E-Book, Deutsch, 260 Seiten
Reihe: Hidden
Lind Hidden
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7568-4575-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Verborgen im Augenblick
E-Book, Deutsch, 260 Seiten
Reihe: Hidden
ISBN: 978-3-7568-4575-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lea Körners Leben wird von einem Augenblick auf den nächsten auf den Kopf gestellt, als sie nach einem Fund eigenartige Fähigkeiten an sich entdeckt. Sie dachte, ein gewöhnliches Mädchen zu sein, doch dann ändert sich alles und sie weiß nichts mehr mit Sicherheit. Niemandem kann sie anvertrauen, dass sie seltsame Kräfte entwickelt, über die sie jedoch bald die Kontrolle verliert. Lea merkt schnell, dass sie selbst nicht das einzig Merkwürdige in ihrem Leben ist. Sie wird beobachtet, doch weshalb? Gibt es jemanden, der mehr weiß, als er zugibt? Möglicherweise kann ihr dieser Jemand helfen, ihre Kräfte zu verstehen. Das Netz aus Lügen zieht sich jedoch weiter durch Leas Leben, als sie vermutet.
Luisa Lind ist ein Pseudonym, hinter dem eine 15-jährige Autorin aus Österreich steckt. "Hidden - Verborgen im Augenblick" ist der Auftakt einer 4-bändigen Fantasy-Reihe und gleichzeitig der Debütroman der Autorin. Die Idee zu diesem Buch hatte Luisa bereits sehr früh mit etwa acht oder neun Jahren. Schon Damals stand für sie fest: Sie wird Autorin und niemand wird sie davon abhalten können.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Samstag, 21.09. Wasser prasselt auf meine nackte Haut und ich schließe die Augen, damit mir kein Schaum hineinrinnt. Der Strahl läuft mir über das Gesicht und den Rücken hinunter. Seufzend taste ich nach dem Wasserhahn und als ich das Metall endlich zu fassen bekomme, stoppe ich das Wasser, das aus dem Duschkopf fließt. Früher, als ich noch klein war und mit meinen Eltern zusammen in New York wohnte, schimpften sie immer mit mir, wenn ich zu lange unter der Dusche blieb. „Das ist Verschwendung, Schatz“, meinten sie ärgerlich, „Wasser ist sehr, sehr wertvoll.“ Meine Eltern haben mir angewöhnt, sparsam mit allen Ressourcen umzugehen, wofür ich ihnen überaus dankbar bin. Generell führe ich die meisten ihrer Regeln weiter, seit sie fort sind. Meine Großeltern legten darauf besonderen Wert, als ich zu ihnen kam. Das ist mittlerweile zwei Jahre her. Und obwohl Margeriten das exakte Gegenteil von dem großen, lauten New York ist, ist es in dieser Zeit zu meiner Heimat geworden. Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, war es nicht leicht für mich, mit dreizehn Jahren plötzlich aus meiner Welt herausgerissen worden zu sein. Wir waren zuvor schon viel umgezogen, meine Eltern und ich. Meine ersten Lebensjahre verbrachte ich in Österreich. Dort kommt meine Mom her. Eine Zeit lang lebten wir in der Nähe meiner Grandma in Großbritannien. Zwischendurch für einige wenige Monate in anderen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, Spanien und sogar kurz Italien. In New York blieben wir dann am längsten. Doch letztendlich bin ich wieder hier, in Österreich. Ein Umzug war also nichts Neues für mich. Sehr wohl jedoch, dass ich ihn diesmal allein antrat. Anfangs hatte ich mich dagegen gesträubt und gewehrt. „Mom, all meine friends sind doch hier! Ich möchte nicht zu Oma und Opa! Dort am Land ist es total boring!