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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 8, 240 Seiten

Reihe: Horst Müller und Paulina Kowalska

Luck Bamberger Zwietracht

Franken Krimi
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98707-264-2
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Franken Krimi

E-Book, Deutsch, Band 8, 240 Seiten

Reihe: Horst Müller und Paulina Kowalska

ISBN: 978-3-98707-264-2
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die fränkische Fußballszene unter Verdacht. Fußballkrimi im Bamberger Stadion: Der FC Eintracht trifft im Franken-Derby auf die Spielvereinigung Ansbach. Doch dann bricht der Torjäger im Strafraum zusammen. Was zunächst wie ein Herzanfall aussieht, erweist sich als heimtückischer Giftanschlag. Wer hat ein Motiv, den Top-Stürmer auszuschalten? Hat der gegnerische Verein etwas damit zu tun, oder hat es ein Mitspieler auf seine Position abgesehen? Die Ermittlungen führen Kommissar Horst Müller und seine Kollegin Paulina Kowalska tief in die regionale Fußballszene, und sie erkennen: Sport ist eben doch manchmal Mord.

Harry Luck, 1972 in Remscheid geboren, arbeitete nach einem Studium der Politikwissenschaften in München als Korrespondent und Redakteur für verschiedene Medien und leitete das Landesbüro einer Nachrichtenagentur. Seit 2012 ist er für Öffentlichkeitsarbeit im Erzbistum Bamberg verantwortlich. www.harryluck.de
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ZWEI


An unserem freien Sonntag, es war ein lauwarmer Frühsommernachmittag, folgten wir der Einladung von Herrn Brögelmann und besuchten das Spiel des FC Eintracht gegen die Spielvereinigung Ansbach in der Tartler-Arena, wie das frühere Fuchs-Park-Stadion seit dem Sponsorenwechsel hieß. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich zuletzt ein Fußballstadion aufgesucht hatte. Sehr gut erinnern konnte ich mich aber noch an die Bundesjugendspiele in meiner Schulzeit, als ich mich beim Hundert-Meter-Lauf, Weitsprung oder Kugelstoßen vor den Mitschülern blamierte. Insofern waren Aufenthalte in Sportstadien bislang nicht mit vorwiegend fröhlichen Gedanken verbunden.

Mit Rücksicht auf meine vegane Kollegin widerstand ich der Versuchung, beim Bratwurststand gleich hinter den Kassenhäuschen haltzumachen. Ich nahm an, dass hier keine Tofu-Würstchen verkauft wurden und Veggie-Kunden sich allenfalls für ein Brödla mit Ketchup oder Senf entscheiden konnten.

Über eine Treppe erreichten wir die Tribüne, wo sich in der Mitte unterhalb der Sprecherkabine im Bereich der Ehrengäste unsere Sitzplätze befanden.

Auf den beiden Plätzen links von uns erkannte ich den chinesischstämmigen Imbissbudenbetreiber Qian Peng und den neuen Oberbürgermeister Sepp Gaibacher.

»Lange nicht gesehen«, sagte der CSU-Politiker, den wir noch in seiner Funktion als Gesundheitsstaatssekretär bei den Ermittlungen um den Mord an einem Klosterbruder kennengelernt hatten. Er hatte seinen Kabinettsposten für den Bamberger OB-Sessel geräumt, woraufhin Linda Wolf im Innenministerium für Oberfranken den Regionalproporz in der Regierung sicherstellen durfte.

»Und gleich wiedererkannt«, erwiderte ich und reichte ihm die Hand, dann begrüßte ich auch Peng. »Meine Kollegin, Frau Kowalska, kennen Sie ja schon.«

»Auf der Ehrentribüne habe ich die Polizei noch nie gesehen. Die Beamten sitzen doch sonst immer im Polizeiraum neben der Sprecherkabine«, sagte Peng. »Das hat hoffentlich nichts Schlechtes zu bedeuten?«

»Das werde ich erstaunlicherweise immer gefragt, wenn ich irgendwo auftauche.« Ich lachte. »Aber keine Sorge. Wir sind rein privat hier.«

»Von ihm haben wir die Ehrenkarten«, sagte Paulina und deutete auf Brögelmann, der einen dunkelblauen Trainingsanzug trug und vom Spielfeld eine Treppe hinaufgegangen war. Ein Ordner öffnete ihm das Tor zum Zuschauerbereich. Der Torwart entdeckte uns sofort in der ersten Reihe.

»Schön, dass Sie da sind«, sagte er.

»Super-Schorsch! Halt den Kasten sauber!«, rief ihm ein Fan zu.

