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E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Kunde Botschaft für Charline


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-8579-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-7534-8579-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Über viele Jahre begleitete der Autor ein Mädchen aus der Nachbarschaft über alle wichtigen Stationen ihrer Entwicklung. In Form von Briefen kommen dabei alle wichtigen Themen des Lebens und unserer Zeit zur Sprache. Es geht um Freundschaft, Musik, Freiheit, Natur, Liebe, Tod, Verantwortung und den Sinn des Lebens.

Geboren am 10.3.1962 in Hamburg Abitur, Lehre als Baum- und Rosenschulgärtner Zivildienst von 1983 bis 1985 Studium Philosophie und Geschichte an der Universität Hamburg Leiter einer Jugendeinrichtung des VFJ in Hamburg Mümmelmannsberg lebt in Hamburg und Demen, Mecklenburg-Vorpommern

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Vorwort
Urbanisierung, Globalisierung und ein rasanter technischer Fortschritt veränderten das Leben der Menschen in den zurückliegenden einhundertfünfzig Jahren. Maschinen übernahmen die körperlich anstrengenden Arbeiten, sie revolutionierten die Fortbewegung und die Kommunikation. Die Erleichterung des täglichen Lebens war nur die eine Seite der Entwicklung, gleichzeitig wurde die Welt immer unübersichtlicher und komplizierter. Wir leben in einer Epoche, die beherrscht wird vom ökonomischen Prinzip mit all seinen positiven und negativen Auswirkungen, zu denen das Anwachsen von Wohlstand und Freiheit gehört, aber auch die gnadenlose und ins Extreme tendierende Verwertung von Zeit, Kraft und Ressourcen, von Menschen und Material. Das führte zur Auflösung und zum Verlust aller Bindungen. Der Ökonomie ist nichts heilig, weder die Familie, noch die Traditionen, der Glaube oder die Natur. Am Ende stehen die Menschen als einzelne, freie, aber verlassene und orientierungslose Individuen da in einer kalten Welt, in der jeder in unerbittlicher Konkurrenz gegen jeden und jeder nur für sich selbst kämpft. Wer vermag unter diesen Umständen heute noch zu sagen, was gut und richtig ist? Viele Eltern neigen dazu, ihre Kinder so zu trimmen, dass diese das Vorteilhafte und Nützliche zur Richtschnur ihres Handelns und Strebens machen. Andere Eltern, die ihre Kinder anhand von bestimmten Werten zu erziehen versuchen, müssen feststellen, dass mächtige, äußere Einflüsse, die von der real existierenden Gesellschaft ausgehen, auf die Entwicklung ihrer Kinder einwirken. Kinder saugen alles, was ihnen angeboten wird, in sich auf wie ein Schwamm. Gleichzeitig besitzen sie ein feines Gespür für die Mächtigkeit der einzelnen Faktoren. Verunsicherte Eltern, die mit strikten Verboten reagieren, und dann doch wieder machtlos alles laufen lassen, verlieren ihre Autorität. Diese ist ohnehin durch Scheidungen, beruflich bedingte Abwesenheit, aber vor allem durch Unsicherheit und Überforderung arg im Schwinden begriffen. Das biologische Programm der Persönlichkeitsentwicklung läuft heute noch so ab wie vor zweitausend Jahren. In der Kindheit, die ungefähr bis zum 12. Lebensjahr dauert, steht das Lernen im Vordergrund: Sehen, Hören, Differenzieren, Gehen, Sprechen, Lesen, Rechnen, Schreiben sind nur einige Teile aus dem umfangreichen Erwerb von Wissen und Können, mit denen Kinder sich Fähigkeiten und die Welt aneignen. In dieser ersten, der affirmativen Phase, fehlt ihnen die kritische Distanz zu allen Sozialisationsinstanzen. Mit dem Erwachen des Selbstbewusstseins beginnt dann die Phase der Revolution in den Jahren der Jugend zwischen 13 und 18. Plötzlich wird alles in Frage gestellt. Das Gehirn befindet sich in einem Prozess der Neuordnung und Umstrukturierung. Alles geht ins Extreme. Die Gefühle spielen verrückt, schwanken zwischen unerbittlichem Hass und grenzenloser Liebe. Jugendliche tendieren dazu, mit der Kraft, die sie plötzlich in sich spüren, die Grenzen ihrer Möglichkeiten auszutesten. Daher reagieren sie allergisch auf alle Vorschriften und Regeln, die ihnen Eltern und Lehrer vorzugeben für notwendig halten. Sie schlüpfen in verschiedene Rollen und probieren aus, was zu ihnen passt. Ausgestattet mit wenig Lebenserfahrung steht Unsicherheit im Hintergrund ihrer Suche nach ihrem Selbst. Sie vergleichen sich mit anderen, die sie in erster Linie als Konkurrenten betrachten. Der Vergleich löst manchmal Verzweiflung aus, manchmal Aggressivität. Ein schwach ausgebildetes Selbstvertrauen erträgt weder den Blick in den Spiegel noch den Anblick beliebter und strahlender Altersgenossen. Die Formen des Konkurrenzkampfes reichen von der Ächtung der „Streber“ über verbale Kritik bis zu körperlicher Gewalt. Mobbing - der Versuch, das eigene Selbstwertgefühl durch Herabsetzung und Ausgrenzung von Schwächeren zu steigern - ist das moderne Wort für diese hässliche Begleiterscheinung der Jugendzeit. Grenzenlos bewundert und abgöttisch geliebt werden in diesen Jahren nur die fernen Stars, die unangreifbar über allen stehen und die es geschafft haben, das zu sein, was sich jeder Jugendliche