E-Book, Deutsch, Band 3, 272 Seiten
Reihe: Hidden
Lind Hidden
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-3268-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Verborgen hinter der Maske
E-Book, Deutsch, Band 3, 272 Seiten
Reihe: Hidden
ISBN: 978-3-7597-3268-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach dem Angriff der Schwarzalben findet sich Lea in deren Versteck wieder. Die Alben behaupten, sie gerettet zu haben, doch sie kommt sich wie eine Gefangene vor. Fern von ihrer Familie und ihren Freunden in Margeriten muss Lea sich ihrem neuen Alltag stellen. Doch nicht alles ist, wie es scheint. Wem kann sie vertrauen? "Da kommt jemand, versteckt euch!" Zu spät, das Schloss klickt bereits und die Tür springt auf. Wir stehen immer noch wie angewurzelt da und starren der Frau voller Entsetzten entgegen. Ich tue das Einzige, zu dem ich im Augenblick noch fähig bin. Der Dolch glitzert mörderisch, als ich ihn drohend auf die Frau in der Türe richte. "Ich habe keine Angst!", brülle ich, und weiß, dass das eine einzige Lüge ist.
Luisa Lind ist eine 17-jährige Autorin aus Österreich, die in ihrer Freizeit Fantasy-Romane schreibt. Ihre ersten Geschichten verfasste sie bereits mit 8 Jahren. Neben ihrer Leidenschaft für Bücher interessiert sich Luisa auch für Musik und Sport. Ihre Freunde würden sie als eine ehrgeizige, aufgeschlossene Person beschreiben, mit der man immer etwas zu lachen hat.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Datum und Ort unbekannt Blinzelnd öffnet er seine schweren Lider. Grau. Das ist alles, was er sieht. Nichts als Grau. Das soll der Tod sein? Unscharf erkennt er Wände. Mühsam versucht er, sich zu bewegen und seine steifen Glieder zu strecken, doch es gelingt ihm nicht. Langsam verschwindet die Benommenheit aus ihm. Er wird wacher. Immer noch kann er sich nicht umdrehen. Seine Hände und Füße sind an den Stuhl gefesselt, auf dem er sitzt. Seine Erinnerungen kehren zurück: der Nebel, die Müdigkeit – und sein Elfenmädchen, Lea. Hektisch reißt er an den Fesseln. Er muss zu ihr. Er muss sie suchen. Muss sie finden. In Gedanken sucht er sie, ihre klare Stimme in seinem Kopf, doch sie ist fort. „Lea!“, ruft er trotzdem. Sie zu finden ist alles, was zählt. Seine Stimme klingt kratzig. Es folgt Stille. Brüllende Stille. Entsetzt starrt er vor sich hin. Warum kann er sie nicht finden? Sie muss etliche Kilometer weit fort sein, wenn er sie nicht erreichen kann. Oder ist sie etwa … nein, sie muss leben. Sie muss einfach! Er fühlt sich hilflos ohne sie. Seine Sicht ist unscharf und sein Gehör taub. Er hört nichts, gar nichts. Kein Atem in der Nähe. Als wäre er völlig allein und abgeschottet von allem. Da knackt es und eine verzerrte Stimme ertönt: „Da ist ja jemand aufgewacht. Wie hast du geschlafen?“ Sie kommt von allen Seiten gleichzeitig und dröhnt dem Jungen im Kopf. „Wo ist sie?“, brüllt er, ohne auf die Worte der Stimme einzugehen – er weiß noch nicht einmal, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelt, so verzerrt klingt sie. „Wo ist das Mädchen?“ „Du bist vielleicht stürmisch … sie ist auch bei uns“, erwidert die Stimme und klingt beleidigt. „Wer seid ihr? Was wollt ihr von uns?