E-Book, Deutsch, 276 Seiten
Lee Ich vermisse dich
5. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7583-8592-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Warum musste es so weit kommen?
E-Book, Deutsch, 276 Seiten
ISBN: 978-3-7583-8592-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jeder Mensch wird einmal in seinem Leben mit Ereignissen konfrontiert. Ist das Ereignis positiv, dann wird es unser weiteres Leben mit Ausgeglichenheit und Zuversicht begleiten. Folgt jedoch ein negatives Ereignis, zum Beispiel durch einen Schicksalsschlag oder große Enttäuschung, dann folgt Verzweiflung und es kann bis zum Ende eines Lebens anhalten Gegen einen Schicksalsschlag oder große Enttäuschung muss man gegenankämpfen und MUSS als Sieger hervorgehen, weil man sonst für den Rest des Lebens unglücklich sein wird. Hierzu gibt es verschiedene Wege, wie zum Beispiel: Mitgefühl und Verständnis eines lieben Menschen, starkes Gottvertrauen, oder, wie ich es tat, den Absturz mit einem Roman zu verarbeiten. Danach fühlte ich mich irgendwie berufen, weiter zu schreiben und das noch in meinem fortgeschrittenen Alter. Das Leben um uns herum erzählt die besten Geschichten, die ich in einem Roman erzählen will. Ich lege großen Wert auf realistische Erzählungen und lehne jede Übertreibung ab. In allen meinen Romanen nimmt die Liebe einen sehr großen Raum ein. Leser, die nur Spannung pur wünschen, sollten meine Romane besser nicht lesen. Ein Roman sollte realistisch und an der Wirklichkeit angelehnt sein. Aber ein Roman ohne Spannung wäre langweilig, - wie unser Leben ohne Spannung. Ein Roman ohne starke, tiefe Gefühle, wären nur nichtssagende Buchstaben. Über mich möchte ich nichts sagen und ich denke, dass es das Recht jedes Menschen ist, sich hinter einem Pseudonym verstecken zu dürfen.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
David Krüger hatte sich in sein Büro in seiner Drogeriezentrale in Stuttgart zurückgezogen. Er fühlte sich müde, abgeschlagen und wusste, dass er nicht mehr so weitermachen durfte und die Reißleine ziehen sollte. Er griff zu seiner aus Wurzelholz geschnitzten Pfeife und stopfte sich gedankenversunken den Pfeifenkopf mit dänischem Tabak. Tina hatte ihm diese zu ihrem 7-jährigen Hochzeitstag geschenkt. Sie liebte es, wenn sie abends in ihrer Villa in Leonberg saßen und er genüsslich an der Pfeife zog. Doch er kam meistens zu spät nach Hause und somit verblieb wenig Zeit, ihr Glück zu genießen. Die Vorwürfe, die sich in ihm einnisteten, erfüllten ihn mit Depressionen. Seine Gedanken gingen zurück, als er Tina vor 12 Jahren kennenlernte.
Es war Freitagnachmittag, der 15 März 2005, als er in das bekannte Modehaus fuhr, um sich neu einzukleiden. Auf eine seriöse Garderobe hatte er nie Wert gelegt und würde nie einen Smoking kaufen, wenn nicht sein Freund Oliver Hahn am Samstag heiraten würde. Oliver, der in Darmstadt eine große Spedition geerbt hatte, sich dementsprechend gab und gerne auf alle herabsah, die es im Leben zu nichts gebracht haben. Seine zukünftige Frau besaß in München ein exklusives Modehaus und hatte ebenfalls Geld ohne Ende. Die Hochzeit sollte in ihrem Ferienhaus am Starnberger See stattfinden. Und da die Hochzeitsgäste alles waren, konnte er schlecht in Jeans erscheinen. So fuhr er missmutig in das Parkhaus, steuerte das Dachgeschoß an und fuhr in einen Eckparkplatz ein.
