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E-Book

E-Book, Deutsch, 180 Seiten

Lirot Schattenkind

Ein Luna-Walker-Roman. Der fesselnder Thriller um ein dunkles Familiengeheimnis an Cornwalls Sturmküste
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-785-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Luna-Walker-Roman. Der fesselnder Thriller um ein dunkles Familiengeheimnis an Cornwalls Sturmküste

E-Book, Deutsch, 180 Seiten

ISBN: 978-3-98952-785-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein altes Familiengeheimnis.Eine eigenwillige junge Frau.Und eine düstere Sage ... An der Nordküste Cornwalls spukt es, wenn man den Einheimischen Glauben schenkt. Menschen sind verschwunden, geholt vom fahlen Seemann, der dazu verdammt ist, über die Meere zu fahren, bis ihn jemand aus seiner Einsamkeit erlöst. Luna Walker, eine junge Frau aus London, hält nichts von dieser Sagengestalt. Sie hat das Häuschen ihrer Tante geerbt und möchte hier an der Küste einen Neuanfang wagen. Robert Byrne, der aus der Gegend stammt, aber längst nicht mehr dort lebt, belächelt den Aberglauben der Küstenbewohner ebenfalls. Er ist nur zurück, um endlich sein Elternhaus zu verkaufen. Zu viele düstere Erinnerungen lasten auf dem schlossähnlichen Haus, das oben auf den Klippen thront. Erinnerungen an die Familie, die Robert dort verloren hat. Als sich seine Wege mit Lunas kreuzen, drängen die Schatten der Vergangenheit jedoch gefährlich nah ans Licht ... »Beim Lesen habe ich oft die Wellen rauschen und den Wind heulen hören. Eine dicke Überraschung kommt am Ende der Geschichte!« Amazon-RezensionEin atmosphärisches Spannungs-Highlight für alle Fans von Katherine Webb und Charlotte Link - als eBook bei dotbooks erhältlich und als Hörbuch bei Saga Storify.

Eva Lirot lebt mit Mann und Hund in Limburg a. d. Lahn. Sie studierte Psychologie und schloss den Magister in Literaturwissenschaft ab, bevor sie sie sich dem Schreiben von Thrillern und Küstenkrimis widmete. Mehr über die Autorin auf Social Media: www.facebook.com/liroteva Bei dotbooks veröffentlichte Eva Lirot ihren Cornwall-Thriller »Schattenkind«, der auch als Hörbuch bei Saga Storify erhältlich ist. Weitere Hörbücher erscheinen bei Saga Storify zu ihrer INSELKOMMISSARIN-Reihe um Frieda Lieken.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Luna

Eine raue Nacht. Der Wind draußen, er tobt, pfeift, heult, als wäre er ein Lebewesen aus Fleisch und Blut, das eine große Wut verspürt. Ich könnte mir vorstellen, dass es mich umwehen würde, wenn ich in seine Fänge geriet.

Ich bin nicht sehr groß, messe gerade mal fünf Fuß und drei Inch. Einssechzig würde man auf dem Kontinent sagen. Besonders kräftig bin ich auch nicht, bringe keine fünfzig Kilo auf die Waage. Da hätte das zornige Lebewesen sicher ein leichtes Spiel.

Macht aber nichts, ich muss ja nicht rausgehen, solange es dort draußen derart wütet. In meiner kleinen Stube ist es herrlich behaglich. Ich liege im Bett, in die kuschelige Decke gehüllt und höre dem Windwesen zu wie es am Fenster rüttelt und die Dachziegel klappern lässt. Morgen früh hat es sich bestimmt beruhigt. Ein wenig zumindest. War bisher immer so, seit ich hier bin.

Also seit knapp sieben Wochen.

Eigentlich hatte ich gar nicht bleiben wollen. Solange, meine ich. Ich war aufgebrochen, um mir die Welt anzuschauen.

Bis Cornwall bin ich gekommen.

Von London aus.

Dort lebte ich bisher, bin da aufgewachsen. War gefangen. Jedenfalls empfand ich das mit jedem Jahr, das ich älter wurde, stärker so.

Ich weiß auch nicht, woran es liegt oder wie es dazu gekommen ist. Aber irgendwie bin ich ein Fremdkörper innerhalb meiner eigenen Familie. Ich gehöre nicht dorthin.

Dabei habe ich es versucht. Mich in den Kreis dieser Menschen einzufügen, meine ich. Fast fünfundzwanzig Jahre lang. Wobei ich zugeben muss, dass ich mich an die Zeit als Kleinstkind natürlich nicht wirklich erinnere. Aber seit ich bewusst wahrnehmen kann, was um mich herum passiert, spüre ich sie. Diese unsichtbare Wand.

