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Lang / Weber | Nach der Nacht | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Lang / Weber Nach der Nacht

Holocaustüberlebende über die Zukunft der Demokratie
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-451-84065-4
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Holocaustüberlebende über die Zukunft der Demokratie

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-451-84065-4
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie bewahren wir ein humanes, friedliches Miteinander, wenn um uns herum die Verbitterung zunimmt? Sieben Holocaust-Überlebende zeigen, was uns heute stärkt. 'Nach der Nacht' ist ein aufrüttelndes, hoffnungsvolles und tief bewegendes Buch. Eine Einladung, die Vergangenheit und Gegenwart ernst zu nehmen, um die Zukunft menschlicher zu gestalten. Die tödliche Verbindung von Hass und Lüge hat den Weg nach Auschwitz bereitet und die Welt in eine Finsternis gestürzt, deren Folgen bis heute spürbar sind. Aus dieser Erfahrung haben viele Überlebende der Schoah eine klare Vision davon entwickelt, wie ein besseres Morgen aussehen kann. Über 80 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ist ihre Botschaft dringlicher denn je: Sie warnen vor Desinformation, Extremismus und Gleichgültigkeit, und sie ermutigen uns, Verantwortung zu übernehmen, Menschlichkeit zu leben und unsere demokratischen Werte zu bewahren. In bewegenden Interviews sprechen die Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer, Elly Gotz, Ernst Grube, Charlotte Knobloch, Eva Szepesi, Eva Umlauf und Leon Weintraub mit dem Historiker Thomas Weber und dem Regisseur Joachim A. Lang über ihre Erfahrungen, Werte und Zukunftsvisionen. Dabei geht es nicht nur um Erinnerung, sondern auch um konkrete Orientierung: Wie schützen wir Wahrheit? Wie gestalten wir ein friedliches Miteinander? Und welche Lehren tragen uns durch eine Zeit, in der Hass und Lüge wieder lauter werden? Dieses Buch ist jetzt wichtig, weil es: - sieben bedeutende Stimmen der Erinnerung zusammenführt, die zunehmend rarer werden - eindringlich zeigt, wie gefährlich Desinformation und Extremismus für die Demokratie sind - Hoffnung spendet und Mut macht, Verantwortung im Alltag zu übernehmen - persönliche Zeugnisse mit historischer Einordnung verbindet Für alle, die verstehen wollen, was uns als Gesellschaft zusammenhält. Für alle, die Orientierung suchen in Zeiten der Unsicherheit. Für alle, die den Stimmen der Überlebenden zuhören möchten, bevor sie verstummen.

Joachim A. Lang, geboren 1959, studierte Germanistik und Geschichte. Er ist Journalist, Regisseur und Autor. Zahlreiche Film- und Fernsehpreise, darunter deutsch-französischer Journalistenpreis, Goldener Löwe, Bayerischer Fernsehpreis, Goldener Telix, Emil, Goldener Spatz, Deutscher Fernsehpreis, World Gold Medal beim New York Film Festival. Filme: 2013: 'George', 2018: 'Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm', 2024: 'Führer und Verführer', 'Cranko'.
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Die Schoah und die Zukunft der Demokratie in Zeiten von Desinformation und Demagogie


Von Joachim A. Lang und Thomas Weber


Die Sorge um eine Wiederkehr der Geschichte brachte uns zusammen. Der eine von uns 1959, der andere 1974 geboren, wuchsen wir beide in verschiedenen Teilen Westdeutschlands auf. Seit unserer Kindheit trieb uns die Frage um, wie es sein konnte, dass die wunderbare Welt, in der wir aufwuchsen, die gleiche war, die nicht lange vor unserer Geburt Vernichtung und Tod von bisher nicht gekanntem Ausmaß über die Menschheit gebracht hatte.

An unterschiedlichen Orten Deutschlands und der Welt stellten wir uns immer wieder die Frage: Wie kommt die Finsternis in die Welt? Aber auch: Wie kommt das Licht in die Welt zurück? Die zweite Frage war bei uns immer schon in der ersten mitgedacht und die eigentliche Frage, die uns umtreibt, die wir als Handlungsanweisung verstehen. Es überrascht daher vielleicht nicht, dass wir nicht nur Filme, Bücher und andere wissenschaftliche Texte über den Untergang der Zivilisation produzierten, sondern dass wir immer überlegten, was wir konkret tun können, um die nächste Generation gegen falsche Versuchungen zu immunisieren und die Welt nach dem Untergang wieder zu reparieren.

Als der eine den anderen bat, an seinem geplanten Film über die Macht der Demagogie und der Propaganda als Berater mitzuwirken, merkten wir schnell, wie ähnlich wir denken. Wir freundeten uns an und ließen uns auf das Wagnis ein, den ersten ernsthaften Spielfilm über Hitler seit 20 Jahren auf die Beine zu stellen – ein Film, der schließlich mit dem Titel Führer und Verführer in die Kinos kommen würde und die Zuschauer hinter die Kulissen von Adolf Hitlers und Joseph Goebbels’ Versuchen der Massenbeeinflussung führen würde.

