E-Book, Deutsch, Band 68, 124 Seiten
Reihe: Klassiker der Erotik
Libertins Klassiker der Erotik 68: Die Nackte und die Guillotine
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-944964-94-2
Verlag: Math. Lempertz
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erotische Geschichten aus der Zeit der Französichen Revolution - ungekürzt und unzensiert
E-Book, Deutsch, Band 68, 124 Seiten
Reihe: Klassiker der Erotik
ISBN: 978-3-944964-94-2
Verlag: Math. Lempertz
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Französiche Revolution vor 200 Jahren - eine wilde Zeit, in der die Flut angestauter Leidenschaften nicht nur die Dämme politischer Konventionen, sondern auch moralische Barrieren durchbrach. Die raffinierten Sinnesfreuden des Adels wurden publik gemacht, das Volk ließ seine Wut auch an den feinen Hofdamen aus, Frauen und Männer steigerten sich in einen Freiheitsrausch, der manchmal nur der Befriedigung angestauter Begierden diente. Nach der 1789 dekretierten Pressefreiheit konnte erotische Literatur erstmals ungeniert veröffentlicht werden, und so stammten die Erzählungen dieses Bandes von 'Libertins', zeitgenössichen Schriftstellern der Revolution. Sie berichten aus einem Jahrzehnt, in dem die Wollust der Nacht am folgenden Tag oft genug vor dem Revolutionstribunal - und auf den Stufen der Guillotine endete.
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Das Recht der ersten Nacht
»Gott sei gepriesen, meine teure Auguste, dein Vater ist in Sicherheit!« rief meine Mutter aus. Sie hatte nämlich soeben von einer Freundin aus Dieppe die Nachricht erhalten, mein Vater sei glücklich über den Kanal gelangt und so dem schrecklichen Los entronnen, das die Republikaner zweifellos ihm, dem Aristokraten, bereitet hätten.
»Aber solange er uns nicht schreibt, daß wir zu ihm nach England kommen können, weiß ich wirklich nicht, wo wir Zuflucht suchen sollten. Für meine Person wüßte ich schon ein vorübergehendes Asyl, denn meine jüngere Schwester Agathe ist Äbtissin des Klosters von St. Claire. Aber aus zweierlei Gründen kann ich nicht zu ihr. Erstens, weil diese wilden Sansculotten die Absicht haben, die Priester davonzujagen und alle Klöster zu schließen, und zweitens natürlich deinetwegen, mein lieber Sohn. Ich kann doch nicht daran denken, mich in Sicherheit zu bringen und dich der Gefahr zu überlassen. Aber auf der anderen Seite beginge ich auch eine große Dummheit, wenn ich einen jungen Mann von achtzehn Jahren in ein Kloster voll junger Nonnen führen würde.«
»Aber was, liebe Mutter!« rief ich. »Bevor die Klöster geschlossen werden, sind wir doch längst in England in Sicherheit. Und was mich betrifft, so schmuggle mich ruhig in das Kloster. Wir haben dieselbe Figur und sind uns auch sonst sehr ähnlich! Verkleide mich also, so geschickt du kannst, und führe mich als deine Schwester, Nichte, Cousine, Freundin oder als was du willst ein!«
»Du bist wirklich keck genug, dir so eine Idee auszudenken?« versetzte meine Mutter lachend. »Leider vergißt du aber eines: Meine Schwester Agathe ist nur sehr schwer zu täuschen.«
»Oh, liebe Mutter, überlassen wir das doch dem Zufall! Im schlimmsten Fall werden wir ihr unser Geheimnis anvertrauen und an ihre Güte appellieren.«
»Dein Plan ist kühn«, erwiderte meine Mutter, »ja sogar verwegen, aber da ich im Augenblick keinen anderen Rat weiß, wollen wir ihn einmal ausprobieren… Ich meine«, fuhr sie nachdenklich fort, »es wäre besser, wenn ich dich als Nichte der ersten Frau deines Vaters vorstellte. Aber selbst dann noch wird Agathe ihre Zweifel haben! Nun, das macht nichts, wir wollen es versuchen! Aber nimm dich ja in acht! Trage keine zu freche Miene zur Schau und mache keine großen Schritte, wie du es gewöhnlich zu tun pflegst… Na schön, morgen werde ich dich entsprechend anziehen!«