Ein ordentlicher Stoß an der Beifahrertür machte ihm klar, dass jemand auf seinen Golf aufgefahren war, den er erst seit zwei Wochen besaß. Er kochte. Wutentbrannt stieg er aus. Als er die Frau sah, die aus ihrem roten Cabriolet stieg, wurde ihm heiß. Sie stand vor ihm, ihre blauen Augen flackerten nervös, er hörte ihre erregende, helle Stimme, verstand kein Wort und musste sie immer nur anstarren. Diese kleine blonde Frau mit ihren geschwungenen Lippen, ihrer schlanken, sagenhaften Figur, die durch die grüne enge Jeans und ihren weißen Rollkragenpullover voll zur Geltung kam, brachten seine Gefühle in Wallung. durchfuhr es ihn. Er hörte sie sprechen, verstand aber nichts. dachte er weiter. Dann änderte sie ihre Tonart, stemmte beide Hände gegen ihre Hüfte und ihre Augen blitzten zornig.
„Ich habe Ihr Auto gerammt“, schrie sie aufgebracht. „Ich rede die ganze Zeit auf Sie ein, Sie reagieren überhaupt nicht und starren mich nur an. Sind Sie überhaupt normal?“
Er kam wieder zu sich und stellte sich vor. Sie nahm aus ihrer Umhängetasche ihre Visitenkarte und überreichte ihm diese.
„Sie lassen Ihr Fahrzeug reparieren und schicken mir die Rechnung“, sagte sie entschlossen. „Wenn Sie wollen, können wir auch die Polizei holen.“
„Nein, ... nein“, erwiderte er stotternd. „Ich muss mich entschuldigen und will Ihnen sagen, warum ich Sie nur angestarrt hatte. Sicherlich, ... Sie werden mir das nicht glauben, es als eine Dreistigkeit ansehen und doch muss ich Ihnen den Grund sagen.“
„Reden Sie schon“, forderte sie ihn auf. Ihre Augen blitzten und er meinte ein kleines Lächeln zu erkennen.
„Ich, ich, – –“
„Ja, – und?“
war sein Gedanke. Ihre Lippen hatten sich zu einem erotischen Lächeln verzogen. Egal, auch wenn sie ihn jetzt auslachte, musste er es ihr gestehen: „Ich kenne Sie nicht und doch meine ich, ... ich kenne Sie schon eine Ewigkeit. Ich habe mich in Sie verknallt. Ach, – ich komme mir wie ein dummer Junge vor und jetzt dürfen Sie mich auslachen.“ Er steckte die Visitenkarte in seine Brusttasche und war dabei, sich von ihr abzuwenden.
Sie trat näher zu ihm heran. „Warten Sie!“, ihre Augen hatten dabei einen Ausdruck, dass er am liebsten in den Boden versunken wäre.
„Glauben Sie an die Liebe auf den ersten Blick?“, sprudelte er heraus.
Sie wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und erwiderte lächelnd: „Vielleicht.“
„Darf ich Sie in ein Café einladen?“, meinte er und bereute zugleich seine Frage, die ihm ungewollt über seine Lippen kam.
Sie lachte hell auf und zeigte ihre strahlenden Zähne. „Sie sind nicht nur verrückt, sondern auch ziemlich direkt.“
Er fühlte sich wie ein kleiner Junge, der etwas ausgefressen hatte. Nein, wie konnte er es wagen, einer Unbekannten seine Gefühle so zu offenbaren, um sich dann zum Gespött zu machen? „Entschuldigen Sie“, hauchte er mit kratzender Stimme und wendete sich von ihr ab. Ihm wurde heiß, als sie seine Hand nahm, zu ihm schmunzelnd hochblickte und leise sagte:
„Komm, lass uns eine Tasse Kaffee trinken!“
Und er ließ sich führen. Er fühlte ihren festen, warmen Händedruck und wusste, dass ihn diese kleine, freche und niedliche Frau gefangen hatte. Er spürte, wie sie öfters leicht seine Hand drückte und Glücksgefühle durchströmten ihn. „Aber nur auf einen Kaffee“, gurrte sie lächelnd, ließ seine Hand los und sah ihn schmunzelnd von der Seite an. „Ich lasse mich gerne führen“, bemerkte er zaghaft. Sie lachte hell auf.
