E-Book, Deutsch, 545 Seiten
Lowell Dangerous Games - Dunkles Verlangen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-883-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman: Dangerous Games 1 | Die perfekte Mischung aus Spannung und Romantik
E-Book, Deutsch, 545 Seiten
ISBN: 978-3-98690-883-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Elizabeth Lowell ist das Pseudonym der preisgekrönten amerikanischen Bestsellerautorin Ann Maxwell, unter dem sie zahlreiche ebenso spannende wie romantische Romane verfasste. Sie wurde mehrfach mit dem Romantic Times Award ausgezeichnet und stand bereits mit mehr als 30 Romanen auf der New York Times Bestsellerliste. Die Website der Autorin: elizabethlowell.com Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre historischen Liebesromane »Begehrt von einem Ritter«, »Verführt von einem Ritter« und »Geküsst von einem Ritter« sowie ihren Thriller »48 Hours - Rette dein Kind« Außerdem veröffentlichte sie ihre Romantic-Suspense-Romane »Dangerous Games - Dunkles Verlangen«, »Dangerous Games - Tödliche Gier« und die Donovan-Saga mit den Bänden »Thrill of Desire«, »Thrill of Seduction«, »Thrill of Passion« und »Thrill of Temptation«.
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Prolog
Östlich von Palm Springs
Januar
Der Himmel war durchgängig blau und so leer wie das Herz eines Mörders.
Die Frau mit den drei Namen lächelte grimmig in den Rückspiegel ihres alten Pick-up. Der Mann, der ihr in dem weißen Toyota Sedan folgte, war schwer ausmachbar gewesen, war gewissermaßen verschmolzen mit der Autobahn, aber sein Glück verließ ihn, sobald sie den schmalen und einsamen Feldweg erreichten, der zu ihrem allein stehenden Haus führte.
Es war schwer, sich in der Wüste zu verstecken. Obwohl er weit zurückblieb und versuchte, unsichtbar zu bleiben, wirkte er wie eine ausgestreckte Neonzunge.
Das trockene, wilde Land sah gleichbleibend unverändert aus, war es aber nicht. Es war voller versteckten Lebens, voller Überraschungen, die von süß bis tödlich rangierten. Einige dieser Überraschungen waren Sandkuhlen, die absolut nichts zu tun hatten mit einem Golf Kurs. Andere Überraschungen waren Felsen und Schlaglöcher.
Sie hoffte, dass sich der kleine weiße Wagen einen Achsenbruch holen und der Fahrer sich das Genick brechen würde. Es würde ihr die Mühe ersparen, auf ihren Verfolger, wer es auch immer war, zu schießen – angenommen, sie konnte noch gut genug sehen, um es zu erledigen, bevor sie selbst erledigt wurde.
Du wirst alt, gestand sie sich schonungslos ein.
Seit mehr als fünfzig Jahren hatte sie den Fuchs überlistet; jetzt war sie schließlich in die Enge getrieben worden. Aber sie würde weder keine leichte Beute sein noch das alte, unbezahlbare Buch des Wissenden ausliefern. Lieber würde sie vorher sterben.
Der Pick-up holperte die letzte steile Viertelmeile zu ihrer Hütte hinauf. Rote DURCHFAHRT VERBOTEN-Schilder huschten vorbei. Steine drehten sich und spritzten unter den Rädern beiseite, als die abgenutzten Reifen nach Halt suchten. Die Zeit verstrich so schnell heutzutage; nie hatte man genug, um alles zu erledigen.
Oder vielleicht war es einfach ihre Gewissheit, dass der Tod näher rückte, die ihr das Gefühl gab, dass die Zeit wie ein Wasserfall auf den störrischen Felsen ihres Lebens stürzte.
Hatten sich so die weiblichen Nachkommen der ersten Serena gefühlt, als die Zeit ihres Todes gekommen war? Hatten sie den alten, abgenutzten Webstuhl betrachtet, der Generationen von Weavers begleitet hatte? Hatten ihre zerbrechlichen Hände das Weberschiffchen erhoben, um dem altertümlichen Muster ihre eigenen letzten Zeichen hinzuzufügen?
