E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Lamb Im Glanz des Weihnachtsbaumes
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-7526-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-7526-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Alexa von ihrem Verlobten betrogen wird, tritt ein faszinierender Mann in ihr Leben und trocknet die Tränen der Enttäuschung: Der Adlige Phillipe de Villone bittet sie, ihn zu heiraten. Spontan sagt Alexa Ja zu einer Zweckehe - das scheint der beste Schutz für ihr verletztes Herz! Doch im Glanz des Weihnachtsbaumes beginnt ein ungeahntes Liebesmärchen ...
Die britische Autorin Charlotte Lamb begeisterte zahlreiche Fans, ihr richtiger Name war Sheila Holland. Ebenfalls veröffentlichte sie Romane unter den Pseudonymen Sheila Coates, Sheila Lancaster, Victoria Woolf, Laura Hardy sowie unter ihrem richtigen Namen. Insgesamt schrieb sie über 160 Romane, und zwar hauptsächlich Romances, romantische Thriller sowie historische Romane. Weltweit wurden über 200 Millionen Bücher von Charlotte Lamb verkauft. Nachdem Charlotte Lamb mit 16 Jahren die Klosterschule verließ, begann sie bei der Bank of England zu arbeiten. Ihre Mittagspausen verbrachte sie in der großen Bibliothek der Bank, sie las alles und bildete sich weiter. Als sie bei der BBC als Sekretärin arbeitete, lernte sie ihren späteren Mann Richard Holland kennen, er war politischer Berichterstatter. Durch ihren Mann kam sie zum Schreiben. Da sie gern Liebesromane las, schlug er ihr zu Beginn der 1970er Jahre vor, doch selbst einen Liebesroman zu schreiben. Umgeben von drei lebhaften Kindern schrieb Charlotte Lamb ihren ersten kurzen Roman innerhalb von drei Tagen. Obwohl sie bald fünf Kinder hatte, verfasste sie weitere Manuskripte, im Jahr 1973 schließlich konnte sie ihren Liebesroman an den Verlag Mills & Boon verkaufen.
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1. KAPITEL
Alexa lief am Ufer entlang, das durch hölzerne Buhnen abgetrennt war; ihre Arme hielt sie weit ausgestreckt, und so balancierte sie wie ein Akrobat und kämpfte dabei gegen den starken Westwind an. Ihre grünen Augen strahlten, als sie die salzige Gischt in ihrem Gesicht spürte. Die Wellen schlugen unten am Strand hoch auf und nahmen beim Zurückfließen Sand und nasse Kiesel mit sich. Ein grauer Dunst hing wie ein undurchdringlicher Schleier über dem fernen Horizont.
Als Kind hatte Alexa Stunden damit verbracht, so auf den Buhnen herumzubalancieren. Dabei hatte sie dem Schrei der gelbschnäbeligen Seemöwen zugehört, die über ihrem Kopf dahinzogen. Es vermittelte ihr Gefühle der Freiheit, des Risikos und der Aufregung, wenn sie so am Wasser dahinlief. Sie war allein mit den Elementen und der Gefahr. Der Wind zog und zerrte an ihr und presste ihre Jeans gegen die Beine. Ihr langes rotgoldenes Haar flatterte wie eine Sturmfahne hinter ihrem Rücken.
Eine Welle der Ausgelassenheit nahm von ihr Besitz. Sie drehte sich um, und auf ihrem Gesicht war Lebensfreude und Unbekümmertheit zu lesen. Sie begann ihren Weg so, wie sie gekommen war, wieder zurückzubalancieren.
Plötzlich bemerkte sie einen Mann, der reglos dastand und ihr zusah. Sie hatte sich völlig allein geglaubt zu dieser frühen Morgenstunde, und sein überraschendes Auftauchen störte sie.
Alexa wollte schnell weiterlaufen und begann zu schwanken. Es gelang ihr nicht mehr, das Gleichgewicht wiederzugewinnen, und sie fiel. Aber der Fremde war schneller, als sie dachte. Bevor sie stürzte, wurde sie von seinen harten, kräftigen Armen aufgefangen, und dann rollten sie beide zusammen den steil abfallenden Hang zum Strand hinunter, wobei die Kiesel unter ihnen wegspritzten.
„Oh, verflixt …“, murmelte Alexa.
Einen Augenblick lag sie benommen da. Ihr Kopf wurde fest gegen seine breite Brust gedrückt, und sie vernahm einen seltsamen, rhythmischen Ton. Erst nach einer Weile begriff sie, dass es der Herzschlag des fremden Mannes war, dem sie lauschte.
