E-Book, Deutsch, 409 Seiten
Lowell Der Himmel über Hawaii
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-162-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 409 Seiten
ISBN: 978-3-98952-162-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Elizabeth Lowell ist das Pseudonym der preisgekrönten amerikanischen Bestsellerautorin Ann Maxwell, unter dem sie zahlreiche ebenso spannende wie romantische Romane verfasste. Sie wurde mehrfach mit dem Romantic Times Award ausgezeichnet und stand bereits mit mehr als 30 Romanen auf der New York Times Bestsellerliste. Die Website der Autorin: elizabethlowell.com Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre historischen Liebesromane »Begehrt von einem Ritter«, »Verführt von einem Ritter« und »Geküsst von einem Ritter« sowie ihren Thriller »48 Hours - Rette dein Kind« Außerdem veröffentlichte sie ihre Romantic-Suspense-Romane »Dangerous Games - Dunkles Verlangen«, »Dangerous Games - Tödliche Gier« und die Donovan-Saga mit den Bänden »Thrill of Desire«, »Thrill of Seduction«, »Thrill of Passion« und »Thrill of Temptation«.
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Kapitel 1
»Du wirst schon sehen«, sagte Dane und sah seinen älteren Bruder schelmisch an. »Es wird mir großes Vergnügen bereiten zu sagen: ›Ich hab’s dir doch gesagt‹. Nichts auf der Welt ist vergleichbar mit Nicole, wenn sie tanzt.«
Chase unterdrückte, was ihm zum Thema Hormone und dumme Männer in den Sinn kam. Es half ihm ein wenig, wenn er nicht weiter auf seinen Bruder achtete. Wenn er Dane und sein selbstgefälliges Lächeln jetzt ansah, würde er ihm womöglich einen Schwinger versetzen.
Im schwachen Licht des Kipuka Clubs betrachtete Dane Chase’ Gesicht, in der Hoffnung, so etwas wie versteckte Begeisterung oder wenigstens Interesse am Thema Nicole darin zu entdecken. Doch er sah nichts als harte Kanten, das helle Blitzen grauer Augen, das Tintenschwarz der kurzen Haare und des Schnurrbarts seines Bruders. Falls Chase noch etwas anderes außer Langeweile und Müdigkeit empfand, ließ er es keinen bemerken, nicht einmal seinen jüngeren Bruder.
Mit leichtem Stirnrunzeln wandte Dane den Blick ab, erinnerte sich an eine andere Zeit, einen völlig anderen Mann, der jünger gewesen war und über Witze lachen und über einen kleinen Hund lächeln konnte, der hinter einem Ball hersauste. Doch das war VDH gewesen: vor der Hexe. Nach Lynette hatte Chase kaum noch gelächelt und noch seltener gelacht. Obwohl Dane Mitgefühl hatte – wer wollte sich schon gern von einer hübschen Hexe das Fell über die Ohren ziehen lassen –, meinte er, dass es für seinen älteren Bruder schon längst an der Zeit wäre, seinen Fehler zu überwinden und sich des Lebens wieder zu erfreuen. Schließlich war Chase nicht der erste Mann auf der Welt, der seine Ehe in den Sand gesetzt hatte.
Dane und Jan hatten sich oft Sorgen um ihn gemacht, nachdem er den Kampf um das Sorgerecht verloren hatte. Sie machten sich immer noch Sorgen. Darum hatten sie auch beschlossen, dass Hawaii genau der richtige Platz für Chase war, um wieder zu sich zu kommen.
Und Nicole Ballard war genau die richtige Frau, um ihm zu beweisen, dass Jan nicht die einzige großzügige, sanfte, liebende Frau war, die es gab.
Chase trank sein Bier und wartete, dass die heiße Bartänzerin auf die Bühne kam, um ihren Körper bewundern zu lassen. Der Ärger, der in seinem Innern kochte, war von außen genauso unsichtbar wie die glühende Lava im lebendigen Herzen eines Vulkans. Er war ein Mann, der auf die harte Art gelernt hatte, dass Gefühle verräterisch waren, besonders wenn es um schöne Frauen ging.
Und heute Abend ging es ganz sicher um eine schöne Frau.