Die Wand zwischen meinen Eltern, meiner Schwester und mir.

Isabella stand immer im Zentrum.

Isabella, die »Göttliche«.

So hatte es auf irgendeiner Internetseite gestanden, auf der es um vornehme englische Mädchennamen ging, und die Isabella prompt hatte finden müssen, um dann allen mit ihrer vermeintlichen »Göttlichkeit« auf die Nerven zu fallen.

Der Vorname, der für mich ausgesucht worden war, zementiert die gewaltige Differenz zwischen meiner Schwester und mir.

Mich nannten sie Molly.

Die »Bitterkeit«.

Stand auf derselben Internetseite zu lesen. Ernsthaft. War ein gefundenes Fressen für Isabella, logisch.

Meine Eltern hatten sich vermutlich nichts weiter dabei gedacht. Keine Ahnung, wie sie auf Molly kamen. Ich denke immer an ein Schaf, wenn ich diesen Namen höre.

Spielt aber keine Rolle. Ich weiß jedenfalls sicher, dass sich meine Eltern nie für die angebliche Bedeutung von Namen interessierten. Das war ein Steckenpferd der »Göttlichen«.

Kein Wunder, oder? Hätte ich an ihrer Stelle auch toll gefunden, allein wegen des Namens göttlich zu sein, da bin ich ehrlich.

Also habe ich mir einen anderen Vornamen für mich überlegt und dafür gesorgt, dass mich alle nur noch so nennen: Luna. »Göttin des Mondes«.

Ätsch! Ich freute mich diebisch, als ich Isabella unter die Nase reiben konnte, dass ich ihr nun ebenbürtig war.

Albern, nicht wahr?

Aber so war das bei uns.

Konkurrenz unter Schwestern, bei der sich ein Kampf nicht lohnte, weil die Siegerin von vornherein feststand.

Isabella stand immer im Mittelpunkt.

Ich war die kleine Stille mit dem merkwürdigen Blick.

Hinzu kam, dass ich sowieso überhaupt keine Lust auf meine acht Jahre ältere Schwester hatte. Wenn sie sich mit ihren eingebildeten Freundinnen durch die Läden shoppte, trieb ich mich lieber im Park herum. Fütterte die zutraulichen Eichhörnchen aus der Hand, die durch die vielen Touristen an Menschen gewöhnt waren.

Für Isabella gibt es keinen schöneren Platz auf der Welt als die Champs-Élysées in Paris. Gefolgt von der Viktor-Emanuel-Passage in Mailand. Oder die Fifth Avenue in New York. Die Via Del Corso in Rom ginge selbstverständlich auch. Hauptsache, schillernde Großstadt mit langer Einkaufsmeile. Party und Shopping. »Stößchen«, höre ich sie mit ihrer künstlich höher geschraubten Stimme flöten und sehe vor mir, wie sie vom Champagner nippt und mit gekonntem Augenaufschlag beobachtet, wie sie auf andere wirkt.

Wie furchtbar! Muss ungeheuer anstrengend sein, sich so gekünstelt durchs Leben zu bewegen.

Und Großstädte finde ich auch anstrengend.

Also bin ich erstmal nach Brighton gefahren. »London-by-the-Sea«, wie wir es nennen. Obwohl es keine zwei Autostunden von Belgravia entfernt ist – das ist das Nobelviertel, in dem meine Familie lebt – war ich noch nie dort. Bin lieber bei Tante Mae an der Nordküste gewesen, habe regelmäßig meine Ferien bei ihr verbracht. Frische Luft, rauschendes Wasser, zerklüftete Felsen – das zieht mich an. Wie die Motte das Licht. Die rauen Gewässer des Atlantiks, sie sind mir tausend Mal lieber wie jedes südliche Meer. Weiß auch nicht warum.

Ich war einmal mit der Familie an der Adria. Bella Italia. Pinienwälder, kilometerlange Sandstrände. Schon schön. Aber langweilig. Fand ich. Außerdem war es mir in diesem Luxushotel viel zu versnobt zugegangen. Jedes Mal groß in Schale werfen, bevor es zum Frühstück ging. Nein. Nicht meins. Bin mehr der Jeans und Sweatshirt-Typ, habe morgens sowieso nie Hunger und mag es lieber romantisch-düster statt sonnig-verkitscht.

Das ist eben so. Punkt.

Deshalb war ich meistens bei meiner Tante geblieben, statt in einem der Luxusresorts abhängen zu müssen, in denen der Rest meiner Familie so gerne Urlaub macht.

