E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: California Dreams
Leopold The Sunrise in Your Eyes
22001. Auflage 2022
ISBN: 978-3-492-60095-8
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Gefühlvolle New-Adult-Romance unter der Sonne Kaliforniens
E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: California Dreams
ISBN: 978-3-492-60095-8
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kim Leopold schreibt Geschichten, die das Herz höherschlagen lassen - sei es in knisternden New Adult-Romanen oder fantasievollen Welten voller Abenteuer. Ihre Reise in die Buchwelt begann 2015, als sie nach einer Brustkrebsdiagnose beschloss, ihr eigenes Glück nicht mehr aufzuschieben. Seitdem hat sie zahlreiche Bücher veröffentlicht und viele Blogartikel und Podcast-Episoden verfasst. Wenn sie nicht gerade schreibt, unterstützt sie als Grafikdesignerin andere Autor:innen oder verliert sich für ein paar Stunden in einem guten Buch - immer mit dabei: eine heiße Tasse Kaffee und ihre Haustiere. Ihr Motto: 'Ziele nach dem Mond - wenn du ihn verfehlst, landest du immerhin bei den Sternen.
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1
Allegra
Ich weiß nicht, ob ich das Auto cool oder doch eher peinlich finden soll.
Jedenfalls bin ich froh, dass auf dem Weg zur Uni kaum etwas los ist und nur wenige Leute uns komische Blicke zuwerfen, während wir mit Pascals bunt bemaltem Campervan durch die Straßen fahren. Es fühlt sich schon sonderbar genug an, mit einem Fahrzeug, das für Urlaube gedacht ist, zum Campus zu fahren.
Da ist mir Micahs finstere Miene beinahe lieber.
Mein Blick gleitet unweigerlich zu Pascal. Auf seiner Nase sitzt eine Sonnenbrille, seine Haut ist gebräunt. Im Gegensatz zu mir sieht er aus, als wäre er frisch aus dem Urlaub gekommen.
Ich frage mich, ob das die letzten zwei Jahre für ihn waren. Urlaub. Fort von der Familie Erholung suchen, nur an sich selbst denken, seine Träume verwirklichen.
Hat ihn das glücklich gemacht?
»Was ist?«, fragt er, als er bemerkt, dass ich ihn anstarre.
»Nichts.« Ich wende den Blick ab und umfasse meine Laptoptasche fester. Dass er hier ist und mich zur Uni fährt, fühlt sich verrückt an. »Da vorne links.«
»Okay.« Er setzt den Blinker. »Was war das noch gleich für ein Kurs, den du da belegst?«
»Umgang mit posttraumatischen Belastungsstörungen«, entgegne ich wie aus der Pistole geschossen und atme erleichtert auf, weil er mir eine Frage gestellt hat, die ich problemlos beantworten kann. Bei einigen anderen fehlten mir die Worte.
»Ah.« Er zögert kurz. »Cool.«
»Ja.« Ich seufze leise. Wieso fühlt sich jedes Gespräch mit ihm erzwungen an? Das war doch früher nicht so. »Und du hast gleich einen Termin mit deinem … Management?«, frage ich nach, weil ich plötzlich denke, ich könnte mir ein bisschen mehr Mühe geben.
»Ja, genau.«
»Hört sich wichtig an.«
»Na ja, Maevis wird demnächst meine Anfragen und Mails regeln, also schon irgendwie.« Er lacht verlegen auf und fährt sich mit einer Hand durch die dichten Locken. »Ich hätte nicht gedacht, dass so was irgendwann passieren würde.«
»Schätze, das hast du dir hart erarbeitet«, murmle ich zwiegespalten. Einerseits bin ich stolz auf meinen Bruder, weil er sich aus dem Nichts heraus eine funktionierende Selbstständigkeit erschaffen hat. Andererseits aber auch wütend, weil er dafür zwei Jahre lang so getan hat, als gäbe es uns nicht mehr.
Und wer weiß schon, wie lange er dieses Mal in L. A. bleibt.
»Danke, Lela.«
Ich deute auf ein Gebäude auf der rechten Straßenseite. »Hier ist es.«
»Okay.« Pascal fährt langsamer und hält am Straßenrand. »Warte kurz, okay?«
Er steigt aus, während ich meine Tasche umklammert halte und gegen die Übelkeit in meinem Magen ankämpfe. Egal, wie wütend ich auf ihn oder Micah bin – das ist immer der Moment, in dem ich spüre, wie sehr ich meine Brüder trotz allem liebe. Ich könnte mir nicht verzeihen, wenn ihnen meinetwegen etwas zustoßen würde.
Besorgt blicke ich mich auf dem vertrauten Gelände um. Unachtsamkeit könnte ich dieser Tage mit dem Leben bezahlen.
Ein paar Studenten sind auf dem Weg zu ihren Sommerkursen, wieder andere ziehen gerade ins Wohnheim gegenüber ein, in dem auch ich vor Kurzem noch gewohnt habe. Ein weißer Lieferwagen parkt vor dem Eingang des Wohnheims und scheint auf den ersten Blick das einzige verdächtige Fahrzeug zu sein.
Meine Tür wird aufgerissen.
