Kuipers | Sommerdunkle Tage | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Kuipers Sommerdunkle Tage


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7336-5096-4
Verlag: FISCHER Sauerländer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-7336-5096-4
Verlag: FISCHER Sauerländer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine wiedererwachte Freundschaft, ein dunkles Geheimnis und eine verhängnisvolle Liebe Wie aus dem Nichts taucht Ivy nach drei Jahren wieder auf. Ivy, die so ist, wie Callie gerne sein möchte: selbstbewusst, unbekümmert, immer im Mittelpunkt. Plötzlich sind sie wieder beste Freundinnen, und mit Callies Kumpel Kurt verbringen sie zu dritt zwei Sommerwochen voller Bootstouren, Partys und Spaß. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Kann Callie Ivy wirklich vertrauen? Welches Geheimnis trägt sie mit sich herum? »Kuipers ist eine Meisterin der Manipulation, die ihre Leser kunstvoll täuscht. Sommerdunkle Tage ist ein brillanter Roman mit einem unvorhersehbaren Twist, der die Leser atemlos zurücklässt.« -National Reading Campaign

Alice Kuipers wurde 1979 in London geboren, studierte in Manchester und lebt heute mit ihren Kindern und ihrem Mann, dem Schriftsteller Yann Martel, in Saskatoon in Kanada. Sie hat Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und als Radioproduktionen sowie fünf Romane veröffentlicht, darunter den mehrfach ausgezeichneten Roman »Sehen wir uns morgen?«, der in über 30 Ländern erschien und zu einem internationalen Bestseller wurde.
Kuipers Sommerdunkle Tage jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Vierzehn Tage zuvor


Ivy


Wir passieren endlich den Ortseingang von Edenville. Kevin lässt Alte-Leute-Musik von seinem Handy über die Stereoanlage des Autos laufen, eine Hand liegt auf Moms Bein, und die beiden singen. Ich starre aus dem Fenster und summe mit. Die Sonne scheint, und die breite Straße wirkt wie eine Einladung. Die Häuser in dieser Gegend sind aus Holz, ein wenig altmodisch, aber eigentlich echt nett.

Es dauert nicht mehr lange, und Kevin biegt in die Einfahrt seines Hauses ein. Das gleiche Haus, die gleiche matschige Einfahrt, alles gleich. Auf einen Schlag kommen die Erinnerungen zurück. Drei Jahre sind vergangen, seit wir hier gewohnt haben, und alles ist noch genau gleich.

Außer mir. Ich bin anders.

Mom dreht sich mit einem fröhlichen Lächeln zu mir. »Alles okay mit dir?«

»Klar, warum denn nicht?«

Sie kuschelt sich an Kevin. Es ist echt peinlich. Er ist eklig. Beginnende Glatze, übereifrig, zu fett im Gesicht, am Bauch, am Hintern.

»Auf geht’s«, sagt er. Er sagt immer Dinge, die keinen Sinn ergeben. Auf, wohin? Mom meint, es sei wichtig, Männern zuzuhören. Vielleicht sagt ja eines Tages einer ihrer Freunde tatsächlich etwas, wofür sich das Zuhören lohnt. Ich lächle über meinen eigenen Witz und öffne die Autotür, blicke zu Callies Haus, das zwei Häuser weiter liegt. Ich erinnere mich, wie es war, als ich das erste Mal hier ankam und sie mit baumelnden Beinen oben im Baum sitzen sah. Ihr rotes Haar war mit einem Stift hochgesteckt. Sie sah mich aus zusammengekniffenen Augen an, wie eine angriffslustige Katze.

»Was hast du denn vor?«, fragte ich sie.

»Nichts.« Sie knabberte an ihrem Daumennagel.

Ich sagte: »Komm runter und zeig mir die Gegend. Ich bin neu hier.«

Sie kniff die Augen noch mehr zusammen, musterte mich auf ihre ganz eigene Art und kletterte vom Baum herunter. Es kommt mir vor, als wären nur drei Minuten vergangen und nicht drei Jahre.

Kevin und Mom kichern beim Aussteigen aus dem Auto. Er hebt sie mit Schwung hoch, und sie tun so, als wären sie frisch verheiratet – er trägt seinen Schatz über die Türschwelle –, sie lacht heiser.

Mein Herz bringt mich zurück nach Kansas – wie bei Dorothy im . Ich umarme Diego, und ich bin es, die heiser an seiner Brust lacht, er küsst mich, küsst mich immer leidenschaftlicher.

