E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Lawrence Im Wunderland der Liebe
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-4640-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-4640-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ungläubig starrt die hübsche Alice auf den Mann, der vor ihrer Tür steht: Er heißt Gabriel MacAllister, ist der Bruder des Verlobten ihrer Schwester - und außerdem der Mann, mit dem sie vor drei Jahren eine unglaublich leidenschaftliche Begegnung hatte. Wie ein wilder Traum kommt ihr jene Nacht vor, in der sie sich Gabriel, damals noch ein namenloser Fremder, so willentlich in einem Hotel hingegeben hat. Damals schlich sie sich, entsetzt über ihre eigene Hemmungslosigkeit, heimlich aus dem Zimmer und war überzeugt davon, dass sie ihn nie wieder sehen würde! Und jetzt das! Gabriel gibt ihr klar zu verstehen, dass er ihr Verhalten von damals noch immer bedauert. Dabei weiß er nicht mal, dass er in jener Nacht mit Alice einen Sohn gezeugt hat, den kleinen William, die Sonne in Alices Leben! Was soll sie nur machen - alles gestehen und hoffen, dass Gabriel sie verzeihend in die Arme nimmt?
Kim Lawrence, deren Vorfahren aus England und Irland stammen, ist in Nordwales groß geworden. Nach der Hochzeit kehrten sie und ihr Mann in ihre Heimat zurück, wo sie auch ihre beiden Söhne zur Welt brachte. Auf der kleinen Insel Anlesey, lebt Kim nun mit ihren Lieben auf einer kleinen Farm, die schon seit drei Generationen in Familienbesitz ist. Auf dem Eiland spricht man größtenteils walisisch - eine Herausforderung für Kim doch mit der Zeit lernte sie, diese schwierige Sprache fließend zu sprechen. Und auch mit der Einsamkeit auf dem idyllischen Fleckchen weiß Kim mittlerweile umzugehen: Packt sie die Sehnsucht nach der Großstadt, fährt sie mit der Fähre einfach ins nahe gelegene Dublin. Wenn sie nicht schreibt, verbringt Kim viel Zeit in ihrem Garten oder kocht. Auch joggen geht sie gern - am liebsten am Strand mit ihrem Terrier Sprout.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
„Nun rück schon heraus mit der Sprache!“
„Wieso?“ Aus alter Gewohnheit setzte Greg MacAllister die Miene gekränkter Unschuld auf, obwohl er es für unwahrscheinlich hielt, dass sein älterer Bruder, der ihn bisher noch immer durchschaut hatte, darauf hereinfallen würde.
Gabriels entspannte Haltung – er saß bequem zurückgelehnt in einem Ledersessel und hatte die langen Beine ausgestreckt – konnte Greg nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem scharfen Blick des Älteren nichts entging.
„Die Anwerbung von Arbeitskräften läuft doch prima. Ich dachte, du wärst mit mir zufrieden?“
„Niemand bestreitet, dass du großartige Öffentlichkeitsarbeit geleistet hast, Greg. Ich frage mich nur, warum du plötzlich von nervösen Gesichtszuckungen heimgesucht wirst?“
„Ich?“ Unwillkürlich musterte Greg sein Gesicht im Spiegel gegenüber und fühlte sich ertappt, als er seinen Bruder ironisch lächeln sah. „Sehr witzig!“ Tief aufseufzend sank er auf einen Stuhl. „Also gut. Es handelt sich um ein Mädchen.“
„Wie leicht du doch zu durchschauen bist, Greg!“ Gabriel bemerkte, wie der andere rot wurde, und milderte seinen scharfen Ton etwas. „Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes. Wir können es uns nicht leisten, die Leute hier zu verärgern. Du weißt ja selbst, welche Widerstände wir überwinden mussten, bis man uns die Baugenehmigung für unseren Bürokomplex erteilt hat.“
Etwas Schlimmes? Zweifellos würde Gabriel es so sehen. Andere hätten Greg sicher mildernde Umstände zugebilligt, weil er sich unsterblich verliebt hatte, doch von seinem älteren Bruder durfte er solche Rücksichtnahme nicht erwarten. Er war ein harter Mann, der weder sich noch andere schonte.