Mit einem Ruck stand sie auf und blickte in das ausdrucksvolle Gesicht, in dem sich keine Miene bewegte. Eisgraue Augen blickten sie durchdringend an.
„Es tut mir leid“, murmelte sie und fühlte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg.
„Haben Sie sich verletzt?“, fragte er.
„Nein, dank Ihrer breiten Brust“, antwortete sie und lächelte ihn höflich an. Er reagierte jedoch nicht darauf.
„Sie haben Glück gehabt“, bemerkte er. „Was für ein törichtes Spiel haben Sie da gespielt! Sie hätten leicht ins Meer stürzen können und wären ertrunken.“
„Das glaube ich nicht. Ich bin eine sehr gute Schwimmerin und bin es gewohnt, auf Buhnen herumzuspazieren“, erwiderte Alexa.
„Das Meer sollte man nie unterschätzen“, sagte er kurz angebunden, „es ist unberechenbar.“
Sie bemerkte, dass er einen leichten Akzent sprach. War er Franzose? Sein Englisch war ausgezeichnet, aber schon fast zu gut. Alexa klopfte den Sand von ihren Jeans. Er stand nun ebenfalls auf, und sie sah, dass sich auf seinem offensichtlich teuren Anzug Salzflecken gebildet hatten.
„Ach du meine Güte! Ich glaube, Ihr Anzug ist schmutzig. Bitte erlauben Sie, dass ich ihn reinigen lasse …“
Seine dunklen Brauen zogen sich zusammen, und ein arroganter Ausdruck erschien auf seinem Gesicht.
„Das werde ich nicht erlauben“, gab er ihr trocken zu verstehen.
„Aber es geschah durch meine Schuld“, protestierte Alexa.
Obwohl er nicht widersprach, ließ er ihr doch nicht ihren Willen. „Für die Reinigung bezahle ich schon selbst“, meinte er kurz.
„Nun gut. Jedenfalls danke ich Ihnen noch einmal für Ihre Hilfe“, erwiderte Alexa zögernd und wollte sich auf den Heimweg machen.
„Aber bitte keine gefährlichen Spiele mehr.“ Es klang wie ein Befehl.
Alexa war wütend. Wusste er nicht, wie sich das anhörte?
„Sind Sie Franzose?“, fragte Alexa.
„Ja“, gab er zu.
„Auf Urlaub?“, fragte sie, mehr eigentlich, um eine höfliche Konversation aufkommen zu lassen.
„Nein.“ Die Antwort war kurz und knapp, und damit machte er deutlich, dass er keine Unterhaltung wünsche. Offenbar hasste er es, Fragen beantworten zu müssen.
Alexa schüttelte die windzerzausten rotgoldenen Haare und verabschiedete sich mit einem kurzen Nicken. „Also nochmals vielen Dank“, sagte sie erneut und stieg langsam den Strand empor. Sie blickte nicht mehr zurück.
Ihre Arbeit begann um neun. Sie schlüpfte durch den Eingang für Angestellte ins Hotel und lief hinauf in ihr Zimmer. Dort duschte sie, zog das schwarze Kostüm an, das sie zur Arbeit trug, und ging in das Personalspeisezimmer, um ein leichtes Frühstück einzunehmen, das aus Toast, Marmelade und Kaffee bestand.
Seit einem Jahr arbeitete Alexa im Garth Hotel als Empfangsdame. Sie arbeitete gern direkt mit Menschen zusammen, war von herzlicher und freundlicher Art und fiel nicht sofort in Panik, wenn irgendetwas schiefging.
Der Hotelmanager, Hal Cecil, war ihr Verlobter. Es war seine Idee gewesen, dass sie hier arbeiten sollte. Es würde ihnen die Möglichkeit geben, sich öfters zu sehen, wenn er sich ab und zu von seiner anstrengenden Tätigkeit freimachen konnte. Aber noch verliefen seine Abende meist so, dass er ständig für die Gäste da sein musste.
Als sie Hals Stimme auf der Treppe hörte, schaute sich Alexa um und sah seine blonden Haare. Er verneigte sich höflich vor einer gut frisierten Dame, die zu den Hotelgästen gehörte. Es war eine Witwe, schlank von Gestalt, sie stammte aus Durham. Heute trug sie ein kaffeefarbenes Leinenkleid, sehr raffiniert, aber doch einfach geschnitten. Ihre braunen Locken ringelten sich um ein herzförmiges Gesicht, das einen Ausdruck von kindlicher Süße hatte. Sie strahlte eine gewisse Zerbrechlichkeit aus.
