Buch, Deutsch, 614 Seiten, Kartoniert, Format (B × H): 148 mm x 225 mm, Gewicht: 948 g
Reihe: Lettre
Zur Literarisierung von Geschichtsphilosophie bei Immanuel Kant, Johann Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland
Buch, Deutsch, 614 Seiten, Kartoniert, Format (B × H): 148 mm x 225 mm, Gewicht: 948 g
Reihe: Lettre
ISBN: 978-3-8376-4299-5
Verlag: transcript
Durch die hegelianische ›Brille‹ werden die von mir behandelten Schriften meist retrospektiv der Geschichtsphilosophie der Aufklärung zugeschlagen, ohne dass die Skepsis ihrer Autoren diesem Projekt gegenüber selbst ernstgenommen wird. Deren Texte antworten hingegen durch ihre Darstellung in ›Beyträgen‹ selbstreflexiv und produktiv auf das Spannungsverhältnis von Philosophie, Literatur und Historie. Mittels eines literaturwissenschaftlichen Instrumentariums bin ich in der Lage, die vielschichtigen Ebenen dieser Verschränkung aufzuzeigen.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Während meines Studiums irritierte mich die mangelnde Selbstreflexion der Philosophie, die sich zwar als Propädeutik und ›Ziel‹ aller Wissenschaft(en) begreift, jedoch selten kritisch ihre eigene, vor allem sprachliche, Bedingtheit hinterfragt. Auf ihren argumentativen ›Gehalt‹ analysiert fallen Autoren wie J. G. Herder somit aus dem Rahmen philosophischer Systematik. Dabei sind sie als Dichter und Schriftsteller sehr sprachbewusst und verhandeln die epistemischen Voraussetzungen ihres philosophischen Tuns als vielgestaltige Poetologien des Wissens.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Sieht man von konzisen Analysen zu Kants Metapherngebrauch durch Paul de Man oder David Wellbery ab, wird Kants Werk weiterhin einseitig in der Philosophie verortet. Erstaunlicherweise wird kaum wahrgenommen, dass dessen ›Geschichtsphilosophie‹ nicht als systematisches Konstrukt, sondern in zerstreuten Essays vorliegt. Diese Formentscheidung begreife ich – ebenso bei den literarischen Autoren Herder und Wieland – als Konsequenz einer epistemologischen Problemlage, aus der der ›Beitragscharakter‹ von Geschichten der Menschheit resultiert.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Immanuel Kant selbst. Ob man wohl eine Verhandlungsbasis mit einem Autor hätte, der vor über zweihundert Jahren gelebt hat? Immerhin meint man, dessen Schriften (zumindest in Teilen) zu verstehen, wenn man ein wissenschaftliches Buch dazu verfasst. Spannend fände ich hier die historischen Brüche: Würde Kant mich als weibliche Diskussionspartnerin ernstnehmen? Würde er, wenn ich ihm seine rhetorischen Inkonsequenzen und literarischen/poetologischen Subtexte demonstriere, die Bedeutung der Sprache für das philosophische Argument konzedieren?
5. Ihr Buch in einem Satz:
Von der literarischen Form des ›Beytrags‹ ausgehend hinterfragt die Studie das Paradigma einer systematisch aufgeklärten Geschichtsphilosophie um 1800.