Kurz / Schulze | Hermann Kurz | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: Klassiker bei Null Papier

Kurz / Schulze Hermann Kurz

Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-96281-227-0
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: Klassiker bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-227-0
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Neue Deutsche Rechtschreibung Isolde Kurz ist auch heute noch eine ambivalente Schriftstellerin. Schon in jungen Jahren selbstständig als Autorin und Übersetzerin, war sie eine Seltenheit im wilhelminischen Deutschland. Später jedoch geriet sie wegen ihres Schweigens im Dritten Reich und ihrer altmodischen Sprache in Kritik. Hervorzuheben sind ihre Werke 'Vanadis' und 'Florentiner Novellen'. Isolde Kurz wuchs in einem liberalen und an Kunst und Literatur interessierten Haushalt auf. Anfang der 1890er Jahre errang sie erste literarische Erfolge mit Gedicht- und Erzählbänden. Null Papier Verlag

Isolde Maria Klara Kurz (21.12.1853-06.04.1944) war eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie wuchs in einem liberalen und an Kunst und Literatur interessierten Haushalt auf. Schon früh wurde sie mit den Schriften der klassischen Antike bekannt und arbeitete in jungen Jahren als Übersetzerin. Anfang der 1890er Jahre errang sie erste literarische Erfolge mit Gedicht- und Erzählbänden.
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Einleitung


Am 10. Oktober 1873 hat der Dichter Hermann Kurz die Augen geschlossen. Seine Lebensgeschichte ist bis zur Stunde noch nicht geschrieben. Die knapp umrissene, aber meisterliche Porträtskizze die Paul Heyse in seinem Vorwort zu der ersten Gesamtausgabe der Werke von Hermann Kurz entworfen hat, ist noch immer das einzig zuverlässige Bild, das von dem Dichter existiert. Was von anderer Seite hinzukam, war häufig eher dazu angetan, die Züge zu verwirren, als sie deutlicher herauszuformen. Es gibt vielleicht kein Dichterlos, das einen grösseren Gegensatz zwischen innerer Anlage und äusserem Lebensgang aufweist als das seinige. Da er ein Freund astrologischer Studien, versteht sich zu poetischen Zwecken, war, so verstösst es nicht gegen seinen Geist, wenn ich von ihm sage, dass er nach der Konstellation seiner Geburtsstunde zu den sonnigen Jupiterskindern gehörte, dass aber böse saturnische Einflüsse frühe in sein äusseres Geschick eingriffen und sein Dasein mit Kampf und Not erfüllten. Daher steht sein persönliches Leben in tiefem Schatten, während über seinen Werken der Sonnenschein des siegreichen Humors, der unzerstörbaren Weltfreudigkeit lacht. Dieses Gegensatzes zwischen Naturell und Schicksal sich immer bewusst zu bleiben, ist für den nachgeborenen Biografen nicht leicht, der für des Dichters Persönlichkeit ganz auf die schriftlichen Zeugnisse, vor allem auf seine eigenen Briefe, angewiesen ist. Hier findet er nur den oft herzbrechenden Bericht über seine Kämpfe mit der Aussenwelt, aber die Ergänzung fehlt, die die Briefempfänger in Händen hatten: das Bild der gemeinsam durchschwelgten hohen Stunden und des elastischen Siegesmuts, mit dem der Dichter nach jeder Enttäuschung sich wieder aufrichtete; denn was sich von selbst versteht, das pflegt man in Briefen nicht auszusprechen. Wer nun seine Laufbahn Schritt für Schritt an der Hand dieser Zeugnisse verfolgt, um sie in den schroffen Aussenlinien wiederzugeben, wie sie sich etwa in dem Briefwechsel mit seinem Jugendfreunde Rudolf Kausler darstellt, der ist in Gefahr, sein Bild viel zu sehr grau in grau zu malen, wie es den meisten begegnet ist, die über ihn schrieben.

