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E-Book

E-Book, Deutsch, 286 Seiten

Reihe: »Hungrige Herzen«

Kuck Ariane


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-944576-41-1
Verlag: Verlag Krug & Schadenberg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 286 Seiten

Reihe: »Hungrige Herzen«

ISBN: 978-3-944576-41-1
Verlag: Verlag Krug & Schadenberg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nach »Hungrige Herzen« und »Die Rivalin« nun der abschließende Band der Trilogie um Rieke, Paula, Ariane und ihre Freundinnen. Ariane geht es gut. Beruflich ist sie erfolgreich. Privat genießt sie ihr Glück mit Paula. Alles könnte immer so weitergehen, findet Ariane. Doch eines Tages nimmt ihr Leben eine entscheidende Wende: Beim Inlineskaten überfährt sie einen kleinen Hund, der wenig später an den Folgen des Unfalls stirbt. Die Hundebesitzerin Lena ist verzweifelt und beginnt Ariane nachzustellen. Ariane fühlt sich zunehmend in die Enge getrieben. Sie zieht sich immer mehr zurück. Während Paula sich wachsende Sorgen um ihre Geliebte macht, spitzt sich Arianes Bedrängnis dramatisch zu ...

Manuela Kuck, Jahrgang 1960, ist in Wolfsburg aufgewachsen und lebt heute als Autorin zusammen mit ihrer Lebensgefährtin, einem ihrer beiden Söhne und zahlreichen Haustieren in Berlin. Neben dem Schreiben begeistert sie sich für Aikido und Laufen. Mit »Liebe Lügen« ist 2009 ihr neunter Roman bei Krug & Schadenberg erschienen, gefolgt von »Freispruch« im Herbst 2010, ein Roman, in dem die Berliner Anwältin Lena Bokken ihr Debüt hat. Zuvor erschien mit »Ariane« der Abschluss der in Berlin angesiedelten Trilogie um Rieke, Paula und ihre Freundinnen, die in »Hungrige Herzen« und »Die Rivalin« ihren Anfang nahm. Weitere Bücher von Manuela Kuck: »Lindas Entscheidung«, »Neue Zeiten für Linda« und »Lindas Ankunft« - die erfolgreiche Trilogie um lesbisches Leben und Lieben in der Provinz sowie die Romane »Die Schattentänzerin« und »Die Boxerin«. Darüber hinaus sind Erzählungen von Manuela Kuck in den erotischen Anthologien »Verführungen« und »Begehren« sowie in dem Band »Fein & gemein - Rachegeschichten« enthalten.
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10

Auf dem Foto sah sie aus, als wäre sie brutal verprügelt worden. Das war sie ja auch. Ich starrte es an, als erwartete ich, dass Lenas Blessuren vor meinen Augen verblassten. So hatte ich sie zugerichtet? Mit diesen paar Schlägen? Nur drei Tage nachdem ich Lena niedergeschlagen hatte, befand sich ein Kuvert mit der Aufnahme in der Firmenpost, die Maren mir auf den Schreibtisch gelegt hatte – ergänzt durch den Hinweis, dass sie beim Arzt gewesen sei und es ihr nicht besonders gutginge.

Ich hatte ein Wochenende hinter mir, das ich meinem ärgsten Feind nicht wünschte – außer Lena. Um Paulas Aufmerksamkeit zu entgehen, täuschte ich vor, mir einen Magen-Darm-Virus eingefangen zu haben. Ich wusste, dass in der kommenden Woche wichtige Termine bei ihr anstanden, und so riet ich ihr scheinheilig, mir in den nächsten zwei Tagen besser nicht zu begegnen. Die wievielte Lüge war das eigentlich? Und wann hatte ich gelernt, mich derart perfekt herauszureden und dabei nicht ein einziges Mal in der Tonlage zu schwanken? Ich blieb allein zu Haus, lag auf dem Sofa und starrte an die Decke. Oder ging von Zimmer zu Zimmer und sah von jedem Fenster auf die Straße hinunter. Wie absurd, dachte ich zwischendurch, irreal, das kann nicht sein, um dann wieder diese glühende Wut zu spüren. Die Verzweiflung.

Und nun das Foto. Mir war sofort klar, dass sie es benutzen würde, um mich noch mehr unter Druck zu setzen, und ich schwankte zwischen kaltem Entsetzen und dem erschreckend heftigen Bedürfnis, sie ein weiteres Mal in die Finger zu bekommen. Ich verwünschte sie, bis ich mir selbst lächerlich vorkam, und einen Augenblick später sank ich auf meinen Schreibtischstuhl und wusste nicht mehr weiter. Ich konnte so nicht arbeiten, aber es war zuviel zu tun, als dass ich hätte Urlaub nehmen können. Außerdem hätte ich Paula erneut anlügen müssen.