Dann beugte er sich etwas konspirativ zu mir. »Darf ich Sie auf einen Kaffee einladen, Herr Kommissar? Sie natürlich auch, Frau Kommissarin.«

Paulina und ich blickten uns kurz an, dann sagte ich: »Gerne. Aber müssen Sie denn gar nicht spielen? In fünfzehn Minuten ist Anpfiff.«

»Es geht auch ganz schnell, bitte!«

Ich gab seinem sanften Druck, den er mit seiner kräftigen Hand auf meinen Oberarm ausübte, nach, und wir gingen einige Stufen hinauf zum Getränkestand, wo man auch das neue violette Heimtrikot und andere Merchandisingartikel der Domreiter wie Trinkbecher, Schals, Käppis oder Feuerzeuge erwerben konnte. »Sie ist wieder hier«, sagte Brögelmann leise, während er für uns zwei Kaffeebecher entgegennahm. Bezahlen musste er offenbar nicht. Paulina verzichtete dankend.

»Wer? Die Stalkerin?«, fragte ich zurück und blickte mich um.

Er nickte. »Richtig. Alicia. Sie hat eben an der Umkleidekabine geklopft und dem Ordner erzählt, sie wäre meine Schwester. Sie reichte dem Ordner einen Plüschteddy, den er mir geben sollte als Glücksbringer fürs Spiel. Er hat sie natürlich nicht hereingelassen und mir den Teddy gebracht.«

»Sonderbar«, sagte ich. »Haben Sie nach ihr geschaut?«

»Ja, als ich an der Tür geguckt habe, war sie spurlos verschwunden.«

»Aber dann wissen Sie doch gar nicht, ob es diese Alicia war«, stellte Paulina fest.

»Ich habe keine Schwester. Und wer soll es denn sonst gewesen sein?«

»Beruhigen Sie sich erst mal, Herr Brögelmann. Das Überreichen eines Stofftiers ist zunächst mal keine Straftat. Wenn irgendetwas vorfällt, melden Sie sich. Aber jetzt sollten Sie sich auf das Spiel konzentrieren. Wir drücken die Daumen.«

»Vielen Dank, Herr Kommissar. Wahrscheinlich haben Sie recht. Ich bin etwas durch den Wind. Es ist sicher alles ganz harmlos.« Er seufzte. »Entschuldigen Sie, dass ich Sie behelligt habe. Genießen Sie das Spiel! Und danke noch mal.«

»Der Typ wirkt psychisch etwas labil«, sagte ich zu Paulina, als Brögelmann verschwunden war. »Kaum vorstellbar, dass er auf dem Platz die Nerven behält.«

»Ja, aber süß ist er schon.«

***

Als wir wieder zu unseren Sitzen zurückgekehrt waren, saß auf der andere Seite ein Herr Ende fünfzig mit noch weniger Haupthaar als ich und einer sehr gesunden Gesichtsfarbe. Er trug Jeans, weiße Turnschuhe und eine sportlich geschnittene Jacke aus Ballonseide. Sein Gesicht kam mir bekannt vor. War er ein alternder Schauspieler, ein früherer Politiker oder ein ehemaliger Sportler?

In diesem Moment kam ein Mann mit einem Mikrofon in der Hand auf uns zu, dessen Stimme wir gleichzeitig vor uns und mit Sekundenbruchteilen Verzögerung aus den Stadionlautsprechern hören konnten.

»Werfen wir kurz vor Anpfiff noch einen schnellen Blick auf die Ehrenplätze unserer Tribüne. Hier sitzt die Politprominenz rund um Oberbürgermeister Gaibacher ebenso wie ein ganz besonderer Besucher, den wir heute hier im Stadion begrüßen dürfen.«

»Er meint Sie«, flüsterte Paulina und boxte mich in die Seite.

»Wohl kaum«, entgegnete ich. Dass der Stadionsprecher mit einem Handmikro durch die Gegend lief und nicht in einer verschlossenen Kabine saß, war für mich eine überraschende Erkenntnis. Ich erkannte gleich die markante Stimme von Klaus Thaler, dem Morningman von Radio Bamberg, der wegen seines an ein alkoholfreies Bier erinnernden Namens auch Mister Null Prozent genannt wurde. Sein Gesicht hatte ich noch nie gesehen, und ich musste zugeben, dass ich mir keine Gedanken darüber gemacht hatte, wie er aussah. Ich hätte ihn mir wohl größer vorgestellt als die geschätzten eins fünfundsechzig und weniger untersetzt. Er war etwas älter als ich, seine abgewetzte Jeans, die rote Funktionsjacke, die ausgetretenen Wildlederschuhe und das unrasierte Gesicht interpretierte ich als Hinweis darauf, warum er im Radio statt im Fernsehen Karriere gemacht hatte. Auf Äußerlichkeiten schien er keinen gesteigerten Wert zu legen.