Erschrocken springe ich in meinem Sitz hoch. Mein Herz beginnt zu rasen, während mir zig Szenarien durch den Kopf schießen und doch nur ein Gedanke bleibt: Bitte nicht.
»Beruhig dich, ich bin’s.« Pascal. Er schiebt sich die Sonnenbrille ins Haar und mustert mich besorgt. »Bist du sicher, dass du das packst?«
Ich schnaube auf. »Natürlich. Ich habe mich bloß erschrocken. Klopf gefälligst nächstes Mal an die Scheibe, statt wie ein Irrer die Tür aufzureißen.«
»Ist ja gut.« Er hebt abwehrend die Arme und tritt einen Schritt zur Seite. »Tut mir leid.«
Mein Herz schlägt immer noch schneller, während ich mit zitternden Beinen aussteige. »Danke fürs Bringen.«
»Immer.«
Wer’s glaubt.
Ich verabschiede mich von ihm, bevor ich Dinge sage, die ich nicht sagen will.
Er ist hier, er gibt sich Mühe.
Das ist alles, was zählt.
*
Ungläubig betrachte ich den Zettel an der Tür. Das darf echt nicht wahr sein. Wieso fällt die Stunde schon wieder aus? Und wieso zum Teufel kann unser Dozent das nicht ein bisschen eher ankündigen?
»So ein Scheißdreck«, murmle ich und drehe mich niedergeschlagen um. Nicht, dass ich mich besonders auf das Seminar gefreut hätte, aber wenn ich schon mehr als dreißig Minuten Fahrtzeit zur Uni auf mich nehme, will ich verdammt noch mal nicht vor verschlossenen Türen stehen.
Seufzend mache ich mich auf den Weg zurück zum Ausgang. Ich verlasse die Dworak-Peck School of Social Work und bleibe auf dem Bürgersteig stehen, wo ich mich erneut genau umsehe. Diesmal in der vagen Hoffnung, Pascal noch zu erwischen, doch natürlich ist er schon fort – und da ich nicht will, dass er seinen Termin für mich absagt, werde ich ihn nicht anrufen, um ihn zurückzubitten.
Der weiße Lieferwagen parkt immer noch vor dem Studentenwohnheim und entlädt die Waren für den Kiosk im Erdgeschoss. Es scheint alles in Ordnung zu sein, trotzdem schleicht sich eine Gänsehaut auf meine Unterarme. Es ist das erste Mal, dass ich wieder allein auf dem Campus unterwegs bin, seit das mit Logan passiert ist.
Ich will meine Kopfhörer rausholen und mich mit Musik ablenken, aber ich habe zu große Angst davor, mir könnte etwas entgehen. Ein Geräusch, ein Hinweis darauf, dass ich in Gefahr schweben könnte. Also umklammere ich bloß mein Handy fester und laufe in die andere Richtung. Weg vom Studentenwohnheim, weg vom Lieferwagen.
Doch kaum habe ich die Straßenecke erreicht, höre ich, wie jemand meinen Namen ruft.
Ich blicke über die Schulter zurück – und erstarre.
Belly.
Scheiße.
Sie überquert die Straße und kommt mit schnellen Schritten auf mich zu. Sofort eile ich weiter, als hätte ich sie nicht gehört.
»Komm schon, Allegra!«, ruft sie. »Jetzt bleib doch mal stehen, ich will nur kurz mit dir sprechen.«
Doch die Kopfhörer?, frage ich mich nervös, aber da hat sie mich eingeholt und fasst mich am Arm.
»Lass. Mich. Los«, presse ich unter zusammengebissenen Zähnen hervor und blitze sie wütend an. Ihre perfekt gezupften Brauen ziehen sich zusammen, in ihren braunen Augen steht ein Schmerz, den ich nicht begreife. Sie sieht Logan so ähnlich, dass mir für einen Moment der Atem wegbleibt. Ich hasse es.
»Gib mir fünf Minuten«, bittet sie mich.
»Nein«, erwidere ich, reiße meinen Arm los und setze mich wieder in Bewegung. Ich will nicht mit ihr reden, ich will sie nicht mal mehr ansehen, so wütend bin ich auf sie und ihren verdammten Bruder.
»Ich will mich doch nur entschuldigen«, ruft sie mir laut hinterher. »Allegra, bitte! Ich muss dir …«
Wütend fahre ich herum und mache zwei Schritte auf sie zu, den Zeigefinger auf sie gerichtet. »Wag es nicht, mir noch einmal ins Gesicht zu lügen, Belly! Ich habe dir vertraut!« Mein Atem geht schneller, und mir schießen heiße Tränen in die Augen. »Ich habe Logan und dir vertraut und hätte alles getan, um euch zu helfen. Also tu mir jetzt wenigstens den Gefallen und lass mich verdammt noch mal in Ruhe.«
Belly sieht aus, als hätte ich sie getreten, aber das ist mir egal.
Sie ist mir egal.
Ein für alle Mal.
Ihre Lippen formen tonlos meinen Namen. Ich schüttle den Kopf, schlucke die Tränen runter und wende mich ab, um zur Bushaltestelle zu laufen.
Dieses Mal lässt sie mich.
*
Mein Herz macht einen Satz, als ich das Fahrrad...




