E-Book, Deutsch, 366 Seiten
Learner Climax. Gefährlicher Höhepunkt
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95885-614-1
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein erotischer Thriller
E-Book, Deutsch, 366 Seiten
ISBN: 978-3-95885-614-1
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Tobsha Learner wurde in England geboren. Neben Großbritannien lebt sie heute zeitweise in den USA und Australien. Sie ist als Bühnenschriftstellerin und Autorin zahlreicher Romane international erfolgreich. Dabei bedient sie die Genres Erotischer Roman, Historischer Roman und Thriller. Von Tobsha Learner erschienen bei venusbooks: »Quiver - Erotische Begegnungen« »Tremble - Endlose Lust« »Climax - Gefährlicher Höhepunkt. Thriller«
Autoren/Hrsg.
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PROLOG
Der rote Himmelskörper beschrieb unberührt, beinahe jungfräulich seine Bahn; in unschuldigem Schlummer rotierte der Mars in seinem Orbit. Doch eine Sekunde später zeigte sich ein Objekt auf dem Monitor, das sich durch die wehrlosen Schichten der Atmosphäre bohrte. Mit einer Geschwindigkeit von zehn Meilen pro Sekunde – zusätzlich beschleunigt durch die Gravitationskräfte des Planeten – schoß es an der weißen Polkappe vorüber, bevor es für einen Augenblick zu verharren schien, um gleich darauf in die gleichgültige und doch so verletzliche Oberfläche einzuschlagen. Vier Sekunden später löste der Nuklearsprengkörper, ein schweres Zehn-Tonnen-Geschoß, eine Explosion aus, die um das Hundertfache stärker war als die der Hiroshima-Bombe. Weitere drei Sekunden vergingen, bevor eine träge Flutwelle aus geborstenem Eis und nebelhaftem Dunst sich majestätisch über den Planeten verbreitete. Leise lächelnd lehnte sich Sarah auf ihrem Stuhl zurück. Sie liebte es, Gott zu spielen.
Sarah Kavish arbeitete als Wissenschaftlerin für ein Terraformingprojekt, das der NASA unterstellt war. Terraforming war – wie sie immer und immer wieder erklären mußte – die Kunst, eine lebensspendende Atmosphäre auf einem fremden Planeten zu schaffen.
Der Mars war zweifellos der vielversprechendste Kandidat, verfügte er doch über gewaltige Wassermassen und Kohlendioxid, das in festem Aggregatzustand tiefgefroren unter den Polkappen gefangen war. Das erste Ziel der Terraformer war es, den Südpol des roten Planeten so weit zu erwärmen, daß das eingeschlossene CO2 freigesetzt wurde und in die Atmosphäre eintrat. Diese Initialzündung würde einen Treibhauseffekt verursachen, der die dichte Gasschicht erwärmen und die Polkappe noch weiter schmelzen sollte – bis schließlich der Keim gelegt wäre, aus dem eine Atmosphäre entstehen konnte, in der Leben möglich war. Über die beste Methode, den ersten Schritt zu tun und das Eis des Südpols zu schmelzen, kursierten zahllose Theorien.
Als Nuklearphysikerin war Sarah davon überzeugt, daß sich der Prozeß beschleunigen ließ, wenn die verborgenen Nitratfelder mit Wasserstoffbomben bombardiert würden. Der Permafrost des Planeten würde schmelzen und den eingeschlossenen Sauerstoff freisetzen.
Sarah verfolgte, wie sich das Blau langsam über das gefrorene Ödland ausbreitete. Dies war der hundertste Bombenabwurf auf den Planeten, den sie in der letzten halben Stunde simuliert hatte. Inzwischen sollte der Dauerfrostboden schmelzen. Eine Flutwelle freigesetzten Wassers würde sich über die zerklüftete Oberfläche ergießen, die tiefen Schluchten füllen und die Hänge hochaufragender Vulkane umspülen.
