E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Loon Das Gruselhandbuch
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-946593-81-2
Verlag: Verlagshaus Jacoby & Stuart
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Ratgeber für schaurige Stunden
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-946593-81-2
Verlag: Verlagshaus Jacoby & Stuart
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Paul van Loon, geb. 1955, ist ein vielfach ausgezeichneter niederländischer Kinderbuchautor, der bereits mehr als 100 Bücher veröffentlicht hat. Er hat sich vor allem mit dem Schreiben von Gruselgeschichten einen Namen gemacht. Sein Markenzeichen ist seine Sonnenbrille, die er niemals abnimmt. Wer weiß, ob er nicht doch ein Vampir ist und wie alle Vampire rote Augen hat ...
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Vampire
Vampire sind von allen Gruselgestalten vielleicht diejenigen, die am meisten geliebt und zugleich gefürchtet werden. Schon seit Jahrhunderten erzählt man sich Geschichten über Vampire.
Aber was sind Vampire eigentlich? Sie sind Wesen, die weder tot noch lebendig sind. Außerdem sind sie unsterblich. Das ist alles sehr seltsam, wenn du darüber nachdenkst. Aber wer die Kunst des Gruselns beherrscht, weiß, dass es hier um die »andere Wirklichkeit« geht, in der alles möglich ist.
Vampire werden auch Untote genannt, sie befinden sich in einem Zustand zwischen Leben und Tod.
Sowohl Männer als auch Frauen können Vampire sein. Das Wort Vampir stammt aus Osteuropa und bedeutet »Untote«. In unsere Sprache gelangte das Wort zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts.
Was tun Vampire?
Tagsüber schlafen Vampire in dem Sarg, in dem sie begraben wurden. Nachts kommen sie heraus und machen sich auf die Suche nach Blut. Davon leben sie. Etwas anderes essen oder trinken sie nicht. Vampire sind verrückt nach dem Blut lebendiger Menschen. Männliche Vampire beißen am liebsten Frauen, und weibliche Vampire mögen Männerhälse lieber. Nur wenn sie keinen Menschen finden können, begnügen sie sich auch mal mit einem Huhn oder einem Schaf.
Wenn sie ein Opfer gefunden haben, beißen sie es mit ihren langen scharfen Eckzähnen in den Hals. Dann saugen sie ihm das Blut aus der Halsschlagader.
Diese Untoten sind also blutsaugende Gefährten. Meist besuchen sie dasselbe Opfer mehrmals. So lange, bis sie all sein Blut herausgesaugt haben. Dann wird das Opfer selbst zu einem Vampir, der nun seinerseits auf die Suche nach einem Opfer geht, in das er seine Zähne schlagen kann. Wenn es so weiterginge, würde ein ständig wachsender Club von Vampiren entstehen. Doch zum Glück gibt es eine ganze Reihe treffsicherer Mittel, Vampire zu töten.
Wie sieht ein Vampir aus?
Altmodische Vampire
In den meisten älteren Geschichten tragen Vampire ein langes schwarzes Cape und sind überhaupt schwarz gekleidet. Nie ziehen sie etwas Buntes an, auch die weiblichen Vampire nicht. Durch die schwarze Kleidung können sie bequem im Schatten verschwinden und sich fast unsichtbar durch die Nacht bewegen. Dieses Vampir-Outfit ist allerdings sehr altmodisch und stammt aus dem neunzehnten Jahrhundert, als das Buch von Bram Stoker erschien. Die »alten« Vampire waren oft auch an ihren Fingernägeln zu erkennen, die schrecklich lang waren, und manchmal wuchsen ihnen auch Haare auf den Handflächen.
Moderne Vampire
Moderne Vampire tragen alles Mögliche. Jeans-Anzüge, Stiefel, bunte Stulpen, Bodystockings, Latzhosen, Hosenröcke, je nachdem, was sie in dem Moment anhatten, als sie Vampire wurden. Moderne Vampire haben auch verschiedene Frisuren, von einem wilden dreifarbigen Haarbüschel bis zu einem Pferdeschwanz oder einem kahlgeschorenen Kopf. Alles ist möglich. Der moderne Vampir ist modebewusster als der alte und wählt manchmal sogar einen neuen Mantel. In dem Film (1987) fahren junge Punk-Vampire auf Motorrädern durch die Stadt, mit langen Ledermänteln bekleidet.
Andere Vampire
Die oben beschriebenen Vampire kommen vor allem in Geschichten aus Westeuropa und Amerika vor. In anderen Ländern sehen Vampire jedoch manchmal ganz anders aus. In chinesischen Geschichten finden sich Vampire mit grünen Haaren auf dem ganzen Körper, und manche leuchten sogar. In Bulgarien glaubt man, dass Vampire nur ein einziges Nasenloch haben. In japanischen Geschichten gibt es einen Vampir, der aussieht wie eine riesige Katze. Und ein malaiischer Vampir, der Pélèsit, hat die Gestalt einer Heuschrecke mit einem spitzen Schwanz, mit dem er Menschenhaut durchbohren kann.
