Limberg | Autorenabende mit Hermann Hesse | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 364 Seiten

Limberg Autorenabende mit Hermann Hesse

Eine Dokumentation
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7431-4418-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Dokumentation

E-Book, Deutsch, 364 Seiten

ISBN: 978-3-7431-4418-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hermann Hesses Abneigung gegen das öffentliche Auftreten als Vorleser seiner Werke ist bekannt; er hat daraus nie einen Hehl gemacht. Dass er dennoch zwischen 1903 und 1930 mehr als einhundert Mal aus seinen Werken vorgelesen hat, wird selbst Hesse-Kenner erstaunen. Die vorliegende Dokumentation enthält erstmals sämtliche Pressestimmen und Selbstzeugnisse zu jeder Lesung.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


AARAU, Do. 23.11.1905


VERANSTALTER: Literarische und Lesegesellschaft
ORT: Großer Saal des Saalbau
PROGRAMM: - Aus der Werkstatt
- Gedichte:
- Odysseus. Bei Livorno
- Ich bin nur einer
- Die Zypressen von San Clemente

Hermann Hesse. Zum 2. Vortrag der Literarischen Gesellschaft. Hermann Hesse ist berühmt geworden durch seinen ersten Roman , ein Werk, in dem man den Pulsschlag des Lebens fühlt, den Strom der Welt branden hört, wie das Rauschen des Meeres in einer ans Ohr gehaltenen Muschel. Dieser kosmische Zug mag ihm die Ehre eines Vergleichs mit Gottfried Keller eingetragen haben. Auch ist wie der ein Entwicklungsroman. Wie auch Goethes , wie des Novalis, des tiefsinnigsten Vertreters der ältern Romantik. Und schließlich: wie unzählige Romane unserer Zeit, von denen ich an die herrlichen Werke der Ricarda Huch in erster Linie erinnern möchte. Die Entwicklung eines Geisteslebens wird in diesen Werken dargestellt. Die ganze Welt, die den Charakter des Helden beeinflußt, in der er erwächst, spiegelt sich in der Schilderung, so daß »Roman« – worunter man anfangs »romanische Erzählung« und dann die, zumeist etwas phantastische, abenteuerliche Prosadichtung überhaupt verstand – schließlich die Bedeutung erhielt, die Schlegel dahin charakterisierte: »die Summe alles Poetischen, ein Spiegel der umgebenden Welt, ein eposartiges Bild des Zeitalters«. Ein Bild, das wir mit den Augen dessen betrachten lernen, der es uns hingezaubert hat. Denn immer ist es der Dichter, der uns sich selbst schildert. Wir folgen ihm auf seinen subjektiven Standpunkt der Weltbetrachtung, wir fühlen uns in ihn hinein, unbewußt. Ich erinnere mich, oft dem Gedanken nachgehangen zu haben, wie es nun wäre, wenn wir nicht vom Standpunkt des Dichter-Helden aus eine Geschichte erlebten, sondern von dem irgend einer anderen Gestalt der Erzählung, – vielleicht einer vom Dichter als Nebenperson behandelten, die es aber an und für sich nicht zu sein brauchte – : ein neuer Roman entsteht, – den freilich auch der Dichter des ersten verfaßt haben könnte: denn auch in seinen Nebenfiguren leben Züge des Dichters. Dieses Umfassen kennzeichnet die geniale Veranlagung. Goethe ist sowohl Faust als Mephistopheles.

Noch ein dritter gemeinsamer Zug hat Hermann Hesse in unserer Schlagworte liebenden Zeit der Klassifikation zum »Schüler« Gottfried Kellers gemacht. Heute machen sich stark romantische Strömungen geltend. Eine junge Generation blickt verehrend zu den Romantikern der 1. Hälfte des vorigen Jahrhunderts auf, – nicht aus literarischer Marotte, sondern weil sich diese Generation des romantischen Zuges in ihrem eigenen Fühlen und Denken bewußt wird. Der Entwicklungsgang des geistigen Lebens zeigt (wie die Kantische Kategorienlehre) ein Fortschreiten von der Thesis zur Antithesis, der idealistischen Weltauffassung zur realistischen, und die heutige Neoromantik mag nun als die Synthesis, die Verbrüderung des feindlichen Paares, erscheinen. Ein neuer Romantiker ist auch Hesse. Durch den Titel seines ersten Opus, eines Bändchens Gedichte, die er nannte, hat er sich selbst als dieser Geistesrichtung zugehörig bezeichnet. Aber auch seine Romantechnik ist eminent romantisch: ein glänzendes Beherrschen des Stofflichen, ein Spielen damit, – ohne es jedoch als unbedeutend zu vernachlässigen. Dazu kommt die beständige Beziehung zur herrlichen Natur, ein kosmischer Individualismus, wie er auch Gottfried Keller auszeichnet. Auch Gottfried Keller verstand jene meisterhafte – echt romantische – Kunst der Erleuchtung des Stoffes von innen heraus. Werke dieser Art gemahnen an feine Radierungen, deren Kunst unendlich größer ist als die großer, farbenreicher, aber objektiver Gemälde.