Er war erleichtert, als sie bald darauf das Café König betraten, wo ihnen Melodien eines Geigers entgegenschlugen. An einem kleinen Ecktisch hatte er mit ihr Platz genommen. Als er über den Schaden sprechen wollte, schüttelte sie ihren Kopf und sagte leise: „Das lassen wir. Sie schicken mir einfach die Rechnung zu und ich begleiche sie.“ Sie winkte der Bedienung, bestellte eine Schwarzwälder Kirschtorte sowie ein Kännchen Kaffee, während er nur den Kaffee wollte. Er verstand sich selbst nicht mehr, weil er auf all ihre Fragen antwortete, während sie seinen Fragen auswich. Er wusste nur, dass er in diese Frau maßlos verknallt war und sein sehnlichster Wunsch war, sie wieder zu treffen.
Als der Geiger an ihren Tisch kam, neben ihnen stehen blieb und MY HEART WILL GO ON spielte, konnte er sich ihren blauen Augen nicht entziehen und sah, wie sie ihn mit einem verträumten Blick ansah. Diese Melodie der Titanic zog ihn in eine andere Welt und er musste ihre Hand ergreifen. „Glauben Sie wirklich an die große Liebe?“, hörte er sie leise fragen.
Das schrille Läuten des Telefons riß ihn wieder in die Gegenwart zurück. „Hallo altes Haus“, hörte er die Stimme seines langjährigen Freundes Patric Gruber. „Ich habe lange nichts mehr von dir gehört. Wie wäre es, wenn wir uns heute Abend zu einer Partie Schach treffen?“
Patric, mit dem er schon im Sandkasten gespielt hatte. Er, der seinen Reichtum mit Frauen und seiner Spielsucht heruntergewirtschaftet hatte. „Mir ist heute nicht danach zumute. Ich habe noch einiges zu erledigen. Ich melde mich morgen bei dir.“
„Dir ist nicht zu helfen“, vernahm er ihn ungehalten. „Also, wenn du meinst, dass du wie eine Maschine weitermachen musst, – dann bitte.“ Das Aufknallen des Telefonhörers verriet ihm, dass Patric verärgert die Verbindung abgebrochen hatte.
Langsam legte er den Hörer auf. Ja, er hatte Recht. Er war im Grunde genommen eine Arbeitsmaschine. Er dachte dabei an seinen Vater, der wie er ein reiner Arbeitsmensch war. Als er starb, hatte er acht Drogeriemärkte geerbt und dann auf fünfzehn erweitert. Mit Schwermut dachte er an ihn, zu dem er ein inniges Verhältnis besessen hatte, während er sich an seine Mutter nicht erinnern konnte. Dann starb er infolge einer Herzattacke. Ging es ihm bald genauso? Er fühlte sich in letzter Zeit sehr schlecht, hatte immer wieder diesen Druck im Brustkorb, war stets müde und musste sich jeden Tag zur Arbeit zwingen. Als er sich erheben wollte, verspürte er einen tiefen Schmerz in seiner Brust und alles schien sich um ihn zu drehen.
Er legte seine Pfeife ab, versuchte sich zu entspannen und alle negativen Gedanken zu verbannen. Als die Brustschmerzen nachließen und der Schwindel sich verzogen hatte, erhob er sich langsam und ging torkelnd aus seinem Büro. Ihm wurde klar, dass er seinen Stress abbauen musste. Er musste zum alten Professor Albert Kuhn gehen, zu dem auch sein Vater größtes Vertrauen besessen hatte, woraus später eine enge Freundschaft wurde.
Albert Kuhn, der als Krankenhausdirektor aus der Virchow Klinik ausgeschieden war, hatte sich danach noch in seinem Haus eine Arztpraxis eingerichtet. dachte David, als er an seiner Haustür klingelte. Der Türöffner klickte, er betrat das Haus und Albert Kuhn empfing ihn freundlich. „Komm herein“, forderte er ihn auf und klopfte ihm kräftig auf die Schulter. Er mochte ihn, war er doch auch ein guter Freund seines Vaters gewesen und wenn er an die gemeinsamen Ausflüge dachte, musste er unwillkürlich an ihn denken. Er saß ihm...