Sie wusste es nicht. Sie würde es niemals wissen. So viel war in den verzehrenden Katarakten der Zeit verloren gegangen. So viel, aber nicht alles. Die heimlichen Überlieferungen, die sich Frauen von Generation zu Generation zugewispert hatten, besagten, dass das Buch des Wissenden anfangs über sechshundert Seiten umfasste. Zeit und extreme Umstände hatten die Anzahl auf fünfhundertsieben reduziert. Diese Seiten enthielten die gesammelte Geschichte und die Weisheit des Wissenden, Seiten, die mit Gold und zerstoßenem Lapislazuli illuminiert waren, hell leuchteten von dem Grün des Lebens und dem Scharlachrot des Blutes.
Seit sieben Generationen schon war kein Weaver mehr in der Lage gewesen, die schlanken, eleganten Worte zu entziffern, die das Buch des Wissenden zierten, aber keiner hatte jemals den Wert des Gegenstands selber bezweifelt: Der Umschlag war besetzt mit leuchtenden Edelsteinen, die das Herzstück des komplizierten, mysteriösen Musters waren, das in den soliden goldenen Einband geätzt war.
Und jetzt, wieder, waren die alten Seiten in Gefahr.
Als die letzte in einer langen, langen Reihe von Weavers, hatte sie ein ganzes Leben gehabt, um sich auf diese Situation vorzubereiten. Die Fackel wartete darauf, weitergegeben zu werden. Wenn ihr eigener Lauf vorüber war, dann sollte es so sein. Das Buch des Wissenden war sicher vor der Gier eines Mannes.
Auf zwei Seiten beschützt durch eine niedrige Hügelkette, lag ihre Hütte in einer kleinen Bodensenke. Die Holzbalken des Daches und der Mauern der Hütte waren von der unbarmherzigen Mojave-Sonne eisenhart gebrannt worden. Obgleich jetzt kühl, würden die Felssteine, die wie Knochen aus dem trockenen Land ragten, brennend heiß sein in einigen Monaten. Dann würde sie Brot und Bohnen backen in dem kleinen Ofen, den sie außerhalb ihrer Hütte gebaut hatte, und die gesegnete Mitternachtskühle über ihr Gesicht streichen lassen.
Wenn sie noch am Leben wäre.
Sie bremste in einer Wolke aus Staub und Schmutz, schaltete den Motor aus und griff nach dem Paket auf dem Sitz neben ihr. Es waren die kostbaren Seiten darin, die sie aus ihrem Versteck gelockt hatten, die sie gezwungen hatten, zurückzukehren in die gefährliche Vergangenheit, vor der sie ihr ganzes Leben geflüchtet war. So wie sie jetzt flüchten musste.
Mit der Entschlossenheit, die sie durch fast acht Dekaden gebracht hatte, zwang sie ihre dünnen Beine dazu, die wenigen Treppen hinauf zu ihrer Hütte zu laufen. Sand knirschte unter ihren abgetragenen Turnschuhen. Die verschlungenen Äste eines Joshua-Baumes hoben sich schwarz gegen den glänzenden Himmel ab. Hoch oben klagte ein Habicht in die weite Leere.
Sie hörte nur ihren eigenen unregelmäßigen Atem und sah nur die willkommene Tür ihrer wettergegerbten Hütte. Keuchend stieß sie die Tür auf und stolperte hinein, gerade als ein weißes Auto über den Kamm in ihre versteckte Talsenke schoss. Sie schlug die Hüttentür zu und legte den meterlangen eisernen Riegel davor. Dann schloss sie die innen angebrachten Fensterläden der beiden Fenster und verriegelte auch diese fest.
Die Dunkelheit innen war nahezu vollständig, aber sie brauchte kein Licht, um ihren Weg zu finden. Als junge »Witwe« hatte sie die Hütte aus Steinen und Holz selbst gebaut. Als alte Frau kannte sie jeden Zentimeter dieses Ortes: seine Stärke, seine Schwächen, seine Geheimnisse, alles.
Sie humpelte zu den Haken über der Tür, wo die Schrotflinte wartete. Sie wusste, dass diese geladen war. Das war sie immer.
