Lawrence | So nah und doch so fern | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

Lawrence So nah und doch so fern


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-4641-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7337-4641-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



AIs Hannah den Antrag von Ethan Kemp annimmt, weiß sie, dass er nur eine Mutter für seine Kinder sucht. Heiß verliebt wie noch nie, hat sie die Hoffnung, irgendwann das Herz ihres Mannes erobern zu können. Doch nach einem Jahr Ehe ist sie ihrem Traum keinen Schritt näher gekommen. Hannah ahnt, dass sie selbst ihr Glück in die Hand nehmen muss: Sie belegt einen Französischkurs, ändert ihr Outfit und beginnt endlich, selbstbewusster aufzutreten. Die Resonanz ist verblüffend. Ethan bemüht sich plötzlich ganz anders um sie. Als sie dann noch für eine Party ein besonders verführerisches Kleid wählt, kann Ethan kaum noch die Hände von ihr lassen. Werden sich in dieser Nacht ihre Wünsche erfüllen?



Kim Lawrence, deren Vorfahren aus England und Irland stammen, ist in Nordwales groß geworden. Nach der Hochzeit kehrten sie und ihr Mann in ihre Heimat zurück, wo sie auch ihre beiden Söhne zur Welt brachte. Auf der kleinen Insel Anlesey, lebt Kim nun mit ihren Lieben auf einer kleinen Farm, die schon seit drei Generationen in Familienbesitz ist. Auf dem Eiland spricht man größtenteils walisisch - eine Herausforderung für Kim doch mit der Zeit lernte sie, diese schwierige Sprache fließend zu sprechen. Und auch mit der Einsamkeit auf dem idyllischen Fleckchen weiß Kim mittlerweile umzugehen: Packt sie die Sehnsucht nach der Großstadt, fährt sie mit der Fähre einfach ins nahe gelegene Dublin. Wenn sie nicht schreibt, verbringt Kim viel Zeit in ihrem Garten oder kocht. Auch joggen geht sie gern - am liebsten am Strand mit ihrem Terrier Sprout.

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2. KAPITEL

Hannah brauchte sich keinen Wecker zu stellen, denn Tom kroch morgens fast immer in ihr Bett und sorgte dafür, dass sie rechtzeitig wach wurde. Aber heute fühlte sie keinen warmen Körper neben sich. Eilig stand sie auf, machte sich fertig und warf einen Blick in die Kinderzimmer. Sie waren leer.

„Warum hat mich keiner geweckt?“ Atemlos kam sie in die Küche und war noch damit beschäftigt, den Rockgürtel zu schließen. „Entschuldigung“, stieß sie hervor, als sie in Ethan hineinlief.

„Ich habe sie gebeten, dich schlafen zu lassen“, antwortete er, verhalf ihr galant ins Gleichgewicht und trat beiseite.

Ihre Körper hatten sich nur sekundenlang berührt, aber das war genug gewesen, um Hannahs Puls in die Höhe schnellen zu lassen. „Was machst du hier?“, fragte sie und verwünschte sich im nächsten Moment.

Ethan wollte oder brauchte ihre Aufmerksamkeit nicht, und jede noch so kleine Befragung erstickte er für gewöhnlich mit einer scharfsinnigen Antwort. Kehr wieder zurück zu der alten Beziehung mit der letztlich belanglosen Konversation, ermahnte sie sich stumm. Gestern Abend war eine Ausnahme gewesen und nicht etwa ein Wendepunkt.

Spöttisch zog er die Brauen hoch. „Ich wohne hier, vergessen?“

Sie errötete. „Solltest du nicht in der Kanzlei sein?“ Jetzt machte sie doch schon wieder den gleichen Fehler!

Hannah war sich nur zu bewusst, dass ihnen mindestens zwei Ohren zuhörten. Mrs. Turner hatte sich zwar nie zu Ethans seltsamer Wahl geäußert, aber es wäre nur menschlich, wenn sie die Situation faszinierte.

Die Haushälterin war schon zu Lebzeiten der ersten Mrs. Kemp hier gewesen. Hannah hatte mehr oder minder damit gerechnet, dass sie ihr ähnlich wie die meisten seiner Freunde mit argwöhnischer Zurückhaltung begegnen würde. Zu ihrer Erleichterung war es nicht so gewesen. Solange sie, Hannah, sich nicht in Mrs. Turners Bereich einmischte, schien diese mit den Verhältnissen absolut zufrieden.