Uns wurde schnell klar, dass dies für uns beide mehr als nur eines unter vielen Projekten war und dass es um den Kern unserer lebenslangen Fragen ging: Wie kommt die Finsternis in die Welt? Wie kann das Licht zurückkehren und die Dunkelheit vertreiben? Und es war uns beiden klar, dass dies für uns ein Film für die Zukunft sein sollte – in der Sorge, dass wir gerade eine Wiederkehr der Geschichte erleben, aber auch in der Hoffnung, dass wenn wir die Grundmuster des Zusammenbruchs in der Vergangenheit darstellen, unsere Zuschauer versuchen, die Welt ein kleines Stück zu reparieren. Dass sie bei sich selbst anfangen, wenn sie die gleichen Grundmuster in der Gegenwart sehen. Uns erschien es beiden so, dass in Wissenschaft und Gesellschaft zu häufig die falschen Fragen an die Vergangenheit gestellt werden. Es bringt wenig, Eins-zu-eins-Vergleiche zwischen Hitler und politischen Führern von heute, zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und politischen Systemen der Gegenwart anzustellen. Aber die Motoren des Zusammenbruchs zu Zeiten von Weltkriegen von Desinformation und Demagogie, in denen sich die Menschen zwischen 1914 und 1945 fanden und mit denen wir uns heute wieder konfrontiert sehen, sind die gleichen.

Wir sehen den Film als einen Film an, der einen Beitrag dazu leisten möchte, eine Eskalation dieses neuen Weltkrieges zu verhindern. Es ist unsere Überzeugung, dass in den letzten 200 Jahren Desinformation und Demagogie immer dann ein goldenes Zeitalter hatten, wenn zwei Dinge zusammengekommen sind:1die Wahrnehmung einer alles gefährdenden politischen und sozialen Krise und eine disruptive Innovation in der Massenkommunikation. Treffen die Wahrnehmung einer existenziellen »Do or Die«-Krise und eine technologische Revolution der Massenkommunikationsmittel aufeinander, können regelrechte Weltkriege der Desinformation und Demagogie entstehen. Der desaströste Weltkrieg dieser Art umfasste die Jahre 1914 bis 1945. Krisenwahrnehmung explodierte regelrecht. Und Propagandisten bedienten sich geschickt des Radios, Kinos, illustrierter Magazine, Boulevardzeitungen und Massenveranstaltungen (die durch den Gebrauch von Lautsprechern nun größer als jemals zuvor sein konnten), um diese Krisenwahrnehmung für ihre Zwecke zu missbrauchen. In der Gegenwart erleben wir einen neuen Weltkrieg der Desinformation und Demagogie, geprägt durch die digitale Revolution und den weitverbreiteten Glauben, eine Zeit der Poly- oder Megakrise zu durchleben. Alle großen Herausforderungen der letzten Jahre werden als Krisen bezeichnet und erlebt – Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Coronakrise, Klimakrise usw. – und verdichtenchten sich in der Wahrnehmung vieler Menschen zu einer existenzgefährdenden Situation.

Auch heute meinen viele Beobachter, dass sich ihre eigene Zeit von der Vergangenheit fundamental unterscheide. Sie verhalten sich wie Geschwister, die jeweils ihre eigene Individualität hervorheben und nicht sehen, was für alle anderen offensichtlich ist: wie ähnlich sie einander sind. Tatsächlich ähnelt die Krise der Gegenwart derjenigen der Zwischenkriegszeit eklatant, wenn wir nicht die konkreten Ausformungen und Konsequenzen der Krise, sondern die Strukturen, die die Krise hervorgerufen haben, vergleichen und wenn wir die Dynamik der Interaktion von Krisenwahrnehmung und disruptiver Innovation in der Massenkommunikation in den Blick nehmen. Wie schon in den Jahren zwischen 1914 und 1945 wird die liberale Demokratie in den Augen vieler dieser fundamentalen Bedrohungssituation nicht Herr. Wieder macht sich der Glauben breit, dass »die da oben« es nicht vermögen, uns aus einer Krise zu führen, die das individuelle und kollektive Überleben infrage stellt.

Zu Beginn neuer Krisen nimmt häufig erst einmal die Solidarität zu. Krisenmanagern wird eine Chance gegeben. Die politischen Auswirkungen von Krisenwahrnehmung sind in der Regel dann am verheerendsten, wenn die Krise eigentlich schon wieder fast vorbei ist. 2020 – im ersten Pandemiejahr – hielten »lediglich« 40 Prozent der Deutschen den Staat für überfordert, seine Aufgaben und Probleme zu bewältigen. Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2024 waren dann 70 Prozent der Deutschen dieser Meinung. In anderen Ländern ist die Situation vergleichbar. Der Zukunftsoptimismus ist verschwunden, Zuversicht Mangelware. Das Wort des »Staatsversagens« macht die Runde. Objektiv gesehen sind wir kollektiv ganz gut durch die Krisen der letzten Jahre gekommen. Aber die Wahrnehmung ist eine andere. In einer solchen Situation – wir wissen das auch aus ähnlichen Konstellationen der Vergangenheit – schlägt die Stunde der Demagogen.

