E-Book, Deutsch, 230 Seiten
Lerg Die Amerikanische Revolution
2. aktualisierte und ergänzte Aufl 2022
ISBN: 978-3-8463-5629-6
Verlag: UTB GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 230 Seiten
ISBN: 978-3-8463-5629-6
Verlag: UTB GmbH
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Dr. Charlotte A. Lerg lehrt am Amerika-Institut der LMU München.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Terminologien
Gender Wenn in den folgenden Kapiteln vor allem männliche Formen verwandt werden, geschieht dies angesichts der historischen Gegebenheiten im 18. Jahrhundert, die Frauen nur sehr begrenzt Raum als politische und militärische Akteurinnen ließen. Sie waren dennoch aktiv am Geschehen beteiligt. Wo dies der Fall war, zum Beispiel bei bestimmten Protestaktionen, wird explizit sprachlich differenziert. Die binäre Begriffsverwendung in diesem Kontext orientiert sich ebenfalls an den Zuschreibungspraktiken der Zeit, wie sie nach augenblicklicher Erkenntnislage nachzuvollziehen sind. Dies trifft keine Aussage über die realen Gender-Identitäten der Handelnden. Die Forschung zur gelebten Erfahrung und Beteiligung von LGBTQIA+ Personen während der Revolution steht noch am Anfang.
Afro-Amerikaner Für freie Schwarze und versklavte Menschen in den Kolonien orientiert sich die Terminologie an der im Englischen üblichen Verwendung von ‚Black‘. Der Begriff „Afro-Amerikaner“ ergibt für die Revolutionszeit nur bedingt Sinn, da sich eine amerikanische Identität erst langsam herausbildete. Darüber hinaus war ein Teil der Sklaven in jener Zeit noch in Afrika geboren und müsste folglich entsprechend der konkreten Regionen identifiziert werden, was die Quellenlage jedoch unmöglich macht. In Kontexten ab dem 19. Jahrhundert hingegen wird im Folgenden der Begriff „Afro-Amerikaner“ verwandt – auch wenn er, strenggenommen, erst im 20. Jahrhundert gebräuchlich wurde und zunächst politisch spezifisch war. Inzwischen kann die Bezeichnung Afro-Amerikaner als etabliert gelten und wird regelmäßig überzeitlich verwandt.
Indigene Auf die in den USA übliche Nomenklatur oder wird nicht zurückgegriffen, um die vielfältigen Gruppierungen der indigenen Bevölkerung zu beschreiben. Es fehlt an einer Direktübersetzung und darüber hinaus herrscht innerhalb der indigenen Gemeinschaften selbst Uneinigkeit über die verschiedenen Bezeichnungen. Der deutschsprachige Begriff ‚Indianer‘ hat zwar kulturhistorisch ein positiver konnotiertes Erbe als sein englisches Pendant, dennoch wird hier vorwiegend von Indigenen gesprochen. Vereinzelt, wo der Kontext es zulässt, wird auch die Umschreibung ‚Ureinwohnern‘ verwandt. Eine Ausnahme bilden Verweise auf zeitgenössische Terminologien (z. B. ) oder Kontexte, in denen ‚Indianer‘ als symbolische Figuren fungieren oder als zeitgenössische Stereotypen in Erscheinung treten.
Bezeichnungen der Konfliktparteien Es wäre historisch nicht korrekt, die Konfliktparteien pauschalisierend in Briten und Amerikaner zu unterteilen. Zum einen verstanden sich insbesondere die politisch aktiven Kolonisten noch lange selbst als Briten, zum anderen zog sich der Konflikt auch durch die koloniale Gesellschaft und teilte sie in der zeitgenössischen Terminologie in Patrioten und Loyalisten. Um jedoch den aufgeladenen Begriff ‚Patriot‘ zu vermeiden und eine flüssige Lesbarkeit zu gewährleisten, wird dennoch im Folgenden primär zwischen Briten und Kolonisten unterschieden; im Kontext des Krieges dann expliziter zwischen Loyalisten und Revolutionsanhängern. Die Begriffe und fanden sich Ende des 18. Jahrhunderts in der politischen Sprache sowohl Englands als auch Amerikas, allerdings in leicht unterschiedlicher Bedeutung. In England bezeichneten sie die politischen Gruppierungen in Westminster: Die forderten traditionell mehr Rechte für das Parlament, während die eher für die Autorität der Krone einstanden. In diesem Kontext wurde auch die Identifikation von -Ideologie mit einem spezifisch anglo-amerikanisch geprägten Liberalismus gängig, wie er später etwa in der Bezeichnung auftrat. Obgleich es überwiegend unter -Premierministern zu den Steuerkonflikten der 1760er Jahre gekommen war, setzten sich vorwiegend -Politiker für die Belange der Kolonien ein. Aus diesem Grund identifizierten sich viele amerikanische Kolonisten mit dieser Partei. Die Königstreuen im Konflikt mit dem Mutterland waren damit schnell als gebrandmarkt. Die Übernahme der Begriffe während der Revolution war vorwiegend rhetorischer Natur und simplifizierte die komplexen historischen Zusammensetzungen der englischen Parteien erheblich. Sie wird daher im Folgenden weitgehend vermieden, auch wenn sie in den Quellen prominent zu finden ist. Eine andere -Partei entstand während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA. Sie war eine der ersten machtvollen politischen Parteien der frühen Republik und berief sich auf das Erbe ihrer englischen Vorläufer in der Argumentation gegen eine zu starke Exekutive – sei es ein König oder ein Präsident.