“, beschwerte ich mich. Doch Mom ließ sich nicht erweichen. Und ich verstand sie. Es wäre keine gute Idee, mit ihr nach Australien zu gehen. Oder mit Dad nach Schweden. Bei Oma und Opa war ich am besten aufgehoben. Ich kannte dort alles schon ein wenig, da wir die Ferien des Öfteren in Margeriten verbracht hatten. Ich steige aus der Dusche und wickle ein Badetuch fest um meinen Körper. Wasser tropft aus meinen Haaren und hinterlässt eine nasse Spur am Boden. Ich betrachte mein Gesicht im Badezimmerspiegel. Braune Augen sehen mir aufmerksam entgegen. Jedes Mal, wenn meine Eltern zu Besuch kommen, wundern sie sich, wie erwachsen ich geworden bin. „Ein richtiges Fräulein!“, rief Dad aus, als wir uns in den Sommerferien sahen. Wir verbrachten beinahe die ganzen neun Wochen zusammen. Auch zu Weihnachten, Ostern, an Geburtstagen oder zu anderen Feierlichkeiten kommen meine Eltern nach Margeriten und bleiben, solange es ihre Arbeit zulässt. Für meinen Geschmack also immer zu kurz. Aus diesem Grund freue mich schon riesig auf meinen Geburtstag. Seufzend winde ich das Wasser aus meinen Haaren, sodass es über meine Hände fließt. Acht Tage und ein Monat noch. Dann bin ich fünfzehn und sie sind wieder hier. Wir telefonieren beinahe jeden Abend. Das wurde gleich zu Beginn Tradition. Immerhin sind wir drei nun alle kilometerweit voneinander getrennt. Auch meine Eltern wollen einander sehen und reden. Ich schlüpfe in meine Hose und streife mir meinen BH über. Lächelnd ziehe ich das T-Shirt darüber, das ich mit meiner besten Freundin gekauft habe. In Margeriten gibt es nicht sonderlich viele Läden, nur kleine Shops, wenn man spontan etwas benötigt. Für gewöhnlich fahren Feli und ich in die nächstgelegene größere Stadt. Wir beide kannten einander bereits, bevor ich übersiedelte, jedoch eher flüchtig. Immerhin sahen wir uns jedes Jahr ein paarmal. Das war nicht gerade die beste Voraussetzung für eine sehr engen Freundschaft. Vor zwei Jahren aber war sie eine der wenigen Gleichaltrigen, die ich überhaupt kannte. Feli hieß mich gleich willkommen und von da an machten wir ziemlich alles gemeinsam. Mit meinen Freundinnen aus New York habe ich auch noch etwas Kontakt, aber nicht so sehr. Ab und an telefonieren wir, doch bei mir gibt es wenig zu erzählen. Zumindest ihrer Meinung nach. In der Großstadt passiert einfach mehr. Das könnte man zumindest annehmen. „Lea!“, ruft meine Oma die Treppe hinauf, „Frühstück ist fertig!“ „Ja, ich komme!“, antworte ich und kurz darauf mache ich mich auf den Weg, denn ich bin tatsächlich schon ziemlich hungrig. Wenig später stehe ich wie versprochen vor dem Esstisch in der Stube unten und betrachte das frisch gekochte Essen und die drei Teller darum herum, sowie den duftenden Kakao. „Mmh, lecker!“, schwärme ich und hole geschwind das Besteck aus der Schublade. Schon stürze ich mich wie ein hungriger Wolf auf das Essen. Auch meine Großeltern fangen an, wenn auch wesentlich gemächlicher als ich. Aber ich kann mich nicht beherrschen, mein Magen hat schon geknurrt, als ich noch im Bett lag. Jedenfalls vermute ich stark, dass es das war, was mich geweckt hat, denn was soll es sonst gewesen sein? An das Schlagen der Standuhr in der Stube habe ich mich so gewöhnt, dass ich es überhaupt nicht mehr wahrnehme, selbst in wachem Zustand. „Lea, kannst du mir helfen, die Mäusefallen auf dem Dachboden zu verteilen?“, fragt Opa mich nach dem Frühstück. „Ich habe den Käse als Köder schon hineingelegt.