“, brüllt der Junge. Er wirft mit einer Kopfbewegung sein schwarzes Haar zurück, das ihm ins Gesicht gefallen ist. „Ich denke, wir sollten warten, bis deine kleine Freundin aufgewacht ist. Ich habe keine Lust, alles zweimal zu erklären. Ehrlich nicht.“ Seine Handgelenke schmerzen von den Seilen, die eng um sie gewickelt worden sind, doch er zerrt weiter daran. Immer noch kann er Lea nicht mit seinen Gedanken erreichen, was ihn schrecklich nervös macht. Plötzlich aber vernimmt er hinter sich ein Geräusch. Es ist nur leise, doch es klingt wie ein quietschender Stuhl. Der Junge möchte herumfahren, doch die Fesseln lassen es nicht zu. Er überlegt, warum er keinen Atem hört, wenn anscheinend doch noch jemand anderer im Raum ist. Da ertönt ein leises Stöhnen, und als eine schwache Stimme seinen Namen flüstert, entspannen sich seine Muskeln wieder. ~*~ Mein Kopf dröhnt. Meine Kehle ist staubig und ausgetrocknet. Jeder einzelne Knochen in meinem Körper schmerzt entsetzlich. Abgesehen natürlich von denen, die ich gar nicht mehr spüre, wie zum Beispiel meine Finger. Meine Gelenke sind steif und unbeweglich. Vor meinen Augen sehe ich verschwommen graue Farbe. Ich weiß nicht, wo ich bin, oder gar, wie ich hierhergekommen bin. Doch an eine einzige Sache erinnere ich mich sehr wohl: Er ist tot. Ich habe zugesehen, wie mein bester Freund stirbt und habe nichts dagegen machen können. Ich bin zu schwach gewesen, um ihn zu retten, dabei habe ich gewusst, dass es passieren würde. Und dennoch habe ich nur zusehen können, wie er vor mir zusammenbricht. Habe seinen letzten Worten gelauscht, bevor ich dann ebenfalls gefallen bin. Gefallen ins Nichts, in eine Leere, die nun in meinem Inneren haust. Ich versuche, aufzustehen, denn was auch immer das unter mir ist, es ist hart und ungemütlich. Es knarzt wie Holz und erst da bemerke ich die Seile um meine Handgelenke, die mir das Blut abschnüren. Auch meine Füße sind gefesselt. Ich spüre den Schmerz. Er dringt immer weniger gedämpft zu mir hindurch. Es herrscht absolute Stille. Nichts rührt sich. Wieder spüre ich die Leere in mir, als wäre Ben grausam herausgerissen worden. Probeweise versuche ich, ihn in Gedanken zu erreichen, doch ich kann ihn nicht aufspüren. Natürlich nicht, er ist tot, nicht mehr da. Für immer fort. „Ben?“, flüstere ich dennoch heiser in den Raum. Ich fühle mich allein wie noch nie. Ich bin gefesselt an einem Ort, den ich nicht kenne, völlig schutzlos und ausgeliefert. Wie konnte es nur so weit mit mir kommen? „Ich bin hier, Lea“, höre ich eine vertraute Stimme hinter mir. Ich habe sie so oft in den letzten Monaten gehört, dass es keinen Zweifel gibt: Es ist Ben. Die Seile schneiden in mein Fleisch, als ich ruckartig versuche, mich umzudrehen. Doch die Fesseln hindern mich erfolgreich daran, zu sehen, was ich sehen möchte. Weil er nicht hier ist, Lea. Noch willst du es nicht glauben, aber Ben ist nicht mehr da. Er ist tot. Ein Schluchzer dringt aus meiner Kehle und heiße Tränen laufen mir über die Wangen. „Nein, das bist du nicht. Das kannst du nicht sein“, widerspreche ich zittrig. Ich darf nicht zulassen, dass ich mir Hoffnungen mache, er könnte noch am Leben sein. Das würde alles nur erschweren. Aber natürlich ist es zu spät. Die Hoffnung lässt mein Herz hüpfen, obgleich es mich gleichzeitig mit unsagbarem Schmerz erfüllt. „Doch, das bin ich. Das werde ich immer sein, versprochen“, sagt Bens Stimme nachdrücklich. Mein Herz will ihr glauben. Dieses blöde Ding! Bevor ich aber eine Entscheidung treffen kann, ertönt noch eine weitere Stimme. „Sehr schön, jetzt seid ihr beide wach.