E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Losada Perlentauchen
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95736-140-0
Verlag: L.E.O. Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebe, Lachen und richtig guter Sex
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-95736-140-0
Verlag: L.E.O. Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
ISABEL LOSADA arbeitete als Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin, Journalistin, TV-Produzentin, Sprecherin und Comedian, bevor sie das Schreiben für sich entdeckte. Ihr Buch 'Battersea Park Road to Enlightenment' war ein Bestseller. Ihre Leidenschaft sind Sachbücher und gegen den Strom zu schwimmen.
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Ein langer, heißer Sommer
Ich habe ein Buch mit dem Titel [Das multi-orgastische Paar] von Mantak Chia gelesen. Wie du dir vorstellen kannst, ist es ziemlich nervtötend. Oder wie viele multi-orgastische Paare kennst du? Am nervigsten ist jedoch die Tatsache, dass es Übungen für den Mann enthält, wie er den Orgasmus von der Ejakulation trennen kann, sodass er so oft einen Orgasmus bekommen kann, wie er möchte. Dieser Prozess, wenn auch für den Mann schwer zu erreichen, ist physischer Natur. Dagegen beginnt der Rat für Frauen damit, dass man sie bittet, in ihre Kindheit zurückzugehen und zu untersuchen, wie sie sich in Bezug auf jede prägende sexuelle Erfahrung fühlen. Ich bin diesen Ansatz echt leid. Es scheint eine sehr weit verbreitete Annahme zu sein, dass eine Frau, die keine Orgasmen bekommt, verkorkst ist und erst ihre »Probleme« erschöpfend und detailliert durcharbeiten muss. Und das üblicherweise mit einem männlichen Therapeuten.
ist wieder mal ein Buch, in dem die weibliche Sexualität aus männlicher Sicht analysiert wird. Wie wir wissen, ist eine Frau, wenn sie von einem Mann untersucht wird, häufig einfach zu komplex. Reagiert sie nicht genauso wie er, erklärt sie der Mann gerne für »defekt«. Das ist eindeutig die Schuld von Herrn Freud. Und Herr Jung hat auch nicht wirklich geholfen.
Ich rufe Hilly an und beschwere mich.
»Lies das Buch nicht«, sagt sie mit bewundernswerter Klarheit, »es hat eine sehr männliche Sichtweise. Kauf dir stattdessen von Nicole Daedone.«
Die Klitoris streicheln
Ich gehe zu meinem Buchladen vor Ort und bestelle das Buch (großartiger Titel), und als es kommt, bin ich nicht im Geringsten genervt. Da wird nicht suggeriert, dass man, wenn man ein gutes Sexualleben haben möchte, zuerst seine Psyche umkrempeln oder sich das erste Mal vergegenwärtigen müsse, als man einen Penis sah. Es ist klug und sensibel geschrieben. Nicoles Schilderung davon, »was eine Frau von einem Mann will« und »was ein Mann von einer Frau will«, ist so mitfühlend, dass sowohl T. als auch ich uns ein wenig in Nicole verlieben, als wir sie lesen. Doch das Allererstaunlichste an dem Buch ist eine einfache Übung, die darin beschrieben wird.
Jetzt pass auf!
Der Schlüsselprozess in Nicoles Buch ist das, was sie die »Orgasmische Meditation« nennt. Man nennt es »OMing«. Da OM der heiligste Laut im Hinduismus ist und auch im Jainismus, Sikhismus und Buddhismus vorkommt, bin ich mir nicht sicher, ob ich zusammenzucken soll, wenn ich den Begriff »OM-Praxis« höre, oder lieber ihre Marketing-Fähigkeiten bewundern. Wie auch immer, so geht’s: Der Mann bereitet mit Decken und Kissen liebevoll ein »Nest« auf dem Boden vor. Die Frau zieht sich unten herum aus und legt sich mit gespreizten Beinen auf den Boden, um ihre »Muschi« zu zeigen (Nicole verwendet den Begriff »Yoni« nicht). Die Kissen stützen ihr linkes Bein. Er setzt sich vollständig bekleidet rechts neben sie und stützt mit seinem Körper ihr rechtes Bein. Sein linkes Bein befindet sich über ihrem Bauch. Die Position ist schwer zu beschreiben, aber leicht einzunehmen.5 Dann – jetzt kommt’s! – streichelt er die nächste Viertelstunde lang den oberen linken Quadranten ihrer Klitoris, mit einem Strich, der nicht fester ist als der, mit dem du dein eigenes Augenlid streicheln würdest. Das ist alles. Ich erinnere mich, dass ich mich ein wenig schwach fühlte, als ich das zum ersten Mal gelesen habe.
