E-Book, Deutsch, 258 Seiten
Lauff Journalistisch visionär
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-9341-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mein Weg durch alle Medien
E-Book, Deutsch, 258 Seiten
ISBN: 978-3-7693-9341-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Es gibt nur wenige journalistisch tätige Menschen, die im Laufe ihres Berufslebens alle Medien durchlaufen. Die meisten machen Karriere in einer Mediengattung und sind damit Spezialisten. Viele sind zudem entweder vor oder hinter der Kamera tätig, auf der Bühne oder backstage, als Akteure oder Manager. Selten erleben sie diese Perspektiven kumulativ. Und erst recht gibt es wenige Personen, die in Unternehmen tätig waren, für die sie selbst die Grundlagen legten. Der Weg von Werner Lauff durch die Medien war aber tatsächlich derart umfassend. Er ist einer der wenigen, der die gesamte Medienentwicklung begleitet hat: Die Breitbandverkabelung in den achtziger Jahren, den Start des privaten Fernsehens, die Einführung landesweiter und lokaler Hörfunksender, Videotext, Bildschirmtext und nicht zuletzt die Entwicklung des Internets. Wie kam dieser Weg durch alle Medien zustande? Welche Rollen hatte er dabei inne? Welche Entwicklungen konnte er dadurch beeinflussen? Seine Erzählung schildert ein Stück Mediengeschichte. Sie führt in den Deutschen Bundestag und zu RTL Television. Zu AOL Europa und zum Verband der Zeitungsverleger. Zur Bertelsmann Broadband Group und zum Landsbergblog. Zu Le Monde und Radio NRW. Zu Radio Essen und Europe 1. Zu Cityweb und zu D&D. Sie begleiten Werner Lauff als Kolumnist und Moderator, Geschäftsführer und Aufsichtsrat, Blogger und Kolumnist, Buchautor und Dozent sowie Redner und Lobbyist auf einem Pfad, der trotz dieser Vielfalt erstaunlich geradlinig war, weil es einen roten Faden gab: Journalismus mit Vision. Journalisten sind nicht nur Personen, die Inhalte für Medien erstellen. Auch wer ein Radio gründet, Portale etabliert oder einen Newsletter ins Leben ruft, ist journalistisch tätig. Deswegen sind Verleger, Senderchefs und Programmdirektoren auch Journalisten. Alle Journalisten, ob Bericht erstattend, kommentierend oder planend tätig, brauchen Visionen. Wie entwickelt sich ein Politikfeld, zum Beispiel Energie und Umwelt? Welche Zukunft hat die Autoindustrie? Welche Möglichkeiten bieten neue Technologien? Kommt das Flugtaxi? Aber auch: Wie nutzen wir morgen Medien? Journalismus mit Vision sollte daher eigentlich die Normalität darstellen. Aus dem Inhalt: Journalistische Nachwuchsförderung, Journalistenausbildung in Paris, Assistent im Deutschen Bundestag, Abteilungsleiter beim BDZV, Geschäftsführer des VRWZ, Geschäftsführer in der WAZ-Gruppe, Bei AOL und Bertelsmann, Freiberufler, Lokaljournalist
Werner Lauff ist von der Ausbildung her Jurist mit Prädikatsexamen und Journalist mit einer Spezialausbildung am CFPJ in Paris. Er war Bundestags-Assistent, Redenschreiber, Abteilungsleiter für Elektronische Medien beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und dann Geschäftsführer: Zeitungsverlegerverband NRW, Westfunk, Westfilm, Lokalradio-Betriebsgesellschaften, D&D Entertainment Group, Bertelsmann Broadband Group. Für seine Verdienste um die Digitalisierung erhielt der den Medienpreis "Metropolitan". Außerdem gehörte er Aufsichtsräten an, zum Beispiel denen von RTL Television und dem von radio NRW. Lauff trainiert CEOs und Führungskräfte in Sachen Reden und Moderation. An der Steinbeis-Hochschule wurde er mehrfach zum besten Dozenten gewählt. Und dann ist der Rheinländer, der nach Landsberg am Lech zog, Lokaljournalist mit Leib und Seele. Seine Beiträge, inzwischen sind es über 3.000, werden geschätzt, zuweilen aber auch gefürchtet. Und seine Berichte, Interviews, Features und Kommentare für den KREISBOTEN aus der Verlagsgruppe Ippen (Münchner Merkur) sind über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.
