E-Book, Deutsch, 244 Seiten
Learner Quiver
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95885-613-4
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Erotische Begegnungen
E-Book, Deutsch, 244 Seiten
ISBN: 978-3-95885-613-4
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Tobsha Learner wurde in England geboren. Neben Großbritannien lebt sie heute zeitweise in den USA und Australien. Sie ist als Bühnenschriftstellerin und Autorin zahlreicher Romane international erfolgreich. Dabei bedient sie die Genres Erotischer Roman, Historischer Roman und Thriller. Von Tobsha Learner erschienen bei venusbooks: »Quiver - Erotische Begegnungen« »Tremble - Endlose Lust« »Climax - Gefährlicher Höhepunkt. Thriller«
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Die Frau, die gefesselt und vergessen wurde
Sandra und Brian sind ein Ehepaar mittleren Alters. Sandra ist eine attraktive Blondine mit energischer Ausstrahlung. Sie arbeitet schon seit langem als Architektin, und wie viele Menschen, die früh ihren Traumjob gefunden haben, ist sie heute, dank gesicherter Auftragslage und kluger Immobilieninvestitionen, mehr als wohlhabend.
Brian verdient sein Geld mit Kieferorthopädie und hat seinen Platz zwischen Zahnfüllungen, Metalldrähten und Kunststoffkronen gefunden. Seine Kunden sind die reichen Matronen aus Double Bay, die in seinem Wartezimmer die Hände ihrer hasenzahnigen Sprößlinge halten und den Anblick von Brians Zahnarztkittel seltsam tröstlich finden.
Sandras und Brians Liebesspiel folgt einer gewissen Routine. Es beginnt mit einer Reihe von Signalen. Das erste kommt von Sandra, die sich nach einem ausgedehnten Hautpflegeprogramm ihr Flanellnachthemd anzieht. Das Nachthemd erinnert sie an vergangene Internatszeiten; es gibt ihr das Gefühl, ungezogen zu sein. Dann läßt sie sich auf dem Bett nieder und schaltet die Nachttischlampe aus. Brian, der seine Baumwollshorts trägt, folgt gehorsam ihrem Beispiel und macht dasselbe.
Das zweite Signal besteht darin, daß Sandra unvermittelt ihr Bein über Brians Körper legt, wobei sie wie beiläufig seine Penisspitze berührt. In der nachfolgenden Stille schwingt sich Sandra auf den willigen Brian und bewegt sich solange mit energischen rhythmischen Bewegungen hin und her, bis sie ihren Höhepunkt erreicht. Brians Orgasmus, der sich durch ein hohes Wimmern bemerkbar macht, folgt gewöhnlich eine Sekunde danach. Anschließend steht sie auf, um sich die Zähne zu putzen.
Sandra ist größer als Brian und gefällt sich in der dominanten Rolle. Brian gefällt sich darin, zu glauben, daß er gerne beherrscht wird. Darin besteht das Gleichgewicht ihrer Beziehung.
Sandra hat an einer Ausschreibung des Sydney City Councils für die Gestaltung eines Museums teilgenommen, in dem die Geschichte der australischen Feuerwehr seit der Kolonialzeit nachgezeichnet werden soll. Monatelang hat sie an ihrem Entwurf gearbeitet. Heute Abend wird der Stadtrat seine Entscheidung verkünden.
Sandra und Brian haben sich für die Oper angezogen: Brian trägt einen leichten Sommeranzug in unvorteilhaftem Beige, Sandra hat sich in rosafarbenen Organza gehüllt. Sandra sitzt wartend am Telefon. Die Hitze läßt ihre Haut glänzen. Ein Ventilator weht ihr das Haar aus dem Gesicht. Ihre Mappe liegt aufgeschlagen auf dem Schreibtisch. Ihr Museumsentwurf zeigt eine Komposition aus üppigen, geschwungenen roten Bögen und kargen Schornsteinen, die vor einem düsteren Himmel in die Höhe ragen. Die Zeichnung erinnert an Feuer – als kämpfe das Gebäude selbst mit den Elementen.