Mittags kündigte Maren an, dass sie noch ein Telefonat durchstellen wolle, bevor sie in die Pause ginge.

»Eine Journalistin«, erläuterte sie kurz.

»Von welcher Zeitung?«

»Vom Tagesspiegel.«

»Und das kannst du nicht selbst erledigen? Die wollen doch sicher mal wieder eine Werbeaktion verkaufen«, wehrte ich ab.

»Nichts zu machen, Chefin«, erwiderte Maren. »Die will ausdrücklich mit dir sprechen. Eine Frau Mertens. Sie sagt, sie hätte schon mal mit dir zu tun gehabt.«

Ich seufzte. »Das kann ich aus dem Stegreif zwar nicht bestätigen, aber na schön«, sagte ich. »Stell durch. Bis später dann.«

Frau Mertens war keine Journalistin. Sie war auch nicht Frau Mertens. Aber ich hatte in der Tat schon mit ihr zu tun gehabt. Es war Lena.

»An deiner Stelle würde ich nicht auflegen«, sagte sie warnend und verzichtete auf die Begrüßung, während ich den Hörer umklammerte, dass meine Knöchel weiß hervorstachen. »Von dem hübschen Foto gibt es mehrere Abzüge.«

»Was willst du?« zischte ich.

»Du hast einen riesigen Fehler gemacht.«

»Mag sein. Und? Was willst du?« fragte ich erneut. »Mir drohen? Noch zwölfmal anrufen? Sag schon.«

Plötzlich konnte ich nachempfinden, dass man das dringende Bedürfnis verspürte, einen anderen Menschen einfach auszulöschen. Ja – ohne Lena wäre mein Leben nahezu perfekt. Mit ihr wurde es langsam aber sicher unerträglich. Wie absurd, dass ein einziger Mensch in der Lage war, mich derart mühelos aus dem Gleichgewicht zu bringen und Gefühle und Handlungen auszulösen, die mich von mir selbst entfremdeten. Oder einen Teil meiner Persönlichkeit hervorbrachten, mit dem ich mich nie wieder hatte befassen wollen. Ein seltsamer Laut schlich meine Kehle hinauf. Ich versteckte ihn hinter einem Räuspern und wechselte den Hörer auf die andere Seite.

»Einen wirklich ganz großen Fehler, für den ich sogar Zeugen benennen könnte, wenn es sein müsste«, fuhr sie mit sanfter Stimme fort, ohne meine Fragen zu beachten. »Stell dir vor, ich verteile dieses nette Foto von mir – in deiner Firma, bei deinen Freundinnen, Verwandten und so weiter. Wie käme das wohl an?«

Ich schloss die Augen. Ich hasse dich, dachte ich, ich wünschte, du wärst tot. Ich öffnete die Augen und war plötzlich hundemüde. »Mach’s nicht so spannend. Sag endlich, was du willst, damit ich wieder an die Arbeit kann.«

»Wir beide treffen uns regelmäßig.«

»Wir machen was?« Meine Müdigkeit war wie weggeblasen.

»Ja, ich halte das für eine gute Idee. Einmal in der Woche oder auch alle zehn Tage, je nachdem, wie es passt, treffen wir uns für ein bis zwei Stunden«, sagte sie. »In irgendeinem Café.«

»Um Gottes willen, wozu?«

»Wir trinken was zusammen und quatschen.«

»Quatschen? Ich will nicht mit dir quatschen, verdammt noch mal!« schrie ich in den Hörer, dass fast die Fensterscheiben klirrten. »Das ist wirklich so ziemlich das Allerletzte, was ich will.«

»Nicht so laut«, entgegnete sie beschwichtigend. »Man könnte dich hören. Und das willst du doch sicherlich nicht.«

»Kümmere dich um deine Angelegenheiten!« schrie ich weiter, allerdings um einiges leiser.