Nicole hat an alles gedacht, sogar seine ideale Handposition wird beschrieben. Der Mann (oder die Frau in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung) öffnet sanft die Venuslippen, um die Klitoris vollständig freizulegen. Als Nächstes benutzt er oder sie Daumen und Mittelfinger der linken Hand, um die Venuslippen offen zu halten (und die Vorhaut zurückzuziehen). Dann beginnt er oder sie, mit dem Zeigefinger der linken Hand die Klitoris zu streicheln. Der/die Streichelnde platziert den Daumen der rechten Hand auf der Basis ihres Scheideneingangs (den Eingang ihres Vaginalkanals) und lässt ihn dort leicht, aber voller Selbstvertrauen liegen.
Das ist ein sehr subtiler Prozess und es scheint, als habe Nicole jede Schwierigkeit, die auftauchen könnte, vorhergesehen und eine Lösung dafür gefunden. Zum Beispiel lässt sie bei Frauen, die Schwierigkeiten haben, Anweisungen zu geben, und denen es schwerfallen würde zu sagen: »Du solltest dich ein ganz klein wenig nach rechts bewegen«, den Mann Fragen stellen, auf die die Frau mit einem einfachen »Ja« oder »Nein« antworten kann. Ein Streichelnder könnte also fragen: »Hättest du gerne, dass ich mich ein bisschen weiter nach rechts bewege?« Oder: »Würdest du gerne fester gestreichelt werden?« Oder einfach nur: »Ein anderer Strich?«
Für den Streichelnden, der wahrscheinlich sein Bestes gibt, und eine mutigere Gestreichelte bietet sie eine Möglichkeit an, wie die Person, die gestreichelt wird, Feedback geben kann, ohne die streichelnde Person zu entmutigen, nämlich: Finde zunächst etwas, das gut ist, und dann füge eine Bitte hinzu. Das könnte etwa so klingen: »Der Druck fühlt sich gut an – nur ein bisschen schneller, bitte.« Oder: »Die Position fühlt sich gut an – ein bisschen leichter, bitte.« Nicole hat also ein paar einfache Richtlinien erarbeitet, um die Kommunikation zwischen den Partnern so einfach wie möglich zu machen.
Es ist etwa so, als wollte man lernen, ein Musikinstrument zu spielen. Der Streichelnde lernt, langsam, aber sicher und mit wachsendem Einfühlungsvermögen, immer deutlicher zu spüren, wie seine Berührungen bei der Frau ankommen. Der wirklich befreiende Aspekt dieser Praxis ist, dass sie nicht zielorientiert ist. Mit anderen Worten, der Streichelnde versucht nicht, der Frau einen Orgasmus zu bescheren. Die einzige Anweisung für die Person, die gestreichelt wird, lautet: »Entspanne und öffne dich.« Das ist alles.
Diese Idee fasziniert mich aus mehreren Gründen: Zunächst einmal handelt es sich hier um eine leichte – geradezu unglaublich leichte – Möglichkeit, zu lernen, wie man einer Frau Lust bereitet. Wie wir alle wissen, ist es normalerweise wesentlich leichter für einen Mann, von einer Frau Lust bereitet zu bekommen, als umgekehrt. Diese Praxis scheint also wirklich überfällig zu sein. Zweitens, sie ist so einfach. Es beginnt nicht mit der Frage, ob meine frühesten Erfahrungen traumatisch waren, und geht auch nicht davon aus, dass ich irgendwie unterdrückt oder dysfunktional bin. Alles, worum es geht, ist, dass du dich hinlegst, deine Beine öffnest, dich entspannst und genießt. Und natürlich, dass du dich auf die Empfindung konzentrierst, egal wie sie ist, und zwar ohne zu bewerten oder auf mehr zu drängen.
Mir wird gerade sehr warm, weil ich eine Mischung aus schrecklicher Angst und Vorfreude verspüre – einfach weil ich dies lese. Was das Buch beschreibt, ist eine lange Reise, die der Streichelnde und die Gestreichelte gemeinsam unternehmen. Der Streichelnde lernt, sich auf den Körper der Frau einzustellen. Ein Mann ist nicht unbedingt sensitiv genug, um sich auf das hohe Maß an Sensibilität einzustellen, welches die Klitoris zu verlangen scheint, und eine Frau ist nicht unbedingt fähig, die Lust zu empfangen, welche die Klitoris ihr bescheren kann. Es lernen also beide gemeinsam. Und es gibt da alle möglichen Versprechen, angefangen mit einem Gefühl von »Elektrizität«, die von der Frau ausgeht und durch die Finger und den Körper des Mannes wandern kann. Eine Frau kann Empfindungen haben, die noch außergewöhnlicher und kraftvoller sind als bei einem normalen Orgasmus. Das Buch spricht auch davon, dass diese Praxis eine Quelle von Energie für die Frau und eine äußerst befähigende Erfahrung für den Mann sein kann. Und trotzdem verbringen viele Paare ihre Abende vor dem Fernseher?
Ich werde mir ein Herz fassen und T. bitten, das Buch zu lesen und sich zu überlegen, ob er mich ausgiebig streicheln möchte. Ich bestelle ein zweites Exemplar und setze mich hin, um ihm einen Brief zu schreiben. Später schlägt er vor, ich solle den Brief hier ungekürzt für euch wiedergeben.
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