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JOURNALISTENAUSBILDUNG IN PARIS
Die Projektarbeit mit der Bundeszentrale fand in den ersten vier Semestern meines Studiums der Rechtswissenschaften an der Uni Münster statt. Das Studium selbst betrieb ich mit großem Eifer; nach vier Semestern hatte ich acht Scheine. In den Semesterferien zog es mich immer wieder nach Frankreich, unter anderem quer durchs Land mit dem SNCF-Bahnticket „France Vacances“. Für 283 DM konnten Deutsche damals 15 Tage lang alle Strecken kostenlos nutzen. Enthalten war auch ein siebentägiger Freifahrtschein für die Pariser Métro. Von einer solchen Reise liegt mir noch die Planung vor. Meine Stationen waren Marseille, Toulon, Cannes, Monaco, Arles, Aix-en-Provence, Barcelona, Toulouse, Biarritz, Bayonne, Bordeaux und Paris. Apropos: Bei einem Paris-Aufenthalt kam ich zufällig im zweiten Arrondissement an der Adresse 33, Rue du Louvre, am CFPJ vorbei, dem „Centre de Formation et de Perfectionnement des Journalistes“. Ich ging hinein und erkundigte mich nach den Lehrinhalten. Das CFPJ hatte ein Programm unter dem Titel „Journalistes en Europe“, bei dem acht angehende Journalisten aus mehreren Kontinenten gemeinsam Themen der französischen Politik und Wirtschaft betrachteten und daraus, in französischer Sprache, Artikel für eine vor allem in Medienkreisen verbreiteten Vierteljahreszeitschrift machten. Das gefiel mir und ich machte gleich auf dem Rückweg in Sankt Augustin halt, dem Sitz der Konrad-Adenauer-Stiftung. Hartmut Hentschel fand die Idee gut und sagte zu, die Kursgebühren im fünfstelligen DM-Bereich zu übernehmen; außerdem verdoppelte er das „Büchergeld“. So kam es, dass ich mein Apartment in Münster aufgab und für ein Jahr nach Paris wechselte. Hentschel hatte mir empfohlen, parallel einen Sprachkurs an der Sprachschule „Alliance Francaise“ zu machen, wo man auch Zimmer vermittele. Das erwies sich bei Ankunft in der französischen Hauptstadt zwar als falsch. Allerdings sagte mir die Sekretärin, die meine Einschreibung entgegennahm, ihre Mutter hätte gerade ein Zimmer frei, Madame Metoyer, 11, Rue d’Assas. Tatsächlich wurde das für die nächsten zwölf Monate mein neues Domizil. Ich habe es als helles großes Zimmer in Erinnerung mit einer kleinen Kammer für alles, was man nicht sehen sollte. Die Waschgelegenheit war ein rudimentäres Cabinet Toilette; eine Dusche hatte die Wohnung nicht. Wäsche konnte man allenfalls auf dem Gasherd in der Küche waschen. Dafür war die Miete erschwinglich. Der tägliche Unterricht an der Alliance Française war allerdings nicht zielführend, weil Schülerinnen und Schüler aus vielen Ländern in einer Gruppe waren und komplett unterschiedliche Vorbildungen hatten. Das betraf auch das Lernen selbst. Als am dritten Tag das Wort „porter“ zum vierten Mal konjugiert werden sollte und die Wortfolge bei „nous portons“ schon wieder stockte, verließ ich den Kurs und machte mich selbst sprachlich fit, indem ich eine Zeitung nach der anderen las, fast jeden Abend ins Kino ging (eine Karte kostete rund 3,30 DM) und jedes Schild, auf das ich stieß, übersetzte. Man muss sich noch einmal in diese Zeit zurückversetzen. Außerhalb von Frankreich war es praktisch unmöglich, Aktuelles und Triviales in französischer Sprache zu sehen, zu hören oder zu lesen. Es gab noch kein Satellitenfernsehen, also auch kein nach außen gerichtetes Programm wie TV5 Monde. Im Radio konnte man allenfalls auf Kurzwelle Sendungen in französischer Sprache hören, mit Glück aus Frankreich, meist aus Algerien oder der Elfenbeinküste. Zeitungen brauchten lange und waren teuer, wenn sie in Deutschland ankamen. Und natürlich gab es noch kein Internet. Das führte dazu, dass ich beschloss, nach meinem Aufenthalt in Paris nach Saarbrücken weiterzuziehen, um an der Universität des Saarlandes (die ich zunächst verschmäht hatte) zu studieren und mich auf eine Tätigkeit als Korrespondent in Frankreich vorzubereiten. Dazu musste ich mir einen Omniband-Fernsehempfänger kaufen, der mir erlaubte, gleichzeitig deutsches und französisches Fernsehen über Antenne zu empfangen – in schwarzweiß übrigens. Später habe ich den Berufswunsch „Korrespondent in Frankreich“ der besseren Verständlichkeit wegen zu „Nachfolger von Ulrich Wickert“ verdichtet. Wickert war allerdings damals noch gar nicht Frankreich-Korrespondent der ARD; das war Heiko Engelkes, der mir in meiner Pariser Zeit immer mal wieder über den Weg lief. Einem größeren Fernsehpublikum blieb Engelkes