Eckzähne
Die wichtigste Waffe der Vampire, der alten wie der modernen, sind die messerscharfen Eckzähne. Mit ihnen beißen sie winzig kleine Löcher in den Hals ihres Opfers, um danach das Blut aus der Halsschlagader saugen zu können. Wenn du auf einem Buchumschlag oder auf einem Filmplakat zwei scharfe Eckzähne siehst, dann weißt du schon, dass das Buch oder der Film von einem Vampir handelt. Die Eckzähne sind das Symbol der Vampire.
Leichenblässe
Die Gesichter der Vampire sind leichenblass. Schuld daran sind Blutmangel und der Mangel an Sonnenlicht. Kein Wunder, denn ein Vampir kommt nie in die Sonne. Er kann Tageslicht nicht ertragen. Bevor die Sonne aufgeht, verkriecht sich der Vampir an einem dunklen Ort, meist in seinem Sarg, sonst würde er zu einem Häufchen Asche verbrennen. Sogar ein einziger Streifen Sonnenlicht versengt seine Haut schon. Nur wenn der Vampir gerade eine blutreiche Mahlzeit hinter den Eckzähnen hat, röten sich seine bleichen Wangen. Dann werden sogar seine Augen blutrot.
Schutz gegen Tageslicht
Moderne Vampire wagen sich öfter ins Freie. Sie benutzen Sonnenbrillen, Handschuhe, Hüte und Sonnenschutzcremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor.
Verstecke
Vampire streunen gern auf Friedhöfen herum. Sie fühlen sich wohl zwischen den Toten, weil sie selbst untot sind, und sie können sich hier auch ausgezeichnet verstecken.
Früher waren Gräber manchmal richtige Häuser, in denen die Särge der ganzen Familien standen. Dort konnten sich mehrere Vampire verstecken. Am liebsten versteckt sich ein Vampir in seinem eigenen Sarg.
Dieses Ding, den Sarg, schleppt er überallhin mit. Der Sarg eines Vampirs ist innen schmutzig und voller Blutflecken, weil sein Mund oft blutverschmiert ist, wenn er sich hineinlegt. Wenn er zu gierig getrunken hat, läuft ihm das Blut dann einfach aus dem Mund, wenn er schläft. Im Sarg hebt der Vampir auch Erde aus seinem Geburtsort auf, um Kraft daraus zu schöpfen.
Vampire bleiben nie lange am selben Ort. Sie haben Angst, entdeckt zu werden, deshalb streunen sie herum, immer auf der Suche nach einem sicheren Platz und einem neuen Opfer. Wenn sie genug Geld haben, mieten sie sich ein Zimmer oder ein Haus, wo sie dann im Schlafzimmer ihren Sarg aufstellen.
Früher transportierten sie ihre Särge in Kutschen, Zügen und Schiffen. Heutzutage schalten sie einfach eine Transportfirma ein und lassen ihn am Ort der Bestimmung abliefern.
Vampire, die keine Särge haben, weil sie zum Beispiel Vampire wurden, bevor man sie beerdigen konnte, verstecken sich an anderen dunklen Orten. In Kellern, Lagerräumen, alten Fabrikhallen, in U-Bahn-Schächten. Sie können überall um uns herum sein, ohne dass wir es wissen.
Der reisende Vampir
Vampire reisen meist bei Nacht, damit man sie nicht sieht. Trotzdem können Probleme auftauchen.
Aus irgendwelchen unklaren Gründen können sie kein Gewässer überqueren. Dazu brauchen sie die Hilfe von anderen, oft von Verbrechern oder Leuten, die für Geld alles tun, ohne Fragen zu stellen. Früher ließen sie sich in ihren Särgen per Boot über Flüsse und Seen bringen. Das ist jetzt viel einfacher, weil es Flugzeuge gibt. Der Vampir bucht einen Nachtflug. Er reist erster Klasse, und sein Sarg ist einfach beim Gepäck, vielleicht in einer großen Kiste mit der Aufschrift »Bananen« oder »Whisky«, und kein Hahn kräht danach.
Alter
Zeit hat für einen Vampir keine Bedeutung. Wenn jemand dadurch zum Vampir wird, dass ein anderer Vampir ihn mehrere Male gebissen hat, dann behält er sein früheres Aussehen. Er verändert sich nicht mehr. Ein dreitausend Jahre alter Vampir kann also zum Beispiel aussehen wie ein Baby oder ein zehnjähriges Kind, je nachdem, in welchem Alter er gebissen wurde.
Ein Vampir altert nicht. Man sagt allerdings, dass er nach dem Genuss von frischem Blut jünger aussieht. Es wirkt auf ihn wie eine Verjüngungskur. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass Vampire so verrückt nach Blut sind.
Mit ein bisschen Glück können Vampire Tausende oder Zehntausende von Jahren alt werden, jedenfalls dann, wenn sie nicht von einem Vampirjäger getötet werden.
Kein Spiegelbild und kein Schatten
Vampire haben kein Spiegelbild. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn wenn sie sich mit ihren langen Zähnen und ihrer Leichenblässe selbst sehen könnten, würden sie vielleicht zu Tode erschrecken.
In der Wohnung eines Vampirs wirst du nie einen Spiegel entdecken. Sie hassen Spiegel. Leuten, die keinen Spiegel in ihrer Wohnung hängen haben, sollte man mit einem gewissen Misstrauen...