Das Telefon klingelt. Sie springt auf und reißt den Hörer hoch. Brian geht zur Hausbar, um seiner Frau einen Scotch zu holen, den sie – wie auch immer die Entscheidung ausgefallen ist – brauchen wird. Er beobachtet sie, während er einschenkt. Ihr Gesichtsausdruck ist unbewegt, maskenhaft, nur ein leichter Schweißfilm auf ihrer Haut verrät sie. Sie antwortet dem Mann am anderen Ende der Leitung mit kurzen, höflichen, bestätigenden Worten. Gerade diese kühle Selbstbeherrschung ist es, die Brian so unglaublich erotisch findet. Er sieht zu, wie die Eiswürfel in den Scotch plumpsen und darin herumschwimmen.
Er reicht ihr das Glas. Sie legt den Hörer langsam nieder und kippt den Drink in einem Zug hinunter. Anschließend schleudert sie das Glas gegen die weiße Wand, nur knapp an Brians Kopf vorbei.
»Ich hab' ihn! « In einer Wolke aus rosafarbenem Organza tanzt sie um den Ventilator herum. »Ich hab' ihn! « Brian erinnert sie behutsam daran, daß sie ursprünglich in die Oper gehen wollten.
Als sie dort eintreffen, hat die Vorstellung gerade begonnen. Es handelt sich um eine Aufführung von Humperdincks Hänsel und Gretel. Der Regisseur hat bedauerlicherweise einen schaurigen Alptraum großen Ausmaßes geschaffen. Von ihrem Platz aus betrachtet Sandra den Tenor, der auf einem gigantischen Stuhl sitzt; seine Füße baumeln zwanzig Zentimeter über dem Boden, seine blonden Locken und die pink angemalten Lippen wirken lächerlich. Die Hexe trällert schrill vor sich hin, während sie seine Fuß- und Handgelenke an die hölzernen Streben des Stuhles bindet. Als der letzte Knoten festgezurrt wird, spürt Sandra, wie sich eine merkwürdige Hitze in ihrem Unterleib ausbreitet. Sie schaut zu Brian hinüber, der sich mit gerötetem Gesicht vorbeugt, während seine Zunge in der Lücke zwischen seinen Schneidezähnen herumnestelt. Sie wendet sich wieder dem Geschehen auf der Bühne zu. Die Beine des Opernsängers sind gespreizt und mit pinkfarbenen Bändern an den Stuhl gefesselt. Vielleicht ist es die eben erhaltene Zusage, die Sandra so ungewöhnlich aufwühlt. Vielleicht ist es die Feuchtigkeit, die wie Dunst über dem Publikum hängt. Sandra empfindet die Szene auf der Bühne plötzlich als ungeheuer erregend.
In der Dunkelheit nimmt Brian ihre Hand und legt sie auf seine beginnende Erektion. Die Hexe wirft den Kopf zurück und fängt an zu singen, den angemalten Mund weit aufgerissen. Brian erreicht unter Sandras geschickten Fingern einen pulsierenden Höhepunkt.
Am nächsten Abend bringt er pinkfarbenes Band mit nach Hause.
Später liegt Sandra mit schmerzenden Hand- und Fußgelenken da und läßt die Wärme abklingen, die ein Orgasmus, dessen Heftigkeit für sie selbst überraschend war, in ihrem Körper erzeugt hat. Plötzlich erkennt sie, daß sie eine Grenze überschritten haben, daß etwas passiert ist, was das Gleichgewicht ihrer Beziehung durcheinandergebracht hat. Sie wirft Brian, der ihr den Rücken zugekehrt hat, einen Blick zu. Seine Haut glitzert schweißnaß.
Sandras Auftrag beginnt allmählich, ihrer beider Leben zu bestimmen. Wie besessen arbeitet sie. Je mehr Einzelheiten ihres Entwurfs auf dem Papier entstehen, desto intensiver spürt sie jede Faser ihres Körpers, ihre Muskeln, spürt, wie ihre Säfte vor Erwartung zäher fließen. Der schwere Stift, mit dem sie die Umrisse des Gebäudes nachzeichnet, erinnert plötzlich an einen Penis, ein gezirkelter Kreis läßt sie an ihre Brüste denken. Jede ihrer Körperöffnungen sehnt sich danach, gefüllt zu werden. Sie möchte die Kontrolle verlieren. Verantwortung abgeben.