Sarah erhob sich, um sich einen extrastarken Espresso zuzubereiten. Es war bereits sieben Uhr, und sie hatte noch eine lange Nacht vor sich. Das Labor, in dem sie arbeitete, befand sich ein Stückchen außerhalb von Highland in einem ehemaligen Pornokino, das an einem trostlosen Abschnitt des Hollywood Boulevard lag. Mit finanzieller Unterstützung von Boering Co. und Lockheed Martin Corp. hatte Robert Lowman, der Leiter des Projekts, den Zuschauerraum in ein Labor umgebaut. Sarah liebte die verruchte Atmosphäre, die selbst jetzt, nach zehn Jahren, noch in den Winkeln der kleinen Büroräume lauerte, die sich um die große Freifläche gruppierten, auf der Robert arbeitete.
In ihren Augen war es eine Ironie des Schicksals, daß gerade hier, umgeben von herumlungernden Freiern, Heimatlosen und verirrten Touristen, hinter geschwärzten Fenstern und einer verfallenen Fassade, die aus wohlerwogenen Gründen nicht restauriert worden war, die Brutstätte für die gewaltigste Herausforderung des 21. Jahrhunderts lag: Hier nahm der Traum, eines Tages das Weltall zu bevölkern, Gestalt an, wurde zu einer realistischen Möglichkeit.
Plötzlich schlug ihr Computer Alarm. Sie wandte sich wieder dem Bildschirm zu: Irgend etwas war schiefgelaufen. Das Wasser war, statt weiter den Planeten zu fluten, plötzlich wieder zu einer riesigen Gletscherfläche gefroren – die Ausläufer der Flutwelle waren japanischen Eisskulpturen gleich mitten in der Bewegung erstarrt. Nie zuvor war etwas Ähnliches passiert. Rasch prüfte sie die durchlaufenden Diagramme am unteren Bildschirmrand, doch sie konnte in den Berechnungen nichts Außergewöhnliches entdecken. Dennoch: Ihr Versuch hatte nicht funktioniert, und der abrupte Temperatursturz zurück unter die Nullgradgrenze würde sich katastrophal auf ihre Arbeit auswirken. Sarah fluchte leise vor sich hin. Irgendwo im Programm mußte ein Fehler stecken! Aber wo ...? In diesem Augenblick wurde sie durch laute Stimmen aus dem Nebenzimmer gestört.
Die Geräusche kamen aus Jamies Büro. Jamie, mit seinen nicht einmal zwanzig Jahren das Küken der Truppe, arbeitete ebenfalls lieber spät am Tag. Robert hatte den Autodidakten bei einem wissenschaftlichen Seminar entdeckt, das er einmal im Jahr in den Schulen im östlichen L. A. veranstaltete. Jamie war damals ein hochbegabter schwarzer Schüler von gerade einmal vierzehn Jahren, der sich mit seiner drogenabhängigen, knapp dreißigjährigen Mutter eine Wohnung in einem der heruntergekommenen Apartmentblocks in Watts teilte. Im Grunde lebte der Junge nur für die Stunden, in denen er den einzigen Computer an seiner Schule benutzen durfte. Robert rettete ihn aus dieser Situation und setzte ihn für sein ehrgeiziges Projekt ein. Nun entwickelte Jamie Computerprogramme, die Szenarien für die atmosphärische Entwicklung des Mars nach einem Terraforming simulieren konnten. Trotz Roberts verschrobener Unterrichtsmethoden war Jamie bisher nicht ein einziger Fehler unterlaufen. Zumindest bis heute nicht.
Die Stimmen wurden lauter. Sarah erkannte den sanften Tenor ihres jungen Kollegen, doch die andere Stimme, tief und aggressiv, war ihr unbekannt. Der Mann brüllte fast, und der drohende Unterton latenter Gewaltbereitschaft begleitete seine gedämpft herüberklingende Tirade. Zwar konnte sie in ihrem Büro, dem ehemaligen Vorführraum, der besonders gut isoliert war, nicht jedes einzelne Wort verstehen, doch der bösartige Klang der Auseinandersetzung war nicht zu überhören. Sarah öffnete ihre Schreibtischschublade und holte einen alten Hammer hervor. Dann trat sie hinaus in den engen Korridor – und plötzlich waren die Stimmen deutlich zu verstehen.
