E-Book, Deutsch, Band 5, 348 Seiten
Reihe: Matt Drake
Leadbeater WAFFENBRÜDER (Matt Drake Abenteuer 5)
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95835-824-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, Band 5, 348 Seiten
Reihe: Matt Drake
ISBN: 978-3-95835-824-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
David Leadbeater ist der Autor zweier langlebiger Schatzjägerserien, deren Bände immer wieder die Amazon-Bestseller-Ränge stürmen und für die er 2017 sogar mit dem Amazon Kindle Storyteller Award ausgezeichnet wurde. Zusammen mit seiner Frau und zwei Töchtern lebt er in York, England. Gerade ist mit ROGUE, den Abenteuern einer MI6-Agentin, der erste Band einer weiteren Serie von ihm erschienen.
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Kapitel 3
Die Lockheed C-130 hatte schon viele Einsätze für die United States Air Force hinter sich. Heute Abend transportierte sie Matt Drake, Mai Kitano und ein Viermann-Team aus Soldaten der Aufklärungseinheit der Marines über den nördlichen Pazifik auf ihr Ziel zu – eine kleine, namenlose Insel vor der Küste Koreas.
In dem viermotorigen Militärtransportflugzeug herrschte verhaltene Anspannung. Drake und Mai hatten einige Zeit im Kommunikationsbereich verbracht, aber nicht viel Neues während des Fluges erfahren. Das Team daheim in D.C. hatte mit der Recherche über diese Bedrohung begonnen, aber mit aller nötigen Diskretion – eine Anweisung von Gates.
Das war nicht gerade Drakes Stärke. Ebenso wenig die von Alicia, dachte Drake, aber sie waren nun in offiziellem Auftrag unterwegs und ihr Gönner, Gates, stand unter genauer Beobachtung.
Im Passagierbereich saßen die vier Marines herum und plauderten. Die Männer wirkten entspannt, aber nichts entging ihrer Aufmerksamkeit. Als Drake und Mai zurückkamen, richtete sich der Anführer des Teams, ein Mann namens Romero, in seinem Sitz auf.
»Alles in Ordnung?«
»Könnte besser sein«, murmelte Drake.
»Probleme zu Hause?«
Drake blinzelte und sah ihn an. Zuerst hatte er angenommen, der Soldat meinte, , und wollte ihm gerade sagen, er solle sich um seinen eigenen Mist kümmern, aber dann wurde ihm klar, dass er das Hauptquartier gemeint hatte. , dachte er, .
Und dann berührte Mai seinen Arm und der Körperkontakt zerstörte auch diesen winzigen Vorsatz.
»Ja«, sagte er, »Senatoren erhalten jeden Tag Todesdrohungen. Es wird unmöglich sein, ihm klarzumachen, dass er es etwas ruhiger angehen soll.«
»Vielleicht ist es einfach nur das. Eine Drohung.« Romero schob sein kantiges Kinn vor und ließ den Blick schweifen, um die Stimmung einzuschätzen.
Mai seufzte. »Glauben Sie, ein japanischer Agent, der es geschafft hat, die Koreaner zu infiltrieren, würde sich melden, ohne einen guten Grund zu haben, Romero?«
»Vermute, nein«, sagte der Amerikaner und entspannte sich. »Aber wir werden es sicher herausfinden. Wir arbeiten alle für dasselbe Team, Miss.«
»Nennen Sie mich Mai.« Sie ging dicht genug an ihm vorbei, um ihn zu streifen, als sie zur Bar ging. »Einen Drink?«
Der Marine runzelte die Stirn. Drake wirkte einen Moment hoffnungsvoll, aber zwang sich dann zu einem ähnlichen Gesichtsausdruck. Er würde eine ganze Weile nichts trinken. Diese Nächte in Hawaii, die er im Vollrausch verbracht hatte, nachdem sie die Männer des Blutkönigs gejagt hatten – das war einer der Tiefpunkte seines Lebens. Auf keinen Fall wollte er das noch einmal erleben.
