E-Book, Deutsch, 266 Seiten
Learner Tremble - Endlose Lust
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95885-601-1
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Erotische Geschichten
E-Book, Deutsch, 266 Seiten
ISBN: 978-3-95885-601-1
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Tobsha Learner wurde in England geboren. Neben Großbritannien lebt sie heute zeitweise in den USA und Australien. Sie ist als Bühnenschriftstellerin und Autorin zahlreicher Romane international erfolgreich. Dabei bedient sie die Genres Erotischer Roman, Historischer Roman und Thriller. Von Tobsha Learner erschienen bei venusbooks: »Quiver - Erotische Begegnungen« »Tremble - Endlose Lust« »Climax - Gefährlicher Höhepunkt. Thriller«
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Der Regenmacher
Der Steppenläufer wurde von einer heißen Bö erfasst, als er die Hauptstraße von Sandridge herunterrollte, schlug auf den ausgebleichten Steintreppen der Kirche auf und schlang sich dann trotzig um eine alte, verbeulte Coladose, als ob er die Unterbrechung seines Höhenfluges übel nehmen würde.
In der kleinen ländlichen Gemeinde hatte es schon seit dreizehn Monaten nicht mehr geregnet, und der Weizen, der hinter den verrosteten Stacheldrahtzäunen wuchs, war verdorrt.
Der Tankstellenbesitzer, ein argwöhnischer Mittfünfziger, sah von seinem Mokka-Milchshake auf und aus dem Fenster des Diners. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite spähte die alte Witwe durch ihre Nylonvorhänge. Die beiden beobachteten, wie ein nagelneuer Ford Bronco, der im Sonnenlicht funkelte, in die Hauptstraße einbog. Es war der erste Besucher, den der Ort seit Monaten zu Gesicht bekommen hatte, und diese Stadt misstraute Fremden zutiefst.
Der Ford Bronco an sich war nicht weiter bemerkenswert, bis auf die Tatsache, dass er einen 1960er-Airstream-Wohnwagen hinter sich herzog. Der silberfarbene Anhänger mit seinen geschwungenen Formen schimmerte wie ein vergessenes Utensil aus einem alten Science-Fiction-Film. Doch es war die Bemalung an seiner Seite, die das Gefährt ausgesprochen exotisch erscheinen ließ: ein knalliger Regenbogen über einer grauen Wolke, aus der es in blauen, glitzernden Strömen regnete. Darüber prangte stolz in Rot und Gold das handgeschriebene Wort »Regenmacher«.
Hinter seinem Steuer blickte Jacob Kidderminister an der Fassade des Rathauses hinauf.
Alles wie gehabt: die gleichen altmodischen Häuser und in etwa dieselbe Größe, dachte er, nachdem er das Ortsschild passiert hatte, auf dem stolz die Einwohnerzahl von Sandridge vermerkt war: Fünfhundert Seelen, Tendenz steigend. Irgendjemand hatte das Wort »weiße« zwischen »Fünfhundert« und »Seelen« gekritzelt. Angewidert schüttelte Jacob den Kopf. Wenn es etwas gab, das er mehr hasste als Dürre, dann war es Rassismus. »Willkommen im Paradies«, sagte er bitter zu sich selbst.
In diesem Augenblick erhob sich ein Truthahngeier aus einem nahe gelegenen Baum und flatterte träge über die Straße, um sich schließlich auf einem Straßenschild niederzulassen. Zischend senkte er seinen Kopf in Jacobs Richtung. Dieser kurbelte die Scheibe herunter und rief: »Hallo, Vögelchen.«
Die Kreatur starrte ihn unverwandt an, als ob sie in Jacob läse wie in einem offenen Buch. Plötzlich wandte der Vogel den Kopf und fixierte einen Baum auf der anderen Straßenseite. Jacob folgte seinem Blick und entdeckte im Geäst Dutzende von Staren, die schweigend zu ihm herübersahen.