in diesem Alter wünscht, nämlich eine anerkannte, erfolgreiche und geliebte Persönlichkeit. Die dritte Phase nach dem Ende der Schulzeit ist nicht weniger schwierig. Während der Jugendzeit ist alles unbestimmt, die Zukunft, die offen vor einem liegt, erscheint als Reich der grenzenlosen Möglichkeiten. Nun muss man sich entscheiden: für einen Beruf, für einen Lebenspartner, für Familie und Kinder, für einen Wohnort und einen Bekanntenkreis. Die Entscheidungen werden in dieser Zeit selten mit dem Verstand getroffen. Träume und Neigungen stehen im Hintergrund und bestimmen das Handeln. Nicht selten werden die Hoffnungen enttäuscht, Lebensentwürfe scheitern und die Realität des Berufs-, Ehe- und Familienlebens kann sehr anstrengend und ernüchternd sein. Viele junge Erwachsene zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr fühlen sich noch nicht reif für genaue Festlegungen, für ein selbständiges Leben, für Arbeit und Verantwortung. Sie weichen den Entscheidungen aus und versuchen die Offenheit der Jugend so lange wie möglich zu erhalten. Aber auch das kann eine falsche Entscheidung sein, die man später bereut, weil man einmalige Gelegenheiten an sich vorbeiziehen ließ, ohne zu ahnen, dass ähnliche oder bessere Chancen nie wieder kommen würden. Ein extrem langer, wechselvoller Reifungsprozess in einer unheilvollen, unüberschaubaren Welt voller Ansprüche und Gefahren. Wir, die wir uns heute zur älteren Generation zählen dürfen und der Jugend einige Lebensjahre voraus sind, haben diese Zeit einst selbst durchlitten. Umso mehr, desto stärker wird es uns zum Bedürfnis, unsere Erfahrungen und Erkenntnisse an die nachfolgende Generation weiterzugeben. Ob die Ratschläge auf fruchtbaren Boden fallen, darf im Großen und Ganzen bezweifelt werden, denn ein Fortschritt der Menschheit im allgemeinen Verhalten ist nicht erkennbar. Die Menschen unterliegen seit eh und je einigen Leidenschaften, die seit Jahrtausenden als die sieben Todsünden gegeißelt wurden und dennoch unvermindert fortbestehen. Eitelkeit, Zorn, Wollust, Gier, Neid, Völlerei und Trägheit des Herzens scheinen zu den angeborenen Eigenschaften der Menschen zu gehören, zu einem Teil als biologisch bedingte Triebe, zum anderen Teil als Folge der biologischen Bedingungen der menschlichen Existenz. Wie alle Lebewesen ist der Mensch ein Tier und insoweit unschuldig, wenn ihm nicht eine Eigenschaft mitgegeben worden wäre, die ihn vom Tier unterscheidet. Der Mensch besitzt Erkenntnisvermögen, er kann daher sein Handeln durch Gedanken beeinflussen. Der Geist ist ein zweischneidiges Schwert. Er versetzt den Menschen in die Lage, sich selbst zu kontrollieren und im Sinne der Vernunft und des Guten zu handeln, aber er kann ebenso in den Dienst der Leidenschaften gestellt werden, die durch ihn ein gefährliches Potential gewinnen mit den allseits bekannten verheerenden Wirkungen. Selbst schwache Geister - oder vielleicht gerade sie - erfinden Strategien voller Hinterlist und Tücke, mit denen sie hartnäckig ihre Ziele verfolgen, die ihnen klammheimliche Freude und Befriedigung verschaffen. Wie oft wird unser Glaube an den guten Kern in jedem Menschen auf eine harte Probe gestellt? Nicht nur ein bestimmtes Maß an Temperament, Intelligenz und Geschick scheint jedem neuen Erdenbürger in die Wiege gelegt zu sein, sondern auch überraschend früh zu Tage tretende Charakterzüge wie Lebensfreude, Ängstlichkeit oder Starrsinn, die an diesem einem Menschen kleben bis zu seinem Tod. Wie viele Eltern werden wohl beim Anblick ihres erwachsenen Sohnes oder ihrer erwachsenen Tochter gedacht haben: „So warst du schon als Baby, so warst du schon als Kind.“ Es wurden alle Register der Erziehungskunst gezogen, um bestimmte negative Verhaltensweisen abzustellen, aber weder Ermahnungen und Argumente, noch harte Strafen konnten etwas ausrichten. Wir dürfen also davon ausgehen, dass wir die Menschheit im Ganzen nicht ändern werden, und dass wir nur wenige junge Menschen finden, denen von vornherein eine gewisse Aufnahmebereitschaft mitgegeben wurde, die sie zu den Ausnahmefällen macht, die uns als ältere Menschen erfreuen und Hoffnung geben. Die Voraussetzungen dafür sind Intelligenz, Empfindungsvermögen, Gerechtigkeitssinn und ein Interesse am Schicksal der Menschen und der Menschheit. Dazu kommt eine wache Wahrnehmung, die sich über die Dinge wundert, die nach dem Warum und Wieso fragt und aus reinem Herzen irritiert ist über die Verhaltensweisen der Menschen und den Zustand der Welt. Diese Anlagen fand ich bei Charline, einem Mädchen aus der Nachbarschaft. Sie hatte mir oft Fragen gestellt oder von Dingen erzählt, die sie bewegten. Meine spontanen Antworten empfand ich selbst oft als ungenügend und oberflächlich. Die aufgeworfenen Fragen und Probleme ließen mir dann keine Ruhe, Charline hatte es verdient, gründliche und ausführliche Antworten zu erhalten. So begann ich ihr in Briefen, meine Gedanken zu dem Thema, Erklärungen, Ratschläge und meine Erfahrungen mitzuteilen. Nichts kann die eigene Erfahrung ersetzen. Sagt...



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