E-Book, Deutsch, 159 Seiten
Larson MORD IN HOLLYWOOD
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-8479-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Krimi-Klassiker!
E-Book, Deutsch, 159 Seiten
ISBN: 978-3-7487-8479-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Joanna Redfern lebt ein ungebundenes Leben unter den Filmleuten von Hollywood. Bis man einen ihrer Freunde, den farbigen Schauspieler Dan Gladstone, ermordet und Joanna nicht nur von der Polizei, sondern auch vom Mörder in die Enge getrieben wird... Der Roman Mord in Hollywood des US-amerikanischen Schriftstellers Charles Larson (* 06. Juni 1924; ? 13. September 1982) erschien erstmals im Jahr 1973; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1974. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.
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ZWEITER TEIL
Elftes Kapitel Die Straßen des Studiogeländes lagen wie ausgestorben. Aber Mitte Juni, wenn die Produktion der Serie anlief, würde man kein leeres Plätzchen auf den Gehsteigen, keinen unbeleuchteten Schneideraum, kein entspanntes Gesicht mehr finden können. Bis dahin jedoch würden die riesigen veralteten Einrichtungen von Culver City bis Burbank große Summen verschlingen. Niemand verstand das. Hin und wieder würde ein Buchhalter oder ein Gewerkschaftsführer vorschlagen, die Produktion so aufzuteilen, dass das ganze Jahr über Arbeit vorhanden wäre, und jeder würde ihn dann anstarren, als sei er verrückt. Fernsehoptionen wurden im Oktober vereinbart, und die Filme wurden im Auftrag der Fernsehsender hergestellt, ohne Rücksicht auf die Wünsche der Produzenten. Nein, dagegen konnte man nichts machen. Natürlich hätte man können, aber niemand nähme es ernst. Hier und da packten die Aufsichtsräte dieses heiße Eisen an. Teile der Fox-Studios wurden zur Century City umgebaut, MGM-Studios wurden in ein Einkaufszentrum verwandelt, und der gesamte Hollywood-Komplex der Columbia verschwand einfach in einer Rauchwolke, die weithin im Licht der untergehenden Sonne zu sehen war. Blixen war einer Meinung mit den Aufsichtsräten. Aber jeder dieser Eingriffe bedeutete auch für ihn einen Eingriff, schnitt einen Teil von ihm weg. Sein Problem bestand darin, dass er eben diese Arbeitsweise liebte. Er ging an einer Reihe dunkler Vorführräume vorbei und stieg eine schmale Treppe zu einer Tür mit der Aufschrift Archiv hinauf. Blixen suchte seine Taschen nach dem kurzen Brief ab, den Red ihm geliehen hatte, und reichte ihn Tibbet, dem Verwalter des Archivs. »Walter«, begann er, »ich habe eine recht schwierige Arbeit für dich.« Tibbet las den Brief mit deutlicher Abneigung. »Was ist denn das?« »Was ich von dir verlange, ist, festzustellen, aus welchen Zeitschriften diese Worte geschnitten worden sind.« Tibbet sah zu ihm auf. »Ist das zu machen?«, fragte Blixen. »Ich wüsste nicht, wie.« »Könnte man etwas herausfinden, wenn ich dir einen bestimmten Tip geben würde?« »Zum Beispiel?« »Groschenromane.« Tibbet las die Zeilen noch einmal, drehte das Blatt um und versuchte die einzelnen aufgeklebten Stückchen abzuheben. »Ich müsste sie abreißen.« »Wieso denn?« »Vielleicht würden mir die Rückseiten weiterhelfen. Werbung, Daten, Typographie und so weiter.