»Na gut – wir können es auch so machen, dass ich quatsche, und du hörst mir zu. Das ist alles, was ich verlange. Alle acht bis zehn Tage eine Stunde, vielleicht zwei.«

Ich lachte bitter. »Was soll das jetzt? Muss ich den Paddy für dich geben, oder wie?«

»Schön, dass du selbst darauf kommst. Ja, das ist eine prima Erklärung.«

»Das kann nicht dein Ernst sein.«

»Aber natürlich, und du verstehst das im Grunde deines Herzens sogar.« Ihre Stimme war weich, leise. »Im übrigen haben wir doch beide was davon – ich habe dich als Zuhörerin zu einer fest vereinbarten Zeit, und du hast ansonsten deine Ruhe vor mir. Ist das nichts?«

Doch, das war was. Ich konnte es kaum glauben, aber die Aussicht erschien mir tatsächlich verlockend. Alle zehn Tage ein bis zwei Stunden, das war dreimal im Monat ML, ansonsten konnte ich sie vollständig aus meinem Kopf streichen. Wir würden Kaffee trinken, sie redete sich den Mund fusselig, und wenn ich es geschickt anstellte, konnte ich währenddessen sogar abschalten und innerlich auf Reisen gehen, während sie das Gefühl hatte, jemand hörte ihr zu. Andererseits – wollte ich mich tatsächlich einfach so auf ihre Bedingungen einlassen?

»Hör zu«, sagte ich. »Selbst wenn ich wollte – ich habe nicht soviel Zeit …«

»Das wirst du schon einrichten können, da bin ich mir sicher.«

»Sei dir nicht zu sicher«, warnte ich.

Sie lachte leise. »Und ob, denn es ist ganz einfach: Wir treffen diese Vereinbarung oder du hast spätestens ab übermorgen richtig Stress. Weißt du, wie das ist, wenn sie plötzlich alle mit dem Finger auf dich zeigen? Ziemlich ekliges Gefühl, und das Allerschönste dabei ist, dass deine Version der Geschichte sowieso niemand hören will. So sind die Menschen nun mal: wild auf böse Geschichten, Klatsch, Intrigen. Das kennst du sicherlich auch.«

Ruhig, flüsterte ich mir innerlich zu, ganz ruhig. Sie ist wirklich nicht ganz dicht. Das beste wird sein, tatsächlich erst einmal zuzustimmen, um sie in Sicherheit zu wiegen, um Zeit zu gewinnen. Vielleicht fällt mir später ein, wie ich damit umgehen kann und wie ich an die Fotos komme.

»Eine Stunde alle zehn Tage«, erklärte ich plötzlich selbstbewusst. Ich war seltsam sicher, dass sie sich auf einen Handel einlassen würde. »Mehr ist wirklich nicht drin.«

Einen Moment herrschte Schweigen.

»Okay«, stimmte sie schließlich zu. »Übermorgen sehen wir uns das erste Mal …«

»Übermorgen habe ich zwei Abendtermine und bin rund um die Uhr ausgebucht«, wandte ich nach einem Blick auf meinen vollen Terminkalender ein, ohne meine wohltuend klare Haltung zu verlieren. »In drei Tagen, am Donnerstag, hätte ich mittags etwas Zeit und bin ohnehin in der Stadt. Oder erst wieder nächste Woche. Such es dir aus, mehr kann ich im Moment wirklich nicht anbieten.«

»Donnerstag um eins, in der Kneipe am Südstern«, sagte sie und legte auf.

Einen Moment lang war ich davon überzeugt, dass ich geträumt hatte, dass das Gespräch, die Entwicklung der letzten Tage meiner dunklen Phantasie entsprungen war und ich in Kürze mit einem erleichterten Lachen aufwachen würde – Paula noch schlafwarm neben mir –, und alles war gut.

Nichts war gut. Hätte, wäre, könnte, sollte – zu spät. Alles viel zu spät. Ich ging die Unterredung ein ums andere Mal durch und konnte nicht glauben, worauf ich mich da eingelassen hatte, wollte nicht wahrhaben, dass mein Jähzorn eine völlig unnötige, zunehmend unberechenbare Dynamik ausgelöst hatte und dass ich auch noch stolz darauf war, Lena mit meinem Verhandlungsgeschick ein paar Tage abgerungen zu haben. Und wie schnell war ich bereit, großzügig darüber hinwegzusehen, dass ich einen Schwur gebrochen hatte – nie wieder jemanden zu schlagen. Svenja hatte also recht behalten.

Aber das Allerschlimmste war das Gefühl, völlig allein zu sein und nichts, aber auch gar nichts ändern zu können. Es gab keine Lösung, zumindest sah ich keine. Warum das so war, danach fragte ich nicht. Es schien mir vollkommen klar, dass ich niemanden ins Vertrauen ziehen konnte, um mir helfen zu lassen. Jetzt schon gar nicht mehr und Paula sowieso nicht. Meine Liebste würde mich … ja, was? Verlassen? Zumindest konnte ich das nicht ausschließen. Wer wollte schon mit einer Frau zusammensein, die sie belog, hinterging und ihre Probleme mit Prügeln zu lösen versuchte? Würde ich an Paulas Stelle nicht ins Wanken geraten? Paula verlor nicht derart die Beherrschung. Vielleicht liebte ich sie...



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