»Wir haben dir eine Chance gegeben, und das ist der einzige Ausweg!« Donnernd krachte Jamies Körper gegen die dünne Trennwand auf der Rückseite des Raums. Sofort schlugen Sarahs Nerven Alarm: Sie waren allein im Gebäude, und das Sicherheitssystem bestand lediglich aus einer funktionsuntüchtigen Alarmanlage, die zu reparieren sich bisher nicht gelohnt hatte. Instinktiv zog sie die Schultern hoch; für einen Augenblick ruhte ihre Hand auf ihrer Leibesmitte. Dann hob sie den Hammer, und als sie ihn mit festem Griff umklammerte, fühlte sie sich schon etwas besser.
Vorsichtig schob sie sich an die Tür heran, die einen Spalt breit offenstand. Jamie kauerte mit blutender Nase vor der gegenüberliegenden Wand. Der Fremde hatte ihr den Rücken zugewandt. Er war groß, und seine breiten Schultern zeichneten sich deutlich unter der schweren Bomberlederjacke ab. Seine Bewegungen waren fließend und frei von jeglicher Eile – allem Anschein nach war er darin geübt, Menschen einzuschüchtern. Er griff nach Jamies Mülleimer und warf ihn nach dem in sich zusammengesunkenen Jungen, der erschreckt zur Seite zuckte und dem Aufprall nur um wenige Zentimeter entging.
»Du hast noch zwei Wochen!« Mit diesen Worten wandte sich der Mann ab und verließ raschen Schritts das Büro, wobei er Sarah beinah die Tür vor den Kopf geschlagen hätte. Nur kurz erhaschte sie einen Blick auf sein rotwangiges Gesicht, die hellblauen, eiskalten Augen und eine Narbe, die sich seitlich über seine Stirn zog. Dann war er fort, und sie eilte Jamie zu Hilfe.
»Bist du in Ordnung?«
Er schob sie weg und hielt sich einen Ärmel vor das Gesicht, um das Blut, das nach wie vor aus seiner Nase sickerte, zu stillen. »Ja, ich werd's überleben.«
»Was war denn los?« fragte Sarah aufgebracht.
Er stand auf und kehrte ihr den Rücken zu. Seine schlanken Finger strichen über den Schreibtisch, während er sich davon überzeugte, daß sein kostbarer Computer unversehrt geblieben war. »Nichts, womit ich nicht fertig würde.«
»Jamie, er hätte dich beinahe umgebracht!«
»Blödsinn! Außerdem hat das nichts mit dem Projekt zu tun, okay?«
Sarah empfand tiefes Mitleid mit ihm. Jamie stand stets für seine Mutter ein, die sich durch ihre Drogensucht von einer finanziellen Misere in die nächste manövrierte. Wieder und wieder hatte er ihr aus der Klemme geholfen – mit einer Loyalität, die geradezu an Fanatismus grenzte.
»Falls du Geld brauchst ...«
Er wirbelte herum, und Sarah wußte sofort, daß sie einen Fehler begangen hatte. Jamie haßte es, irgend jemanden um irgend etwas zu bitten.
»Wenn ich Geld brauchen würde, dann würde ich darum bitten, oder etwa nicht? Hör mal, es tut mir leid, wenn ich dir einen Schreck eingejagt habe, aber das ist wirklich keine große Sache. Ich krieg' das schon wieder hin.«
»Sicher?«
Er nickte mit abgewandtem Blick. Er verabscheute Lügen, doch jetzt war es wichtiger, Sarah zu schützen. Es war schon schlimm genug, daß sie gesehen worden war.
»Hand aufs Herz.« Jamie bedachte sie mit einem schwachen Lächeln, und wenn Sarah ihm auch nicht glaubte, so wollte sie doch seine Privatsphäre respektieren.
Leise, viel zu leise für das menschliche Ohr, empfing ihr Computer einen Impuls. Im All, auf dem roten Planeten, breitete sich das Eis langsam bis über den Äquator hinaus aus. Gewaltige Gletscher überzogen nun auch den Horizont mit...