Deidre Weatherby war seit letzter Woche im Hotel und zog sowohl männliche als auch weibliche Augen auf sich, ganz gleich, wo sie erschien. Man muss sie gern haben, überlegte Alexa. Die offensichtliche Verwundbarkeit der schmalen Frau erweckte sofort und überall Sympathie. Sie war nur sechs Monate verheiratet gewesen, als ihr Mann bei einem Autounfall ums Leben kam. Das war vor einem Jahr gewesen. Vor Kurzem hatte sie Alexa anvertraut, dass dies der erste Urlaub sei, den sie allein verbringe. Sie hasste es, allein zu sein, hatte sie gesagt und dabei Alexa mit ihren großen braunen Augen angeblickt.
Alexa war von ihrer Jugend und ihrem Geständnis gerührt, obwohl Deidre ein Jahr älter war als sie. Aber ihre kleine zarte Gestalt machte sie tatsächlich ein bis zwei Jahre jünger. Jedenfalls fühlte sich Alexa stärker und erfahrener als sie.
Sie beobachtete nun die beiden und sah, wie Hal mit seinen hübschen blauen Augen sanft auf Deidre herabsah. Auch er hat Mitleid mit ihr, dachte Alexa und war glücklich. Er war immer sehr freundlich, und er fühlte wohl wie sie, dass Deidre tapfer versuchte, sich mit ihrer Situation abzufinden.
Alexa fühlte sich plötzlich beobachtet und drehte sich schnell um. Ein höfliches Lächeln trat auf ihr Gesicht, das aber schnell unter dem Blick eisgrauer Augen erstarrte.
Einen Moment lang war sie zu erschrocken, um sprechen zu können. Dann riss sie sich zusammen und sagte höflich: „Guten Morgen. Was kann ich für Sie tun?“
„Mein Schlüssel“, sagte der Mann kurz angebunden. „Zimmer drei.“
Sie war überrascht. Bis jetzt hatte sie diesen Mann noch nie gesehen. Zimmer drei war erst gestern frei geworden. Er muss also, sagte sie sich, gestern Abend eingetroffen sein, als ich schon freihatte. Sie gab ihm den Schlüssel und sagte höflich: „Bitte schön, mein Herr.“
Nur einen Augenblick lang bildete sie sich ein, dass er sie nicht wiedererkannt hatte. Heute früh am Strand, in ihren alten verwaschenen Jeans, mit ihrem aufgelösten Haar musste sie ganz anders ausgesehen haben, nicht so kühl und förmlich gekleidet wie jetzt als Hotelempfangsdame. Der Mann drehte den Schlüssel um seinen Finger, musterte sie aufmerksam von oben bis unten, ohne jedoch mit irgendeiner Miene zu verraten, was er dachte. „Keine bösen Nachwirkungen von Ihrem Fall heute Morgen?“, fragte er schließlich.
Ihr Gesicht war ebenso ausdruckslos wie seines. „Nein, danke der Nachfrage.“
Er nickte und ging zum Aufzug. Sie sah im Register nach, wie er hieß. Phillipe de Villone. Der Name seines Heimatortes war ihr unbekannt. Sarconne. Eine französische Stadt? Oder ein Dorf? Sie betrachtete die energische Handschrift. Selbst wenn sie ihn nie gesehen hätte, könnte diese Schrift ihr doch manchen Aufschluss über ihn geben.
Es gab viel Arbeit an diesem Tag, und sie sah Hal nur ganz kurz. Ein oder zwei Mal lächelte er sie im Vorübergehen an, aber er war heute ebenfalls sehr beschäftigt und hatte keine Zeit, mit ihr zu sprechen.
Am Abend um sechs Uhr kam die Ablösung, ein freundliches junges Mädchen vom Ort. Sie war verheiratet und hatte ein kleines Kind. Um das Familienbudget aufzubessern, arbeitete sie halbtags. Alexa plauderte ein bisschen mit ihr und wartete auf Hal, der gewöhnlich kam, um sie abzuholen, weil sie dann entschieden, was man unternehmen könne. Sie durchquerte die Hotelhalle bis zum Treppenaufgang und wollte in Hals Büro hinaufgehen, weil er nicht kam, lief jedoch geradewegs auf Phillipe de Villone zu. Sie machte ihm Platz, ein höfliches Lächeln auf den Lippen, und wollte ihn vorbeilassen. Stattdessen hielt er an und betrachtete sie mit dem Blick seiner grauen Augen, aus denen niemals ein Lächeln sprach.
„Da Sie unser Gast sind“, begann sie ihn...




