halten und Alexej verbrachte auch an showfreien Tagen mehrere Stunden mit Tanztraining. Trotzdem schafften wir es irgendwie, uns täglich – oder eher nächtlich – zu sehen. Am Donnerstag jedoch – ausgerechnet an einem Tag ohne Auftritt – hatte Markus uns die Folgeschichten gegeben, sodass wir uns nur zum Schichtwechsel im Café sahen. Während ich im Hinterzimmer die Einnahmen aus meiner Schicht zählte, kontrollierte Alexej seinen Geldbeutel auf Vollständigkeit.

»Ich arbeite bis 19 Uhr. Katha macht die letzte Stunde alleine und schließt ab.« Alexej trat hinter mich und vergrub die Nase in meinem Haar. »Kommst du dann zu mir?«

Ich stieß einen gequälten Seufzer aus. »Würde ich ja gerne, aber Max hat für heute Abend zwei oder drei Interessenten für sein Zimmer bestellt.«

»Lass ihn das doch alleine machen.«

»Witzig! Ich muss schließlich mit einem der Kerle zusammenwohnen, da kann ich Max schlecht die Entscheidung überlassen.«

»Hast ja recht.« Sein Gewicht verschwand von meinen Schultern, was ein merkwürdiges Gefühl der Leere hinterließ. »Und danach?«

Ich wandte mich zu ihm um und sah ihn ehrlich niedergeschlagen an.

»Ich hab keine Ahnung, wie lange die Besichtigungen gehen werden. Und morgen früh hab ich eine Besprechung mit meinem Prof. Da kann ich echt nicht unausgeschlafen aufkreuzen.«

Alexej zwinkerte mir zu. »Und wenn ich verspreche, dass wir ganz früh ins Bett gehen.«

»Ins Bett gehen wir bestimmt, aber als ob wir schlafen würden.«

»Okay, ich geb’s auf.«

Ich sah Alexej zu, wie er sich seine Schürze umband, und bereute es schon jetzt, in dieser Nacht nicht neben ihm zu liegen.

»Ich komme morgen direkt nach der Uni bei dir vorbei«, versprach ich und hoffte, dass wir uns dann nicht gerade verpassten, weil er zur Nachmittagsshow musste. Vielleicht hatte Alexej meine Gedanken erraten. Auf jeden Fall warf er mir ein aufmunterndes Lächeln zu, kam zu mir herüber und stahl sich einen langen Kuss, ehe er wisperte: »Bis morgen, Baby.«

Ich grinste in seinen Kuss hinein. Keine Ahnung, wann genau er angefangen hatte, mich Baby zu nennen, aber merkwürdigerweise gefiel es mir. Ich sah ihm nach, als er aus dem Hinterzimmer huschte, und wandte mich missmutig wieder meiner Abrechnung zu. Wenig später verließ ich schweren Herzens das Café, nicht ohne Alexej noch einmal kurz zu küssen.

Draußen pfiff ein für April empfindlich kalter Wind durch die Straßen und ich beeilte mich, nach Hause zu kommen. Dort vergrub ich mich für den restlichen Nachmittag in meinen Germanistik-Büchern und legte sie erst beiseite, als der Duft von Spaghetti Carbonara in mein Zimmer drang.

»Willst du mich bestechen?«, fragte ich Max, als ich angelockt vom Duft die Küche betrat.

»Wegen was?«

»Na, dass ich heute Abend grünes Licht für einen Zwischenmieter gebe und du dich nach China verdrücken kannst.«

Mein Mitbewohner grinste mich an. »Höre ich da den Hauch eines Vorwurfes in deiner Stimme?«

»Nee, ich will einfach nur ne extragroße Portion.«

Ich holte schon mal Teller und Besteck aus dem Schrank und fragte beiläufig: »Wann kommt der erste Interessent?«

»So um acht. Und dann immer im Dreiviertelstunden-Takt.«

Ich blinzelte Max erstaunt an. »Was sollen wir denn ne dreiviertel Stunde mit denen quatschen?«

»Na ja, weiß nicht, musst du doch wissen, was dir wichtig ist. Ich will nur, dass der Betreffende die Miete pünktlich zahlt und wieder auszieht, sobald ich zurückkomme.«

»Können wir das nicht abkürzen?«

Nun war es an Max, mich verblüfft zu mustern. Doch dann schlich sich ein dreckiges Grinsen auf seine Lippen.

»Du willst doch nur schneller zu Alexej abhauen. Um mit ihm zu vögeln, ist es dir sogar egal, wer hier einzieht, oder?«

Ertappt hob ich die Schultern. »Würde ich so jetzt nicht sagen.« Max schüttelte nur den Kopf und bediente sich großzügig an den Spaghetti. Ich folgte seinem Beispiel, sah jedoch während des Essens immer wieder auf die Uhr.

Natürlich kam der erste Bewerber prompt zehn Minuten zu spät. Ein Fauxpas, den man sich auf dem hart umkämpften Hamburger Immobilienmarkt eigentlich nicht leisten konnte. Außerdem war mir der Typ vom ersten Moment an suspekt, und als er fragte, ob seine beiden Chihuahuas mit einziehen könnten, war die Sache gelaufen. Nicht, dass ich etwas gegen Hunde hatte, aber eben gegen solche Fußhupen. Und wenn sie dann noch wie in diesem Fall auf die bezaubernden Namen Cinderella und Scarlett hörten … nein, danke!

