Kühne | Rügenträume und Meeresrauschen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 384 Seiten

Reihe: Inselträume

Kühne Rügenträume und Meeresrauschen

Ostsee-Roman
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96714-074-3
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ostsee-Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 384 Seiten

Reihe: Inselträume

ISBN: 978-3-96714-074-3
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Familienpension muss gerettet werden - das ist den ungleichen Schwestern Hanna und Emma klar. Doch das Geld wird knapp und die Lage schwieriger, als plötzlich der rätselhafte Pensionsgast Sascha auftaucht ... Gegensätzlicher könnten Hanna und ihre Zwillingschwester nicht sein: Während Emma durch die Weltgeschichte reist und ihr Leben genießt, führt Hanna gemeinsam mit dem Vater eine kleine Pension auf Rügen. Sie hält die Stellung im Gästehaus, obwohl dieses kurz vor dem Aus steht und ihr Vater zudem noch an Alzheimer erkrankt ist. Von maritimer Leichtigkeit und Romantik kann Hannah nur träumen, als plötzlich Sascha, der neue Gast aus Hamburg, auftaucht und Hanna ordentlich den Kopf verdreht. Doch bald wird ihr klar, dass er ganz andere Intentionen verfolgt, als sie bisher dachte ... 'Rügenträume und Meeresrauschen' ist der Auftaktroman der Reihe 'Inselträume'. Die Folgebände 'Rügenträume und Strandgeflüster' und 'Rügenträume und Bernsteinfunkeln' sind ebenfalls überall als eBook, Taschenbuch und Hörbuch erhältlich. Alle Bücher sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.