« »Gut, mach, was du für richtig hältst.« »Kannst du es nicht noch ein wenig genauer angeben? Groschenromane ist ein weiter Begriff.« »Höchstwahrscheinlich werden sie aus Heften mit bekannten Stars auf dem Titelbild stammen«, erwiderte Blixen. »Männliche Stars.« Das Telefon neben Tibbets Ellenbogen klingelte. Erschrocken nahm er den Hörer in die Hand. »Archiv!... Jawohl, einen Moment.« Er reichte Blixen den Hörer. Es war Marys Stimme. »Mr. Todd hat schon wieder angerufen, und wenn Sie nicht beschäftigt sind, sollten Sie sofort zu ihm gehen.« »Und was ist, wenn ich’s bin?« »Was denn?« »Beschäftigt!« »Ach so!« Mary kicherte etwas verlegen und schwieg. »Sagen Sie ihm, ich komme sofort.« »Gut«, erwiderte sie und legte auf. Blixen legte seine Hände flach auf Tibbets Schreibtisch und erhob sich. »Also, was meinst du, wie lange wird es wohl dauern?« »Keine Ahnung.« »Na ja, tu dein Bestes.« »Übrigens, wie steht’s denn mit dem ersten Drehbuch eurer Serie? Ich habe noch nichts bekommen.« »Frag mal bei Mary wegen einer Fotokopie nach. Ich habe es selbst noch nicht gelesen. Aber es muss reichen, ob gut, schlecht oder mittelmäßig.« »Das ist, was mir am Fernsehen so gefällt; die unglaubliche Sorgfalt, mit der man jede Produktion vorbereitet.« Zwölftes Kapitel Art Todds Büro lag im zweiten Stock des Verwaltungsgebäudes, direkt über Blixens Büro und gegenüber einem luxuriösen Waschraum, der allgemein als Todds Tempel bekannt war. Der Schauspieler Murphy Smith kämmte sich gerade die Haare vor einem der Spiegel, als Blixen eintrat. »Ach, Murph«, sprach Blixen ihn an. »Guten Morgen - wie geht’s denn?« Smith war etwa dreißig, mit gebrochenem Nasenbein, hängenden Schultern, klein, talentiert, aber sehr unsicher. Es war Peter Falk gewesen, der ihn entdeckt hatte. Plötzlich wurden die Filmgrößen nicht mehr nach Zentimetern gekauft wie Meterware, je größer, desto besser. Also, als Falk ihn zu einer Fernsehanstalt mitgeschleppt hatte, hatte man zugestimmt, auch geprobt, und plötzlich zeichnete sich ein erheblicher Umschwung ab. Ältere Damen schmolzen vor ihm dahin, und junge Mädchen fanden ihn sexy. Die Männer zählten sowieso nicht; die kauften ja auch nie etwas, also wandte sich die Werbung gar nicht an sie. Er würde einen idealen Saul Stagg abgeben. Der einzige, der daran zweifelte, war Murph Smith selbst. »Es tut mir leid, dass es mit der Verabredung zum Essen nicht geklappt hat«, sagte Blixen. »Hat Mary dich benachrichtigt?« »Sie sagte mir, du wärest beschäftigt.« »Gibt’s was Besonderes?« »Ja, das könnte man wohl sagen, Nils-Frederik«, meinte Murphy. Blixen ging zum Waschbecken und hielt die Hände unter den heißen Wasserstrahl. Er betrachtete Murphy. »Was ist es?« »Dieser Mord!«, meinte Murphy. »Ach so.« »Hast du sonst nichts zu sagen?« »Na ja, es war Pech, aber...« »Ich konnte nicht schlafen. Also rief ich Todd heute Morgen um drei Uhr an. Ich bat ihn, diese Redfern Zu versetzen. Er versprach mir, dafür zu sorgen.« Blixen drehte den Hahn ab, zog ein Papierhandtuch aus dem Ständer und rieb seine Hände trocken. Er wollte etwas sagen, überlegte sich’s aber und hielt den Mund. »Ich hielt sie schon immer für hinterhältig«, meinte Murphy. »So?« »Na ja, weißt du...« »Nein. Erzähle.