Aber es war völlig ungewöhnlich, dass Ethan um diese Zeit noch daheim war. Normalerweise trank er morgens eine Tasse Kaffee und verließ das Haus, bevor Hannah die Kinder nach unten holte.

„Nicht heute Morgen“, antwortete er und verzog das Gesicht, als er die Erdbeermarmelade auf seinem Jackettärmel entdeckte. „Wie schafft er das bloß, bis hierhin zu schmieren?“, wunderte er sich laut und betrachtete fasziniert seinen Sohn, der ihn aus dem Hochstuhl mit Unschuldsmiene anlächelte.

„Ich will runter“, sagte er und schlug mit dem Löffel auf die kleine Tischplatte.

„Gleich Tom“, erwiderte Hannah automatisch. Sie schob sich das Haar hinter die Ohren und überlegte, was Ethan hier tat. Er war in gewisser Weise ein engagierter Vater, aber aus dem täglichen Allerlei hielt er sich eigentlich immer heraus. „Du hättest mich wecken sollen. Jetzt komme ich in Zeitnot, um Bonny zur Schule zu bringen.“

„Daddy fährt mich, Mummy.“

Diese Anrede war ziemlich neu und erfüllte Hannah immer wieder mit Freude. Ethan hatte sich nie dazu geäußert, aber sie war sicher, dass er von ihrer „Beförderung“ nicht begeistert war.

Stimmt das?“, stieß sie erstaunt hervor.

„Hältst du die Aufgabe für zu schwierig?“

„Setzen Sie sich, ich bringe Ihnen eine Tasse Tee“, sagte die Haushälterin. „Mr. Kemp hat mir von Ihrem bösen Verkehrsunfall erzählt. Sie brauchen etwas Ruhe.“

„Mir geht es gut. Ich fühle mich nur ein wenig steif, Mrs. Turner.“

„Ich will jetzt runter!“, erklärte Tom ungeduldig.

Hannah hob das stämmige Kerlchen aus dem Hochstuhl und merkte dabei, dass sie angeschlagener war, als sie gedacht hatte. Unwillkürlich zuckte sie zusammen.

„Gib ihn mir.“ Ethan streckte die Arme nach ihm aus.

„Das geht schon.“

„Märtyrertum ist eine überbewertete und ermüdende Tugend“, erwiderte er in gelangweiltem Ton, und sie reichte ihm den Kleinen so würdevoll wie möglich.

Eigentlich waren ihrer beider Pflichten strikt, wenn auch nicht förmlich festgelegt. Sie empfand es als leicht verwirrend, so aus ihrer Rolle gedrängt zu werden.

„Machst du mir die Haare?“ Bonny setzte sich auf ihren Schoß und reichte ihr Kamm und Bänder.

„Mit deiner Erlaubnis?“ Herausfordernd sah sie Ethan kurz an. Sie hörte sich gereizt an, aber das war ihr ziemlich egal. Sie wusste, dass er sie weiter beobachtete, und das verursachte ihr Unbehagen.

„Ich denke, das fällt unter die Rubrik ‚leichte Pflichten‘“, antwortete er gnädig. Und während er Tom immer wieder kitzelte, verfolgte er, wie sie geschickt Bonnys goldgelbe Locken in die gewünschte Frisur brachte.

Die Kleine war ausgesprochen hübsch und eine Miniaturausgabe ihrer Mutter. Hannah war sicher, dass Ethan nicht ständig an Catherine erinnert werden musste, um ihr Andenken lebendig zu halten. Mehrere Leute hatten es nur zu eilig gehabt, ihr zu erzählen, wie sehr er sie geliebt und verehrt habe.

Als Hannah ihn zum ersten Mal mit den Kindern erlebt hatte, war sie recht erstaunt gewesen. Wer hätte schon vermutet, dass dieser ziemlich streng und einschüchternd wirkende Mann so humorvoll und warmherzig sein konnte? Sie hatte gehofft, dass er mit der Zeit auch ihr gegenüber das förmliche Verhalten ablegen würde. Aber es hatte sich nichts zwischen ihnen geändert, und somit war sie nie Gefahr gelaufen, ihre Stellung in seinem Haushalt zu vergessen.

„Ich bin bald zurück“, sagte er, als er Bonny an die Hand nahm.

„Arbeitest …“ Sie verstummte.

„Ich habe den Termin von heute Morgen verlegt. Cal Morgan erwartet dich um zehn. Ich bringe dich in seine Praxis … Für die Tetanusauffrischung“, fügte er hinzu, als sie ihn verwirrt ansah.

