Learner | Die Hexe von Köln | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 633 Seiten

Learner Die Hexe von Köln

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96148-311-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 633 Seiten

ISBN: 978-3-96148-311-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine Frau kämpft gegen die Fesseln ihrer Zeit: der Historische Roman 'Die Hexe von Köln' von Tobsha Learner jetzt als eBook bei dotbooks. Köln im 17. Jahrhundert. Jeden Tag kann es so weit sein - das Schicksal der jungen Ruth hängt an der Nabelschnur eines jeden Neugeborenen: Als Hebamme kann ihr jeder Fehler zum Verhängnis werden. Die schöne Jüdin hat in Holland Medizin studiert und weiß, was sie tut - doch obwohl sie viele Leben rettet, bringen ihre fortschrittlichen Methoden sie in größte Gefahr. Als der spanische Inquisitor sie der Hexerei anklagt, droht Ruth der Tod auf dem Scheiterhaufen. Doch ein letzter Hoffnungsschimmer bleibt ihr noch: der katholische Geistliche Detlef von Tennen, der sie liebt. Aber ist er bereit, alles für sie zu riskieren? 'Eine rasante und wunderschön geschriebene Geschichte.' The Booklover 'Ein wahrer Page-Turner und eine Hymne an die Freiheit des Geistes!' Publishers Weekly Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Die Hexe von Köln' von Tobsha Learner. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Tobsha Learner wurde in England geboren. Neben Großbritannien lebt sie heute zeitweise in den USA und Australien. Sie ist als Bühnenschriftstellerin und Autorin zahlreicher Romane international erfolgreich. Dabei bedient sie die Genres Erotischer Roman, Historischer Roman und Thriller. Von Tobsha Learner erscheinen bei dotbooks: »Quiver - Erotische Begegnungen« »Tremble - Endlose Lust« »Climax - Gefährlicher Höhepunkt. Thriller« »Die Hexe von Köln. Historischer Roman«
Learner Die Hexe von Köln jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


KÖLN, JANUAR 1665


Die Schwangere krümmt sich, als die Wehen einsetzen, und schreit vor Schmerz. Schweißperlen stehen ihr auf der Stirn. Im flackernden Kerzenlicht ähnelt ihr verzerrtes Gesicht dem der Figur, die über dem Himmelbett hängt: die heilige Ursula, Schutzpatronin der Stadt Köln, die einst als Jungfrau den Märtyrertod erlitt.

»Tief atmen!«

Die Hebamme Ruth bas Elazar Saul, Tochter des obersten Rabbis von Deutz, reibt den prallen Bauch behutsam mit einer Salbe aus Lilienöl, Osterluzei und Safran ein.

»Atmen Sie, das lindert die Schmerzen!«, mahnt sie. Eine Haarsträhne fällt ihr ins Gesicht, die unter ihrer Damasthaube mit zwei Spitzen, der charakteristischen Kopfbedeckung jüdischer Frauen, herausgerutscht ist. Als sie sich vorbeugt, um die Lage des Kindes zu prüfen, heben sich die beiden Spitzen vor der dunklen Wand wie Silhouetten von Hörnern ab.

Die Hebamme lässt ihre Finger in die stöhnende Frau gleiten und untersucht, wie weit sich der Muttermund geöffnet hat. Ihre Gehilfin Miriam, eine unscheinbare Fünfzehnjährige, tupft der Gebärenden die Stirn ab und sieht Ruth besorgt an. Über zwanzig Stunden dauern die Wehen nun schon an, und das Kind hätte längst kommen müssen. Miriam, die sich der Konsequenzen für eine jüdische Hebamme, falls bei der Niederkunft einer reichen Katholikin etwas schief geht, nur allzu bewusst ist, deutet verstohlen mit dem Kopf auf die Geburtshaken: drei gebogene Stahlinstrumente am Herd, die sich im Schein des Feuers bedrohlich ausnehmen. Sie sind das letzte Mittel, um notfalls das Kind am Kopf zu packen und herauszuziehen.

»Nein, Miriam, noch nicht«, beantwortet Ruth die stumme Frage.

Die junge Frau zuckt plötzlich zusammen. Die violetten Adern auf ihrem gewaltigen Bauch spannen sich, als sie sich an die Bettpfosten hinter ihrem Kopf klammert. Ruth untersucht die Lage des Kindes und versucht, mit ihren langen Fingern die Wölbung des Köpfchens, die kleinen Knoten der Wirbelsäule und die Fußknochen zu ertasten. Mit der hohlen Hand umfasst sie das kleine Gesäß, das zum Muttermund weist. Sanft massiert sie das Kind, damit es sich dreht, aber es weigert sich hartnäckig.