Damals wie heute haben die Versprechungen falscher Propheten Hochkonjunktur und richten über neue Wege der Massenbeeinflussung massiven Schaden an. In den Zeiten, in denen Menschen meinen, dass ihr politisches Führungspersonal sie nicht vor der großen Krise beschützt und außerstande ist, sie wieder aus existenzieller Gefährdung herauszuführen, glauben sie viel eher neuen politischen Verheißungen. Erneut sinkt die Anzahl liberaler Demokratien weltweit, extremistische und Rechtsaußenparteien werden wieder hoffähig und wachsen rasant. In Deutschland hat die liberale, christliche und soziale Demokratie vielerorts keine Mehrheit mehr. Immer mehr Menschen unterstützen stattdessen illiberale Demokratievorstellungen. Damals wie heute geht der Weltkrieg der Desinformation und Demagogie mit einem Kollaps des vorpolitischen Raumes einher, in dem jene Tugenden und Werte entstehen, praktiziert, gelehrt und vorgelebt werden, ohne die keine liberale Demokratie überleben kann: Vertrauen und Empathie sind unter Kontrahentinnen und Kontrahenten nicht mehr üblich, Toleranz, Mäßigung, Solidarität, Gerechtigkeit und Geduld sind ausverkauft. Wieder gerieren sich die Zerstörer des vorpolitischen Raumes als deren Verteidiger. Ursache und Wirkung werden umgedreht. Der Bock erklärt in den Augen vieler glaubhaft, dass er der Gärtner sei, er nicht die fundamentalen Grundsätze unseres Zusammenlebens zerstöre, sondern sie erst wieder herstelle.

Uns trieb die Sorge um, dass die Welt vergessen hat, wie Hitler und Goebbels Demagogie, Desinformation und Manipulation als Waffen mit verheerender Wirkung einsetzten, und daher auch nicht mehr versteht, wie man Demokratie und freie Gesellschaften verteidigt – zu einer Zeit, in der wir erneut an einem Scheideweg stehen. Daher waren wir so besorgt darüber, dass es so lange keine ernsthaften Filme über Hitler gab und dass gerade die deutsche Gesellschaft sich nicht so richtig an Hitler herantraut. Erst in Westdeutschland und dann im vereinten Deutschland hatte sich nach und nach die Überzeugung breitgemacht, dass es besser sei, Hitler nicht zu sehr in den Fokus des Interesses zu stellen. Zu groß sei die Gefahr, so meinte man, dass es dann zu einer Wiederkehr der apologetischen Mentalität der frühen 1950er Jahre kommen würde. In der Nachkriegszeit wurde alles Hitler, Goebbels, Heinrich Himmler und anderen bequemerweise toten NS-Größen in die Schuhe geschoben, die ganz gewöhnlichen Deutschen konnten sich als verführte Opfer gerieren. Dies alles ist eine sehr löbliche Sorge, aber zu Zeiten neuer Demagogie sollte eigentlich allen klar geworden sein, dass Tyrannei in einer Zeit der Massenpolitik nur dann eine Chance hat, wenn es zu einem fruchtbaren Zusammenwirken einer Bevölkerung mit einer weitverbreiteten extremistischen Grundhaltung und talentierten falschen Propheten kommt, die den Extremismus in der Bevölkerung verstärken und kanalisieren. Daher ist der Versuch, aus dem nationalsozialistischen Genozid und Vernichtungskrieg Lehren für das Heute...


Weber, Thomas
Thomas Weber, Jahrgang 1974, Professor für Geschichte und internationale Politik an der University of Aberdeen und Visiting Fellow der Hoover Institution an der Stanford University.

Lang, Joachim A.
Joachim A. Lang, geboren 1959, studierte Germanistik und Geschichte. Er ist Journalist, Regisseur und Autor. Zahlreiche Film- und Fernsehpreise, darunter deutsch-französischer Journalistenpreis, Goldener Löwe, Bayerischer Fernsehpreis, Goldener Telix, Emil, Goldener Spatz, Deutscher Fernsehpreis, World Gold Medal beim New York Film Festival. Filme: 2013: "George", 2018: "Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm", 2024: "Führer und Verführer", "Cranko".

Joachim A. Lang, geboren 1959, studierte Germanistik und Geschichte. Er ist Journalist, Regisseur und Autor. Zahlreiche Film- und Fernsehpreise, darunter deutsch-französischer Journalistenpreis, Goldener Löwe, Bayerischer Fernsehpreis, Goldener Telix, Emil, Goldener Spatz, Deutscher Fernsehpreis, World Gold Medal beim New York Film Festival. Filme: 2013: "George", 2018: "Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm", 2024: "Führer und Verführer", "Cranko".
Thomas Weber, Jahrgang 1974, Professor für Geschichte und internationale Politik an der University of Aberdeen und Visiting Fellow der Hoover Institution an der Stanford University.



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