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1
    Tapp, tapp – da waren Schritte auf der Treppe. Und jetzt knarzte auch noch eine der alten Holzstufen. Sekunden später erkannte Hanna, dass das Geräusch nicht mehr Bestandteil ihres Traumes, sondern Realität war. Stöhnend drehte sie sich auf die andere Seite und musterte mit einem Auge die Leuchtziffern ihres Weckers. 1.05 Uhr – sie hatte gerade mal zwei Stunden geschlafen. Immerhin, das war für sie schon eine reife Leistung. Denn seit einigen Wochen konnte sie nachts kein Auge zutun. Zu erdrückend waren die Sorgen, die sie einfach nicht zur Ruhe kommen ließen. Die tappenden Schritte erreichten die obere Etage und verstummten dann. Hanna schob das Kissen in ihrem Rücken ein wenig höher und beobachtete atemlos die Türklinke, die im Mondschein deutlich zu erkennen war. Jeden Moment würde sie heruntergedrückt und die Tür geöffnet werden, dessen war sie sich sicher. Hanna hielt den Atem an und wartete. Doch nichts geschah. Stattdessen knarrten erneut die Dielen und anschließend die Tür des Nachbarzimmers. Jemand betrat das ehemalige Schlafzimmer ihrer Eltern. Kurze Zeit herrschte Stille, dann ertönte das Klack des Lichtschalters. Schranktüren wurden geöffnet, und ein hektisches Rascheln und Stöbern setzte ein. Etwas fiel zu Boden und polterte überlaut in dem stillen Haus. Eine männliche Stimme fluchte unterdrückt. Hanna zählte innerlich bis zehn und wollte gerade aufstehen, als weitere Schritte auf der Treppe ertönten. Diese waren schneller, zielgerichteter, die knarzenden Stufen wurden mit viel Erfahrung vermieden. Die Person schien die Treppe beinahe hinaufzufliegen. Die Nachbartür klappte auf, und Hannah hörte durch die dünnen Wände die beruhigende Stimme ihrer Mutter. Liebevoll sprach sie auf den Mann ein, der dort drüben herumwirtschaftete und nach Dingen suchte, die vermutlich längst nicht mehr da waren. Harsche Widerworte folgten, doch nach und nach wurde es nebenan immer leiser, bis schließlich Stille herrschte. Hanna lauschte und glaubte ein Schluchzen zu hören. Sie fixierte den Wecker auf ihrem Nachttisch, dessen Sekundenzeiger wie angestemmt erschien. Etwa zehn Minuten später öffnete sich die Tür, und die beiden machten sich wieder auf den Weg nach unten. Erneut knarrten die Stufen, und jeder einzelne Ton trieb Hanna die Tränen in die Augen. Denn verursacht wurde er von ihrem Vater. Vor einigen Monaten hatte er noch genau gewusst, wo er seinen Tritt setzen musste, um niemanden im Haus zu wecken. Jeden einzelnen Winkel hatte er im Schlaf benennen können. Er kannte die knarrenden Dielen und die Dinge, die repariert werden mussten, er wusste genau, wo was zu finden war. Es war sein Haus, er hatte das meiste davon ganz allein modernisiert. Wie sagten alle immer? ›Ja, der Wilhelm, der hat goldene Hände.‹ Doch mit jedem einzelnen Tag, der verging, verschwand ein winziger Teil seiner Erinnerungen und würde nie mehr zurückkehren. Es gab Tage, an denen Wilhelm ganz der Alte zu sein schien. Dann hatte Hanna oft das Gefühl, eine gänzlich falsche Diagnose erhalten zu haben. Vielleicht hatten die Ärzte sich schlicht und ergreifend geirrt, und es würde doch wieder alles gut werden. Doch schon am nächsten Morgen war alles anders. Dann saßen sie zu dritt am Frühstückstisch, und sie merkte, wie er sie plötzlich mit einem vollkommen leeren Blick musterte. Hanna spürte dann, dass ihr Vater nachgrübelte und in seinen Erinnerungen kramte wie gerade nebenan in seinem ehemaligen Schlafzimmer. Alzheimer, die Diagnose, die alles veränderte, hatte ihr langjähriger Hausarzt vor zwei Jahren ausgesprochen und dabei selbst Tränen in den Augen gehabt. Viele Jahre kannten sich die beiden Männer schon. Hatten einst zusammen auf einer Schulbank gesessen und waren auch gute Freunde geblieben. Dr. Bergmann hatte eine ganze Weile herumgedruckst und nach der richtigen Formulierung gesucht. Je weiter er es aufschob, umso deutlicher wusste Hanna, dass sie jetzt die Bestätigung für das bekommen würden, was sie alle eigentlich schon längst ahnten. Krampfhaft hatte sie die Hand ihrer Mutter umklammert, die mit weit aufgerissenen Augen neben ihr saß. Wilhelm hatte Alzheimer, zwar mit einem milden Verlauf, mit ausgedehnten Phasen des Stillstandes, doch eine Gesundung war unmöglich. Medikamente wurden ihm verordnet, wo ihr Vater doch jegliche Medizin so hasste. Beinahe angewidert hatte er das Rezept angestarrt und war aus der Praxis gestürmt. Nach der Diagnose waren sie nach Hause gefahren, und niemand hatte ein Wort gesagt. Wilhelm hatte auf dem Beifahrersitz gesessen und aus dem Fenster gestarrt. Seine Hände waren zu Fäusten geballt gewesen, der Atem war schwer gegangen. Nicht einmal, als Hanna wie üblich etwas schneller über die Holperstraße in Sagard gefahren war, hatte er einen Ton der Kritik von sich gegeben. Beim Einbiegen auf den Hof hatte er kaum reagiert und war nicht mit nach drinnen gekommen, sosehr Hannas Mutter auch gebettelt hatte. Besorgt hatte Anita ihm hinterhergeschaut, als er davongegangen war. Hanna hatte versucht, sie zu beruhigen. »Lass ihm ein bisschen Zeit. Ich glaube, er braucht Ruhe, um die Diagnose zu verarbeiten. Du kennst ihn ja.