Hesse ist ein tief empfindender Lyriker, ein heißer Anbeter der ihn umgebenden Natur und Welt; seiner Abhängigkeit von ihnen rühmt er sich: sie ist eins der besten Stücke seiner Begabung. Er holt seine Begeisterung nicht aus Japanseide und altem Büttenpapier, aus Scharteken, mit wunderbarlichen Kupffern illuminieret, die in alter grotesker Sprache erzählen. Seine , die kürzlich in erschien, ist hoffentlich das lustige Spiel einer müßigen Stunde und veranlaßt ihn nicht, in unserer an literarischen Experimenten und Spielereien so reichen Zeit uns etwas Neues »dafnis«-artiges zu bescheren. Sein Reich ist der Mensch, die Natur, der er Farbenspiele und Geheimnisse abzuspähen versteht, das lebendige Leben, das »überströmend freudige Leben, das sich ohne Ziel und Norm von Augenblick zu Augenblick in unglaublicher Üppigkeit verblutet und erneuert«.

Hesse wurde 1877 in Calw (Schwarzwald) geboren. Seine Kindheit hat er teils dort, teils in Basel verlebt, kam dann ein Jahr ins theologische Seminar Maulbronn, dann aufs Gymnasium. Es folgte eine 1 ½ jährige Praktikantenzeit in einer Schlosserei; dann wurde H. Sortimentsbuchhändler, dann Antiquar in Tübingen und Basel. Dazwischen Reisen in Süddeutschland, der Schweiz, Florenz, Venedig und private Studien. Zuweilen gab es auch harte Hungerzeiten. Seit Sommer 1903 gab er den Beruf als Antiquar auf, 1904 verheiratete er sich mit einer Baslerin und lebt nun der Schriftstellerei in Gaienhofen am Bodensee.

Geschrieben hat er:

. 1898. (Pierson, Dresden)

. 1899. (Diederichs, Jena)

. (Pseudonym.) 1900. (Basel. R. Reich)

. 1902. (Grote, Berlin)

. 1904. (Fischer, Berlin)

1905. (Fischer, Berlin)

[noch nicht identifizierte]

Hermann Hesse-Abend. Die Dichterabende, welche die Literarische Gesellschaft in Aarau einführte, haben den Zweck, lebendige Beziehungen zu schaffen zwischen Autoren und Publikum. Gestern Abend nun hatte der Verfasser des vielgenannten und vielgelesenen die Freundlichkeit, sich dem literaturfreundlichen Aarau vorzustellen. Der ausgezeichnete Poet gab sich mit der ganzen Ungezwungenheit seines Wesens, so daß man das Gefühl bekam, nicht im Konzertsaal unter 600 Menschen zu sitzen, sondern bei dem Dichter privatim zu Gaste zu sein. Nicht im schwarzen Rock, sondern in brauner Joppe und in Kniehosen, in seinem Alltagskleide, setzte sich Hermann Hesse an ein Tischchen, las seine Verse und zwei Novellen vor und trank dazu eine Flasche Wein.

Das Auditorium lauschte ihm mit Wohlgefallen und spendete häufig herzlichen Beifall.

Der eigenartige Dichter, der erst im Anfang seiner Laufbahn steht, wird noch viel von sich reden machen. Und immer, wenn das der Fall sein wird, werden sich alle, die gestern zugegen waren, mit Vergnügen des Abends erinnern, da sie zu seinen Füßen saßen. [EAM. Gekürzte Fassung auch in: Über H. H. Bd. 1, S. 402f.]

Vor dichtgefülltem Saale trug gestern abend der Verfasser des , Hermann Hesse, einige noch ungedruckte Schöpfungen seines dichterischen Schaffens vor. Der Vortragende hatte das Programm aus einer Novelle und verschiedenen kleineren Poesien, teils in gereimter, teils in ungereimter Sprache zusammengefaßt. Die Novelle: verriet, daß Hermann Hesse es versteht, in prägnanter Form uns eine Schilderung aus dem Leben zu geben. Man fühlt geradezu die gedrückte Stimmung, die schwüle Luft, die in eine mechanische Werkstatt wegen eines Streites zwischen dem Meisterssohn und dem besten Gesellen eingezogen ist; man sieht die zwei vor sich, wie der langverhaltene Groll zum Ausdruck kommt, der Geselle vom Meister einen Faustschlag ins Gesicht erhält und der Geselle dafür mit gewaltigen Hammerschlägen eine durch gemeinsame Arbeit der beiden fertiggestellte Erfindung vernichtet. Dann zieht die Reue ein; noch eine kurze Weile stehen sie sich gegenüber, hierauf verläßt der Geselle die Werkstatt, um sie nicht wieder zu betreten. – Die Gedichte, die Hermann Hesse vortrug, haben fast ohne Ausnahme einen schwermütiglyrischen Charakter. Gefallen hat vor allem die Schilderung seiner eigenen dichterischen Schaffenskraft und Schaffensfreudigkeit: »Ich möchte wohl wie große Dichter tun …«, dann das Sinngedicht: , ein Abend bei Livorno, die tiefernste Betrachtung über die , einem kleinen Tal bei Fiesoli.

Freilich, zum Vortrag eignet sich die Stimme Hesses nicht besonders. Sie ist wenig laut, so daß man schon in der Mitte des Saales oft nicht alles verstand, dazu mangelt ihr eine gewisse Beweglichkeit, die notwendige Modulationsfähigkeit. Dafür gab uns der Dichter ein Stück...



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