Obwohl sieben Tage vergangen waren, seit Chase Nicole Ballard auf jenem Schnappschuss gesehen hatte, brannte das Bild immer noch in seinen Gedanken. Und zwischen seinen Beinen. Die Frau auf dem Bild war nichts als Sex, Gelenkigkeit und Energie, mit langem goldrotem Haar, das sie umflog, während sie sich mit einem lachenden Kind in den Armen drehte.
Als er die massive erotische Wirkung des Schnappschusses auf seinen Körper überwunden hatte, faszinierte ihn die Mischung aus Intelligenz und Vitalität, die Nicoles Gesicht ausstrahlte. Doch beim nächsten Atemzug traf es ihn dann wieder genauso heftig wie zuvor, der Anblick der sinnlichen, feurigen Wolke ihres Haars und das Glück im Gesicht seiner Tochter, die so im Herzen des Feuers herumgewirbelt wurde. Pele, die Frau des Feuers.
Das Bild verfolgte Chase.
Es war kein angenehmes Gefühl. Jedes Mal, wenn er das Foto betrachtete, fiel ihm wieder ein, wie leicht Lynette ihn zum Narren gehalten hatte und wie verletzlich Dane war. Jeder Mann wäre das an seiner Stelle. Jan hatte dieser rothaarigen Versucherin, die sich ins tägliche Leben der Familie einzuschleichen versuchte, nichts entgegenzusetzen.
Keine Frau konnte Nicole etwas entgegensetzen.
Jedes Mal, wenn er den leicht unscharfen Schnappschuss betrachtete, traf es ihn wie ein Schlag ins Herz, und etwas wie ein Stoß fuhr durch seinen Körper. Immer wenn das geschah, wurde sein Ärger noch hitziger und dringlicher. Dane konnte einer solchen Versuchung unmöglich lange widerstehen.
Kein Mann könnte das.
Darum saß Chase jetzt in einem privaten Nachtclub in Hilo, sein Körper litt unter Jetlag, und sein Verstand war angefüllt mit all dem, was er beruflich hinter sich gelassen und was er beruflich und privat vor sich hatte. Er war früher als geplant nach Hawaii gekommen. Er versuchte immer noch Faxe, E-Mails und ungläubige Anrufe von den Vulkanologen umzulenken, die er auf zwei verschiedenen Kontinenten beaufsichtigt hatte.
Was schlimmer war: Er hatte nicht einmal Zeit gehabt, seine Koffer auszupacken oder zu duschen, bevor Dane ihn mit in den Kipuka Club geschleppt hatte, damit er Pele tanzen sehen konnte.
In diesem Augenblick fühlte sich Chase müde, verärgert und überhaupt barbarisch genug, um sein Fleisch roh zu essen. Bei genauerer Betrachtung war das genau die richtige Stimmung, um einer ehrgeizigen Bartänzerin entgegenzutreten. Unglücklicherweise liefen Jan, Lisa und Sandi hinter der Bühne herum, also würde heute Abend wohl nichts passieren.
Er wusste, dass er eigentlich dankbar für diese Verzögerung sein müsste. Er war nicht in ausreichend guter Verfassung, um jene Art von kaltblütigem Krieg durchstehen zu können, wie ihn eine zweite Lynette erforderte.
Er war aber nicht dankbar. Er wollte nur die ganze hässliche Sache hinter sich bringen, um sich auf seine Tochter und Hawaiis berühmte Vulkane konzentrieren zu können.
Mit einem verborgenen Blick aus eishellen Augen betrachtete er seinen jüngeren Bruder. Man musste nicht Gedanken lesen können, um zu sehen, dass Dane ganz nervös war vor Ungeduld, Pele endlich zu sehen. Nicht zum ersten Mal fragte sich Chase, wie tief die rothaarige Jägerin ihre Klauen schon in seinen vertrauensvollen Bruder geschlagen hatte. Offensichtlich nicht so tief, wie sie wollte, sonst würde Dane sich ja scheiden lassen wollen.
Tja, sah ganz so aus, als würde Pele kein Glück haben, sagte sich Chase grimmig. Sie wusste es noch nicht, aber ihr kleiner Hulatanz für Dane war vorüber. Sie würde sich aufmachen müssen, einen anderen reichen, vertrauensvollen Dummkopf zu finden.
