Lelord | Es war einmal ein blauer Planet | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Lelord Es war einmal ein blauer Planet

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-641-24634-1
Verlag: Penguin
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-641-24634-1
Verlag: Penguin
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine inspirierende Geschichte über das, was wir in Zukunft brauchen, um glücklich zu sein

Der junge Robin ist überwältigt, als er aus seiner Raumkapsel steigt. Der warme Sand unter seinen Füßen, der sanfte Wind und das Farbenspiel des Meeres sind so viel besser als jede noch so perfekte virtuelle Realität. Er ist auf der Erde, diesem fernen blauen Planeten, den er bislang nur aus Filmen und Erzählungen kannte. Doch seine Mission ist keine leichte:

- Können die Menschen auf ihren Heimatplaneten zurückkehren, obwohl sie einst dafür gesorgt hatten, dass er unbewohnbar wurde?

- Wie sollen sie leben, damit Glück für alle möglich ist?

- Und zählt Liebe noch?

Mit Hector erschuf François Lelord einen unvergesslichen Helden, dem Millionen Leserinnen und Leser folgten. Nun lässt er den liebenswerten Robin in einer abenteuerlichen Mission die große Frage erkunden, wie wir in Zukunft leben wollen.

François Lelord, geboren 1953, studierte Medizin und Psychologie in Frankreich und Kalifornien. Seine Weltkarriere als Autor begann er mit Büchern zur Selbsthilfe, die auch in Deutschland zu großen Verkaufserfolgen und Longsellern wurden, u.a. »Der ganz normale Wahnsinn« und »Die Kunst der Selbstachtung«. Eines Tages schloss er seine Praxis in Paris, um zu reisen und für sich und seine Leserinnen und Leser Antworten auf die wirklich großen Fragen des Lebens zu finden. »Hectors Reise« und die folgenden sieben Romane um den Psychiater Hector und seine Suche nach dem Glück eroberten ein Millionenpublikum. Zuletzt erschienen bei Penguin der Roman »Es war einmal ein blauer Planet« (2021) und der Erzählband »Zwei Schwalben in Paris« (2022). François Lelord lebt inzwischen wieder mit seiner Familie in Paris und arbeitet in seiner eigenen Praxis.

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Athena, Athena, warum hast du mich verlassen? In meinem Kopf schwirren alle möglichen Schachzüge herum. Soll ich so tun, als würde ich den Zomo, der mich gerade erkannt hat und den Blick nicht von mir lässt, nicht verstehen? Und nun tun die anderen es ihm auch schon nach – alle drehen die Köpfe in meine Richtung.

Ich entscheide mich dafür, mit ihnen zu reden, aber in einem hochmütigen Ton, so als würde man sich an einen feindseligen Fremden wenden.

»Achtung, Leute, wir müssen so tun, als würden wir uns nicht kennen! Als wären wir sogar Feinde. Versteht ihr?«

Sie stehen sprachlos da, völlig perplex angesichts meines unerwarteten Auftauchens. Nach einem Moment des Schweigens erwidert der Lebhafteste von ihnen in ebenso harschem Ton: »Wie bist du hergekommen?«

»Genau wie ihr, aber ich habe meine Raumkapsel vor der Küste einer anderen Insel verloren. Wo ist euer Raumschiff?«

»Auf dem Vulkan.«

»Kommst du uns befreien?«, fragt ein anderer.

»Ich werde es versuchen. Man hat mir schon gesagt, dass vier von euch da eingesperrt sind, aber was ist mit den anderen?«

»Tot.«

»Und eure Chefin?«

»Sie auch.«

Lieutenant Zulma und ihre ungeschickten Versuche, Yû den Hof zu machen … Die Nachricht bewegt mich mehr, als ich gedacht hätte. Aber ich fange mich und frage, ob das Raumschiff noch funktionstüchtig sei.

»Jedenfalls war es in Ordnung, als wir es verließen. Sollen weitere Zomos kommen?«

»Ich weiß nicht. Wann löst ihr euch am Mühlstein ab?«

»Immer wenn die Sonne im Zenit steht.«

»Und wann sperrt man euch in dieses Haus?«

»Bei Sonnenuntergang. Hast du Waffen?«

»Nein. Genug geredet. Beschimpft mich mal ordentlich; es muss so aussehen, als wären wir Feinde.«

Diesmal kommt die Reaktion prompt und echt – wie immer, wenn Zomos ihre Aggressivität zeigen dürfen. Sie schleudern mir wüste Beleidigungen entgegen und zerren wie wild an ihren Gurten. Der Mann mit der Peitsche lässt ein paar Hiebe auf sie niedersausen, aber das bleibt ohne Wirkung.