»Das hört sich gut an, meine liebe Mutter«, erwiderte ich, »aber wir wissen nicht, was alles bis morgen früh passieren kann. Wenn man uns als Verwandte des Herrn d'Ermenonville, eines entflohenen Aristokraten, entlarvt, werden wir weder das Kloster St. Claire noch irgendeine andere Zufluchtsstätte erreichen. Heute noch müssen wir fliehen! Ich werde sofort einen Wagen mieten. Indessen kannst du mir ein Kostüm heraussuchen und mich ankleiden, wenn ich zurückkomme.«
»Du hast recht, Auguste, oder vielmehr jetzt Augustine, wie ich dich von nun an nennen muß. Geh, beeil dich!«
Ich mietete also einen Wagen, dessen Kutscher mir als vertrauenswürdiger Mann bekannt war, und zwanzig Minuten später war mit der Hilfe meiner Mutter aus einem hübschen jungen Mann ein großes Mädchen geworden, das zwar ein bißchen keck ausschaute, aber sonst keinen üblen Eindruck machte.
Sodann packten wir die Juwelen meiner Mutter und unsere besten Kleidungsstücke zusammen und trafen schnell die Vorbereitungen für unsere Abreise. Vorsichtshalber hatten wir der Kammerzofe meiner Mutter erlaubt, irgendeine Festlichkeit oder Demonstration zu besuchen. Wir waren fest überzeugt davon, daß sie, wenn sie nach ihrer Rückkehr uns und unsere Wertsachen nicht mehr vorfand, glauben würde, wir seien auf der Flucht, um uns dem Herrn d'Ermenonville anzuschließen. Bestimmt dachte sie auch, daß man uns schließlich erwischen und ins Gefängnis werfen würde.
Ohne große Schwierigkeiten kamen wir durch das Stadttor und erreichten noch vor Sonnenuntergang die Pforte des Klosters von St. Claire, wo uns unsere Tante, die Äbtissin, herzlich auf nahm.
Es entging mir nicht, daß sie mich mit großer Neugierde betrachtete und leise meiner Mutter etwas ins Ohr flüsterte. Die Antwort, die sie erhielt, schien sie nicht ganz zufriedenzustellen, denn sie zuckte die Schultern, warf mir dann aber doch einen freundlichen Blick zu.
»Ich zweifle nicht an der Diskretion deiner Stieftochter, aber ich hoffe, sie ist eine d'Ermenonville und wird sich ihrem Namen und Geschlecht entsprechend benehmen.«
Dieser etwas pathetische Satz war an mich gerichtet, aber meine einzige Antwort war ein tiefer Knicks, bei dem ich soviel weibliche Koketterie entfaltete, daß meine Mutter ein Lächeln nicht unterdrücken konnte.
»Aber meine teure Henriette«, fuhr die Äbtissin fort, »ich kann dich im Augenblick nicht sehr gastfreundlich behandeln, denn ich muß dich bitten, mich bis zum Souper zu verlassen, da ich jeden Moment Pater Eustache erwarte!«
»Oh! Ich kenne ihn«, erwiderte meine Mutter ein wenig befangen. »Es ist nicht nötig, daß ich mich entferne; es sei denn, du hast privat mit ihm zu reden!«
»Sprich keinen Unsinn«, sagte die Äbtissin und versetzte ihrer Schwester einen herzhaften Klaps auf die Wange. »Der Pater kommt geschäftlich hierher!«
»Teure Mutter«, warf da eine der Nonnen ein, die Emilie hieß, »kann ich Mademoiselle Augustine einige von unseren Schwestern vorstellen? Sie werden bestimmt entzückt sein, ein neues Gesicht zu sehen und allerlei Neuigkeiten von draußen zu erfahren.«
»Hm«, machte die Tante, die nicht gerade große Lust hatte, dieser Bitte zu entsprechen, »gut, ich will dir die Erlaubnis dazu geben, jedoch unter der Bedingung, daß du weder die Kapelle noch sonst irgendeine deiner Pflichten versäumst und mir meine Nichte rechtzeitig zum Souper zurückbringst.«
»Ich werde mich strikt an Ihre Anweisungen halten, ehrwürdige Mutter«, erwiderte Emilie und machte eine tiefe Verbeugung.