»Steißlage«, raunt Ruth Miriam zu, deren Augen sich vor Schreck weiten.

Die Hebamme wendet sich vom Bett ab und öffnet eine Ledertasche von eigentümlicher orientalischer Machart, die auf der Vorderseite mit einem einzelnen hebräischen Buchstaben verziert ist. Sie kehrt der Frau den Rücken zu und holt ein Rauchglasgefäß mit einem graugrünen Pulver hervor.

Sie geht in die Knie und beginnt, die Asche vorsichtig in einem großen Kreis um die niederkommende Frau und ihre Helferin auf dem Boden zu verstreuen. Während sie den Kreis mit der linken Hand auslegt, murmelt sie die hebräischen Namen der drei Engel – Snwy, Snsnwy und Smnglf.

Obwohl Ruth sehr konzentriert arbeitet, steigt leichte Panik in ihr auf. Es muss Lilith sein, vermutet sie, die ihre Ängste schüren will. Lilith: die Dämonin, die Neugeborene erdrosselt und Müttern bei der Geburt das Leben raubt. Die geheime Verkörperung all ihrer Ungewissheiten und Zweifel, all ihrer Sehnsüchte; das nebulöse Phantom, von dem sie verfolgt wird, seit sie als kleines Mädchen sah, wie ihre Mutter bei ihrer zweiten Niederkunft starb. Ruth glaubt zu spüren, wie sich die Luft über ihr bewegt; sie kann die unsichtbare Anwesenheit des Bösen fast fühlen, kann den schwefeligen Atem fast riechen, der ihr über die linke Schulter weht.

Das sind unvernünftige Gedanken!, schilt die Hebamme und besinnt sich auf die nüchterne Klarheit ihrer medizinischen Kenntnisse, um die Furcht zu verjagen, die sich in ihrem Inneren auszubreiten droht. Aber das Bild der Dämonin lässt sich nicht vertreiben: Die große Verführerin, deren verschwommene Umrisse Ruth aus den Augenwinkeln wahrzunehmen glaubt, scheint sie aus jeder Ecke des mit dunklem Holz getäfelten Zimmers anzustarren.

Von draußen ertönt der unheimliche Ruf einer Schleiereule. Und plötzlich taucht in der grauen Dämmerung ein weiß gefiederter Kopf mit großen Augen vor dem Fenster auf, und die Eule fliegt blindlings gegen die Scheibe. Liliths Totem – das Tier, in das sie sich verwandelt, um an den Brüsten kleiner Kinder oder den Zitzen von Ziegen zu saugen. Miriam kauert neben dem Bett und greift verängstigt nach dem Davidstern, der unter dem Kleid versteckt an ihrem Hals baumelt. Ruth bezwingt ihre Angst und fährt beharrlich mit dem Schutzzauber fort.

Einen Augenblick später huscht ein langer Schatten über die Zimmerdecke. Die niederkommende Frau schreit und bäumt sich vor Schmerz auf. Nur mit Mühe gelingt es Miriam, sie im Bett festzuhalten. Entschlossen beißt Ruth die Zähne zusammen und vollendet den Kreis, während sie ihre Beschwörungsformel immer lauter spricht. Graue Ascheflocken vereinigen sich, als sie endlich den Schutzkreis schließt. Mit einem Seufzer der Erleichterung richtet sie sich auf. Nun hat sie alle erdenklichen Vorkehrungen getroffen, die spirituellen ebenso wie die medizinischen.

Sie geht zur Waschschüssel, um sich die Hände zu waschen, und betritt die an das Schlafgemach grenzende kleine Kammer.

Meister Franz Brassant erhebt sich. Er ist ein großer Mann Anfang fünfzig und mindestens fünfundzwanzig Jahre älter als seine Frau. Dennoch ist er modisch gekleidet wie ein Junger: Er trägt ein Seidenhemd mit bestickter Samtweste, dazu Kniehosen mit Spitzenbesatz – die Kleidung eines wohlhabenden Bürgers. Brassant sitzt als Gaffelmitglied im Rat und unterhält gute Beziehungen zu den vier einflussreichsten Kaufmannsfamilien von Köln.

»Wie geht es ihr?« Ein Geruch nach kaltem Schweiß und Angst steigt aus seinen Kleidern, die von der hastigen Heimfahrt durch den Regen noch dampfen.

Für lange Erklärungen fehlt die Zeit, und so beschließt Ruth, auf die Intelligenz des Mannes zu vertrauen, der vor ihr steht. Sie sieht ihm fest in die Augen und registriert die große Beklommenheit in seinem Blick.