Da kann es auch beim wärmsten Bemühen nicht an Verzeichnungen fehlen: derselbe Mann, von dem Heyse aus seinen trübsten Lebensjahren berichtet, dass, wer sein Schicksal nicht kannte, ihn nach dem Glanze seiner Augen, seiner freien Haltung, der Milde und freudigen Kühnheit seines Wesens für einen der Lieblinge des Glückes halten musste, erscheint in den Darstellungen der Späteren nicht selten als ein düsterer, früh verbitterter, knorriger, menschenfeindlicher Sonderling. Es ist ihnen daraus kein Vorwurf zu machen, sie kannten ja nur die Nöte, die ihn bedrängten, und die wachsende Vereinsamung seiner Mannesjahre, aber nicht die frischen Hilfsquellen, die fort und fort in seinem Innern sprudelten. Heyse allein, der aus dem unmittelbaren Austausch schöpfte, besass noch die Mittel, dieser Erscheinung die volle Lebenswahrheit zu geben. Aber seine unübertrefflich schöne Schilderung ist nur ein Umriss und beschränkt sich auf des Dichters letzte Lebensjahre. Den späteren Darstellern liegt es ob, die von Heyse angelegte Skizze zum Gesamtbild zu erweitern. Das ist keine leichte Aufgabe. Es braucht dazu ausser dem nahen Vertrautsein mit dem Boden Alt-Württembergs die eingehendste Kenntnis der literarischen und politischen Verhältnisse seiner Zeit. Beides steht mir nicht zu Gebote. Und leider bin ich nicht einmal imstand, diese Mängel durch eine Fülle lebendiger Erinnerungen aufzuwiegen. Fiel doch meines Vaters bestes Leben lange vor die Zeit meiner Geburt, und der Mann, dem als Jüngling von seiner dionysischen Tafelrunde (S. »Das Wirtshaus gegenüber«) das beneidenswerteste Mundstück zuerkannt worden war, redete als Familienvater fast gar nicht mehr, am wenigsten in den späteren Jahren, wo ich erst zu einem Austausch fähig wurde. Ich kann also auch meinerseits nicht den Anspruch erheben, die Lücke befriedigend auszufüllen. Doch gibt mir der Besitz von intimen Familienbriefen und manche erhaltene Überlieferung wenigstens einen Einblick in die Zeit seines Werdens, und der Vorteil des gemeinsamen Blutes lässt mich hoffen, manche Züge seines Wesens richtiger, als dem Fremden möglich ist, zu deuten und so dem künftigen, besser ausgerüsteten Biografen die Gesichtspunkte für die Auffassung des Menschen und des Dichters Hermann Kurz zu liefern.

Als ich mein geistiges Auge zu öffnen begann, lebte mein Vater schon wie ein lebendig Verschollener. Ein Bannkreis umgab den schweigenden Mann, der ihn gleichsam von der Mitwelt absonderte. Es war, als wären alle übereingekommen, von dem, was er der Welt gegeben hatte, zu schweigen. Die mit ihm jung gewesen, seine Freunde und Mitstrebenden, hatte das Schicksal frühe stumm gemacht. Das nachwachsende Geschlecht besass in jener literarisch matten Zeit nicht so viel selbstständigen künstlerischen Instinkt, um sich ohne Hinweis von aussen für eine echte Kunstschöpfung zu begeistern. Die politische Partei, der er seine besten Mannesjahre geopfert hat, stand seiner reinen tendenzlosen Kunst kühl gegenüber. In der Literatur wurde er gar mit Heinrich Kurz, dem Literarhistoriker, verwechselt. Die Jugend sang seine Lieder nach den Silcherschen Melodien und wusste nicht mehr, wer der Verfasser war. Wir fühlten uns wie Königskinder im Exil, deren Vater seine rechtmässige Krone nicht tragen darf.

»Ich bin zwischen die Zeiten gefallen«, sagte der Dichter selbst, wenn er in späteren Jahren sich je einmal über seine literarische Laufbahn äusserte. Ja, er war zu spät gekommen für die Zeit, wo rein poetische Interessen im Vordergrund des deutschen Geisteslebens standen. In den bald danach ausbrechenden politischen Stürmen verstummte seine parteilose Muse, während der Dichter selbst zum Kämpfer wurde und seine ganze persönliche Existenz für seine Überzeugung einsetzte. Nachdem der Sturm sich gelegt hatte, gab es kein literarisches Württemberg mehr, und ein Deutschland, das dem Dichter hätte vergüten und vergelten können, gab es überhaupt noch nicht. Unter dieser bösen Konjunktur verfloss sein Leben. Als er dann nach seinem Tode in den Gesammelten Werken zum ersten Mal in...



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