“ Die Worte klingen eigenartig verzerrt und ich kann nicht feststellen, woher sie kommen. Stellenweise rauschen sie ein wenig, weshalb ich davon ausgehe, dass sie aus Lautsprechern ertönen. „Ich will sofort erfahren, wo wir sind und was du von uns willst!“, brüllt Ben wütend zurück. Eindeutig merke ich jedoch, dass seine Stimme zittert. Er hat Angst. Große sogar, ebenso wie ich selbst. „Seltsamerweise bin ich davon ausgegangen, ihr wärt schon längst draufgekommen“, ertönt wieder die Stimme. Die klingt ernsthaft verwundert, fast ein bisschen aus dem Konzept gebracht. Als wir beide schweigen, fährt sie fort: „Denkt nach. Wer wäre als einziger imstande, Lichtalben aus ihrem eigenen Gebiet zu entführen?“ Erschrocken schnappe ich nach Luft, als mir klar wird, mit wem wir es zu tun haben. Tatsächlich kommt da niemand anderer in Frage als die- „Schwarzalben! Du bist ein Schwarzalb!“, rufe ich entsetzt aus. „Ja, das ist richtig.“ Absurd, wie erfreut die Stimme plötzlich klingt. „Da dies soweit geklärt ist, kommen wir zur zweiten Frage: Wir haben euch nicht etwa hierhergebracht, weil ihr unsere Feinde seid. Um genau zu sein, haben wir euch vor unseren gemeinsamen Feinden gerettet. Den Lichtalben. Stimmt ihr zu?“ Ich möchte gerade antworten, als Ben mir zuvorkommt: „Wir verraten euch bestimmt nichts. Erst möchten wir dich persönlich sehen, dann überlegen wir uns, was wir preisgeben.“ Seine Stimme klingt fest, als hätte er hier das Sagen, obwohl er in Wirklichkeit vermutlich, ebenso wie ich, gefesselt auf einem Stuhl sitzt und ihr Gefangener ist. Ich bewundere sein Selbstbewusstsein in dieser Situation. Wie viele Fünfzehnjährige könnten wohl in einer solchen Situation intuitiv derart richtig reagieren wie er? „Nicht übel, Bursche, wirklich nicht übel“, lacht die Stimme anerkennend. „In Ordnung, ihr könnt mich persönlich sprechen.“ Ein Knacken aus dem Lautsprecher. Dann Stille. Einen Augenblick später höre ich, wie eine schwere Türe aufgeht, doch ich sehe sie nicht. Sie liegt seitlich außerhalb meines Sichtfeldes. Kurz darauf wird mein Stuhl herumgezerrt, sodass ich sie ansehen kann. Es sind mehrere. Insgesamt vier. Allesamt tragen sie schwarze Sturmmasken über ihren Gesichtern, sodass ich sie nicht sehen kann. Ein Mann – er ist eindeutig zu groß und zu stämmig, um eine Frau zu sein – steht wie ein Bodyguard vor der Türe, die mittlerweile wieder geschlossen ist. Zwei weitere Schwarzalben mussten die Stühle umdrehen und ein dritter sieht zu. Nun kann ich endlich auch Ben ansehen. Er sitzt einen Meter entfernt, ebenfalls gefesselt. Seine schwarzen Haare fallen ihm ins Gesicht und er sieht blasser aus als sonst. Als er mich aber ansieht, sind seine grünen Augen so überirdisch schön wie immer. Seine selbstsichere Ausstrahlung gibt mir die Kraft, mich aufrechter hinzusetzen und unseren Gegnern furchtlos entgegenzublicken. Da nimmt der Mittlere seine Sturmmaske ab. Er sieht jünger aus, als ich erwartet habe. Seine Augen sind braungrün, seine Haare mittelbraun. Sie reichen ihm bis zur Schulter und wellen sich widerspenstig. Ich schätze ihn auf etwa dreiundzwanzig. Da grinst er plötzlich...




