Lepore | Die geheime Geschichte von Wonder Woman | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 566 Seiten

Lepore Die geheime Geschichte von Wonder Woman

E-Book, Deutsch, 566 Seiten

ISBN: 978-3-406-78456-9
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Jill Lepores berühmtes, nun endlich auch auf Deutsch vorliegendes Buch ist ein Kabinettstück. Es erzählt die Geschichte von Wonder Woman und dechiffriert zugleich in einer brillanten Spurensuche die darin versteckte Geschichte des Feminismus. So witzig und geistreich hat noch selten jemand Popkultur und Frauenbewegung miteinander verknüpft.
Für 'Die geheime Geschichte von Wonder Woman' hat Jill Lepore Archive durchforstet, Interviews geführt, Tagebücher gelesen und sich durch Gerichtsprotokolle gearbeitet. Das Ergebnis ist eine rasante Kulturgeschichte, in der ein exzentrischer Psychologe, Erfinder (dem wir auch den Lügendetektor verdanken) und Bigamist, eine aufregende Amazone und die Vorkämpferinnen des amerikanischen Feminismus die Bühne bevölkern. Ebenso unterhaltsam wie scharfsinnig zeigt die renommierte Historikerin, wie die Kämpfe, Hoffnungen und Rückschläge der Frauenrechtsbewegung hineingewoben sind in die Abenteuer einer Superheldin, die nicht nur bösen Fieslingen, sondern auch dem Patriarchat tapfer die Stirn bietet.
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  «Eine große Bewegung [hat] sich jetzt auf den Weg gemacht – die zunehmende Macht der Frauen», schrieb William Moulton Marston im Februar 1941, als er sein erstes Manuskript einreichte, an seinen Redakteur Sheldon Mayer. «Lassen Sie das Thema so stehen – oder das Projekt fallen.» Als Zeichner wählte Marston Harry G. Peter, der, wie Marston selbst, Verbindungen zu den Frauenwahlrechts- und feministischen Bewegungen der Progressive Era hatte. Marston war 1911 ein Studienanfänger in Harvard, als die Universität einen Vortrag der militanten britischen Suffragette Emmeline Pankhurst auf dem Campus verbot. Elizabeth Holloway, die Marston 1915 heiratete, hatte sich am Mount Holyoke College als Suffragette engagiert, und Marjorie Wilkes Huntley, die etwa ab 1918 immer wieder für eine gewisse Zeit bei den Marstons wohnte, hatte Frauen zu den Wahllokalen begleitet. Olive Byrne, die Marston 1925 kennenlernte, war die Tochter von Ethel Byrne, die 1917 als erste Frau in den Vereinigten Staaten in den Hungerstreik trat, nachdem sie und ihre Schwester Margaret Sanger verhaftet worden waren, weil sie die landesweit erste Beratungsstelle für Empfängnisverhütung eröffnet hatten. Harry G. Peter hatte in den 1910er Jahren Zeichnungen für «The Modern Woman» angefertigt, die für das Frauenwahlrecht eintretende Kommentarseite der Zeitschrift Judge, bei der er als Zeichner Redaktionsmitglied war, ebenso wie die feministische Karikaturistin Lou Rogers, deren Arbeiten großen Einfluss darauf haben sollten, wie Peter später dann Wonder Woman zeichnete. Peter fertigte 1941 einige Skizzen an und schickte sie an Marston; Marston gefiel alles daran, mit Ausnahme der Schuhe. Wonder Woman gelang ein spektakuläres Debüt an amerikanischen Zeitungskiosken, und das genau zum Zeitpunkt des Eintritts der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg, sie hatte einen Auftritt in All-Star Comics Nr. 8 (Dezember 1941/Januar 1942) und dann auf dem Titelbild von Sensation Comics Nr. 1 (Januar 1942). Beide Comic-Hefte erschienen im Verlag von Maxwell Charles Gaines. Als Autor der Geschichten wurde «Charles Moulton» angegeben, ein Pseudonym, das aus Gaines’ und Marstons mittleren Namensteilen zusammengesetzt war. Wonder Woman erschien in jedem Heft von Sensation Comics als Aufmachergeschichte, ebenso auf jedem Titelbild. Die National Organization for Decent Literature setzte die Sensation Comics im März 1942 auf ihre Liste der «Publikationen, die für Jugendliche nicht geeignet sind». Gaines schrieb an den Bischof, der für die Liste verantwortlich war, und fragte nach dem Grund. Der Bischof schrieb zurück: «Wonder Woman ist unzureichend bekleidet.» Peter fertigte diese Zeichnung eines alternativen Kostüms für Wonder Woman an, die stark von den Zeichnungen Alberto Vargas’ beeinflusst waren, dessen «Varga girls» jeden Monat in der Zeitschrift Esquire erschienen und von Lesern als Pin-ups ausgeschnitten wurden. Diese Zeichnung von Peter scheint von einem patriotisch gekleideten Varga-Girl inspiriert worden zu sein, das zum 4. Juli 1942 in Esquire erschien. Eine offensichtlich von Marston stammende Notiz