“ Wir sind sehr tierfreundlich, weshalb diese Fallen Lebendfallen sind. Das bedeutet, dass die Maus in einem kleinen Käfig gefangen wird und wir sie dann irgendwo, wo es ihr gut geht und sie überleben kann, aussetzen. Das ist immer lustig, denn die Maus springt dann in hohem Bogen aus ihrem Gefängnis, was sehr komisch aussieht. „Natürlich helfe ich dir gerne, aber ich kann sie auch schon alleine aufstellen, Opa“, schlage ich vor, denn ich fühle mich fast ein wenig gekränkt. Warum denken meine Großeltern immer noch, ich sei ein kleines Mädchen? Trauen sie mir denn gar nichts zu? „Also gut, du bist ja schon groß“, stimmt Opa schließlich mit ein und ist zum Glück zu sehr damit beschäftigt, meiner Katze Luna argwöhnisch mit den Augen zu folgen, denn sie wiederum fixiert den Wurstteller, den Opa gerade in die Küche trägt. So sieht er mein Augenrollen nicht. Oma schon, aber die schmunzelt nur. „Hier sind die Fallen. Hole mich, wenn du Hilfe brauchst“, redet Opa unbekümmert weiter. Er hat es bis in die Küche geschafft und den Teller abgestellt. Mit diesen Worten gibt Opa mir eine Schachtel mit Mäusefallen. Ich bin mir aber sicher, dass, auch wenn ich Hilfe brauchen sollte, was nicht eintreten wird, ich das Opa ganz bestimmt nicht mitteilen werde. Das ist doch selbstverständlich, oder? „Da ist es aber staubig!“, denke ich wenig später, als ich auf dem Dachboden stehe. Hier oben sind viele alte Möbelstücke und Sachen gelagert, die wir nicht mehr brauchen. In dem spärlichen Licht, das die Glühbirne erzeugt, die so alleine von der Holzdecke baumelt, sehe ich die Staubkörnchen durch die Luft fliegen und es kitzelt sofort in meiner Nase. Einige Zeit und viele Nieser später sind alle Fallen endlich auf dem richtigen Platz. Wurde aber auch wirklich Zeit. Irgendwie ist mir das kürzer und weniger staubig in Erinnerung geblieben. Das nächste Mal lass ich das doch wieder Opa machen. Andererseits ist er ja auch schon alt und abgesehen davon, dass es ewig lange dauern würde, hätte er hinterher bestimmt Rückenschmerzen. Warum überlässt er das eigentlich nicht Luna, unserer Katze? Die hätte garantiert mehr Spaß dabei. Ich betrachte noch einmal meine Arbeit und will dann wieder nach unten gehen, doch... halt! Was ist das? In einer Ecke sehe ich Umrisse von, ja, wovon eigentlich? Es sieht groß aus, liegt jedoch im Schatten, weshalb ich nicht erkennen kann, worum es sich bei dem Objekt handelt. Obwohl hier eine Menge altes Gerümpel herumsteht, möchte ich eben dieses näher erforschen, als würde es mich magisch anziehen. Als ich darauf zugehe, erkenne ich eine Truhe, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Sie ist aus Holz und sieht alt und schwer aus. Außerdem liegt so eine dicke Schicht Staub darauf, dass ich mir sicher bin, niemand hat sie in den letzten Jahrzehnten auch nur angefasst. Alte Sachen interessieren mich immer schon. Es ist spannend, zu wissen, dass jemand die Sachen einmal besessen hat, der vielleicht sogar schon gestorben ist. Naja, bei der Truhe könnten es allerhöchstens meine Urgroßeltern gewesen sein, oder? Aber es ist doch trotzdem interessant. Vielleicht sind alte Fotos darin? Einmal bin ich auf alte Puppenkleidung gestoßen, die meine Mom als junges Mädchen selbst gemacht hat. Sie erzählte mir, ihre eigene Oma habe ihr dabei geholfen. „Opa hat bestimmt nichts dagegen, wenn ich einmal hineinschaue“, überlege ich leise, während ich bereits meine...




