Lier | Amori. Die Inseln | Buch | 978-3-03867-031-5 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, 328 Seiten, Format (B × H): 123 mm x 195 mm, Gewicht: 448 g

Lier

Amori. Die Inseln


Erscheinungsjahr 2021
ISBN: 978-3-03867-031-5
Verlag: brotsuppe

Buch, Deutsch, 328 Seiten, Format (B × H): 123 mm x 195 mm, Gewicht: 448 g

ISBN: 978-3-03867-031-5
Verlag: brotsuppe


»Bekomme ich in Europa keine Aufenthaltsbewilligung, gibt es kein einziges Land, das mich aufnimmt. Das ist verrückt. Und in Kabul töten sie mich. Trotzdem drohen sie mir mit Deportation. Ich verstehe das nicht«, sagt ein junger Mann im Registrierungs- und Aufnahmezentrum Moria auf der griechischen Insel Lesbos.
Sie fliehen vor Krieg, Diktatur, Hunger und den Auswirkungen der Klimakatastrophe; manche sind auf der Suche nach einem besseren Leben; sie kommen aus dem Mittleren Osten, aus Südostasien, dem Maghreb und subsaharischen Ländern. Allen ist gemein, dass sie in seeuntüchtigen Gummibooten das Ägäische Meer überqueren und auf den griechischen Inseln in Lagern gefangen gehalten werden, bis entschieden ist, ob sie in Europa Asyl beantragen dürfen – oder ob sie in die Türkei deportiert werden. Das kann Jahre dauern.
Neun Männer und Frauen aus dem Lager Moria auf der Insel Lesbos, Geflüchtete und Aktivistinnen, erzählen der Autorin (oder ihrem fiktiven Alter Ego Henny L.), was es braucht, um dort zu überleben. Es geht um Hunger, Kälte, Hitze, Warten, Gewalt und um den radikalen Kontrollverlust über das eigene Leben.
Amori. Die Inseln ist keine Chronik der Skandale, sondern ein dokumentarischer Bericht, der mit literarischen Mitteln die grösstmögliche Nähe zu den Beteiligten sucht. Jahrhundertealte europäische Praxis wird dokumentiert: die Selektion und das Lager.
Die Protagonistinnen und Protagonisten setzen ihr die ganz eigenen Vorstellungen von persönlicher Erfüllung und Freiheit entgegen.

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Die Hitze staut sich zwischen der Feuerstelle, dem kleinen Garten und dem Zelt, das aus UNHCR Planen, Wolldecken und zerrissenen Abfalltüten zusammengebaut ist. Die Gäste haben auf ihrem Weg Holz gesammelt, das Moussa kunstvoll zerkleinert und ins knisternde Feuer legt. Die Flammen lösen sich im grellen Mittagslicht auf.
Moussa, aus der schlimmsten Schwärze der Depression erwacht, redet ohne Unterlass, fasst Hennys Hände und drückt sie auf seinen Scheitel und seine Arme, rollt das Shirt hoch und zeigt den nackten Rücken und Bauch: Folternarben, wulstige, verhärtete Spuren von Schlägen, Schnitten, Verbrennungen und Verätzungen.
Kayvan und Sami, die beiden Jungendlichen, schwitzen und schweigen. Jasmina schiebt die Sonnenbrille vors Gesicht und döst. Shirin hört Moussa zu, nickt eifrig. Mina schneidet weitere Birnen auf.
Henny fragt: Was kocht ihr auf der Feuerstelle?
Und Mina zählt auf: Gemüseeintöpfe, Reis, Omeletten.
Omeletten, immer nur Omletten, ruft Moussa dazwischen und lacht.
Und ja, Moria ist Griechenland, resümiert die kleine Teegesellschaft. Moria ist Griechenland und Griechenland ist Asien und Asien ist Barbarei. Sind wir endlich in Europa, wird alles gut.
Henny drückt den Hinterkopf gegen die Zeltwand, legt die Beine übereinander, die Hände in den Schoss und schweigt. Hat gelernt auf diese Feststellung hin zu schweigen. Einfach den Mund halten.


Lier, Johanna
Johanna Lier studierte Schauspiel in Bern und absolvierte einen Master of Arts in Fine Arts in Zürich. Sie lebt als Dichterin und freie Journalistin in Zürich. Nach jahrelanger Tätigkeit als Schauspielerin arbeitete sie als Redakteurin bei der Wochenzeitung WoZ. Sie ­veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände und zwei ihrer Theaterstücke wurden uraufgeführt. Recherchen und politische Projekte führten sie für ­längere Zeit in den Iran, die Ukraine, nach Nigeria, ­Chile, Israel, Argentinien und Griechenland. Es ist das zweite Buch, das von Johanna Lier im verlag die brotsuppe erscheint.
www.pillowbook.ch



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