Jeden Abend, nach stundenlangem Entwerfen und ermüdenden Diskussionen, gibt sie sich Brians Fesselkünsten hin. Er hat die Kontrolle über ihren Körper – dehnt sie, öffnet sie –, bringt sie zum Schreien, während die Nachtluft durch die offene Balkontür dringt und gedämpfte Rufe und die Sirenen der Feuerwehrwagen zu ihnen hereinträgt.
Sandra besucht Brian während seiner Mittagspause. Atemlos taucht sie bei ihm in der Praxis auf. Brian, der das Klackern ihrer Stilettos auf den Betonstufen der Feuertreppe erkennt, schickt seine Assistentin fort. Immer noch in seinem Zahnarztkittel führt er Sandra zum Behandlungsstuhl. Er fesselt ihre Hände und Füße an den metallenen Rahmen und drückt ihr vorsichtig einen Knebel in den Mund. Er nimmt das Skalpell und durchtrennt den Zwickel ihrer Nylonstrumpfhose. Kniend läßt er den Stuhl hochfahren, bis ihr Schritt beinahe auf seiner Augenhöhe ist, dann zerschneidet er vorsichtig ihre weiße Unterwäsche. Mit zitternden Fingern schiebt er den Stoff zur Seite, um ihr Gold, wie er die dichte Matte aus blondem Schamhaar und ihre Möse nennt, freizulegen. Zu den Klängen Strawinskys spreizt er ihre Schamlippen und beginnt sehr langsam mit einer winzigen Schere die Locken um ihre Öffnung wegzuschneiden, bis die rosafarbenen Lippen unter der Hitze der Dentistenlampe leuchten. Brian hält inne. Sandra ist verändert. Sie bebt leicht unter seinen Fingern. Ihre Augen sind weit aufgerissen. Das einzig sichtbare Fleisch ist ihre Vulva. Brian streicht leicht über ihre Klitoris. Sie schwillt dunkelrot an. Sandra genießt ihre Hilflosigkeit. Brian, der diese stumme, gefügige Sandra nicht gewohnt ist, steckt eine kleine Bürste auf den Bohrer. Er bückt sich, hält mit einer Hand die Schamlippen auseinander und liebkost die Spitze ihrer Klitoris mit der surrenden Bürste, bis Sandra, noch immer gefesselt und geknebelt, sich windet, um Gnade wimmert und schließlich kommt.
Brians Sperma trocknet an der Innenseite seines Oberschenkels. Sandra nimmt eine neue Strumpfhose aus ihrer Handtasche und zieht sie vorsichtig über ihre vollen, festen Beine. Sie benutzt die spiegelnde Oberfläche der Overhead-Lampe, um ihre Lippen nachzuziehen und ihre Frisur zu richten, die unversehrt ist, bis auf ein paar Locken, die schweißnaß an ihrer Stirn kleben. Sie streicht sich das konservative graue Kostüm glatt, klemmt die Mappe unter den Arm und macht sich auf den Weg zu ihrer Besprechung mit dem Sydney City Council.
Brian steht am Fenster und schaut ihr hinterher. Er spürt, wie er erneut Lust bekommt. Wer würde schon auf die Idee kommen, daß diese Frau, diese dynamische, extrem beherrschte Frau, ihm gehört? Diese Frau, die noch vor einer Minute vollkommen in seiner Gewalt war?
Die Zeit wird knapp. Sandra kommt meistens erst nach elf Uhr nach Hause. Sie streift ihre Kleider ab und bricht, noch in Unterwäsche, erschöpft auf der Bettdecke zusammen. Brian liegt mit offenen Augen neben ihr und spürt ihren Atem. Er möchte sie anfassen, doch das ist nun verboten. Ein Teil von ihm beginnt, sie dafür zu hassen, daß sie ihn ausschließt.
Je näher der Termin zur Fertigstellung des Gebäudes rückt, desto geistesabwesender und besessener wird Sandra. Konversation findet so gut wie nicht mehr statt. Sandra kann nur noch über Arbeit, Betongießen und Fundamente reden. Brian hat das Gefühl, als wäre er unsichtbar geworden, zu vollkommener...