durch einen Wutausbruch im Gedächtnis. Am Abend, als Valéry Giscard d’Estaing abgewählt wurde, versäumte es die Tagesschau, rechtzeitig zur ersten Hochrechnung nach Paris umzuschalten. Obwohl er pausenlos „Hamburg, Hamburg“ in die Leitung rief, konnte er die Prognose und die Reaktionen darauf nur wutentbrannt nacherzählen. Heiko Engelkes war 17 Jahre lang Studioleiter in Paris und blieb auch nach seinem Ausscheiden dort. 1987 ernannte ihn der Staatspräsident zum Ritter der Ehrenlegion. Die Tätigkeit der Auslandskorrespondenten bestand vor allem darin, die Abendnachrichten, die in Frankreich eine Institution waren und gefühlt eine Dreiviertelstunde dauerten, zu beobachten und daraus Themenvorschläge für die Heimatredaktion zu entwickeln. Am nächsten Morgen stellte man sich dann an irgendeine Straßenecke und machte einen Aufsager nach dem Muster: „Die Menschen in Frankreich sind besorgt.“ Nach einer Minute und 30 Sekunden war die Sache im Kasten und den Rest des Tages konnte man sich diversen kulturellen und politischen Einladungen widmen. Oder selbst jemanden zum Essen einladen, zu einem der vielen Hintergrundgespräche. Dann startete das Programm „Journalistes en Europe“ des CFPJ. Den Kickoff gab es standesgemäß bei einer Bouillabaisse „Chez Fonfon“ am „Vallon des Auffes“ in Marseille. Unvergesslich! Jeder bekam ein paar Tage Zeit, sich ein Thema zu suchen. Ich entdeckte meines auf der eigentlich unbewohnten Insel Frioul, wo man Wohnungs-Investoren versprochen hatte, neben teuren Wohnungen, die sie bereits bezahlt hatten, Schulen, Kindergärten, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten zu errichten, aber insoweit nichts geschah. Einer der Wohnungsbesitzer war der deutsche Generalkonsul, Maitre (gleich Rechtsanwalt) Walter Pauly, den ich in seinem Büro aufsuchte. Weitere Recherchen zeigten dann, dass die Stadtverwaltung daran eine Portion Mitschuld trug. Der Bürgermeister der Stadt, Gaston Defferre, Mitglied der Parti Socialiste (PS), war damals gleichzeitig Innenminister der Französischen Republik, was die Sache ein Stück brisanter machte. Als ich das „Go“ für die Geschichte bekam, war mir klar, dass sie gut werden musste, weil sie ansonsten keine Gnade vor den kritischen Augen der Institutsleitung finden würde. Tatsächlich machte man den Versuch, sie abzulehnen; die anderen Journalisten der Gruppe gaben aber dezent zu verstehen, dass das Blatt ohne meinen Beitrag keinen einzigen Artikel enthalten würde. So wurde ich Bestandteil einer Kontinent-umspannenden Solidaritätsaktion und die Geschichte erschien – unter dem Titel „Le Scandale de Frioul – Rien ne va plus“. L’échec du projet de l’aménagement des iles du Frioul concerne à la fois la Mairie, les partis politiques et un promoteur marseillais. Après dix années d’euphorie, le « projet du siècle » est arrêté. Les pertes sont importantes, le site de l’archipel est atteint. Les habitants du Frioul s’estiment victimes du « jeu politique ». Wir reisten aber nicht nur in Frankreich herum. Die Institutsleitung ordnete uns auch Pariser Journalisten zu. Bei mir hielt man die Tageszeitung „Le Monde“ für angemessen. Vielleicht lag es daran, dass ich jeden Tag ein Exemplar von Le Monde sichtbar unter den Arm geklemmt hatte. Das war, unter uns, eher ein Trick, um in Paris nicht bestohlen zu werden: „Me no tourist, me live here“. Aber natürlich schaute ich jeden Tag auch in die Zeitung hinein, die übrigens am Mittag erschien. Aber das meiste war dann doch für einen Ausländer schwer verständlich. Das liegt auch daran, dass die Franzosen gerne Aliasse verwenden, indem sie beispielsweise den Justizminister als Garde des Sceaux (Siegelbewahrer) bezeichnen oder das Kanzleramt als „Hotel Matignon“. Außerdem lieben Franzosen Abkürzungen wie S.M.I.C. (Mindestlohn) und Gesetzesbezeichnungen nach Namen wie „Loi Toubon“. Das ist alles überwindbar, erschwert die Sache aber. Man bräuchte ein Gebrauchslexikon der französischen Politik, das es soweit ersichtlich nicht gibt. Der Insider-Blick, den mir das CFPJ in die Redaktionsräume von Le Monde gewährte, erklärte ein Stück, was da geschah: Hier schrieben Eingeweihte für Eingeweihte und man schrieb in Eingeweihten-Sprache. Zudem gab es enge Zuständigkeiten. Der Journalist, der mich betreuen sollte, befasste sich nur mit der inneren Organisation der Gewerkschaften CGT und CFDT. Wenn sich dort etwas tat, Wahlen zum Beispiel oder ein neues Programm, lief er zu Hochform auf und erhielt Platz im Blatt. Führte die CGT...