»Lass uns gehen«, sagt Kalo, »die sind doch verrückt.«

Wir entfernen uns von der Mühle, und schon ist Schluss mit dem Gebrüll und den Schlägen.

»Woher kennen sie dich?«, fragt Kalo ohne Misstrauen.

»Sie kennen mich nicht persönlich, aber die Gemeinschaft, der ich angehöre.«

»Du siehst wirklich nicht so aus wie sie.«

»Es sind eben Krieger. Die haben was drauf.«

»Na ja«, meint er lachend, »offenbar nicht genug.«

»Wie habt ihr sie besiegt?«

»Das sind doch Kinder.«

Kalo und seine Leute haben also Krieger aus einer Zivilisation, die um mehrere Jahrhunderte weiter fortgeschritten ist, wie kleine Kinder ausgetrickst. Das beunruhigt mich: Und wenn Kalo nun meine List gewittert hat? Wie lange werden er und der Häuptling mir die Geschichte von der anderen Gemeinschaft noch glauben?

Ich habe es nun eilig, wieder das Haus zu erreichen, in dem ich Tayo und Antina zurückgelassen habe. Kalo hat mir zwar versichert, dass meinen Freunden kein Haar gekrümmt werde, aber vielleicht hat man auch mich ausgetrickst wie ein kleines Kind?

Als Kalos Haus in Sichtweite kommt, wird mir sofort klar, dass meine Sorge begründet ist. Vor der Schwelle drängen sich Menschen, unverständliches Geschrei dringt zu uns herüber. Kalo legt einen Schritt zu und macht ein ebenso besorgtes Gesicht wie ich.

Wir bahnen uns den Weg durch die Menschenansammlung und entdecken hinten im Haus Antina und Tayo, die vor Furcht zittern. Um sie herum stehen Kalos Gattinnen und versuchen offenbar, meine Freunde vor zwei groß gewachsenen Kriegern zu beschützen, die sich mit bedrohlicher Miene vor ihnen aufgebaut haben.

»Sie wollen die fremde Frau nehmen«, schreit eine von Kalos Gattinnen.

Kalo nähert sich dem Krieger, aber zu meiner Überraschung beugt er schüchtern vor ihm das Haupt – der andere hat einen höheren Rang.

»Der Häuptling will nicht, dass wir sie nehmen«, sagt er.

»Er möchte nicht, dass wir sie zur Frau nehmen, aber ich will sie ja nur für ganz kurze Zeit.«

»Der Häuptling will das nicht«, wiederholt Kalo, und man sieht, wie unbehaglich er sich fühlt.

Der Krieger macht einen Bogen um Kalo und geht ein paar Schritte auf Antina zu. Das ist zu viel für Tayo; er tritt dazwischen und schreit: »Wenn du sie anrührst, bring ich dich um!«

Ich vernehme ein verblüfftes Gemurmel.

»Hört, hört«, sagt der Krieger lachend, »er will mich töten!«

Ich weiß, dass Tayo stark ist, aber der Krieger überragt ihn um Haupteslänge und hat im Töten sicher schon Erfahrung. Ich gebe meinem Freund keine Chance, selbst mit seiner wilden Entschlossenheit, Antina zu beschützen, nicht. Oder vielleicht gerade deswegen nicht. Hinter mir flüstert Kalo jemandem zu, er solle schnellstens den Häuptling benachrichtigen.

Ich trete ein paar Schritte vor. Hat Athena nicht festgestellt, dass ich im Entschärfen von Konflikten so begabt bin wie kein anderer?

»Ich bin Gast des Großen Häuptlings«, sage ich. »Diese beiden stehen unter meinem Schutz.«

»Noch jemand, der mich töten will?«, sagt der Krieger mit einem Lächeln.

»Natürlich nicht«, erwidere ich und lächle ebenfalls. »Ich weiß ja, dass du ein Krieger bist. Ich wollte dich nur daran erinnern, was der Wille des Großen Häuptlings ist.«

»Er hat gesagt, wir sollen euch gut behandeln. Nun, ich werde diese Frau gut behandeln, ganz wie sie es verdient. Und es dauert nicht lange.«

»Du bist stark, und ich glaube, dass du auch klug bist. Also weißt du sehr wohl, was der Große Häuptling gemeint hat.«

»Willst du mir etwa erklären, was der Große Häuptling denkt?«

»Nein, ich möchte dich nur an Dinge erinnern, die du ohnehin schon weißt.«

Um uns herum breitet sich ein bedrohliches Schweigen aus. Ich erinnere mich an Kalos respektvolle Haltung und bemühe mich, nichts zu sagen, was den Krieger beleidigen könnte. Er mustert mich und sagt dann: »Schöne Reden schwingst du ja, aber kann es vielleicht sein, dass du ein bisschen beschränkt bist?«

