E-Book, Deutsch, Band 95, 448 Seiten
Reihe: Julia Gold
Lucas / Morgan / Darcy Julia Gold Band 95
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1513-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Happy End unterm Christbaum
E-Book, Deutsch, Band 95, 448 Seiten
Reihe: Julia Gold
ISBN: 978-3-7337-1513-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
IM SCHIMMERNDEN SCHEIN DER KERZEN von SARAH MORGAN
Der Anblick seiner hinreißenden Frau bringt Alessandro beinah um den Verstand! Wie konnte Christy ihn nur verlassen? Er ahnt, ihm bleibt nur noch dieser Weihnachtsabend, um ihr seine Liebe zu beweisen ...
DIE GELIEBTE DES PRINZEN von JENNIE LUCAS
Warum entführt Prinz Maxim sie in sein Luxusleben? Feiert mit ihr - seiner Sekretärin - so sinnlich Silvester, als sei sie im neuen Jahr und dann für immer seine Prinzessin? Als Grace es versteht und fliehen will, ist es zu spät ...
DAS WEIHNACHTSWUNDER von EMMA DARCY
Jahre der Sehnsucht liegen hinter Meredith, als sie endlich Anthony Hamilton wiedersieht. Schon träumt sie davon, mit ihrer ersten großen Liebe die Festtage zu verbringen, da erfährt sie: Anthony kann sich an nichts erinnern - auch nicht an sie?
Jennie Lucas wuchs umringt von Büchern auf! Ihre Eltern betrieben einen kleinen Buchladen und so war es nicht weiter verwunderlich, dass auch Jennie bald deren Leidenschaft zum Lesen teilte. Am liebsten studierte sie Reiseführer und träumte davon, ferne Länder zu erkunden: Mit 17 buchte sie ihre erste Europarundreise, beendete die Schule, begann zu studieren und reiste weiter ... Erst mit 22, als sie ihrem zukünftigen Ehemann begegnete, verspürte sie das erste Mal den Wunsch, seßhaft zu werden. Heute schreibt sie von all den Ländern, die sie bereist hat (oder noch gerne mit ihrem Mann und den beiden Kindern bereisen würde) und lässt ihre Leserinnen so an ihren Träumen teilhaben. Danke, Jennie!
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PROLOG
„Mum, wo feiern wir Weihnachten?“
Christy blickte von ihrem Brief auf. „Wahrscheinlich hier, zusammen mit Onkel Pete und euren Cousinen. Warum fragst du? Das ist noch eine Ewigkeit hin.“ Sie wollte nicht daran denken. Weihnachten war ein Familienfest, aber ihre Familie brach gerade auseinander.
Und wer war schuld? Sie. Sie hatte eine Dummheit gemacht, und nun bezahlten alle dafür.
„Stimmt nicht, nur einen Monat.“ Katy lehnte sich über den Tisch und entriss ihrem kleinen Bruder die Müslipackung. „Ich hab keine Lust, hier zu feiern. Onkel Pete ist nett, aber London ist schrecklich! Ich will Weihnachten bei Dad sein. Ich will wieder nach Hause.“
Christy spürte einen dumpfen Druck im Magen. „Also …“ Sie räusperte sich. „Wenn ihr wirklich wollt …“ Wie sollte sie das nur durchstehen – Weihnachten ohne die Kinder? „Ich schreibe eurem Vater, dass ihr kommt. Aber es kann sein, dass ihr eine Weile bei Großmutter bleiben müsst, weil Daddy im Krankenhaus arbeitet. Außerdem hat der Bergrettungsdienst in dieser Jahreszeit besonders viel zu tun …“
„Nicht nur wir beide.“ Katy holte sich den Zuckertopf. „Wir alle.“
„Wie – wir alle? Und zwei Löffel Zucker sind genug, Katy. Du machst dir die Zähne kaputt.“ Hinter ihren Schläfen begann es zu pochen.
„Ja, Zucker macht ganz dicke Löcher.“ Bens Griff nach dem Milchkrug endete damit, dass Milch auf den Tisch schwappte, anstatt in seiner Schale zu landen. „Das haben wir letzte Woche in der Schule gelernt. Dann kommt der Zahnarzt mit einem großen Bohrer und macht sie größer und füllt sie mit Zement!“
„Du bist so blöd! Was weißt du denn schon?“ Katy bedachte ihn mit einem verächtlichen Blick und häufte die doppelte Menge Zucker auf ihr Müsli. „Baby.“
„Ich bin kein Baby mehr, ich bin sieben!“ Ben schoss von seinem Stuhl hoch, packte seine Schwester, und gleich darauf war eine wilde Rangelei im Gange.