»Ich muss schneiden«, antwortet sie ohne Umschweife.

Schockiert hält Meister Brassant die Luft an. Seine Hände tasten nach dem Rosenkranz seiner Frau aus Korallen und Silber, den er sich um den dicken Hals geschlungen hat. »Für gewöhnlich würde ich einer Jüdin nicht gestatten, meine Frau zu berühren. Nicht einmal ins Haus lassen würde ich sie. Aber man sagt, du bist die Beste im ganzen Rheinland.«

»Ich bin eine ausgebildete Hebamme, keine Wundertäterin.«

»Nicht an Wunder zu glauben ist Blasphemie.«

»Ich glaube an die scientia nova, Meister Brassant. An das Wissen und die Natur. Das sind für mich die Kräfte, die sich bewährt haben.«

»Beten und Glauben sind die Aufgaben des Menschen. Aller Menschen.«

»Wir vergeuden kostbare Zeit. Wenn wir uns nicht beeilen, erstickt das Kind und Ihre Frau stirbt.«

Brassant starrt die kleine, dunkelhaarige und seltsam Respekt einflößende Person an, die vor ihm steht. Einer Frau solchen Schlages ist er noch nie begegnet, und nun soll er das Schicksal seiner jungen Gattin und seines Kindes in ihre Hände legen! Sein Blick bleibt an dem goldenen Halbmond hängen, der an Ruths Hals baumelt – das Zeichen Spaniens. In ihren Adern muss sephardisches Blut fließen. Sofort ist ihm wohler: Mit den spanischen Juden in Amsterdam hat er schon Geschäfte gemacht, ihnen vertraut er.

»Ich gebe meine Erlaubnis. Aber wenn sie stirbt, oder das Kind, dann stirbst auch du.«

Ruth zeigt sich unbeeindruckt; ihre einzige Sorge gilt der jungen Frau. Sie nickt und macht äußerlich ungerührt einen Knicks, der keine Unterwürfigkeit erkennen lässt.

»Ich werde jedenfalls beten«, sagt Brassant noch, als die Hebamme wieder im Schlafgemach verschwindet. In diesem Augenblick schreit die Niederkommende laut auf. Schaudernd bekreuzigt sich der Goldhändler und küsst den Rosenkranz. Er hat bereits zwei Frauen und vier Kinder verloren und fürchtet sich vor einem neuerlichen Verlust.

Er sinkt auf die Knie und macht sich bereit, mit Gott bis zum Äußersten zu feilschen. Immerhin hat er erst im vergangenen Monat hundert Reichstaler für seine Sünden bezahlt, obwohl er Erzbischof Maximilian Heinrich höchst ungern etwas stiftet, der für ihn – und die meisten seiner Mitbürger – eher ein nicht vertrauenswürdiger politischer Gegner ist als ein geistlicher Führer. Die Zeiten sind reichlich verdreht, denkt Brassant, wenn man darauf hoffen muss, dass einem von einer jüdischen Hexe und einem zwielichtigen Franzosensympathisanten im golddurchwirkten Gewand geholfen wird.

Das chirurgische Messer aus Kupfer, das Ruth selbst gefertigt hat, liegt in einem Kessel mit kochendem Wasser, der über dem kleinen Kaminfeuer hängt. Es riecht intensiv nach verbrannten Gewürznelken. Der persönliche Arzt von Meister Brassant hat darauf bestanden, das kleine Schlafgemach einzuräuchern, denn er hält an dem christlichen Aberglauben fest, der Duft vertreibe die bösen Geister, die die Seele des Kindes stehlen wollen, wenn es auf die Welt kommt. Die Hebamme hat Medizin in Amsterdam studiert – in einer Stadt, die bekannt ist für ihre Fortschritte in der neuen Wissenschaft – und hegt ihre Zweifel. Aber kürzlich hat ihr alter Mentor Dirk Kerckrinck ihr einen Aufsatz mit der Theorie geschickt, dass sich Krankheiten über den unsichtbaren Äther verbreiten, mit dem die Luft gefüllt ist. Wegen dieser Hypothese nimmt sie die schwelenden Kräuter des Doktors hin, auch wenn sie einem fast den Atem rauben. Abgesehen davon käme es ihr ziemlich scheinheilig vor, dem Mediziner seine Marotten nicht zu gestatten, wenn sie selbst sich als Vorsichtsmaßnahme auf die alten Lehren beruft.

Ruth betritt wieder den Schutzkreis aus Asche und tastet die Frau zwischen den Schenkeln ab. Das Kind...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.