« »Mit diesem Neger sich einzulassen.« Blixen knüllte das Handtuch zusammen und fragte: »Ich wusste nicht, dass dich so etwas stört, Murph. Bist du Südstaatler?« »Man muss doch nicht aus dem Süden sein, um zu merken, was in diesem Lande geschieht.« Er kämmte sein Haar über seine Stirn nach vorn. »Ich habe eigentlich nichts gegen die Schwarzen. Ich mag sie sogar. Ich will sie nur nicht dazu zwingen, sich mit uns zu vermengen, wenn sie es nicht wollen.« »Separat, aber gleichberechtigt«, meinte Blixen und musste sich räuspern. »Sehr richtig.« »Ist das die Einstellung, die man im Acadia bevorzugt?«, fragte Blixen. Murphys Blick traf den von Blixen im Spiegel. »Ich traf gestern Abend einen Freund von dir«, fuhr Blixen fort. »Bobby irgendwas. Er wohnt mit René Orthez zusammen.« Nach kurzer Pause erwiderte Murphy: »Ach, ja. Bobby war auch Mitglied des Acadia.« »Ja, das hat er gesagt, und angeblich soll Dan Gladstone ebenfalls Mitglied gewesen sein.« »An Gladstone kann ich mich nicht erinnern.« »Bobby anfänglich auch nicht. Gladstone muss ja nicht sehr eindrucksvoll gewesen sein.« »In meinen Augen sehen sie alle gleich aus.« Blixen warf die durchweichten Reste seines Papierhandtuchs in den Abfalleimer. »Bis später.« »Wann erhalte ich denn endlich eine Kopie des endgültigen Drehbuchs?« »Morgen oder übermorgen.« »Ach, Nils...« Murphy steckte den Kamm ein und ging schüchtern auf Blixen zu. »Hör mal. Ich habe mich mit einigen meiner besten Freunde über Stagg unterhalten - weißt du - über das Konzept...« »Ja?« »Eines stört alle. Es ist merkwürdig, Direktoren, auch Schauspieler - gute Schauspieler haben mich schon gefragt...« »Was gefragt?« »Wieso ich Jude sein muss!« »Na ja, Murph. Das ist doch das Wichtigste für diese Charakterrolle, denn schließlich...« »Ist es wirklich so wichtig?«, wollte Murphy wissen. »Wieso könnte ich nicht, ach, ich weiß nicht, ein junger Ire sein? Oder ein junger Bogart? Nichts als Action und Liebe!« »Glaubst du denn nicht, dass sich ein junger Jude genauso für Action und Liebe begeistern könnte?« »Nein«, meinte Murphy. »Wieso nicht?« »Ach komm, Nils. Um Himmels willen, das sind doch Intellektuelle!« »Stagg aber nicht«, beharrte Blixen auf seiner Meinung. Er schlug Murphy kurz auf die Schulter und wandte sich wieder der Tür zu. »Das ist halt dein Schicksal als Schauspieler.« »Das andere, was ihnen nicht passt«, meinte Murphy, »ist Raquel.« »Was passt ihnen denn nicht an Raquel?« »Sie wundern sich nur, warum sie unbedingt Ausländerin sein muss.« »Sie ist doch keine Ausländerin. Sie ist mexikanisch-amerikanischer Abstammung.« »Du weißt genau, was ich meine«, erwiderte Murphy. »Murphy, verstehst du denn nicht? Wir wollen doch hier einen Rassenkonflikt aufzeigen. Raquel ist katholisch, du bist Jude, dein bester Freund ist ein Protestant...« »Wie wär’s, wenn ich Protestant wäre?« »Das klappt nicht. Die ganze Geschichte beruht auf diesen Rassenunterschieden.« »Ich weiß, wie es klappen könnte. Die Lebensgeschichte lassen wir ganz aus dem Spiel, außer der des Pfarrers. Ich spiele halt trotzdem einen Juden, aber nur innerlich, und Raquel ist eine Blondine, viele Mexico-Amerikaner sind es ja - und sie ist in einem reichen Haus im Nordwesten auf...