„Hört auf, ihr zwei, sofort!“, befahl Christy streng, während sie einen Lappen holte, um die Milch aufzuwischen.
Katy ließ von ihrem Bruder ab, funkelte ihn böse an und begann, ihr Müsli in sich hineinzuschaufeln. „Ben und ich wollen Weihnachten nicht allein nach Hause fahren“, sagte sie mit vollem Mund. „Du sollst mitkommen.“
Die Kopfschmerzen wurden stärker, und sie stand auf, um sich eine Tablette zu holen. „Das hier ist unser Zuhause, mein Schatz. Wir wohnen jetzt in London.“
Sie blickte aus dem Fenster ihrer winzigen Wohnung auf die Straße hinunter. Regen trommelte gegen die Scheiben, und unten kroch eine endlose Autoschlange die trostlose nasse Straße entlang. Heruntergekommene hohe Backsteinhäuser verstellten ihr den Blick und ließen das fahle Winterlicht kaum herein. Niedergeschlagen schloss sie die Augen.
Und sah ihr Zuhause im Lake District vor sich: Gegen einen azurblauen Himmel zeichneten sich in der frostigen klaren Winterluft die Berge ab. Sie dachte an das Bergrettungsteam, die spannungsgeladene und doch herzliche, vertrauensvolle Atmosphäre, wenn sie sich auf einen Einsatz vorbereiteten. Freundschaft.
Mein Gott, ich will nicht hier sein, dachte sie bedrückt.
Ben ließ sich auf seinen Stuhl zurückfallen. „Hier ist nicht unser Zuhause. Es ist so blöde, und ich hasse es. Ich hasse London, ich hasse die Schule, und am meisten hasse ich dich!“ Er fing an zu heulen, sprang auf und rannte aus der Küche.
Christy schaute ihm nach und unterdrückte das Bedürfnis, ihm hinterherzulaufen. Aus Erfahrung wusste sie, dass es besser war, ihn eine Weile allein zu lassen. Seufzend setzte sie sich wieder an den Tisch und griff zur Kaffeekanne. Es war halb acht, und sie musste zwei Kinder zu einer Schule bringen, die sie hassten, und sie musste weiterfahren zu einem Job, den sie hasste.
Was habe ich getan?
Unglücklich füllte sie sich Kaffee nach und bemühte sich, die Situation zu retten. „Weihnachten in London kann echt cool sein.“
Katy verdrehte die Augen. „Mum, versuch nicht, wie ich zu reden. Das wirkt lächerlich bei Erwachsenen. Sag lieber interessant oder aufregend, und überlass solche Ausdrücke wie cool und krass denen, die sie richtig anwenden können.“ Mit der unerschütterlichen Überheblichkeit ihrer elf Jahre schob sie die leere Müslischale von sich und nahm sich eine Scheibe Toastbrot. „Und außerdem wäre es bestimmt nicht cool. Shoppen ist in London okay, aber irgendwann bringt’s das auch nicht mehr.“
Das sind ja ganz neue Töne, dachte Christy verwundert, wollte die angespannte Stimmung am Tisch aber nicht noch anheizen. „Ich kann Weihnachten nicht mit zum Lake District kommen“, erklärte sie schließlich, als Katy das Toastbrot zum Mund hob.
„Warum nicht? Weil Dad und du euch gefetzt habt?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Das ist doch nichts Neues.“
Christy biss sich auf die Lippe. Sie musste sich erst noch daran gewöhnen, dass ihre Tochter älter wurde und kein Blatt vor den Mund nahm. „Katy, wir haben uns nicht …“
„Doch, habt ihr. Ist ja auch kein Wunder. Daddy ist Spanier, und du bist halbe Irin und hast rote Haare. Onkel Pete sagt, was Explosiveres gibt’s nicht. Vielleicht wäre alles anders, wenn du eine Blondine wärst.“ Sie kaute nachdenklich auf der Unterlippe. „Wirklich erstaunlich, dass ihr euch lange genug vertragen habt, um uns zu machen.“
Christy verschluckte sich an ihrem Kaffee und nahm sich vor, ein ernsthaftes Wort mit ihrem Bruder zu reden. „Katy, das reicht.“
„Ich wollte sagen, dass wir doch nicht in London leben müssen, nur weil ihr euch immer wieder streitet.“
„Ich habe hier einen Job.“ In der Praxis ihres Bruders. Und das ist völlig in Ordnung, versuchte sie sich einzureden.