„Sie ist schwanger“, gestand Greg und bemühte sich, nicht allzu schuldbewusst auszusehen. „Nun sag schon was!“, platzte er ungeduldig heraus, als Gabriel nicht antwortete, sondern nur nachdenklich die auf Hochglanz polierten Spitzen seiner maßgefertigten Schuhe betrachtete. „Nenn mich meinetwegen einen Dummkopf, aber spiel nicht den großen Schweiger!“
„Es ist müßig, bestehende Tatsachen zu bestätigen“, erwiderte Gabriel ironisch, was für Greg schwerer zu ertragen war als heftige Vorwürfe. „Am besten erzählst du mir alles der Reihe nach.“
Aufmerksam lauschte er dem Bericht des jüngeren Bruders und ließ sich seinen Unmut nicht anmerken, als Greg sich in weitschweifigen Erklärungen erging, die wundersamerweise darin gipfelten, dass er an allem eigentlich keine Schuld trug.
„Habe ich richtig gehört? Sie ist erst achtzehn?“
„Aber schon sehr reif für ihr Alter.“
Immerhin besaß Greg den Anstand, rot zu werden.
„Du kommst doch mit, wenn ich es Mum und Dad erzähle?“, bat Sophie und schob sich gedankenlos eine Handvoll der von ihrer Schwester soeben geschälten Erbsen in den Mund. „Falls sie sich aufregen, bist du die Einzige, die sie beruhigen kann.“
„Falls?“, fragte Alice trocken. Sie war zehn Jahre älter als Sophie, die nach Ansicht der Eltern einfach vollkommen war und von ihnen geradezu vergöttert wurde. Zum Glück hatte sie sich trotz deren allzu nachsichtiger Erziehung zu einer liebenswerten jungen Frau entwickelt, die vielleicht manchmal ein wenig zu impulsiv war, aber gerade deshalb auf andere auch besonders anziehend wirkte.
„Du verstehst es wirklich, mir Mut zu machen, Alice!“
Sophies vorwurfsvoller Blick war an ihre Schwester verschwendet, da Alice ihren Gartenstuhl so gedreht hatte, dass sie ihren zweijährigen Sohn Will im Auge behalten konnte, der wenige Meter entfernt im Sandkasten saß. Umgeben von buntem Spielzeug, das er jedoch keines Blickes würdigte, füllte er mit den Händen Sand in seine Schuhe. Sein kleines Gesicht mit den großen braunen Augen zeigte einen Ausdruck höchster Konzentration, und wieder einmal war Alice überzeugt, dass es kein hübscheres Kind gab als ihn. Aber so dachte wohl jede Mutter.
Sie ging zu ihm hin und setzte ihm den zu Boden gefallenen Sonnenhut auf, den er sich sofort wieder vom Kopf riss und sie dabei engelsgleich anlächelte. Sie seufzte. „Ich geb’s auf!“ Obwohl er ein recht friedfertiges Kind war, besaß er für sein Alter schon einen sehr ausgeprägten Willen.
„Lass ihn doch, Ally“, meinte Sophie. „Ihm macht die Sonne nicht so viel aus wie dir. Er ist ein dunkler Typ wie Oliver.“
Schweigend zog sich Alice die Baseballkappe über ihre mit vereinzelten Sommersprossen bedeckte Nase. Nur zu gut erinnerte sie sich noch an ihre Flitterwochen in der Karibik, als Oliver sich gleich am ersten Tag einen schrecklichen Sonnenbrand geholt hatte und für den Rest des Urlaubs im wahrsten Sinn des Wortes unberührbar gewesen war.
Sie setzte sich wieder neben ihre Schwester. „Machen wir uns nichts vor, Sophie. Mum und Dad werden aus allen Wolken fallen, wenn sie die Neuigkeit erfahren. Du darfst froh sein, wenn es bei Tränen und Vorwürfen bleibt!“
Sophies Oberlippe begann verdächtig zu zittern, und Alice legte ihrer Schwester begütigend eine Hand auf die Schulter. Sie konnte gut nachempfinden, wie ein junges Mädchen, dessen bisher einschneidendstes Erlebnis das Tragen einer Zahnspange gewesen war, sich in so einer Situation fühlen mochte.