weist darauf hin, dass der Kragen am rückenfreien Oberteil schon bald aus der Mode kommen könnte. Wonder Woman übernahm die roten Stiefel mit den hohen Absätzen und die engen Shorts und legte den Rock aus früheren Geschichten ab. Aber dieser Entwurf wurde größtenteils nicht umgesetzt. «Bekannter Psychologe als Autor des Bestsellers ‹Wonder Woman› enttarnt», schrieb Marston im Sommer 1942 in einer Pressemitteilung zur Ankündigung des Debüts von Wonder Woman. «Die einzige Hoffnung für die Zivilisation ist die größere Freiheit, Entwicklung und Gleichberechtigung der Frauen auf allen Gebieten menschlicher Aktivitäten», schrieb Marston zur Erklärung seiner Absicht, «bei Kindern und jungen Menschen einen Maßstab für starke, freie, mutige Weiblichkeit zu setzen und die Vorstellung zu bekämpfen, dass Frauen den Männern unterlegen seien, und Mädchen und junge Frauen zu Selbstbewusstsein und Leistungen im Sport, in der Arbeitswelt und in den freien Berufen anzuregen, die sämtlich von Männern monopolisiert sind.» Wonder Woman war die erste Superheldin, die ihre eigene Zeitschrift hatte. Gaines veranstaltete im April 1942 eine Leserumfrage, bei der er wissen wollte: «Sollte es WONDER WOMAN gestattet werden, Mitglied der Justice Society zu werden, obwohl sie eine Frau ist?» Auf den ersten 1801 eingesandten Fragebögen sagten 1265 Jungen und 333 Mädchen «Ja»; 197 Jungen und nur 6 Mädchen sagten «Nein». Wonder Woman trat der Justice Society in der All-Star Comics-Ausgabe vom August/September 1942 bei. Die Geschichten wurden allerdings nicht von Marston, sondern von Gardner Fox geschrieben, der Wonder Woman auf die Rolle der Sekretärin reduzierte, wie in dieser Story aus All-Star Comics Nr. 14 (Dezember 1942/Januar 1943). Selbst als Gardner Fox Wonder Womans Rolle auf die Beantwortung der Post und das Führen des Sitzungsprotokolls beschränkte, wütete Marston in den Geschichten, die er selbst schrieb, gegen das, was er als «häusliche Sklaverei» bezeichnete, wie in dieser Story, «The Return of Diana Prince», in: Sensation Comics Nr. 9 (September 1942). Das Thema geht, ebenso wie die Ikonografie, unmittelbar auf die mit dem Frauenwahlrecht und dem Feminismus befassten Autorinnen und Zeichnerinnen der 1910er Jahre zurück, die Marston wie auch Peter so stark beeinflusst hatten. Elizabeth Holloway spielte im College Hockey; Olive Byrne spielte Basketball. Alice Marble, eine Weltklasse-Tennisspielerin, war nach ihrem Rücktritt vom Turniersport von 1942 bis 1944 Associate Editor von Wonder Woman. Marston stellte Wonder Womans sportliche Fähigkeiten bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Schau. Hier, in «The Earl of Greed», in: Wonder Woman Nr. 2 (Herbst 1942), spielt sie Baseball. In anderen Marston-Geschichten spielt sie Eishockey und Tennis; sie schwimmt und taucht. Und sie gründet sogar eine Kette von Fitnessklubs. Marston benutzte Wonder Woman auch dazu, seine langjährige, bis in sein drittes Studienjahr zurückreichende Arbeit zur Feststellung von Täuschungen, das Thema seiner Doktorarbeit von 1921 an Harvards Psychology Department, in den Mittelpunkt zu stellen. Zeitungen bezeichneten Marston bereits 1923 als «Erfinder des Lügenmessgeräts». Marston veröffentlichte 1938 ein Buch mit dem Titel The Lie Detector Test, in dem er seinen Anspruch auf die Erfindung anmeldete, die dann als Polygraph bekannt wurde. In «The Duke of Deception», Wonder Woman Nr. 2 (Herbst 1942), setzt Wonder Woman das magische Lasso ein, um einen Schurken dazu zu zwingen, die Wahrheit zu sagen. Das magische Lasso erhielt Wonder Woman, ebenso wie ihre Armbänder, auf der Paradiesinsel, bevor sie das Land der Amazonen verließ, um nach «Amerika» zu reisen, in die «letzte Zitadelle der Demokratie und der Gleichberechtigung für Frauen». Mit Ausnahme von Superman und Batman war keiner der Superhelden von DC Comics auch nur annähernd so beliebt wie Wonder Woman. Sie war die Führungsfigur in Sensation Comics; sie erschien regelmäßig in den All-Star Comics; und in der vierteljährlich erscheinenden...


Jill Lepore ist Professorin für amerikanische Geschichte an der Harvard Universität und staff writer des New Yorker. Sie hat mehr als ein halbes Dutzend Preise für ihre Bücher erhalten. Ihr Buch "Diese Wahrheiten. Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika" war auf Platz 1 der Sachbuchbesten-Liste und auch in Deutschland ein Bestseller. Im Dezember erhält sie den Hannah-Arendt-Preis.


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