Unvermittelt stellten sich ihm die Nackenhaare auf – noch nie hatte er während einer Dürre so viele Stare gesehen. Er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Vögel auf ihn gewartet hatten. Der Truthahngeier flog davon, und im gleichen Augenblick erhob sich unter lautem Flügelschlagen auch der Starenschwarm in die Lüfte. In einem tiefen Bogen flog der Raubvogel auf die Kirche zu, die Stare folgten ihm in einem dichten Pulk und verschwanden dann im Glockenstuhl.
Jacob betrachtete die Kirche. Das Gebäude war umgeben von einer mit Stacheldraht gekrönten Ziegelmauer; ein entschieden unchristlicher Anblick. An dem großen Eisentor prangte ein Schild mit der Aufschrift: »Arische christliche Gemeinde, Oklahoma«. Groll stieg in Jacob auf, schon früher einmal war er durch eine »Arische Gemeinde« gekommen – eine Kleinstadt, einige hundert Meilen von hier entfernt. Ein ziemlich übler Haufen von bigotten Zeitgenossen war das gewesen, und Jacob hatte sich gezwungen gesehen, den Ort Hals über Kopf zu verlassen, nachdem sie einen seiner Kojoten lebend ans Kreuz geschlagen hatten.
Alles in ihm schrie danach, hier und jetzt die Flucht zu ergreifen. Doch als er zum Turm hinaufblickte und sah, wie sich die Sonne in der Messingglocke spiegelte, rief er sich ins Gedächtnis, dass sich Hoffnung und Schönheit selbst noch am finstersten Ort fanden. Und so hörte der Regenmacher das erste Mal im Leben nicht auf seine innere Stimme.
Er strich sich das lange kastanienbraune Haar aus dem Gesicht und legte die Stirn aufs Lenkrad. Er war der Typ Mann, der erst auf den zweiten Blick wirkte. Sein empfindsames Gesicht hatte etwas Satyrhaftes, das auf sein Gegenüber wirkte wie ein kaum wahrnehmbarer Duft. Mit anderen Worten: Die Frauen fanden ihn unwiderstehlich, die Männer abscheulich.
Mit seinen sechsundvierzig Jahren befand sich Jacob auf dem Höhepunkt seiner Macht. Allerdings fühlte er sich im Augenblick alles andere als mächtig. Er war erschöpft. Schon zwanzig Jahre war er nun unterwegs, von einem Kaff zum anderen, von einem Staubloch zum nächsten, immer dort zur Stelle, wo man gerade seiner Dienste bedurfte – doch egal, wohin er auch kam, stets hatte man ihn letztlich aus der Stadt gejagt.
Eine undankbare Aufgabe, die ich da übernommen habe, dachte er, eine Gabe, die zum Fluch geworden ist.
Das Regenmachen war eine Begabung, mit der er schon zur Welt gekommen war, ein Talent, das von Generation zu Generation weitervererbt wurde. Sein Vater, ein Rutengänger, war berühmt dafür gewesen, noch in den entlegensten Gegenden Amerikas Wasser zu finden. Jacob hatte den alten bärtigen Mann oft dabei begleitet, wenn dieser wie ein Besessener mit zuckender Astgabel über ausgetrocknete Wasserrinnen und durch Schluchten gekraxelt war, nicht selten mit einer ungläubigen, spöttelnden Masse im Schlepptau. Und eben diese Farmer, Grundstücksmakler oder Erzschürfer waren es gewesen, die Stunden später mit offenem Mund darüber staunten, dass die Probebohrung einen Quell frischen klaren Wassers an eben der Stelle zutage förderte, die der Wünschelrutengänger vorausgesagt hatte. Jacob hatte nie begriffen, warum sein Vater nicht geblieben und sich die wohlverdiente Belohnung abgeholt hatte, sei sie nun finanzieller oder anderer Art. Doch später, als Jacob älter und selbst mit dieser Gabe unterwegs war, hatte er verstanden, dass sein Vater einfach nicht in der Lage gewesen war, länger als nötig an ein und demselben Ort zu verweilen.
Sobald ein Rutengänger Wasser gefunden hatte, wurde er von einer merkwürdigen Unruhe erfasst, und er musste sich einer neuen Herausforderung stellen. Es war wie ein Joch, das Jacobs Familie seit Generationen fest im Griff hatte.