« Erst am späten Abend war Wilhelm leicht schwankend nach Hause zurückgekehrt. Hanna und ihre Mutter hatten schon den ganzen Ort nach ihm abgesucht. Außer sich vor Angst hatte Anita die Polizei rufen wollen. Deutlich rochen Hanna und sie bei seiner Heimkehr eine Bierfahne und sagten dennoch nichts zu ihm. Wie groß musste der Schock für den Mann gewesen sein, der Hannas Held war, der immer alles reparierte und Probleme einfach verschwinden ließ? Der die Pension durch gute und schlechte Zeiten geführt und sich sogar zu DDR-Zeiten mit der SED-Kreisleitung angelegt hatte? Die Erkenntnis, dass dieses Problem nicht zu beseitigen war, egal was man tat, musste ihn am schwersten treffen. Die folgenden Monate waren relativ glimpflich abgelaufen, und eine gewisse Entspannung und Zuversicht hatte sich ausgebreitet. Ihr Vater hatte die Medikamente genommen, die den Krankheitsverlauf ein wenig in Schach hielten. Doch seit einigen Wochen ging es spürbar abwärts. Wilhelm geisterte nachts durchs Haus, fand keine Ruhe und suchte die aberwitzigsten Dinge an den unmöglichsten Orten. Bei der kleinsten Kleinigkeit fing er heftig an zu streiten. Hinterher tat es ihm leid, und er brach in bittere Tränen aus. Alle versuchten sich mit der Situation zu arrangieren, doch es wurde immer schwerer. Entscheidungen standen an, die geradezu krampfhaft vermieden wurden. Neben vielen anderen Dingen ging es um die Leitung der Pension. Hanna waren bei den meisten Dingen die Hände gebunden, sie musste Wilhelm wegen allem fragen und sich mit seiner Sturheit arrangieren. Dessen Fehlentscheidungen in letzter Zeit hatten die Finanzen der Pension in eine gefährliche Schieflage gebracht, die Hanna den Schlaf raubte. Wie auch jetzt. Sie sah erneut auf den Wecker. Inzwischen war es zwei Uhr. Schon lange herrschte im Haus wieder Stille. Hanna zog die warme Decke bis unters Kinn, drehte und wendete sich in ihrem Bett und fand dennoch keine Ruhe. Mit müden Augen, aber wachem Körper schaute sie die Wandschräge in ihrem alten Kinderzimmer an. Es war ein kleiner Raum, beinahe schon winzig, doch Hanna hatte ihn vom ersten Moment an geliebt. Als wäre es heute gewesen, erinnerte sie sich daran, wie sie und Emma unten in der Stube hatten warten müssen. Dann waren ihre Eltern gekommen und hatten sie nach oben gebeten. »Links Emma, rechts Hanna«, hatte ihr Vater gesagt, und mit atemloser Spannung hatte Hanna die Tür geöffnet. Da war es, ihr eigenes Zimmer, ihr kleines Reich, in dem sie beinahe alles machen konnte, was sie wollte. Schon damals und bis zum heutigen Tag hatte Hanna die Enge nicht gestört. Da waren das winzige Fenster, welches Richtung Ostsee lag, und die Kommode, die perfekt unter die Dachschräge passte. Über ihr knarrten die alten Balken. Besonders in den Nächten, wenn wilde Stürme über Rügen zogen und Poseidon mit seinem Gefolge auf der Ostsee tanzte. Dann ächzte und klagte das Dach, als wäre ihm die Last seiner Jahre mittlerweile zu viel. Nur einmal hatte Hanna dieses Zimmer für längere Zeit verlassen. Damals, vor einigen Jahren, als sie sich in eine Beziehung mit Ralf, ihrer großen Liebe, gestürzt hatte. Zusammen hatten sie eine Wohnung in Binz, mit Blick auf den Schmachter See, angemietet. Und Hanna erinnerte sich, dass sie das Rauschen der Ostsee vom ersten Tag an vermisst hatte. Dabei war das Meer nicht weit entfernt gewesen, in knapp zehn Minuten konnte sie zu Fuß am berühmten Binzer Strand stehen. Voller Stolz hatte Ralf sie über die Schwelle getragen, und sie hatten einander geschworen, für immer zusammenzubleiben. Das gemeinsame Glück währte jedoch nur kurz. Denn eines Abends hatte Hanna ihn mit einer anderen Frau in ihrem Schlafzimmer vorgefunden. Ausgerechnet in ihrem kleinen Reich, das ihr so viel bedeutet hatte. Ihr Kartenhaus war krachend zusammengestürzt, und voller Liebeskummer hatte Hanna wieder in ihrem ehemaligen Kinderzimmer in Glowe Zuflucht gesucht. Und das, obwohl ihre besten Freunde ihr davon abgeraten hatten. »Nimm dir einfach eine eigene Bude, es gibt genügend günstige Appartements«, hatte Mia gesagt. »Du hast jetzt doch den Absprung bei deinen Eltern geschafft.« Doch Hanna war überzeugt gewesen, dass nur hier, unter diesem Dach und in diesem Zimmer, ihr Herz heilen konnte. Und das hatte es dann tatsächlich auch getan. Eine knappe Stunde später schlief Hanna immer noch nicht. Resigniert stand sie schließlich auf, zog dicke Wollsocken und den pinkfarbenen Bademantel an, den ihre besten Freunde Matthis und Mia ihr zum...



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