„Sehr richtig. Man kann nie vorsichtig genug sein“, pflichtete Mrs. Turner ihm bei. „Tom ist bei mir gut aufgehoben. Wir zwei gehen jetzt baden, nicht wahr Schätzchen? Küsschen für Mummy.“

Als Hannah sich die Müslireste von der Wange wischte, die sein nicht ganz sauberer Mund dort hinterlassen hatte, war Ethan schon mit Bonny aus der Küche verschwunden. Er glaubte offenbar, dass sie nicht selbst auf sich aufpassen könnte. Anders konnte sie sich sein plötzliches Interesse an ihrem Wohlergehen nicht erklären. Ärgerlich gestand sie sich ein, dass sie sich das selbst zuzuschreiben hatte. Warum war er auch gestern Abend noch auf gewesen!

Sie musste ihm schleunigst beweisen, dass sie sehr wohl fähig war, sich um sich selbst zu kümmern. Allein zum Arzt zu fahren wäre ein erster Schritt auf dem Weg, das alte Verhältnis wiederherzustellen. Bestimmt würde er erleichtert sein, diese leidige Pflicht nicht auf sich nehmen zu müssen.

Aber als sie aus der Praxis kam, sah sie Ethan bei ihrem Wagen stehen und nervös mit den Fingern auf das Autodach trommeln. Als er ihre Schritte auf dem Kiesweg hörte, drehte er sich mit finsterer Miene um.

„Was, zum Teufel, soll das?“

Ethan hatte sich ihr gegenüber bislang wenn auch nicht warmherzig, so doch immer ausgesprochen höflich verhalten. Der Zorn, der sich in seinen Augen spiegelte, und auch seine gesamte Körpersprache verwirrten sie maßlos. Was hatte sie denn getan?

„Nichts, Ethan.“

„Spar dir deinen ‚Ich kann kein Wässerchen trüben‘-Blick, Hannah Smith … Der zieht nicht mehr.“

„Kemp. Ich heiße Hannah Kemp.“ Auch wenn ihm das nicht gefiel, war es dennoch wahr.

Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Als Smith warst du pflegeleichter“, erwiderte er nach einer Gedankenpause. „Ich habe angeboten, dich zu fahren, weil du eindeutig nicht selbst hinterm Lenkrad sitzen kannst. Willst du dir auch noch die Knochen lädieren, die du gestern ausgelassen hast?“

„Das ist eine lächerliche Übertreibung“, protestierte sie. „Und du bist nicht der Einzige, der die Heirat bereut.“

Er betrachtete sie mit kühlem, verächtlichem Blick. Hannah zwang sich, sich zu ihrer vollen Größe aufzurichten, auch wenn ihr das ziemliche Schmerzen bereitete.

„Mit mir verheiratet zu sein ist eine der Entscheidungen, mit der du besser zu leben lernst.“ Das „oder sonst“ hing zum Greifen in der Luft.

„Spar dir deine Einschüchterungsversuche für den Gerichtssaal auf“, sagte sie mit für sie untypischer Härte.

„Den Fehler würde ich nie machen … Jemanden unter Druck zu setzen, der so verletzlich und zerbrechlich aussieht wie du gerade, würde mich das Wohlwollen der Geschworenen kosten.“

„Ich wollte nicht deinen beruflichen Stolz verletzen“, erwiderte sie sarkastisch.

Er zog die Brauen hoch. „Wie gut, dass wir jetzt nicht bei Gericht sind, so kann ich mich weiter wie ein Tyrann benehmen … Das ist ja offenbar das Bild von mir, mit dem du bestens vertraut bist“, fügte er mit angespannter Stimme hinzu. „Sieh doch nur mal, wie du gehst. Dir muss doch jeder Schritt wehtun.“

Sie schnitt ein Gesicht. Fast dasselbe hatte Cal zu ihr gesagt und auf einer gründlichen Untersuchung bestanden. Ärgerlich blickte sie Ethan an. „Meine Rippen sind geprellt, nicht gebrochen, und Cal hat mir ein Rezept für Schmerztabletten gegeben.“

„Okay. Aber das nächste Mal, wenn du vorhast, zu einem Wahnsinnigen ins Auto zu steigen, versuch dich daran zu erinnern, dass du eine Mutter bist und keine verdammte Stuntfrau.“

Man könnte meinen, ich hätte das nur getan, um ihm Unannehmlichkeiten zu bereiten, dachte sie wütend. Er konnte zuweilen schrecklich selbstbezogen...



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