Selbst in Brighton habe ich es keine zwei Tage ausgehalten. Obwohl es nur geregnet hatte, von sonnig-verkitscht also keine Rede sein konnte. Aber das Flair dort – puh! Schicke Läden, Restaurant an Restaurant und jede Menge Leute, denen man auf den ersten Blick ansehen kann, dass ihnen nichts wichtiger ist als ihr Aussehen. Isabella-Place, eindeutig.

Sie wollte immer Model werden, meine große Schwester. Hat bisher nicht geklappt. Und jetzt, mit Anfang dreißig, dürfte der Zug wohl abgefahren sein. Das ändert aber nichts daran, dass sie sich manchmal immer noch aufführt wie Naomi Campell in ihren zickigsten Zeiten.

Ich hatte die mal live erlebt. Die Campell, meine ich. War bei Victoria‘s Secret in der New Bond Street gewesen. Die lassen ihre Dessous nicht nur häufig von Supermodels vorführen, die kaufen anscheinend auch dort ein, die Supermodels.

Die Campell belagerte einen kompletten Ladenflügel, von drei Bodyguards begleitet. Sie ließ die Verkäuferinnen um sich herumschwirren wie eifrige Bienchen beim Honigsammeln und tat so, als würde sie die anderen Kunden im Laden gar nicht wahrnehmen. Außer, wenn sie merkte, dass jemand das Handy zückte und sie fotografierte. Da regte sie sich tierisch auf, ganz Superstar.

War natürlich alles Show. Das wusste ich damals schon mit fünfzehn. Wenn eine Person wie Naomi Campell hätte für sich sein wollen, hätte sie einen Termin außerhalb der regulären Geschäftszeit bekommen. Also bitte, es war alles nur Gehabe, um sich in Szene zu setzen. Genauso wie Isabella es macht, wenn sie meint, nicht genug Aufmerksamkeit zu bekommen.

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie anstrengend eine solche Schwester sein kann.

Aber das ist noch nicht alles. Denn wenn Isabella gerade mal nicht nervt, übernimmt Mutter ihren Part. Cecilia Jane Walker. Früh verwitwet, wieder geheiratet und seitdem rundum sorglos. Was echte Sorgen betrifft, meine ich. Ihren Job in der Teeabteilung bei Fortnum & Mason müsste sie nicht machen. Sie arbeitet in dem feinen Kaufhaus am Piccadilly rein aus Prestigegründen. Ist ihr sehr wichtig, ihr Prestige. Wehe, es sagt einer Verkäuferin zu ihr, dann rastet sie aus und belehrt: »Ich bin Fachangestellte, das ist etwas ganz anderes!«

Nicht nur in der Hinsicht sind sie und meine Schwester wie eineiige Zwillinge. Wenn die zwei sich unterhalten, hört es sich für mich an wie beim Vokabeltraining in der Markensprache. Die beiden besitzen keine Handtaschen, nein, sie haben eine Bridge, die Louis Vuitton, ihre Dior, die Chanel, die Hermès Birkin. Und wenn sie mal tiefstapeln wollen, wie sie es nennen, greifen sie zur Gucci. Oder zu der schlichten Tod’s.

Wahnsinnig schlicht, das Ding, doch, echt! Ich würde mit dem cremefarbenen Trümmer nicht vor die Tür gehen, da kann ich auch gleich den Reise-Trolley nehmen. Na, egal.

Was ich damit sagen will: Geld ist im Hause Walker wahrlich nicht das Problem. Arthur, mein Stiefvater, den ich immer nur beim Vornamen nenne, ist ein waschechter Earl mit Gutsbesitz in Sussex. In London unterhält er eine Anwaltskanzlei. Das heißt, er steuert seinen Namen und den Titel bei und lässt die anderen machen, während er im Gentlemen Club verweilt, Zeitung liest und kluge Gespräche mit seinesgleichen führt.

Auch ich könnte das herrlichste Luxusleben führen.

Problem: Ich mag keinen Luxus dieser Art. Und erst recht nicht die Leute, die das mögen.

Ist mir zuwider, dieses Zur-Schau-Stellen. Das Getue. Das sinnlose Hocken in irgendwelchen, gerade angesagten Restaurants. Oder die Besuche »kultureller Events«, bei denen »man sich unbedingt sehen lassen muss«.

Kotz! Wird mir übel, wenn ich nur daran denke.

Ich gehe lieber in den Park, wie gesagt. Oder lese. Alles mögliche, was mir in die Hände fällt. Und ständig, seit es diesen Reader gibt. Den schleppe ich überall mit mir herum. Wenn ich irgendwo warten muss, in der Metro, beim Arzt, oder wenn ich auf einer Wiese sitze – solange eine Geschichte es schafft, mich in eine andere Welt zu entführen, bin ich dabei....



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