Lämmermann / Höft | Landluft für Anfänger - 07 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 103 Seiten

Reihe: Landluft für Anfänger

Lämmermann / Höft Landluft für Anfänger - 07

Geisterbeschwörung
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8387-4784-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Geisterbeschwörung

E-Book, Deutsch, Band 7, 103 Seiten

Reihe: Landluft für Anfänger

ISBN: 978-3-8387-4784-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



DAS MUSS LANDLIEBE SEIN - ein digitaler Serienroman in 12 Folgen.

Folge 7: Geisterbeschwörung

Eine Entdeckung in Marthas Aufzeichnungen hat die Geister der Vergangenheit heraufbeschworen. Jetzt würfeln sie Mias Liebesleben durcheinander, geben einem alten Feind neue Nahrung und bringen den ersten gemeinsamen Plan der Schwestern in Gefahr. Da hilft es auch wenig, dass einer der Handwerker, der eigentlich nur Marthas alte Remise auf Vordermann bringen soll, plötzlich Gespenster sieht ...

LANDLUFT FÜR ANFÄNGER bietet 12 Folgen romantisch humorvolles Lesevergnügen für Fans von Kerstin Gier und Britta Sabbag.

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Sonntag, 13. April


10:00. Hauptfriedhof Lübbenau. An Marthas Grab


Nicht einmal an Marthas Grab bin ich vor dem Inzestkarussell gefeit. Als ich über den knirschenden Kies auf das noch provisorische Grab zusteuere, sehe ich Marlies – meine potenzielle Tante! – an Marthas Grab knien und ein paar rote Tulpen auf dem Erdhügel ablegen. Es ist ihr wohl unangenehm, dass ich sie dort sehe, denn sie richtet sich sofort auf und zitiert, mit einem Blick auf unseren mittlerweile ziemlich verwelkten Grabkranz: »Deine Spreewälder Mädchen, das hättet ihr wohl gerne.« Kaum hat sie ihren Giftpfeil abgeschossen, wird ihr wohl bewusst, dass ihre bissige Art an Marthas Grab unangebracht ist, denn sie räuspert sich heiser und fügt schnell hinzu: »Was habt ihr mit dem Haus nun vor?« Was meint sie? Ob sie aus Iris’ Umzugswagen geschlossen hat, dass wir ausziehen? Oder ob sich unsere neuen Arbeiten an der Remise herumgesprochen haben? Vielleicht ist es Marlies’ lauernder Blick, vielleicht auch der Gedanke, dass – sollte Marlies meine Tante sein – sie vielleicht Ansprüche auf das Erbe anzumelden hat. Auf jeden Fall warnt mich meine Intuition davor, ihr unsere neuen Pläne zu verraten. Deshalb sage ich nur: »Wir versuchen mit dem Erbe so umzugehen, wie es Martha gerne gehabt hätte.« Maiks Mutter nickt steif, nimmt die mit Wasser gefüllte Gießkanne, die zu ihren Füßen steht, und verschwindet in einer der gegenüberliegenden Gräberreihen.

Ich lege meine bunten Tulpen neben die von Marlies. »Martha Dubizak. 26.12.1927 – 21.03.2014« steht auf dem provisorischen Holzkreuz. Sieht Martha ähnlich, dass sie uns ihren Geburtstag verschwiegen hat. Die Vorstellung, dass ihr Körper unter diesem Haufen Erde liegt, kommt mir immer noch surreal vor. Es ist seltsam, aber hier, auf dem Friedhof, an diesem Grab, ist mir Martha weniger nah als bei uns auf der Insel. In ihrer Remise. Noch hängt ihr Geruch in der alten DDR-Küche, auch wenn wir am Donnerstag die letzten Möbel zum Sperrmüll gebracht haben (einige schöne Stücke habe ich gerettet, sie stehen jetzt bei uns im ersten Stock und warten darauf, Teil der Pensionszimmer zu werden). Marthas Kleidung haben wir nach einiger Diskussion – bis auf einen alten Wollmantel und ihre sorbischen Trachten – in die Altkleidersammlung gegeben. Iris wollte Marthas weniges Hab und Gut (ein paar Bücher, Nippes, abgegriffene Alltagsgegenstände wie verschlissene Stofftaschentücher und Ähnliches) ebenfalls wegwerfen. Und wahrscheinlich hatte sie Recht, dass dies im Sinne der unsentimentalen alten Frau gewesen wäre. Ich hab’s nicht übers Herz gebracht und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion alles in Kisten verpackt und in unseren Keller geschleppt. Es fühlt sich seltsam an, ein Leben einfach in ein paar Tagen ›aufzulösen‹. Was ist, wenn mit Marthas Sachen plötzlich auch das Gefühl geht, dass Martha hier bei uns ist? Was, wenn ihr Geist, den ich dort dann und wann noch zu spüren glaube, verschwindet, wenn wir die Remise umgebaut und die Küche modernisiert haben? Ich frage mich, was dieser schlaksige Handwerker gesehen hat, als er die Remise angestarrt hat und davon redete, die Transformation sei noch nicht abgeschlossen. Ein Knirschen holt mich aus meinen traurigen Gedanken. Marlies verlässt den Friedhof. Wen sie hier wohl besucht hat?