„Du bist Krankenschwester, Mum. Du kriegst überall einen Job.“
„Katy …“
„Nur für die Weihnachtsfeiertage. Bitte! Fehlt Dad dir denn gar nicht?“
Der Druck in ihrem Magen nahm wieder zu. Christy schloss die Augen und sah ihn vor sich. Das attraktive männliche Gesicht, das spöttische Lächeln, den Mund, der sie um den Verstand bringen konnte. Oh ja, er fehlte ihr, und wie! „Ich werde nicht mit dir über meine Beziehung zu deinem Vater sprechen.“
„Ich bin elf Jahre alt“, betonte Katy. „Mit Beziehungen kenne ich mich aus, und ich weiß, dass ihr beide dickköpfig seid.“
Er hatte sich nicht gemeldet. Stolz mischte sich mit Schmerz, und sie presste die Lippen zusammen, um nicht aufzuschluchzen. Er hätte den ersten Schritt tun müssen, sie zurückholen sollen. Er hätte um das kämpfen müssen, was sie gehabt hatten. Aber bis auf ein kurzes Gespräch, bei dem es um die Kinder gegangen war, hatte Funkstille geherrscht. Es war ihm egal, dass sie ihn verlassen hatte.
Plötzlich empfand sie doch den verrückten Wunsch, sich bei ihrer Tochter auszuweinen. Aber das durfte sie nicht, egal, wie reif Katy für ihr Alter schien. „Ich kann Weihnachten nicht mit eurem Vater verbringen.“
Sie hatte ihn verlassen, sicher. Aber doch nur, damit er sie wieder nach Hause holte. Damit er ihr einmal zuhörte.
„Wenn ich mich mit meinen Freundinnen streite, sagst du immer, dass ich mich mit ihnen hinsetzen und vernünftig darüber reden soll. Und was machst du? Du ziehst gleich aus. Da gehst du doch kaum mit gutem Beispiel voran, oder?“
Jetzt war Disziplin angesagt. „Mir gefällt dein Ton nicht, Katy.“
„Und mir nicht, aus einer gescheiterten Ehe zu kommen.“ Katy aß das letzte Stück Brot und trank einen Schluck Milch. „Weißt du, wie sich das auf mich auswirkt? Die Zeitungen sind jeden Tag voll davon. Höchstwahrscheinlich gerate ich deshalb auf die schiefe Bahn, werde schwanger, breche die Schule ab und …“
Heftig stellte Christy ihren Becher ab. „Was weißt du von Schwangerschaft?“
Wieder bekam sie einen mitleidigen Blick. „Wo lebst du denn, Mum? Ich weiß jede Menge darüber.“
„Wirklich?“ Christy fühlte sich überfordert. Sie brauchte Alessandro. Sie brauchte …
Oh, Hilfe …
„Und nicht dass du ihm schreibst. Ruf ihn an.“ Katy warf einen Blick auf die Uhr und stand auf. „Wir müssen los, sonst kommen wir zu spät. In dieser schrecklichen Stadt steckt man ständig im Stau, und ich hab die Nase voll. Und wenn du zu feige bist, rufe ich ihn an.“
„Ich bin nicht feige.“ Oder vielleicht doch. Er hatte es nicht für nötig gehalten, sie anzurufen. Alessandro, sexy, gut aussehend, engagiert und erfolgreich als Rettungsarzt, war ein Mann, von dem Frauen träumten. Früher hatte sie mit ihm Schritt gehalten, ob nun bei der Arbeit im Krankenhaus oder bei Einsätzen in den Bergen. Doch dann waren die Kinder gekommen, und sie blieb irgendwie zurück …
Und schließlich hatte er sie gar nicht mehr wahrgenommen. Hatte keine Zeit mehr für ihre Beziehung. Für sie.
„Ben hockt oben und heult. Ich stopfe hier Unmengen Zucker in mich hinein, und du führst dir eine schädliche Dosis Koffein nach der anderen zu“, verkündete Katy mit bühnenreifer Theatralik auf dem Weg zur Tür. „Unsere Familie steckt in einer tiefen Krise. Wir brauchen unseren Vater; wer weiß, was uns sonst blüht.“
Christy wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. „Du hast deine Milch nicht ausgetrunken“, erwiderte sie matt. „Also gut, ich rede mit ihm. Mal sehen, was er sagt.“
Aber nur wegen Weihnachten. Den Kindern zuliebe.
...