Der zweite Bewerber war ganz sympathisch, aber momentan ohne Job, was mir zwar leidtat, aber weder Max noch ich hatten Lust, der Miete hinterherzurennen. So war auch dieses Gespräch nach wenigen Minuten beendet. Zu Max' Unwillen – aber zu meinem Glück – sagte der letzte Interessent eine Stunde vor seinem Termin ab.

»Das gefällt dir jetzt, oder?« Max warf mir einen gespielt bösen Blick zu, als wir bereits kurz vor neun wieder zu zweit in unserer Wohnung standen.

»Ein bisschen vielleicht. Sorry, Mann, wir finden bestimmt bald einen passenden Zwischenmieter.« Ich klopfte ihm auf die Schulter und verkündete dann mit breitem Grinsen: »Ich fahr jetzt zu Alexej.«

»Wer hätt’s gedacht«, hörte ich Max murren, verschwand aber bereits in meinem Zimmer.

Kurz dachte ich darüber nach, Alexej anzurufen oder ihm eine Nachricht zu schicken, doch dann entschied ich mich zu einem Überraschungsbesuch. Vielleicht hatte ich ja Glück und er turnte gerade an seiner Pole-Dance-Stange herum. Dann konnten wir ein paar verrückte Stellungen ausprobieren. Bislang waren wir beim Sex nämlich nicht über Gewöhnliches hinausgekommen, was dem Ganzen keinen Abbruch tat. Ich könnte gefühlt noch fünf Jahre mit Alexej immerzu das Gleiche im Bett machen, es würde sich trotzdem jedes Mal phantastisch anfühlen. Und bei der Art, wie er sich unter mir wand und meinen Namen stöhnte, wenn ich ihn nahm, bezweifelte ich, dass es ihm anders ging.

Voller Vorfreude sprintete ich eine gute halbe Stunde später die Stufen zur Haustür hinauf und drückte auf den Klingelknopf. Zum ersten Mal hatte ich die Zeit, auch die anderen Namen zu studieren. Irgendwie hörten sich alle nach wichtigen Geschäftsmännern an, was kein Wunder war, bei den Luxuswohnungen, die sich im Inneren des alten Industriekomplexes befanden.

Als sich nach mehreren Sekunden nichts regte, klingelte ich Sturm. Nichts. Seufzend kramte ich mein Smartphone hervor, doch auch mein Anruf blieb unbeantwortet. Unschlüssig stand ich vor der verschlossenen Tür und langsam, ganz langsam, kroch ein ungutes Gefühl durch meine Kehle nach oben.

Ich wusste im Nachhinein nicht, wie lange ich an diesem Abend vor Alexejs Tür hockte oder wie oft ich ihn anrief. Ständig versuchte ich mir einzureden, dass er sicher nur am Theater war oder einkaufen, doch er kam und kam nicht zurück. Ich schalt mich einen Idioten, dass ich nicht nach Hause fuhr. Aber ich würde kein Auge zutun, bevor ich nicht wusste, wo er steckte. Je länger ich dort in der Dunkelheit hockte, je penetranter die Kälte der Nacht unter meine Jacke kroch, desto bedrückender wurde das Gefühl in meinem Bauch.

Irgendwann, es musste schon nach Mitternacht sein, schreckte ich plötzlich aus meiner zusammengekauerten Haltung auf, weil sich ein Schatten in mein Gesichtsfeld schob. Ich schaute auf und sah ihn durch feinen Nieselregen auf mich zukommen. Er hielt die Hände in den Taschen vergraben, hatte die Schultern nach oben gezogen und wirkte dennoch in sich zusammengesunken. Ohne es zu wollen, schrillten in mir alle Alarmglocken.

Ich wollte mich erheben, doch irgendetwas hielt mich auf dem Treppenabsatz. Ich sah ihm entgegen. In der Dunkelheit konnte ich sein Gesicht kaum erkennen. Trotzdem war seine Überraschung darüber, mich hier zu sehen, überdeutlich an seiner Haltung abzulesen. Abrupt blieb er stehen, als er mich erkannte.

Allein die Tatsache, dass er nicht freudig und überrascht lächelnd auf mich zukam, bestätigte mir, dass er getan hatte, was ich nicht wahrhaben wollte. Doch obwohl ich es ahnte, oder vielleicht schon wusste, stellte ich die allesentscheidende Frage: »Wo kommst du her?«

Keine Antwort. Nur Schweigen. Ich hörte und spürte förmlich, wie er tief Luft holte.

»Ich war nur …« Er brach ab, doch die eintretende Stille, nur durchbrochen vom leisen Nieselregen, war Antwort genug. Trotzdem forderte der Sadist in mir, dass er es aussprach.

»Du hast wieder mit irgendeinem Kerl gefickt, richtig?«

Ein stummes Nicken folgte. Einen langen Moment saß ich wie versteinert da. Dann sprang ich auf, schlug mit der flachen Hand gegen die Backsteinmauer.

»Scheiße, Scheiße!«

Ich fuhr zu Alexej herum. Er stand noch immer reglos, zuckte nicht vor mir zurück.

»Warum?«

Er hob die Schultern, als ginge ihn das alles nichts an. Doch selbst dieses Desinteresse wäre...



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