„Du weißt, wie stolz die beiden auf dein Oxfordstipendium sind. Was glaubst du, wie sie reagieren werden, wenn du ihnen nun plötzlich eröffnest, dass du ein Baby erwartest? Hast du dir alles wirklich gut überlegt?“
„Soll ich das Kind etwa wegmachen lassen?“ Unwillig schüttelte Sophie die Hand ihrer Schwester ab. „Wie hättest du denn reagiert, wenn man dir dazu geraten hätte, als Will unterwegs war?“ Sie sah, wie Alice zusammenzuckte. „Du hast schließlich auch allein dagestanden. Oliver war tot …“ Sophie biss sich auf die Lippe. „Entschuldige, das war …“
„Es stimmt“, entgegnete Alice ruhig. „Aber gerade deshalb weiß ich, wie hart es ist, ein Kind allein großzuziehen. Was glaubst du, welche Ängste ich jedes Mal ausstehe, wenn Will plötzlich hohes Fieber hat, was bei Kindern ja öfter vorkommt. Wie gern hätte ich da jemanden, der mir zur Seite steht und die Verantwortung mit mir teilt …“ Alice verstummte. Sie war selbst überrascht von ihrem jähen Gefühlsausbruch, musste aber gleichzeitig wegen Sophies betretener Miene ein Lächeln unterdrücken.
„Ich dachte … du wirkst immer, als würdest du alles spielend bewältigen, Ally.“
„Was bleibt mir anderes übrig? Insgeheim habe ich mir jedoch schon manches Mal gewünscht, nicht immer alles allein entscheiden zu müssen“, bekannte Alice. Sie wollte auf keinen Fall dazu beitragen, dass Sophie sich falsche Vorstellungen vom Leben einer alleinstehenden Mutter machte. „Dabei war ich nach Olivers Tod zumindest finanziell einigermaßen abgesichert. Aber ich will dich nicht beeinflussen. Letztendlich liegt die Entscheidung allein bei dir.“
Leicht verunsichert blickte Sophie ihre Schwester an, aus deren tiefblauen Augen ihr jedoch nur Liebe und Mitgefühl entgegenstrahlten. „Ja, ich weiß.“
„Willst du das Kind allein aufziehen?“, hakte Alice behutsam nach.
„Oh, Greg möchte aus mir eine ehrenwerte Frau machen.“
„Er will, dass ihr heiratet?“ Alice bemühte sich, möglichst sachlich zu klingen, obwohl sie ernsthafte Bedenken gegen eine so frühe Heirat ihrer Schwester hegte. „Sehr begeistert scheinst du davon nicht zu sein.“
„Nun ja, zuerst wollte er ja auch, dass ich … du weißt schon.“ Auf Sophies blassen Wangen erschienen zwei rote Flecken. „Wahrscheinlich bin ich deshalb vorsichtiger geworden. Er behauptet zwar, dass er mich liebt …“ Sophies Zweifel waren unüberhörbar.
„Und du? Liebst du ihn?“
„Das habe ich geglaubt. Aber dann musste ich ihn trösten, statt dass er mir … Irgendwie hatte ich ihn für erwachsener gehalten, für entschlossen und männlich.“
Durchtrieben würde besser auf ihn passen, dachte Alice grimmig, doch sie war ja auch keine achtzehn mehr. Und schließlich war nicht nur Sophie auf Gregs aalglatten Charme hereingefallen. Sogar die erbittertsten Gegner des am Rand des idyllischen Marktfleckens geplanten Bürokomplexes hatte er mit sanfter Überredungskunst und durch geschicktes Taktieren für das Bauprojekt gewonnen.
Bei Alice hatte es solcher Überzeugungsarbeit nicht bedurft. Für sie waren allein die vielen qualifizierten und gut dotierten Arbeitsplätze ausschlaggebend gewesen, die durch die Ansiedlung der von den MacAllisters betriebenen Softwarefirma entstehen würden.
„Er wirkte immer so selbstbewusst!“, sagte Sophie. „Doch nun scheint seine Hauptsorge zu sein, was sein angebeteter großer Bruder – genau genommen ist er ja nur sein Halbbruder – dazu sagen wird! Wie ich mich fühle, kümmert ihn wenig!“ Mit zittrigen Fingern fuhr sie sich durch das schulterlange blonde Haar und rang sich ein Lächeln ab. „Wahrscheinlich vergleiche ich alle Männer unbewusst mit Oliver. Er war so perfekt. Ihr beide seid für mich das ideale Paar gewesen.“
Der Ausdruck unverhüllter Qual in Alice’ Augen ließ Sophie ihre schwärmerischen Worte sofort wieder bereuen. „Wenigstens hast du Will“, fügte sie tröstend hinzu. „Er sieht Oliver mit jedem Tag ähnlicher.“
„So sagt man.“ Unwillkürlich blickte Alice zu ihrem Sohn, der, falls die Erinnerung ihr keinen Streich spielte, seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten war.
„Dann kommst du also mit, um mich moralisch zu unterstützen?“
...