Fünf Minuten später vor einem Doppelgrab


Ein Grab wie der Vorgarten eines bürgerlichen Einfamilienhauses. Kleine Pflastersteine umgrenzen ein viereckiges Stück Erde, in das Marlies eben in Reih und Glied frische Blumen gesetzt und alles Unkraut entfernt hat. Darüber ragt, auf der Stirnseite, eine große, glatte Marmortafel auf: »Armin Nowak. 1927 – 2002«. Marlies’ Vater. Oder sollte ich besser sagen: Ziehvater? Darunter: »Annie Nowak. 1929 –«. Todesdatum fehlt. Ob Marlies wirklich nichts davon weiß, dass sie einen anderen Vater hat? Beweist nicht auch die Tatsache, dass Marlies’ Mutter bereits ihren Namen auf den Grabstein hat eintragen lassen, eine Verbundenheit mit ihrem verstorbenen Mann? Was ist, wenn Laura Recht hat und dieser Zusatz »der Kaiser« gar kein Hinweis auf den echten Kindsvater ist …? Vielleicht sehe ich wirklich Gespenster, und es gibt eine ganz andere Erklärung … Hier in der friedlichen Atmosphäre des Friedhofs kommen mir meine schwarzen Gedanken der letzten Wochen zumindest plötzlich weniger zwingend vor. Maiks Oma scheint noch zu leben … Vielleicht könnte ich sie fragen … Es sei denn, sie hat ihren Mann verlassen und liegt jetzt in einem anderen Grab mit ihrem neuen Lover, und ›der Kaiser‹ war nur der Anfang vom Ende dieser Ehe? Mia! – So oder so, die Vorstellung, sich in dieses Doppelgrab zu legen, jagt mir einen Schauer über den Rücken. Denn selbst wenn Armin Nowak die Würmer nicht wie einen Schweizer Käse zerlöchert haben (habe gestern gegoogelt, laut dem Generalsekretär des Bundesverbandes deutscher Bestatter leben Würmer nur bis zu einer Bodentiefe von dreißig Zentimetern, die Grabtiefe jedoch beträgt 1,6 bis 2 Meter), die Zersetzung seines Gewebes sollte inzwischen abgeschlossen sein. Maiks Oma würde sich also höchstens noch neben seine Gebeine legen! Mia, du solltest dringend aufhören, morbide Dinge zu recherchieren!