Er sah zu, wie sich Mai einen Whisky pur eingoss und ihn mit einem Schluck austrank. Die Marines betrachteten sie argwöhnisch. Sie wussten zweifellos etwas über ihre Vergangenheit und ihre Fähigkeiten, aber sie konnten vermutlich nicht einmal die Hälfte ihrer Story zusammenpuzzeln. Drake kannte die ganze Geschichte. Sie waren einst ein Paar gewesen, unzertrennlich, und hatten all ihre Geheimnisse miteinander geteilt.
Es würde nur einen kleinen Funken brauchen, um die Flamme wieder zu entfachen, und alles würde sich wiederholen. Aber war es zu früh? Kürzliche Ereignisse, wie der Tod Kennedys, waren ihm noch in lebhafter Erinnerung. Neue Enthüllungen, wie der Mord an seiner Frau, waren immer noch frisch genug, um einen stechenden Schmerz in der Brust auszulösen.
Ein Ruf: »Dreißig Minuten zum Ziel.«
Drake sammelte sich. Der Plan war, über das südliche Japan zu fliegen und so nahe wie möglich an die unidentifizierte Insel heranzukommen, ohne das Misstrauen der Koreaner zu wecken. Dann würde das Team die Amphibienfahrzeuge einsetzen und das Flugzeug würde nach Japan zurückkehren. Wie sie wieder zurückkommen sollten, war – wie meistens – noch ungeklärt.
, hatte Romero gemeint und gegrinst, als sie es ihm gesagt hatten.
Drake hatte gelächelt. Den ersten Test hatte Romero bestanden.
Die anderen drei Mitglieder von Romeros Team, Smyth, Wardell und Matthews standen auf, um den letzten Check durchzuführen. Drake schnallte sich die Waffen um, nahm den Fallschirm und stellte sicher, dass am Anzug aus Gore-Tex alles in Ordnung war. Nach ein paar Minuten drehten sich alle um und überprüften ihre Partner. Drake kniete sich auf einen der Sitze und drückte das Gesicht ans Fenster. Er versuchte, durch die mitternächtliche Finsternis zu blicken, die über dem ostchinesischen Meer herrschte.
Schwere, finstere Wellen rollten unter ihnen wie der monströse Körper einer mythischen Seeschlange.
Romero sagte hinter ihm: »Keine Sorge.« Er grinste. »So was haben wir schon mal gemacht.«
Auf einmal ein gewaltiger Lichtblitz und ein ohrenbetäubender Knall. Das Flugzeug machte einen Satz. Die Zeit stand eine Sekunde still und als sie sich umdrehten, schien sich die gesamte Seite des Flugzeugs in seine Bestandteile aufzulösen.
Ein Feuerball wurde im Himmel draußen sichtbar, der einen Moment neben dem Flugzeug schwebte. Trümmer und Metallsplitter flogen durch die Flammen. Romero schrie: »Jemand … jemand hat uns abgeschossen!«
Mai schnappte ihn. »Noch nicht.«
Sie verloren an Höhe. Schnell. Drake klammerte sich an einem Sitz fest. Er schlang den Arm um die Kopfstütze und hielt mit der anderen Hand sein Handgelenk fest. Der Pilot schrie, als er sich abmühte, das Flugzeug abzufangen. Selbst bei aller Mühe schaffte er es kaum, die Nase der Maschine anzuheben. Die C-130 raste unaufhaltsam aufs Meer zu.
»Wir müssen raus aus diesem Mistding«, sagte Drake. »Auf der richtigen Höhe, damit sich die Fallschirme entfalten können.«
Mai nickte. Drake sah sich nach den anderen um. Er stellte fest, dass Wardell und Matthews von der ersten Explosion getroffen worden waren. Beide Männer lagen tot auf dem Kabinenboden und wurden auf das klaffende Loch in der Maschine zugezogen.