»Gut möglich. Ich möchte nur den Willen des Großen Häuptlings befolgen und meine Freunde schützen.«

»Ich bezeichne dich als Idioten, und du reagierst nicht. Hast du denn gar keine Ehre im Leib?« Und mit einem Fingerzeig auf Tayo fügt er hinzu: »Der da weiß wenigstens noch, was Ehre ist.«

»Ja, er weiß es wahrscheinlich besser als ich. Meine Ehre liegt darin, immer den Ranghöheren zu gehorchen und meinen Freunden treu zu bleiben.«

Aus den Reihen der Zuschauer erhebt sich zustimmendes Gemurmel, und zugleich spüre ich, wie der Krieger immer wütender wird. Und dann wird mir klar, dass ich von Beginn an etwas falsch gemacht habe. Mit ihm herumzudiskutieren, noch dazu vor Publikum, ist bereits eine Beleidigung! Ich hätte ihn anflehen und vor ihm auf die Knie fallen sollen, aber aus der Weltraumkolonie bin ich einfach an gleichberechtigte Beziehungen gewöhnt, sogar mit meinen Vorgesetzten.

»Schau dich doch mal an«, sagt er. »Wie willst du die beiden vor mir verteidigen?«

»Ich weiß, dass ich nicht stark bin, aber ich glaube, dass du ein vernünftiger Mann bist.«

»Vernünftig? Willst du wissen, was meine Vernunft mir sagt? Dein Freund hat mich bedroht, und er hat mich herausgefordert, noch dazu vor aller Augen …« Und dann schreit er in die Runde der Umstehenden: »Hat er mich etwa nicht herausgefordert?«

Nach einem Moment der Stille vernehme ich erneut beifälliges Murmeln. Der Menschenauflauf ist größer geworden.

»Wir werden das im Kampf entscheiden«, sagt der Krieger zu Tayo.

Antina wirft sich Tayo weinend an den Hals; sie will nicht, dass er für sie sein Leben riskiert. Lieber will sie sich fügen. Aber Tayo ist entschlossen, seine Ehre zu verteidigen, er schiebt Antina beiseite und wendet sich dem Krieger zu, der ein spöttisches Lächeln aufgesetzt hat.

Ich stelle mich zwischen die beiden.

»Hört auf, das ist nicht der Wille des Großen Häuptlings.«

»Er hat mich herausgefordert«, sagt der Krieger. »Selbst der Große Häuptling kann einem Krieger nicht befehlen, eine solche Herausforderung unbeantwortet zu lassen.«

Ich höre die zustimmenden Kommentare der Zuschauer und versuche, bei Kalo Hilfe zu finden, aber der schüttelt nur traurig den Kopf.

»Bleib an Antinas Seite«, sage ich zu Tayo. »Lass mich das machen.«

Ich will noch ein wenig verhandeln, immer in der Hoffnung, dass der Große Häuptling gleich eintrifft.

»Aber das ist mein Kampf!«, sagt Tayo.

»Nein, es ist meine Schuld, dass ihr überhaupt hier seid. Nun habe ich die Pflicht, euch zu beschützen.«

»Hör auf ihn«, sagt Antina.

Ich schiebe Tayo in ihre Arme.

Der Große Häuptling ist immer noch nicht da.

»Du willst mich also auch töten?«, fragt der Krieger mit einem höhnischen Grinsen.

Und da setzt bei mir etwas aus. »Nein«, sage ich, »außer wenn du es drauf anlegst.«

Kaum sind die Worte aus meinem Mund gekommen, ist mir, als hätte ein anderer sie ausgesprochen. Um uns herum verblüfftes Murmeln.

»Er spricht unsere Sprache nicht so gut«, sagt Kalo entschuldigend.

Der Krieger aber hat mich sehr wohl verstanden.

»Er hat mich...


Lelord, François
François Lelord, geboren 1953, studierte Medizin und Psychologie in Frankreich und Kalifornien. Seine Weltkarriere als Autor begann er mit Büchern zur Selbsthilfe, die auch in Deutschland zu großen Verkaufserfolgen und Longsellern wurden, u.a. »Der ganz normale Wahnsinn« und »Die Kunst der Selbstachtung«. Eines Tages schloss er seine Praxis in Paris, um zu reisen und für sich und seine Leserinnen und Leser Antworten auf die wirklich großen Fragen des Lebens zu finden. »Hectors Reise« und die folgenden sieben Romane um den Psychiater Hector und seine Suche nach dem Glück eroberten ein Millionenpublikum. Zuletzt erschienen bei Penguin der Roman »Es war einmal ein blauer Planet« (2021) und der Erzählband »Zwei Schwalben in Paris« (2022). François Lelord lebt inzwischen wieder mit seiner Familie in Paris und arbeitet in seiner eigenen Praxis.



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