(1939) von Grant Wood (Amon Carter Museum of American Art, Fort Worth, Texas)
Dieses Gemälde von 1939 spielt anschaulich mit der Bedeutung und Funktionsweise von Mythen in der amerikanischen Geschichte. Seine verschiedenen Ebenen sowie der historische Hintergrund seiner Entstehung suggerieren dennoch eine gewisse Ambivalenz im Umgang mit dieser überhöhten Vergangenheit.
Der Maler Grant Wood (1891–1942) ist wohl am bekanntesten für sein ikonisches Werk (1930). Kunsthistorisch wird er generell den sogenannten Regionalisten zugeordnet, die zu Beginn des 20. Jahrhundert in flächigem Stil die ländlichen Regionen und die hart arbeitenden Farmer der USA, besonders des Mittleren Westens, in Szene setzten. Viele von Woods Bildern hatten jedoch einen ironischen, kritischen Unterton; so auch .
Wir sehen ein im ersten Moment vielleicht etwas skurril wirkendes Bild: Im Vordergrund lädt ein Herr im Gehrock zur Betrachtung dessen ein, was er zu präsentieren scheint. Ein von ihm zur Seite gezogene Theatervorhang gibt den Blick auf eine Szene frei, in der die Natur seltsam künstlich und geordnet wirkt, wie die Requisiten eines Bühnenbildes. Alles erscheint inszeniert. Die verlängerten Linien des Hauses im Hintergrund und vor allem der Fingerzeig des Mannes im Vordergrund dirigieren die Sichtachsen. Das Licht fällt scheinwerferartig auf die zentrale Figur, ein Kinderkörper mit dem Kopf eines alten Mannes und einer Axt in der Hand. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass es sich um dem Kopf George Washingtons handelt, identifizierbar, weil Wood hier das Porträt kopierte, das der Maler Gilbert Stuart 1796 vom ersten US-Präsident angefertigt hatte, und das heute auf dem Ein-Dollar-Schein zu finden ist.
Die Kombination aus der dargestellten Szene, dem Bildtitel und der Figur George Washingtons wird beim zeitgenössischen amerikanischen Publikum eine eindeutige Assoziation hervorgerufen haben. Es handelte sich um eine Anspielung auf die wohl bekannteste Anekdote aus von Parson (Mason Locke) Weems. Erstmals 1800, ein Jahr nach Washingtons Tod, erschienen, verkaufte sich diese angeblich authentische Biographie so gut, dass sie innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Neuauflagen erfuhr. Ab der fünften Überarbeitung, die 1809 herauskam, hatte Weems die Erzählung vom Kirschbaum eingefügt, um die es hier geht. Im Alter von circa sechs Jahren habe George Washington eine kleine Axt geschenkt bekommen und diese an den Kirschbäumen seines Vaters ausprobiert. Zur Rede gestellt aber, habe er sich sofort zu seiner Tat bekannt und hinzugefügt „I cannot tell a lie“ (Ich kann nicht lügen). Berührt und beeindruckt von solcher Aufrichtigkeit, habe Washington Sr. seinem Sohn sofort verziehen und ihn mit Stolz umarmt. Die moralisch-pädagogische Botschaft dieser „Fabel“ von Ehrlichkeit und Vergebung sprach gerade Kinder besonders an. Noch dazu unterstrich sie die damals gängige Einschätzung der sogenannten „Gründerväter“ als intrinsisch tugendhaft. Schon als Sechsjähriger verhielt sich George Washington moralisch vorbildlich. Spätestens ab den 1830er Jahren wurde die Kirschbaum Episode fester Bestandteil des Schulunterrichtes, nachdem William Holmes McGuffey sie in seine weitverbreitete Lesefibel...




