Lamberti | Die Eisfischerin vom Helgasjön | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Lamberti Die Eisfischerin vom Helgasjön

Roman | Ein winterlicher Wohlfühlroman über einen Neuanfang im schwedischen Lappland
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7499-0611-6
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Ein winterlicher Wohlfühlroman über einen Neuanfang im schwedischen Lappland

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-7499-0611-6
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Neustart für die Seele im schwedischen Winter

Nach siebenjähriger Beziehung machen Rieke und Marco zum ersten Mal getrennt Urlaub. Während er mit Freunden in die Berge zum Skilaufen fährt, erfüllt Rieke sich einen Kindheitstraum und reist nach Lappland, um in der endlosen Weite auszuspannen. Ein unverhofftes Wiedersehen mit ihrem ehemaligen Studienkollegen Theo hinterlässt nicht nur tiefe Spuren im Schnee, sondern wirbelt auch ihre Gefühlswelt gewaltig durcheinander. Unter dem magischen Schein der Nordlichter beginnt Rieke, ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Was als Kurztrip geplant war, entwickelt sich zu einer emotionalen Reise durch das winterliche Schweden, die anders endet, als alle Beteiligten angenommen haben.



Frieda Lamberti ist das Pseudonym einer gebürtigen Hamburgerin. Die Autorin lebt gemeinsam mit ihrer Golden-Retriever-Hündin Lotte in der Lüneburger Heide. Sie ist erst spät in ihrem Leben zum Schreiben gekommen und veröffentlichte ihr Debüt mit 50 Jahren. Inzwischen hat sie bereits mehr als fünfzig Romane veröffentlicht.

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KAPITEL 1


Mit Ach und Krach

Das Geschäft meiner Eltern geriet zum ersten Mal in Schieflage, als ich noch Studentin an der Kunsthochschule war. Im digitalen Zeitalter von WhatsApp und Co. hatte niemand mehr Interesse an Postkarten und Briefpapier. Für Vater und mich kam es nicht infrage, einfach aufzugeben. Optimistisch modernisierten wir das traditionsreiche Familienunternehmen. Aus ›Schreibwaren Christian Kohler‹ wurde ›Die Papeterie‹. Das neue Sortiment umfasste keinen Schul- und Bürobedarf mehr, sondern erlesene Buntpapiere aus aller Welt und alles, was man daraus basteln kann. Mit feinem Gespür für hochwertige Materialien und kreativer Leidenschaft stellten wir individuelle Geschenkverpackungen, Tüten, Alben und Kartonagen für jeden Anlass her, die bei den Kunden zunächst großen Anklang fanden.

Dennoch war meine Mutter felsenfest davon überzeugt, dass der Einzelhandel keine Zukunft mehr habe. Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters hat sie kurzerhand entschieden, das Geschäft endgültig zu schließen und sich in den wohlverdienten Ruhestand zu begeben.

Länger als ein Jahr steht der Laden am Alten Markt nun leer. Es ist nicht so, dass es keine Interessenten für die Räumlichkeiten in bester Lage gäbe. Das Gegenteil ist der Fall. Es liegt bereits ein lukratives Angebot einer Drogeriekette vor, das meine Mutter wohlwollend prüfen will.

Heute ist eine weitere Bewerberin gekommen, die sich die Räume ansehen möchte. Es handelt sich um Julia, die Mutter einer Hockeyspielerin meiner Jugendmannschaft, die ich einmal wöchentlich trainiere. Gern würde sie hier einen Bioladen eröffnen.

Ich führe sie herum, obwohl ich weiß, dass sie die Räumlichkeiten nicht bekommen wird. Mutter will keine Mieter aus der Lebensmittelbranche.

Julia ist hellauf begeistert. Allerdings nur so lange, bis sie die entscheidende Frage stellt. »Gibt es hier keine Toiletten?«

»Doch, aber die befinden sich im Privatbereich. Aber einer der hinteren Lagerräume bietet sich für ein stilles Örtchen an.«

»Und wer bezahlt den Einbau?«

»Das wäre Mietersache.«

Damit hat sich die Führung erledigt.

