Lahnstein | Hauptsache Tanzen! | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Lahnstein Hauptsache Tanzen!


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-945067-12-3
Verlag: Gute Ideen Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

ISBN: 978-3-945067-12-3
Verlag: Gute Ideen Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Sophie ist vierzehn und leidenschaftliche Lateintänzerin. Gemeinsam mit ihrem Bruder Lars steht sie kurz davor, die Hessischen Meisterschaften der Junioren zu gewinnen. Doch ihr Traum von der großen Tanzkarriere scheint beendet, als sich ihr Bruder bei einem Unfall so schwer verletzt, dass er nicht mehr tanzen darf. Als wäre das nicht schlimm genug - gemeinsam mit ihm soll sie für ein Schuljahr zu Oma Anni aufs Dorf ziehen. Mit jeder Menge Vorurteile im Gepäck steigt Sophie schließlich bei einer Garde- und Schautanzgruppe ein, hat aber nur ein Ziel im Sinn: Bei den 'Hupfdohlen' will sie sich einen neuen Lateintanzpartner angeln. Aber dann kommt alles ganz anders als gedacht ... '

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Sophie betrachtete sich zufrieden im Spiegel: Pink stand ihr wirklich gut. Da hatte die Kostümschneiderin wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Mit den vielen bunten Glitzersteinchen und den rosafarbenen Fransen, würde ihr heute keiner die Show stehlen können.

Sophie schaute sich um. Warum waren die Umkleidekabinen selbst bei einer Hessenmeisterschaft so klein und unkomfortabel? Nicht einmal sechs Quadratmeter maß dieser Abstellraum. Ihren Schminkkoffer hatte sie notdürftig auf einer Kiste platziert, nicht einmal einen Tisch gab es hier. Egal, diese Abstellkammer-Atmosphäre war sie von den meisten Turnieren und Auftritten gewohnt. Hinter den Bühnen und Tanzflächen sah es eben nie so schön aus wie im Festsaal. Sophie zog ihren Lippenstift nach und sprühte noch einmal lange und kräftig über ihren Kopf. Ihr Bruder Lars saß auf einem Stuhl und bearbeitete seine Tanzschuhe mit schwarzer Politur. Typisch Lars. Immer alles auf den letzten Drücker.

»Beeil dich, sonst musst du noch in schmutzigen Schuhen auf die Tanzfläche gehen«, drängelte Sophie.

»Na und? Ich will mit dir als bestes Tanzpaar überzeugen und keinen Preis als bester Schuhputzer gewinnen!«

Sophie musste grinsen. »Du weißt ganz genau, dass das Gesamtpaket zählt.«

»Warum sonst lasse ich mich in diesen Pinguin-Anzug pressen und mir die Haare mit Gel zukleistern?«

Sophie schüttelte den Kopf. Während sie es liebte, sich für die Showbühne aufzuhübschen, lästerte ihr Bruder immer wieder über das in seinen Augen »aufgesetzte Brimborium«.

Sophie ging in Gedanken noch einmal die Reihenfolge der Figuren durch, die sie seit Monaten einstudiert hatten. Der Jive war ihr absoluter Lieblingstanz. Spritzig, schnell und ideal zum Austoben. Erst vor wenigen Tagen hatte Sophie ihren Trainer darum gebeten, noch eine zusätzliche Schwierigkeit einzubauen. Wer Hessenmeister werden wollte, musste bereit sein, alles zu geben. Auch wenn das hieß, dass zu den üblichen sieben Trainingseinheiten pro Woche weitere Übungsstunden hinzu kamen. Sophie lächelte zufrieden. Den Jive hatte sie drauf. Nachdenklich schaute sie zu Lars. Hoffentlich patzte ihr Bruder nicht wieder an der neuen Stelle.

Nur ihrer schnellen Reaktion hatten sie es zu verdanken, dass keiner der Wertungsrichter in der Vorrunde etwas bemerkt hatte. Lars hatte eine Mischung aus alten und neuen Schritten getanzt, aber zum Glück hatte Sophie rechtzeitig reagiert und war seiner Führung gefolgt. Auf noch so eine Schrecksekunde konnte sie wirklich verzichten.

»Wie wäre es, wenn du das Handy weg legst und den Jive durchgehst?«

Lars schaute gebannt auf sein Smartphone.

»Bruderherz, ich spreche mit dir.«

Lars tippte mit schnellen Fingern auf dem Display herum.

Wenigstens hatte er den Ton ausgeschaltet.

»Wenn du uns die Meisterschaft versaust, ist was los!«

Lars hob den Kopf. »Das wird schon klappen. Wer sollte uns jetzt noch den Sieg wegschnappen?«

»Lizzy und Matteo zum Beispiel, die uns in der Vorrunde beim Cha-Cha-Cha Platz eins geklaut haben?«

Ihr Bruder sagte nichts.

»Ich meine ja nur, die neue Stelle ist nicht ohne, das war ganz schön knapp in der Vorrunde.«

Lars nickte mit dem Kopf. Sophie musste sich zusammenreißen, um ihm nicht sofort das Handy aus der Hand zu nehmen. Was war nur los mit ihm? Seit Wochen war er unkonzentriert im Training und schaute in jeder kleinsten Pause auf sein Handy. Mit wem schrieb er da überhaupt? Seit wann hatte er Geheimnisse vor ihr? Wieso begriff er nicht, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war, um mit irgendjemandem zu texten? Er wollte diesen Sieg und die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft doch genauso sehr wie sie, oder nicht?

Lars stand auf. »Ich muss nochmal kurz weg«, sagte er leise.