Zur gleichen Zeit. Im Stall


»Mit der Entwurmung warten wir noch. Es sei denn, die Lämmer haben Durchfall, oder du hast in ihren Kötteln Bandwurmglieder gefunden?« Igitt. Bandwurmglieder. Als würden sie meinen Ekel teilen, brechen die beiden Ganter plötzlich in lautes Trompeten aus. Ich versuche Torben mit Zeichensprache verständlich zu machen, dass sie leider wegen ungebührlichen Betragens eingesperrt bleiben müssen. Torben schaut mich verständnislos an. Er hat kein Wort verstanden. Wir warten, bis die Ganter Ruhe geben. »Das ist Protest. Weil sie im Stall bleiben müssen. Aber wir wollen nicht, dass die beiden Monster unsere Handwerker auffressen.« – »Treten sie sich gegenseitig? Oder einer den anderen?« – »Treten? Nein, die beißen eher. Aber nur andere.« Torben schüttelt den Kopf. »Nein, ich meinte, besteigen sie sich gegenseitig? Haben sie Sex?« Ach so. ›Treten‹ heißt bei Gänsen, was für ein unschöner Ausdruck für … Großer Gott, ich werde doch wohl nicht rot, nur weil Torben mit mir über Gänsesex reden will?! »Ähm, ja. Das haben wir schon öfter mitbekommen. Mal ist … Aschenbach oben, mal Orpheus.« Ich räuspere mich verlegen. Torben verzieht keine Miene. »Und was war jetzt mit dem Schafskot?« – »Ach so, nein, also, weder Durchfall noch, äh  …« – »Bandwurmglieder?« – »Genau. Ich meine, nein, Bandwurmglieder auch nicht.« Torben nickt zufrieden. »Ihr habt die Mutterschafe nach dem Ablammen entwurmt, sagte Mia, da bekommen die Jungen genug Abwehrstoffe über die Muttermilch.« – »Ja, schon, aber …« Ich zögere, zu fragen, was ich fragen möchte. Ich bin mir nicht sicher, ob Torben zu seiner reservierten Haltung zurückgekehrt oder einfach nur professionell bei der Sache ist, bei seinem beruflichen Auftrag. Bisher ist nicht ein persönliches Wort gesprochen worden. Wir haben uns zuletzt kurz vor Marthas Tod und bei ihrer Beerdigung gesehen. Angesichts der traurigen Anlässe ist Torben mir freundschaftlich und Anteil nehmend begegnet, das war mehr, als ich erwarten konnte nach seinem Verhalten in den Wochen zuvor. Keine Ahnung, wie meine Aktien zurzeit stehen. Egal. Leisetreter waren nie mein Fall. Deshalb sage ich: »Der Kleine da«, und zeige auf unser Flaschenlamm Krabat, »ist aber nicht von unseren Mutterschafen gesäugt worden. Sondern von …, also, er hat Milch von Brunos Schafen bekommen. Ich weiß nicht, ob der seine Schafe auch nach den Geburten entwurmt hat und …« – »Natürlich hat er das. Das ist so üblich«, fällt Torben mir ins Wort. Wir schweigen einen unangenehmen Augenblick lang. Ich frage mich gerade, wie ich die angespannte Situation am besten beende, als Torben plötzlich sagt: »Ich hab mich wohl ziemlich dämlich benommen.« Ich atme einmal durch. »Das weiß ich nicht, Torben. Ich kenne ja die Gründe für deine, ähm, etwas ruppige Zurückhaltung nicht.« – »Nein. Doch«, sagt Torben sinnentleert. »Ich weiß nicht, wie ich dir das … Es war nur, weil …« Torbens Handy klingelt. Der Ausdruck von Erleichterung auf seinem Gesicht, als er den Anruf annimmt, ist nicht zu übersehen. Ein Notfall.

11:30. Marthas Remise


Iris kniet in Marthas Küche, räumt Teller und Töpfe aus den Schränken in Kartons und schaut auf, als ich im Türrahmen stehend »Den Bräter möchte ich aber behalten!« rufe. – »Mia, unser Haus ist langsam ein einziges Inventarlager!« – »Was musstest du auch so viele Sachen aus Frankfurt mitbringen!«, ätze ich zurück. Iris will nachlegen, doch ihr Blick bleibt irritiert an meinem Jutebeutel hängen. »Wieso hast du denn die Trauerschleife mitgenommen?« Ich zucke mit den Schultern. Ich hatte sie schon mit dem verwelkten Trauerkranz in den Mülleimer des Friedhofes geworfen, nur um sie gleich wieder herauszufischen. »Ich finde … das ist, wie wenn man einen Liebesbrief schreibt und ihn dann in einen öffentlichen Mülleimer wirft … Martha ist doch gerade mal drei Wochen tot. Und hier steht ›In Gedenken‹!«

Ich verkneife mir die Frage, was sie denn stattdessen mit der Schleife zu tun gedenke. Außerdem, ein wenig hat sie Recht, es hat etwas Pietätloses, den ›letzten Gruß‹ einfach wegzuwerfen. Mia setzt sich mit einem Schwung auf die Küchenanrichte und blickt sich um. »Vielleicht geht das alles zu schnell, mit dem Umbau und so … Vielleicht hätten wir Marthas Zuhause noch ein wenig in Ruhe lassen sollen … Zumindest bis die Erde auf ihrem Grab abgesackt ist.« Ich richte...



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