»Herzlich willkommen, Hartwig Semmelmeier, der Co-Trainer des FC Bayern München«, sagte Thaler und hielt meinem Nebenmann das Mikrofon vor die Nase.

Jetzt wurde es mir klar: Hartwig Semmelmeier musste der Bruder von Ludwig Semmelmeier sein, genannt Semmi, einem Fußballstar aus meiner Jugendzeit. Er war in den achtziger Jahren Rekord-Torjäger des FC Bayern und Mitglied des deutschen WM-Kaders von Mexiko 1986, wo er aber nach einer Verletzung im Vorrundenspiel gegen Uruguay die Zeit bis zum Finale komplett auf der Ersatzbank verbrachte.

»Nach der Pokalsensation der Domreiter gegen den Club geht es in der nächsten Runde gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München. Dass Sie, Herr Semmelmeier, heute auf der Zuschauertribüne sitzen, zeigt doch, dass die Bayern den Außenseiter aus Bamberg als Gegner ernst nehmen, oder?«

»Wir haben das Spiel Bamberg gegen Nürnberg natürlich am Fernseher verfolgt und waren beeindruckt von der Kampfkraft und dem unbändigen Siegeswillen der Amateure. Ich werde das Spiel der Bamberger heute genau beobachten und analysieren. Als FC Bayern wollen wir in diesem Jahr das Triple aus Pokal, Meisterschaft und Champions League holen. Da dürfen wir uns keinen Ausrutscher erlauben.«

»So wie 2023 gegen den 1. FC Saarbrücken?«, sagte Thaler.

»Dass die Kleinen die Großen raushauen, kommt immer wieder vor. Aber wir wollen natürlich vermeiden, dass wir wieder einmal auf der falschen Seite der Pokalsensation stehen. Heute aber drücke ich den Domreitern ganz fest die Daumen.«

Der Bayern-Co-Trainer hatte in der letzten Sekunde noch die Kurve bekommen und erntete einen freundlichen Applaus der rund achthundert Zuschauer.

Thaler schaute auf seine Armbanduhr und sprach ins Mikro: »Noch wenige Minuten bis zum Anpfiff, die Mannschaften machen sich bereit. Freuen wir uns auf ein spannendes Spiel. Möge das bessere Team gewinnen, nämlich der FC Eintracht …«

Das ganze Stadion rief wie aus einem Mund: »Bamberg!«

»Was war das denn für ein Vogel?«, fragte mich Semmelmeier.

»Klaus Thaler ist hier ein stadtbekannter Radiomoderator, der wohl als Nebenjob am Wochenende den Stadionsprecher macht.«

»Da sieht man wieder mal, dass wir in der Provinz sind.« Semmelmeier lachte guttural. »Wissen S’, wie der aussah, da würde man ihn in Minga für einen Sandler halten.« Dann bemerkte er wohl, dass er vermutlich mit einem Einheimischen sprach, und ruderte zurück. »Ich wollte natürlich nicht sagen, dass sich in der Provinz alle …«

»… provinziell verhalten? Bassd scho, ich bin da schmerzfrei. ›Mia san mia‹ sind die anderen, sagt man hier.«

Semmelmeier lachte wieder. »Und Sie sind der Bürgermeister von hier?«

»So weit ist es noch nicht«, antwortete ich. »Mein Name ist Müller, Horst. Meine Kollegin und ich sind von der Polizei, aber wir sind privat hier.«

»Privat, verstehe.« Er zwinkerte mir zu. »So wie ich. Zur Vorbereitung auf die...


Luck, Harry
Harry Luck, 1972 in Remscheid geboren, arbeitete nach einem Studium der Politikwissenschaften in München als Korrespondent und Redakteur für verschiedene Medien und leitete das Landesbüro einer Nachrichtenagentur. Seit 2012 ist er für Öffentlichkeitsarbeit im Erzbistum Bamberg verantwortlich.
www.harryluck.de

Harry Luck, 1972 in Remscheid geboren, arbeitete nach einem Studium der Politikwissenschaften in München als Korrespondent und Redakteur für verschiedene Medien und leitete das Landesbüro einer Nachrichtenagentur. Seit 2012 ist er für Öffentlichkeitsarbeit im Erzbistum Bamberg verantwortlich.
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