Dann nahm sie mich bei der Hand, und wir verließen das Zimmer. Während wir die Treppe hinabstiegen, brach sie in ein leises Lachen aus und sagte zu mir: »Die Äbtissin ist sehr eifersüchtig. Sie hat Sie im Verdacht - zu Recht, wie ich meine -, und wenn ich nicht die glückliche Idee gehabt hätte, Sie den anderen Novizen vorzustellen, hätte ich wohl auf das Vergnügen, Ihre Gesellschaft allein zu genießen, verzichten müssen.«
Wir betraten das Zimmer, das von einigen Novizen gemeinschaftlich bewohnt wurde. Noch drei Nonnen befanden sich dort, die sich bei unserem Eintritt zurückzogen. Ich mußte mich neben Emilie aufs Bett legen, schwaches Licht erhellte den Raum. Kaum war ich an ihrer Seite, da drang sie auch schon mit ihren Händen unter meine Röcke und fuhr langsam mit ihren lüsternen Fingern entlang meines Oberschenkels in die Nähe meines Heiligtums. Zu meiner großen Bestürzung begann sie sofort, mich zu bearbeiten und bat mich, ihre Liebkosungen zu erwidern. Obgleich ich sehr überrascht war, versuchte ich, ihr zu gehorchen und strengte mich redlich an, ihr mit meiner Zunge und Händen Vergnügen zu bereiten. Als wir unsere Spielchen beendet hatten, dankte sie mir schwach und erinnerte mich mit leiser Stimme daran, daß ich mich zu meiner Tante begeben müsse. Man dürfe sie nämlich nicht erzürnen, damit sie mir nicht die Erlaubnis entzöge, die jungen Nonnen, so oft ich wolle, zu besuchen. Das sah ich ein und ließ mich von meiner reizenden Führerin in das Zimmer der Äbtissin geleiten, wo ich den Tisch gedeckt und meine Mutter und Pater Eustache in Gesellschaft meiner Tante vorfand.
Ein sehr gutes Souper wurde uns serviert, und unsere liebenswürdige Partie zu viert tat ihm auch alle Ehre an. Alles, was den Appetit anregen und vermehren konnte, fand sich auf der Tafel vor. Wild verschiedener Sorten, Austern und andere mit großer Sorgfalt zubereitete Muscheln. Ich konnte mir nicht helfen, ich dachte mir: wenn die Damen des Klosters sich für gewöhnlich von so erregenden Speisen nähren, dann ist es gar nicht erstaunlich, daß ihr Blut heißer und ihre Leidenschaften hitziger sind, als es sich nach ihrem Nonnengelübde schickt. Etwas später, im Kreise der anderen Nonnen, fragte die Äbtissin Emilie: »Was hat dir denn unser hübscher Gast erzählt?«
»Wir unterhielten uns«, sagte Emilie, »über die jüngsten Ereignisse in Paris. Sie berichtete von den Verhaftungen, den schrecklichen Hinrichtungen und den Prozessionen auf den Straßen, die wirklich merkwürdig sein müssen. Sie erzählte uns auch von den jungen Frauen, die ganz nackt die Göttin der Vernunft darstellen, und noch viele...