»Du musst was?« Sophie war fassungslos. »In zwanzig Minuten müssen wir wieder auf der Tanzfläche stehen.«

»Bis dahin bin ich zurück.«

»Wo willst du denn hin?«

»Erkläre ich dir später.«

»Du kannst doch nicht mit den Tanzschuhen nach draußen!«

Schneller als Sophie nachdenken oder sich ihm in den Weg stellen konnte, war ihr Bruder schon verschwunden.

Sophie ging unruhig in der Umkleidekabine umher. Was zum Teufel war ihrem Bruder wichtiger als diese Meisterschaft? Er hatte doch nicht? Nein! Das hätte er ihr gesagt. Aber was, wenn doch? Das würde zumindest erklären, warum er das Tanztraining in der letzten Zeit nicht mehr ganz so ernst genommen hatte wie früher. Natürlich! Es gab keine andere Erklärung: Er hatte eine Freundin! Für wen sonst ließ man in so einer Situation alles stehen und liegen?

Sophie setzte sich auf die Kante des Stuhls. Diese neue Erkenntnis musste sie erst einmal verdauen. Seit ihrer Kindheit verbrachte sie so gut wie jede freie Minute mit Lars. Zwei bis drei Stunden trainierten sie mindestens pro Tag. Und oft analysierten sie danach noch stundenlang ihre Tanzvideos oder schauten sich andere Tanzpaare auf Youtube an. Für Eis essen oder ins Kino gehen blieb ihr so gut wie nie Zeit. Und ins Schwimmbad fuhr sie nur, wenn ihr ganzer Körper vom vielen Training so schmerzte, dass nur ein Ausdauertraining im Wasser in Frage kam. Sophie seufzte. Nein, sie hatte nichts vermisst. Sie und ihr Bruder waren viel mehr als nur Geschwister, sie waren allerbeste Freunde, da brauchte man keine anderen Freundschaften! Sophie rutschte mit ihrem Po noch etwas weiter nach hinten – ein bisschen zu viel: Der offene Schminkkoffer, der auf einer Kiste auf dem Stuhl stand, kippte um. Lippenstifte, Haarspray, Make-up, Haargummis und jede Menge Klämmerchen fielen heraus.

»Scheiße!« Das hatte Sophie gerade noch gefehlt.

Lars rannte durch die engen Gänge der Stadthalle. Nicht nur, dass überall Kisten, Schuhe und Kostüme herumlagen, er musste sich auch zwischen den vielen Tänzern hindurch schlagen, die auf kleinster Fläche noch einmal ihre Schrittfolgen durchgingen.

Als Lars im Innenraum der Halle ankam, schaute er zur Tanzfläche. Die Endrunde der Kinder würde bald fertig sein. Danach gab es höchstens eine fünfminütige Pause. Er würde sich ganz schön beeilen müssen!

Als Lars die schwere Eingangstür hinter sich zufallen ließ, erschrak er. Heute Morgen war es ihm gar nicht so kalt vorgekommen, jetzt pfiff der eisige Wind durch seinen dünnen Tanzanzug. Lars schaute sich um, überall lagen Schnee- und Eisreste. An der Wand lehnte ein Mountainbike. Wer kam denn bei diesem Wetter mit dem Rad hierher?

Sein Handy brummte. Eileen hatte ihm die GPS-Koordinaten zugeschickt.

Mist, das war weiter weg als gedacht! Zu Fuß würde er es niemals rechtzeitig hin und zurück schaffen. Er schaute noch einmal zu dem Mountainbike. Das war es!

Lars zögerte. Er hatte noch nie etwas geklaut. Aber das hier war ein Notfall. Er musste seinem Mädchen helfen!

Er lächelte, als er losfuhr. Sein Mädchen. Wer hätte gedacht, dass er das einmal sagen konnte.

Lars stellte den Ton seines Handys auf maximale Lautstärke, in der Hoffnung, die Anweisungen von Google Maps hören zu können. Fehlanzeige! Er konnte nur ein dumpfes Genuschel vernehmen. Lars griff in die Jackentasche. Dann musste er es eben festhalten. Das Fahrrad würde er auch mit einer Hand lenken können. Außerdem konnte er so auch die Richtungsanweisungen auf dem Bildschirm verfolgen. Lars war zuversichtlich: Schon in wenigen Minuten würde er bei Eileen sein!

Aber dann war es doch schwerer als gedacht. Der Typ, dem das Bike gehörte, musste um einiges größer sein als er. Lars kam mit den Füßen gerade so an die Pedale, wenn er sich streckte – locker zurücklehnen und wie geplant mit einer Hand fahren, kam nicht in Frage.

Lars hielt sein Smartphone fest mit den Fingern umschlungen und presste Daumen und Zeigefinger gleichzeitig gegen den Lenker.

Mist, das war gar nicht so einfach. Wieso hatte jemand, der so ein teures Bike fuhr, nicht auch eine Halterung am Rad, mit der man in Sekundenschnelle sein Handy festklemmen konnte?

Lars schaute auf das Display. Nur noch drei Straßen, dann hatte er es geschafft. Schnell würde er gleich Eileens abgesprungene Fahrradkette wieder aufziehen und dann könnten sie zusammen in wenigen Minuten zurück in der Stadthalle sein.

Endlich könnte Eileen ihn dann mit seiner Schwester tanzen sehen.

Lars freute sich schon auf Sophies Gesicht, wenn sie Eileen kennen lernen würde. Die beiden mussten sich einfach mögen! Eileen konnte zwar nicht tanzen, hatte aber so viele tolle Eigenschaften, die er auch an seiner...



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