Ich bleibe noch kurz bei dem Bild von Diego, wie er von der Bühne springt und leicht mit den Spitzen seiner Drumsticks auf meine Brust trommelt. Aber wir sind nicht mehr in Kansas. Ich streiche über mein Haar und bürste eingebildeten Staub von meinem weißen Jerseykleid. Mal sehen, ob Callie immer noch hier wohnt – Callie, der blitzblank glänzende Penny im Bankkonto meines Lebens.

Callie


Ich verstehe das, wirklich. Sie haben jetzt ein Baby und ansonsten ihren Teil schon geleistet: Was haben sie doch für eine erfolgreiche, ausgeglichene Tochter erschaffen.

Ich nehme keine Drogen. .

Ich trinke nicht. .

Ich gehe nicht zu wilden Partys. .

Okay, ich habe ein paar Piercings in meinem rechten Ohr, die Mom hasst. Und ich habe mein Haar schwarz gefärbt, worüber Dad den Kopf schüttelt. Und natürlich kann er nicht verstehen, was der dunkelblaue Nagellack soll, mit einem grün lackierten Nagel am Ringfinger jeder Hand. Ich habe ihm gesagt, dass es da nichts zu verstehen gibt.

Dennoch ist mein Zimmer immer aufgeräumt. .

Ich mache meine Hausaufgaben rechtzeitig. .

Ich werde an jeder Uni angenommen, an die ich gehen will – wahrscheinlich jedenfalls. .

Ich bin so normal, wie man nur sein kann. .

Wenn ich mich nur momentan meinen Eltern gegenüber nicht so komisch fühlen würde, wie ich mich eben fühle, dann könnten wir alle weiter so gut miteinander auskommen wie früher.

Ich sacke am Küchentisch in mich zusammen. Mom trägt Cosmo im Tragetuch und wechselt von einem Fuß auf den anderen, wie Mütter es immer so tun. Rechter Fuß, linker Fuß, rechter Fuß, linker Fuß, Cosmo schaukelt hin und her. Er schaut zu ihr hoch, sie schaut auf ihn hinab. Mutter und Kind, Mutter und Kind, und es sollte mir eigentlich egal sein, aber da ist dieses komische Gefühl in meiner Brust, gegen das ich einfach nichts machen kann. Im Grunde sollte ich mich über ein Baby im Haus freuen, und ich dachte auch wirklich, dass es so sein würde. Babys sind süß. Und Cosmo ja auch süß. Ich weiß, ich sollte darüberstehen. Ich bin sechzehn und müsste damit klarkommen, dass meine Mutter noch ein Kind bekommen hat.

Ich kratze an meinem Nagellack, scrolle durch mein Handy. Rebecca hat ein echt witziges Video gepostet, auf dem sie eine Puppe hält. »BABY!«, hört man sie rufen. Ich schnaube.

Mom sieht zu mir rüber. »Was war das?«

»Nicht so wichtig.«

»Kannst du es bitte leiser machen? Cosmo ist kurz vorm Einschlafen. Ich könnte heute vielleicht sogar noch ein wenig zum Arbeiten kommen.«

Das Video läuft in Dauerschleife, und Rebeccas Stimme ist wirklich laut, laut, laut, laut. »BABY! BABY! BABY

»Callie, mach das leiser. Außerdem gilt am Tisch sowieso: kein Handy!«

Es sitzt niemand mit mir am Tisch. Die Handy-Regel gilt ja wohl nicht, wenn ich die Einzige bin, die hier sitzt. Aber Mom sieht zu erschöpft aus, als dass ich mit ihr streiten will. Gehorsam stecke ich das Handy weg. Mir kommt es so vor, als ob Mom nur noch mit mir spricht, wenn es um Cosmo geht oder wenn ich irgendetwas anders machen soll.

Seidiges Licht fällt ins Wohnzimmer und auf alle möglichen Dinge, die dort verstreut sind, fällt auf den bunten Baby-Sitz, auf Windelpakete, Spielzeug und Musikinstrumente. Moms letztes Bilderbuch-Manuskript liegt ausgebreitet auf der Bank vor dem Fenster. Ihre strahlenden Illustrationen sehen aus, als würden sie in der Sonne lebendig.