Kaum hat Julia den Laden verlassen, öffne ich die Verbindungstür und betrete die Wohnung meiner Mutter. Sie hat es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht. In eine Wolldecke gemummelt sitzt sie im Ohrensessel und sieht fern. Gerade läuft ihr geliebtes Boulevardmagazin, das sie nur ungern verpasst, weil sie über Klatsch und Tratsch der Promis und Königshäuser stets informiert sein will.

»Brr, ist es ungemütlich bei dir. Warum stellst du nicht die Heizung an?«

Sie schaut gar nicht auf. »Ich mache mir warme Gedanken, das spart Energie. Aber wenn dir kalt ist, dann koche ich uns einen Tee.«

»Dafür fehlt mir die Zeit. Ich muss dringend nach Hause. Bevor unsere Gäste eintrudeln, habe ich noch eine Menge zu tun. Der Tisch muss noch gedeckt werden, und das Dessert habe ich auch noch nicht zubereitet.«

»Du betreibst einen viel zu großen Aufwand. Wenn dein Vater früher seinen Männerabend hatte, gab es belegte Brote oder einen deftigen Eintopf aus der Dose.«

»Heute kommen nicht Marcos Jungs zum Kartenspielen, sondern Johanna und Paul zu Besuch. Ihnen kann ich keine Konserve vorsetzen.«

Johanna und Paul sind unsere engsten Freunde. Seit sie außerhalb der Stadt im Grünen gebaut haben und über einen großen Garten verfügen, waren wir im Sommer häufig bei ihnen zu Gast. Obwohl es uns bei ihnen gefällt, würde Marco niemals ins Umland ziehen. Für kein Geld der Welt würde er unsere Wohnung unter dem Dach aufgeben. Zwar verfügt die Mansarde weder über einen Lift noch über einen Balkon, den ich gelegentlich vermisse, doch haben wir vom Wohnzimmerfenster freien Blick auf den Isebekkanal. Ich mag unser Viertel im Herzen von Hamburg mit der wunderbar erhaltenen Altbausubstanz, den hervorragenden Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten und der idealen Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz.

»Dann viel Spaß«, wünscht meine Mutter, wickelt sich fester in die Decke und stellt den Fernseher lauter.

Als ich zu Hause eintreffe, ist Marco noch nicht da. Ich hoffe, dass er am Freitagabend nicht wie üblich im Stau steckt und es noch rechtzeitig geschafft hat, zum Getränkemarkt zu fahren. Andernfalls werden wir auf dem Trockenen sitzen.

Nachdem ich den vorbereiteten Auflauf ins Rohr geschoben habe, kümmere ich mich ums Geschirr und nehme die Gläser aus der Spülmaschine, auf denen sich unansehnliche Wasserflecken befinden.

Die Tür klappt. Laut schnaubend schleppt Marco die Getränkekisten in die Küche.

»Hey, Schatz«, begrüßt er mich und drückt mir einen Kuss in den Nacken.

»Unser Geschirrspüler hat ausgedient. Wenn ich jedes Mal nachpolieren muss, kann ich gleich alles per Hand abwaschen und abtrocknen.«

»Bestelle einen neuen, aber bitte nicht vor dem Urlaub«, erwidert er, nimmt eine Flasche Wasser aus der Kiste und löscht seinen Durst direkt aus der Pulle. »Schaffe ich es noch zu duschen, bevor die beiden eintreffen?«

Ohne meine Antwort abzuwarten, marschiert er ins Bad.

»Rieke!«, tönt es gleich darauf. »Wo ist mein Shampoo?«

»Im Schrank, wo es immer steht.«

»Die Tube ist leer.«

Ich verdrehe die Augen. »Dann benutze meins!«

»Von deinem laden sich meine Haare statisch auf.«

»Sei froh, dass du überhaupt welche hast«, antworte ich in Anspielung auf Paul, der sich bereits mit Anfang dreißig mit einer Vollglatze abfinden musste. Seither trägt er eine Kopfbedeckung. Im Sommer ein Baseball Cap, von Herbst bis Frühjahr eine Mütze.

Der Wein, den Marco für Johanna und mich mitgebracht hat, muss dringend kaltgestellt werden. Mir fällt sogleich das befremdliche Etikett auf. »Wieso hast du dir lieblichen Wein aufschwatzen lassen?«, rufe ich verärgert.