Unbewusst bewegte sich Chase, als stände er hinter der Sturmlinie und riefe Zahlen in Erwartung dessen, dass der Football klatschend in seine Hände flöge. Er wollte das Spiel zu Ende bringen, nahe genug an Pele herankommen, um ihre Gier gegen sie selbst wenden zu können. Dann würde er einen Keil in die Sache treiben und sie bis nach unten spalten, damit endlich die Bedrohung für die Ehe seines Bruders zu Ende war.
Bis dieser Augenblick kam, konnte er nur warten, sämtliche Muskeln gespannt, weil es ihm so schwerfiel, seine Abscheu zu verstecken. Er gab sich Mühe, seine Gefühle gut zu verbergen. Er wusste, dass Dane die Frau für tugendhaft, intelligent, warm, liebevoll, freundlich und all das andere hielt, was Frauen als Lüge und Verlockung einsetzten, um leichtgläubige Männer herumzukriegen.
Chase war nicht mehr leichtgläubig. Lynette hatte ihn davon durch und durch kuriert. Jedes letzte Restchen von Illusion, das er noch in Bezug auf den weiblichen Charakter gehabt haben mochte, war verflogen, als Lynette ihn vor sechs Wochen angerufen und ihm verkündet hatte, sie wäre seiner kränklichen Tochter jetzt müde, ihr neuer Freund hasse weinerliche Kinder, und so könne Chase sie ruhig wiederhaben. Für immer. Sie wolle die Blage nie wieder sehen.
Es war typisch für Lynette, dass Lisa in der Nähe gestanden und zugehört hatte, als ihre Mutter sie fallen ließ.
Schon bei der Erinnerung an diese beiläufige Art von Grausamkeit spannte sich Chase’ ganzer Körper vor Wut. Er hatte geheiratet, weil er sich ein Kind gewünscht und gedacht hatte, Lynette ginge es ebenso. Bald war klar geworden, dass sie Lisa überhaupt nicht wollte; sie hatte nur selten Lust, das Baby auch auf den Arm zu nehmen. Er hatte geglaubt, sie brauche einfach Zeit, weil vielleicht nicht alle Frauen von Natur aus mütterliche Gefühle hatten.
Falsch.
Nichts hatte sich geändert, es war nur schlimmer geworden. Bis Lisa vier Jahre alt war, hatte Lynette schon eine ganze Reihe von Gigolos verschlissen. Als Chase sie gebeten hatte, zu einem Eheberater oder Psychiater zu gehen, hatte sie gelacht und erklärt, sie brauche nichts als mehr Geld von ihm. Ihr wäre langweilig, und deswegen ließe sie sich mit anderen Männern ein.
Chase hatte sich geweigert, Lynette mehr Geld zu geben. Als Nächstes kam sie ohne Vorankündigung mit den Scheidungspapieren und forderte alleiniges Sorgerecht für Lisa mit der Behauptung, eine Tochter brauche ihre Mutter, und Chase wäre sowieso ständig unterwegs. Was sie wirklich gewollt hatte, war Zugang zum Reichtum der Familie Wilcox.
Der Richter war schwach geworden angesichts von Lynettes kleinem, herzförmigem Gesicht und den mit leiser Stimme vorgebrachten Lügen über die Freuden der Mutterschaft. Und so blieb Chase ohne Frau, ohne Kind – mit Ausnahme ganz geringer Besuchsrechte – und ohne Illusionen darüber, was Frauen wirklich von Männern wollten.
Mutterschaft, so ein Blödsinn. Lynette hatte sich mit Lisa über Wasser gehalten, bis sie einen anderen reichen Dummkopf gefunden hatte, den sie heiraten konnte.
Chase war dankbar, seine Tochter zurückzuhaben, obwohl das zu keinem schlimmeren Zeitpunkt hätte kommen können, was seine berufliche Situation betraf. Als Lynette anrief, war er in Mexiko gewesen, um drei Personen zu helfen, die sich in einer Notlage befanden. Der Leiter einer Expedition hatte eine Lunge voll giftiger Gase des Vulkans El Chichon abbekommen. Ihm war ein Monat Aufenthalt in einem Krankenhaus auf Meereshöhe verordnet worden. Chase hatte die Aufsicht über das Projekt...