Sie sieht, wie ich hinüberblicke. »Beinahe fertig. Ich muss nur noch einmal über diese Seiten gehen, sobald er schläft.« Sie streicht zärtlich über den Kopf des Babys. »Um drei gehe ich mit ihm zu den Zwillingen zum Kaffee trinken. Willst du mitkommen?«

»Und mit einer Horde Babys abhängen? Nein, danke.«

»Okay, Callie. Aber verbummele nicht den ganzen Tag. Du hast schon seit Wochen Ferien und immer noch keinen Job.«

»Ich hab es !«

»Du warst in keinem der Hotels, so wie ich vorgeschlagen hatte.«

»War ich wohl. Ich hab dir doch gesagt, dass ich gestern dort war. Es ist nicht so einfach, wie du denkst, Mom. Ich habe meine Bewerbungen bei keine Ahnung wie vielen Stellen gelassen. Bis jetzt hat niemand angerufen.«

»Komm schon, Callie. Eigentlich sollte ich dir das nicht sagen müssen … du musst selbst aktiv werden. Geh noch einmal hin. Biete an, jederzeit zur Verfügung zu stehen, wenn sie dich brauchen. Zeig, dass du flexibel bist. Du brauchst einen Job …«

»Das hört sich so an, als wolltest du mich aus dem Haus haben.«

»Liebes, so ist das ganz und gar nicht.«

Dad kommt herein und geht geradewegs auf sie zu. Er trägt einen Bart, eine Brille und besitzt eine ganze Auswahl sich ähnelnder karierter Hemden und Jeans, und er hat eine tiefe, dröhnende Stimme. Er liebt schöne Dinge, Theater, griechische Heldendichtung und meine Mutter. Jetzt gibt er ihr einen dicken Kuss auf den Mund und nimmt sie ganz fest in die Arme. Sie lacht und gibt ihm einen Klaps.

»Schatz, du zerquetschst das Baby.«

Cosmo gluckst. Mom tut so, als sei sie sauer auf Dad, weil er ihn geweckt hat. Sie verdreht die Augen und seufzt, aber sie ist nicht wirklich sauer. Ich weiß, ich sollte froh sein – oder was auch immer –, dass meine Eltern sich so gernhaben. Ich greife nach meinem Handy und lese ein paar alberne Posts. Mom fängt an, Cosmo etwas vorzusingen. Ich stelle mir vor, dass sie mir früher die gleichen Lieder vorgesungen hat.

Dad unterbricht mich in meinem Selbstmitleid. »Viel zu tun, Calliope?«

Ich schüttle den Kopf und lehne mich zurück, wische mir die Toastkrümel vom Mund. »Nur noch die letzten Verbesserungen an meinem Artikel. Dann … weiß ich auch nicht.«

»Was macht denn Rebecca?«

»Hab ich dir doch schon gesagt. Sie ist mit ihrem Dad unterwegs, campen.«

»Also könnt ihr euch gar nicht eine Million Nachrichten am Tag schicken?« Er reißt die Augen auf und tut...


Kuipers, Alice
Alice Kuipers wurde 1979 in London geboren, studierte in Manchester und lebt heute mit ihren Kindern und ihrem Mann, dem Schriftsteller Yann Martel, in Saskatoon in Kanada. Sie hat Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und als Radioproduktionen sowie fünf Romane veröffentlicht, darunter den mehrfach ausgezeichneten Roman 'Sehen wir uns morgen?', der in über 30 Ländern erschien und zu einem internationalen Bestseller wurde.

Alice KuipersAlice Kuipers wurde 1979 in London geboren, studierte in Manchester und lebt heute mit ihren Kindern und ihrem Mann, dem Schriftsteller Yann Martel, in Saskatoon in Kanada. Sie hat Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und als Radioproduktionen sowie fünf Romane veröffentlicht, darunter den mehrfach ausgezeichneten Roman 'Sehen wir uns morgen?', der in über 30 Ländern erschien und zu einem internationalen Bestseller wurde.

Alice Kuipers wurde 1979 in London geboren, studierte in Manchester und lebt heute mit ihren Kindern und ihrem Mann, dem Schriftsteller Yann Martel, in Saskatoon in Kanada. Sie hat Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und als Radioproduktionen sowie fünf Romane veröffentlicht, darunter den mehrfach ausgezeichneten Roman »Sehen wir uns morgen?«, der in über 30 Ländern erschien und zu einem internationalen Bestseller wurde.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.