»Der ist nicht lieblich, sondern halbtrocken.«

»Nicht trocken genug!«

Er kommt in ein Handtuch gehüllt zu mir in die Küche und bietet an, noch einmal loszugehen, um den richtigen in der Vinothek zu kaufen.

»Besser, du ziehst dich schnell an. Ich erledige das selbst.«

Ich nehme mein Portemonnaie und mache mich auf den Weg ums Eck.

Im Treppenhaus kommen mir bereits Johanna und Paul entgegen. Wir begrüßen uns mit Bussi auf die Wange. »Sind wir zu früh?«, fragt meine Freundin. Das sind sie, aber das behalte ich für mich.

»Auf gar keinen Fall. Marco ist oben. Macht es euch schon mal gemütlich. Ich muss nur noch rasch etwas besorgen.«

Paul hält mich zurück. »Es hat geklappt. Wir bekommen die Skihütte doch.«

»Das ist toll«, quietsche ich. »Wie hast du das bloß geschafft? Auf meine Nachfrage hieß es, dass alle Lodges ausgebucht seien.«

»Das Zauberwort heißt: Connections.«

»Ich weiß zwar nicht, über welche Beziehungen du verfügst, aber ich freue mich wie verrückt. Du bist der Größte.«

Ich verspreche, mich zu beeilen, und nehme die Beine in die Hand.

Auf dem Weg zum Laden stellt sich vor meinem inneren Auge das schneebedeckte Tiroler Bergpanorama auf. Bei klirrender Kälte, aber unter strahlend blauem Himmel sehe ich mich die Pisten hinunterbrettern. Die Vorstellung ist so real, dass ich den kalten Fahrtwind auf meinen Wangen spüren kann. Ich träume von Glühwein und Kaiserschmarrn und rufe mir das urige Blockhaus in Erinnerung, in dem wir im letzten Jahr zu viert einen wunderschönen Winterurlaub verbracht haben. In weniger als zwei Monaten werden Johanna und ich wieder auf der massiven Eckbank sitzen und einen Birnenbrand schnasseln. Derweil wird Paul in der Sauna schwitzen, während Marco den Kamin entzündet und wie Tom Hanks im Film ›The Cast‹ die lodernden Flammen feiert. »Seht her! Ich habe Feuer gemacht«, imitiert er den Schauspieler und breitet stolz seine Arme aus.

»Vorsicht!«, höre ich eine Männerstimme brüllen. Marco ist es nicht. Ich befinde mich auch nicht in Tirol, sondern liege mit unvorstellbaren Schmerzen auf dem Bürgersteig.

»Hiergeblieben, junger Mann!«, befiehlt die fremde Stimme, indes ich mich krümme.

Ein älterer Herr beugt sich über mich. »Können Sie aufstehen?«

»Mein Bein«, jaule ich und begreife noch immer nicht, was mir gerade widerfahren ist.

»Jemand muss einen Krankenwagen rufen!«

»Und die Polizei!«, wirft einer der umstehenden Passanten ein.

»Was ist passiert?«, krächze ich und wische mir mit dem Handrücken über das blutende Gesicht.

»Dieser Rüpel hat Sie frontal mit seinem E-Scooter erwischt. Ich habe es kommen sehen. Aber es ging so schnell, dass ich Sie nicht mehr rechtzeitig warnen konnte.« Der Mann wird lauter. »Das ist ein Bürgersteig! Mal davon abgesehen, dass du hier gar nicht fahren darfst, warst du außerdem in falscher Richtung unterwegs. Das hat ein Nachspiel!«

Das Nächste, das ich wahrnehme, ist eine Streifenpolizistin, die mich nach meinem Namen fragt.

»Bleiben Sie ganz ruhig liegen, Frau Kohler. Der Rettungswagen ist unterwegs.«

Ich beiße die Zähne zusammen. Als ich kurz darauf auf die Trage gelegt werde, würde ich am liebsten laut schreien. »Mein Knie«, wimmere ich, aber zuerst wird meine Wunde am Kopf versorgt.

»Können Sie das Bein strecken?«

»Keine Chance. Wo ist mein Handy? Ich muss dringend zu Hause Bescheid geben.«

»Darum kümmern wir uns später.«

»Ich habe Gäste, die mich erwarten.«

»Die werden heute ohne Sie feiern...



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