Eine Faust donnerte gegen die Haustür. »Mrs. Weaver? Ich möchte gern mit Ihnen reden über –«
»Sie haben widerrechtlich mein Land betreten, und ich habe eine Schrotflinte!«, übertönte sie seine Worte.
Der Mann auf der anderen Seite der Tür warf schnell einen prüfenden Blick auf seine nähere Umgebung. Kein Anzeichen einer Kamera oder eines Spions. Er hatte auch nichts dergleichen erwartet, aber er war vorsichtig; aus dem Grund war er noch am Leben und frei, während andere das nicht mehr waren. Es gab auch keine Anzeichen eines Telefonkabels oder Elektrodrähte, nicht einmal eine Radio- oder Fernsehantenne. Er wusste aus persönlicher Erfahrung, dass Handys in dieser speziellen Ecke der Mojave-Wüste nicht funktionierten. Die alte Frau war wirklich allein.
Er lächelte.
Mit einer viel sagenden, lässigen Bewegung griff er in seine leichte Windjacke. Eine Pistole tauchte auf in seiner Faust.
»Es besteht kein Grund zur Befürchtung«, versicherte er ihr. »Ich möchte Sie nicht verletzen. Ich möchte Sie reich machen. Ich gebe Ihnen zwei Millionen Dollar für das Buch des Wissenden. Wollen Sie mich nicht hineinlassen, damit wir darüber reden können?«
»Ich gebe Ihnen sechzig Sekunden, um von meinem Besitz zu verschwinden.«
»Seien Sie vernünftig, Mrs. Weaver. Zwei Millionen Dollar sind eine Menge Geld. Es ist mehr, als Ihnen irgendjemand anders bezahlen würde für das, was noch übrig ist von diesem verdammten Druidenbuch.«
»Dreißig Sekunden.«
»Nehmen Sie wenigstens meine Visitenkarte.«
Die einzige Antwort, die er hören konnte, war das unmissverständliche Geräusch von Metall über Metall, als sie die Schrotflinte entsicherte. Er schätzte die Dicke der Steinmauern und des sonnengehärteten Holzes der Tür ab, und die überraschende Kraft der Beute. Er bräuchte panzerbrechende Kugeln für die Hütte. Für sie auch. Das war ein zähes altes Miststück.
Mit einem bösartigen Fluch drehte er sich um, stieg in seinen Wagen und entfernte sich von dem Gegenstand, den er so begehrte, dass er dafür töten würde.
Wind kam auf, nachdem die Sonne untergegangen war. Der unsichtbare Luftstoß war trocken, nahezu frostig und roch eher nach Zeit als nach Leben. Die Petroleumlampe in der Hütte warf seltsame, lebendige Schatten über die Fenster und Wände. Ein alter Webstuhl mit einer unvollendeten Weberei, die den Rahmen teilweise füllte, wartete in einer Ecke. Farbenprächtige Garnspulen hingen bereit für den Moment, nahtlos in ein Muster eingewoben zu werden.
Ein gerade entzündetes Feuer brannte gemütlich in dem Kamin und vertrieb die frostige Wüstennacht. Die Frau trug um ihren Hals einen langen Schal, der genauso alt war wie der Webstuhl selber. Der Schal fühlte sich rau an und normalerweise ließ sie ihn bei seinem Gefährten, dem Buch des Wissenden. Aber heute Nacht war ihr eiskalt und der Schal tat ihr gut.
Benommen saß sie vor dem Feuer, starrte in die züngelnden Flammen, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Alles, was sie sah, waren die dünnen, unbeschriebenen Pappstücke, die sie eins nach dem anderen ins Feuer warf.
Er hatte versprochen, ihr die gestohlenen Seiten des Buches des Wissenden zu schicken. Er hatte sie erneut betrogen, Versprechungen gemacht und sie nicht gehalten. Dieses Mal hatte er gebräuchliches Papier geschickt, kein altertümliches Pergament. Dies waren keine Seiten mit schlanker, irgendwie gefährlich anmutender Schrift, einer alten Sprache, die stumm von Leuten und Orten erzählte, die längst verschwunden waren. Es spielte keine Rolle, dass sie die Worte selbst nicht lesen konnte. Es reichte, dass sie das Buch sicher bewahrt hatte und weitergeben würde an die nächste Serena.
Familientradition...