Drake spürte den zunehmenden Sog, der an seinem Körper zerrte. Windböen peitschten und pfiffen durch die Kabine. Es war so laut, als würde ein Güterzug auf ihn zurasen. Sie konnten sich einfach vom Sog nach draußen tragen lassen, aber sie mussten den Ausstieg kontrollieren können, wie bei einem normalen Absprung. Er sah den anderen Marine, Smyth, der sich an einem angeschraubten Tisch in der Mitte der Kabine festhielt und zu seinem vorgesetzten Offizier blickte, als warte er auf Befehle.
, dachte Drake. Diese Männer gehörten zur Elite der US-Streitkräfte. Sie konnten sogar das Amphibienfahrzeug absetzen. Sie hatten drei CRRCs, , besser als Zodiac bekannt. Es würde schwierig werden, aber es war nicht unmöglich.
Das Problem war der Pilot. Sie mussten …
… eine zweite Explosion erschütterte das angeschlagene Flugzeug bis ins stählerne Mark. Ein gewaltiges Kreischen verdeutlichte, unter welcher Belastung die Maschine stand. Ein Feuerball traf das Cockpit und drang bis in die Hauptkabine. Der Pilot war in einem Wimpernschlag verschwunden.
»!« Drake reagierte sofort. Als das Feuer erstarb, schob er Romero auf das klaffende Loch zu. Mai hastete zu Smyth. Sie balancierte mit katzenhafter Anmut geschickt über die Stuhllehnen.
Die Zodiacs waren im hinteren Teil des Flugzeugs untergebracht. Große, aufblasbare Schlauchboote mit 55-PS-Zweitakt-Außenborder. Drake wusste aus Erfahrung, dass vorn im Boot ein elastischer Tank und eine Tasche mit Ausrüstung waren. Er wusste auch, dass es nicht der beste Plan war, tausende Meter hinter einem Zodiac her in die aufgewühlte See zu springen, aber irgendein mieser Bastard ließ ihnen keine andere Wahl.
Drake hielt sich an irgendetwas fest, das solide schien, und kämpfte sich zu den Schlauchbooten vor. Es wäre leichter, einfach aus dem Flugzeug zu springen, aber die weite See lag unter ihnen und sie brauchten das bisschen Schutz und Sicherheit, das ihnen die Zodiacs bieten konnten. Sein Kopf wurde zurückgeworfen, als ihm eine heftige Windbö ins Gesicht wehte. Ein verbogenes Metallstück, das im rasenden Wind erzitterte, wurde abgerissen, schoss durch die Luft und bohrte sich durch die gegenüberliegende Wand. Die Sitze ächzten in ihren Verankerungen, als der Druck zunahm. Es dauerte nur Sekunden, aber Drake hatte das Gefühl, eine Ewigkeit zu brauchen, bis er bei den sorgsam übereinander verstauten Zodiacs ankam.
Mai wartete schon auf ihn. »Bereit?«
»Wenn ich je das Gefühl habe, bereit für diese Scheiße zu sein, dann hänge ich den Beruf an den Nagel«, schrie Drake.
Mai löste die Sicherungsseile und die Zodiacs gerieten ins Rutschen. Mai und Smyth wuchteten das erste Boot auf das Loch zu. Drake und Romero mühten sich mit dem zweiten ab. Das abwärts gerichtete Flugzeug erleichterte es ihnen, die schweren Boote an Ort und Stelle zu bringen. Nur Minuten waren seit der ersten Explosion vergangen. Teile des Rumpfs standen in Flammen und brennender Treibstoff erhellte die stockfinstere Nacht. Drake fragte sich, wie der letzte Funkspruch des Piloten wohl gelautet hatte. Wusste irgendjemand, dass sie abstürzten? Er überprüfte erneut seinen Fallschirm.
»Irgendwelche letzten Worte?« Romero atmete schwer neben ihm und konzentrierte sich auf das Loch, das in die Wand des Flugzeugs gesprengt worden war.
»Nur eines.« Drake wuchtete das Zodiac aus dem Flugzeug. »Scheiße!« Er sprang in die tobende, tosende Nacht.
Die wogenden Wellen schwollen an, als würden sie nach ihrem...