Moon, das silbergraue Kojotenweibchen neben ihm, winselte. Sie waren nun schon seit Stunden ohne Unterbrechung gefahren, und sie brauchte dringend ein bisschen Bewegung.
»Okay, Mädchen, hab verstanden. So wollen wir denn willkommen heißen, was in den nächsten Wochen unsere Heimstätte zu werden verspricht.« Mit tiefem Weltschmerz, der in jedem schmerzenden Muskel seines Körpers zu stecken schien, öffnete Jacob die Wagentür und stieg aus.
Eine Weile starrte er hinauf zum wolkenlosen Himmel, wischte sich schließlich die schweißnassen Hände an der Rückseite seiner verknitterten Lederhose ab und machte sich auf in Richtung Rathaus.
Die Tür war verschlossen. Er drehte sich um und ließ den Blick über die Straße wandern. Obwohl niemand zu sehen war, konnte er spüren, wie sich von überall her verstohlene Blicke auf ihn richteten, die ihm förmlich Löcher ins Hemd brannten.
»Glotzt ihr nur, doch ich bin der Alchimist, und eure Welt wird nie mehr so sein, wie sie einmal war«, murmelte er trotzig, nur um dann zu erkennen, dass es ihm gänzlich an Begeisterung mangelte. Leise seufzend schob er seine Visitenkarte unter den Messinghandgriff und pfiff nach seinem Kojoten.
In seinem Ford Bronco fuhr Jacob weiter zum Trailerpark am Ende der Stadt. Williams, der Prediger, sah ihm aus seinem kleinen Büro neben der Kirche nach. Der schmallippige, gebückte Mann mit den eingefallenen Wangen hegte eine tiefe Verachtung für alles, was auch nur entfernt nach kultischen Bräuchen oder sonstigen nicht-christlichen Handlungen roch. Er war überzeugt, dass alles Teuflische, die Verderbtheit der menschlichen Seele, sich schleichend, aber unbestreitbar seinen Weg in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gesucht hatte und nun auch das 21. Jahrhundert geißelte. Eine Verderbtheit, die den gesamten Planeten erfasst hatte und die er mit allen Mitteln von seiner Gemeinde fernzuhalten suchte.
»Regenmacher, dass ich nicht lache«, murmelte der Prediger und griff nach dem Telefon, wobei für einen Moment das feuerrote Muttermal an seinem Handrücken sichtbar wurde.
Chad Winchester, der inmitten eines verdorrten Feldes auf einem Traktor saß, hörte sein Handy klingeln, konnte sich aber nicht erinnern, wo er es hingelegt hatte. Tatsächlich war der untersetzte Bürgermeister abgelenkt – immerhin hatte Abigail Etterton, Weizenfarmerin und die wohl bezauberndste Witwe im ganzen Staat, gerade seinen erigierten Penis in ihrem wunderschönen Mund. Zärtlich sah Chad auf Abigail hinunter, die sich nun hingebungsvoll seines rotglänzenden Phallus annahm. Sie waren jetzt schon über zwei Jahre ein Liebespaar, und mehr als einmal hatte er darüber nachgedacht, sich wegen ihr von seiner Frau scheiden zu lassen. Doch politische Notwendigkeiten hatten die Gebote der Liebe stets überwogen. Er stöhnte leise auf und bedauerte diese Situation zutiefst. Sandridge war eine überaus religiöse Stadt, und seine Gattin Cheri, 1976 Cheerleaderin der Sandridge High und Vorsitzende des Verbands der Weizenfarmer-Ehefrauen Oklahomas, war eine äußerst beliebte Frau. Eine Frau indes, die noch nie in ihrem Leben einen Orgasmus gehabt hatte; ein Missstand allerdings, an dem Chad nicht vorhatte, irgendetwas zu ändern.
Sein eigener Höhepunkt drohte ungewöhnlich lasch auszufallen, woran das klingelnde Handy nicht ganz unschuldig war. Der Gedanke,...




